Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

hutzel, f.

hutzel, f.
etwas eingedorrtes, geschrumpftes (vergl. unten hutzeln), namentlich
1)
gedörrtes obst, äpfel- oder birnenschnitz. die form hutzel, in den schriftlichen denkmälern bevorzugt, ist die oberdeutsche, namentlich im bairischen sprachgebiete gewöhnlich (Schm. 1, 1195 Fromm.; in Tirol. Fromm. 5, 230; in Böhmen. 6, 172), während mitteldeutsch das stammhafte u mit o wechselt: im nassauischen hutzel und hotzel Kehrein 203; ebenso hessisch. Vilmar 176; in Düringen und Obersachsen gilt nur hotzel, eine form die auch Bürger in der schriftsprache anwendet:
hu! ich will ihn trillen, zerren,
kraus, wie heu und hotzeln, dörren!
288ᵇ (Macbeth 1, 3).
Adelung schreibt, mit langem vocal, huzel (was in Colditz in Sachsen eine schiefgebackene semmel bezeichnet) wie das entsprechende verbum hûzeln; das späte mhd. gewährt hützel und hutzel (Lexer wb. 1, 1410); Stieler 803 hutzel und hotzel, pomum et pyrum siccatum; von durren pirn oder von groszen huczeln. kuchenmeist. a 6; diese werden von etlichen schön empfangen und mit dürren hutzlen, milch und erbisz gelabet und gespeiset. S. Frank weltb. 51ᵃ; wegen der gedörrten hutzeln und schlehen. Jucundiss. 111; wurde brod gebacken, das mit hutzeln und nüssen ausgefüllt war. Auerbach dorfgesch. 1, 228; an jedem gaubloch hängen perlenschnüre von getrockneten schnitzeln und hutzeln. Bettine briefe 1, 21; als redensart: frisz hutzel, wenn dir dieses nicht schmeckt, si non vis pasci his deliciis, non invideo tibi Cyprii bovis merendam. Serz 73ᵃ; ich will dir hutzel anrichten, male mulcaberis; duras partes sustinebis. ebenda;
und gibst hutzeln für feigen hin.
fastn. sp. 478, 12;
ich gib euch hutzeln dürr und grün.
614, 13;
pfui teufl mit der runzelten altn!
sie ist gar eingschnurt und verschmort
und wie ein hutzel eingedort.
Ayrer fastn. sp. 14ᵇ (2404, 26 Keller);
und solst du zu einer hutzel braten.
85ᶜ (2769, 3).
2)
hutzel, bairisch, ein runzlichtes altes weib; in Nassau eine alte eingeschrumpfte person, aber auch ein guter tropf, gutmütiger mensch (Kehrein a. a. o.). an diesen letzteren sinn rührt es, wenn scherzend mägde hutzeln genannt werden: was können doch die ehrlichen und aufrichtigen armen hutzeln oder frommen mägde und dienstboten für einen solchen schleppsack. mägdelob 4;
wie müssen sich die guten mägd,
die armen hutzeln doch zerleiden.
49.
3)
hutzel und huzel, die holzbirne, pyrus communis sylvestris. Nemnich.
4)
hutzel, in einem ausrufe, scheint mit anklang an die interjection hutz verwendet: schwur auch bei meinem bart und so lieb mir mein calenderhandel wäre, ich wolte ihme, ehe einer sagte: hutzel! wieder zurecht helfen (von der maulsperre). Simpl. 2, 277 Kurz.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1876), Bd. IV,II (1877), Sp. 2000, Z. 43.

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Zitationshilfe
„hutzel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/hutzel>, abgerufen am 20.10.2021.

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