Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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ideal, adj.

ideal, adj.
dem ideale entsprechend: die ästhetische welt, das reich der schatten im idealen sinne. Schiller an Göthe 1, 168; wenn die jugend die zukunft des lebens nur voll idealer blüten und das alter sie voll dürrer reiser erblickt. J. Paul herbstblum. 3, 3.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1876), Bd. IV,II (1877), Sp. 2039, Z. 19.

ideal, n.

ideal, n.
der nur in der vorstellung vorhandene begriff einer sache: ideal bedeutet die vorstellung eines einzelnen, als einer idee adäquaten wesens. Kant 7, 78; das ideal, worunter ich die idee nicht blos in concreto, sondern in individuo, d. i. als ein einzelnes durch die idee allein bestimmbares oder gar bestimmtes ding verstehe. 2, 440; dennoch sind menschen dieser art auszer uns, was die ideale im innern sind, vorbilder, nicht zum nachahmen, sondern zum nachstreben. Göthe 20, 164; es heiszt ideal eines dinges oder von einem dinge: der mittelmäszigen portraits sollten unter den kunstwerken nicht zu viel werden. denn obschon auch das portrait ein ideal zuläszt, so musz doch die ähnlichkeit darüber herrschen; es ist das ideal eines gewissen menschen, nicht das ideal eines menschen überhaupt. Lessing 6, 382; diesz ist freilich sehr viel; aber für mein ideal eines übersetzers noch nicht genug. Herder zur litt. 2, 55; mein ideal von schönheit ist ein anders. das wort geht aus der philosophischen sprache in die gewähltere des gewöhnlichen lebens über: so würde er meine gestalt doch kennen und kein unerreichbares ideal sich träumen. Kotzebue dram. sp. 3, 198;
barockischer konnte man nichts als Blaffardinen sehn;
vom kopf zum gürtel so scheuslich, als bis zum knöchel schön!
von unten der besten nymfe von Vanloo zu vergleichen,
von oben ein ideal um vögel zu verscheuchen.
Wieland 4, 166 (n. Amad. 7, 30);
diesen feinen Seladon,
das ideal von einem besenbinder.
18, 151.
der geliebte nennt die geliebte sein ideal:
es war sein ideal, was er verkörpert erblickte.
4, 267 (neuer Amad. 11, 29);
ja freilich, du bist mein ideal,
hab dirs ja oft bekräftigt
mit küssen und eiden sonder zahl.
H. Heine 16, 181.
ideal, von einem vollkommenen kunstwerke, im gegensatze zur wirklichen lebenden körperwelt:
doch nein! es (eine statue) ist kein ideal!
wo sieht man eines, das só den seher täusche?
nein, nein! diesz athmende leben schafft weder pinsel noch stahl;
man fühlt, mit den augen sogar, in diesem schönen fleische
elastische wärme wallen — es athmet wirklich!
Wieland 4, 218 (n. Amad. 9, 31).
Bürger, der das ideal unter dem bilde eines in den himmelssaal fliegenden vogels faszt, braucht dem entsprechend masculines geschlecht:
zur seite fliegt der ideal
dem wunder-phönix der moral.
wie dieser strahlt in heiligkeit,
so jener in vollkommenheit.
93ᵇ.
Nach Lessing 11, 326 scheint der italiänische jesuit Franc. Lana (gest. 1687) der erfinder des wortes ideal zu sein. das adjectiv idealis, ad ideam pertinens, in der spätern latinität bei Martianus Capella (Forcellini).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1876), Bd. IV,II (1877), Sp. 2038, Z. 45.

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Zitationshilfe
„ideal“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/ideal>, abgerufen am 07.08.2020.

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