Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

ichheit, f.

ichheit, f.
1)
empfindung und betonung des eigenen ich, egoismus: der mensche solt als gar frîe ân sich selber stên und sîn, das ist ân selbheit, icheit, mir, mîn, mich und des glîchen, alsô das er sich und des sînen als wênik sûchte und meinte in allen dingen, als ob er nicht wêre, und solt ouch als wênik von im selber halden, als ob er nit wêre und als ob ein ander hête alle sîne werk getân. theol. deutsch 26; der alde mensche das ist Adam und ungehôrsam, selbheit und icheit und des glîchen. 28; der mensche solte an im selber sterben, das ist der menschlîchen lustigkeit, trost, freude, begirlikeit, icheit, selbheit, und was solches ist in dem menschen. 29; dar umb ist ouch geschriben: sô ie mêr selbheit und icheit, sô ie mêr sunde und bôsheit. ouch ist geschriben: sô mîn, ich, mir, mich, das ist icheit und selbheit, sô das ie mêr in dem menschen abe nimpt, so gottes ich, das ist got selber, ie mêr zu nimpt in dem menschen. 31, vgl. auch 3. 44. 62; lasz dich dise wörtlin sich und ich, sichheit und ichheit nit bevilen, dann du weiszt, dasz sie in deiner teutschen theologia vielmal stehen. Karlstadt bei Jäger 327; alles darin ich und ichheit, mich und meinheit kleben mag, dasselb musz ausgehen und abfallen, soll ich gelassen sein. ebenda; ein gelassen ich oder ichheit ist, wann ich mich veracht und übergib und gib dem alles das gut, der mirs geben hat. 335; ichheit und selbheit, das gehöret alles dem teufel zu. Luther theol. Tauleri;
die unglückselge ichheit setzt dich wider alle deines gleichen;
du willt der andern menschen ich, und sie dem deinen auch nicht weichen.
Brockes 6, 545;
wo, entwürdigt fast zur thierheit,
unfrei ichheit schwärmt und wirheit.
Voss 5, 249;
o wirf die welt dir vom genick
und deine ichheit wirf ins meer.
Rückert 346;
du hast mit deiner locken band
der ichheit fesseln abgestrüpft.
347.
2)
das geistige im menschen, das wesen des reinen ichs in Fichtes philosophie: der mensch soll sein, was er ist, schlechthin darum, weil er ist, d. h. alles was er ist, soll auf sein reines ich, auf seine blosze ichheit bezogen werden; alles was er ist, soll er schlechthin darum sein, weil er ein ich ist. Fichte 6, 296; dies war die bedingung der ichheit, der vernünftigkeit überhaupt. naturrecht 34.
3)
person, persönlichkeit: ich will nur zu bedenken geben, welche sonderbaren eindrücke in der seele eines kindes (das den namen Ulrich erhalten) entstehen müssen, wenn es sich immer mit einem dumpfen laut, wie ein verzauberter geist, Ulrich gerufen hört, wenn es diesen seltsamen klang mit dem begriff seiner ichheit verbindet. Tieck 15, 125.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1876), Bd. IV,II (1877), Sp. 2032, Z. 62.

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Zitationshilfe
„ichheit“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/ichheit>, abgerufen am 15.08.2020.

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