Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

iender, ienders, iendert, adv.

iender, ienders, iendert, adv.,
das mhd. iener, ahd. ioner, êoner (zusammengezogen aus êo in eru, usquam terrarum gramm. 3, 220 ff.), mit eingeschobenem, etymologisch unberechtigtem d, das in oberdeutschen quellen bis ins 16. jh. sich findet, zum theil in der form indert, im alemannischen, bairischen und pfälzischen noch heute lebt (als iend, ienden, iendert, ienderts Schm. 1, 9 Fromm.). es steht in localem, temporalem und modalem sinne.
1)
local, irgendwo: so ligt der krieg auch mer uff uns und haben mer sloʒ ümb uns ligen, dorawʒ man uns teglich angreift und beschedigt, danne dhein ainige stat die iender in dem punde ist. d. städtechron. 1, 159, 22; derwegen wol zuͦ vermuͦten, dasz kein maulesel yenders in der wält seie, der seiner art nach an im selbs fürkomme: dann die maulthier nit gebären noch werfen wie anders vich. Forer thierb. 48ᵇ;
mag ich dich furpas indert erraichen.
fastn. sp. 508, 20;
ob üns ünser vint iendert wider gen,
daʒ wir in muͤʒen wider sten
und wir in gesigen an.
Uhland volksl. 823;
und ob ich indert (im buche) hät gesetzt
das waren christenglaiben letzt,
ich volg der hailgen kirchen mer,
halt nichtzet wider göttlich ler.
Schwarzenberg 159ᵈ.
vgl. auch endert theil 3, sp. 460.
2)
temporal, je, irgendeinmal: ob sy indert selbschol (selbstschuldner) oder bürg gegen in worden weren. d. städtechron. 1, 112, 13; daʒ sie da warten solten, ob sich die feint indert herzu wolten laszen. 2, 188, 29;
ob er indert pei uns tanz.
fastn. sp. 430, 22.
3)
modal, irgendwie, irgend, ein folgendes zahlwort oder subst. verallgemeinernd: ob ewern gn. yendert anders von uns fürpracht und gesagt würde. d. städtechron. 5, 341, 31; obe man yendert wege erfunden möchte, dadurch wir des Nenningers entladen würden. 352, 25; ir gewerb ist mancherlei, künstlich, als iendert ein volk auf erdtrich. Frank weltb. 46ᵇ; ob yendert einer wer, der solichs nit vermöcht. 145ᵇ; wo yndert ein bischoff, priester oder diacon .. nit communiciert. chron. 1531 318ᵇ; der geschmack und farw des sandharzes sich der bibergeile gar vergleicht, mer weder yender andere ding. Forer thierb. 25ᵃ;
ist iendert man auf erden,
der doch der sach nem acht.
Uhland volksl. 914;
ob jndert einer wer,
der diser arzenei beger,
der such uns in der herberg hie.
H. Sachs 1, 469ᵈ;
ist indert ein weib oder man.
Schmelzl Saul 20ᵃ;
in verbindung mit einem ortsadverb:
ist iendert hie ein christen man.
H. Sachs 3, 1, 250ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1876), Bd. IV,II (1877), Sp. 2042, Z. 43.

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Zitationshilfe
„ienders“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/ienders>, abgerufen am 13.08.2020.

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