Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

i, ih, ie, y, ye

i, ih, ie, y, ye.
die aufstellung dieser mit ei sich berührenden, im plattdeutschen überall dafür eintretenden interjection (gr. 3, 301) wird durch den umstand erschwert, dasz unsere sogenannte deutsche druckschrift I und J nicht zu unterscheiden vermag. es bleibt daher nicht selten zweifelhaft, ob Ie als langes i oder als je zu fassen ist, welches letztere theils aus der diphthongischen schreibung der interjection durch verlegung des tons von i auf e sich entwickeln konnte (Steinbach 1, 809 hält diese aussprache des ie für sächsisch), theils aber auch als geschwächtes ja aufgefaszt werden kann. s. das erste je. besonders tritt diese unsicherheit ein, sobald die interjection sich mit nun verbindet, wo dann i nun, je nun, ja nun in ihrer bedeutung sich nahe berühren oder zusammenfallen. Vieldeutig wie ei, doch mehr der niederen rede als der schriftsprache angehörend, wird i von den älteren lexicographen und grammatikern, soweit sie es überhaupt aufstellen, verschieden erklärt. bei Diefenbach 197ᵃ entspricht es lat. eia, Maaler 509ᵇ verzeichnet y als 'indignantis particula', Schottel 667, wo man es antreffen sollte, führt es nicht auf, Stieler 883 nur nebenbei in verbindung mit freilich: ie freilich 'maxime'. auch bei Rädlein und Frisch fehlt die interjection, dagegen gibt ihr Steinbach 1, 801 die bedeutung des lat. eheu, hem und führt als beispiel an: ie! das hätte ich nicht gemeint 'hem! hoc non putassem'. Mhd. scheint î, obwohl belege kaum vorhanden sind, ausdrücke des unwillens und der verwunderung gesteigert zu haben. darauf deutet eine stelle bei Hugo v. Trimberg:
swer aller sprâche kraft wil haben,
der merke mit vlîʒe fünf puochstaben.
die sint sô wirdic und sô schœne
daʒ alle wort und alleʒ gedœne
nâch in gestimmet müeʒe sîn,
des heiʒet man sie die stimmerîn.
a hebt und endet des mannes leben,
e dem wîbes namen ist gegeben,
i tratzes (trotzes) und auch wunders pfligt,
u von im selber niht vil wigt,
o schricket, ruofet, wünschet, wundert.
Renner 22188.
demgemäsz wendet Gottfried v. Straszburg unwilliges, verwunderndes î in der frage an:
Tristan sprach 'merzî (gnade), bele Isôt!'
'î, übeler man', sprach Isôt, 'î,
unde vorderst dû merzî?
merzî gehœret niht ze dir'.
Tristan 10206.
Nhd. findet die interjection dieselbe verwendung, doch färbt sie dabei in mannigfaltiger abstufung bald entschiedener bald leiser den gedanken und wird, was ihren gebrauch betrift, in folgenden fällen und lagen angetroffen.
1)
gern tritt i vor den vocativ, um den anruf hervorzuheben: i lieber gott! i du gerechter himmel!; ie du diebischer kopf! hast du den dreck denn gar müssen vergessen? A. Gryphius Pet. Squ. 17; ie du tausend-engel, machstu meinen heutigen traum wahr? Chr. Weise polit. redn. (1679) 359; Jud. ie du schöner eidam! Phil. ie du freundlicher schwiegervater! maulaffe 43; ie herze frau gevatterin, wer wird sich denn flugs darauf besinnen? Schlampampe krankh. u. tod (1696) 2; ie du einfältiger tropf, wilstu mir nichts mehr sagen? 51; ie Anton, Anton, das ist ja eben der brief aus Berlin, welchen ich erwarte. Lessing 1, 296; ie Peter, so könntest du uns einen groszen dienst thun. 2, 394; ie du verdammter hundsfott von einem poeten! 2, 406; Laura. ie herr vater — Wumsh. ie jungfer tochter, schweig sie doch! 1, 379; ie herr wirth, wen bringen sie uns denn da? 1, 539 (Minna v. Barnh. 2, 8); ie mann, sagt ich, sei doch nicht arg! Miller Siegw. 1, 45. auch kann der ausruf über dritte personen ein solches i erhalten: i der seltsame mann!; Schlamp. (meine töchter) sprechen, sie müssen welche von adel sein, und solten sie kein hembde auf dem leibe behalten. Camill. ie die närrische dinger! Schlampampe krankh. u. tod 10.
2)
vermöge der analogie zwischen vocativ und imperativ tritt auch vor den letztern die interjection, mitunter von so begleitet: y lasz dir dz schnöd gält (geld) nit so lieb sein! Maaler 509ᵇ; ie sich (sieh) doch! es verlohnte sich .. Chr. Weise erzn. 228; ie fahre, galgenvogel, fahre und schmeisz da ehrlicher leute kinder um! Schlampampe leben 95;
st! siehst du, sprach das licht, dort die raquete steigen?
ie denkt doch! ie wie hoch! wahrhaftig, das läszt schön!
Stoppe neue fabeln (1740) 1, 87;
O. u. F. kost ihn (den wein) selbst! St. ie reicht nur her! Gotter 3, 485; ie so gehe und komme mir nimmermehr vor meine augen wieder, du gottloses kind! Schlamp. kr. u. tod 21; ie so zweifle, du verzweifelter zweifler! Lessing 1, 493. und ebenso kann i vor den optativ treten: y behüt uns got! waʒ sagen ir nun? Ulenspiegel (Lapp.) 133.
3)
alle fragwörter können denselben nachdruck erhalten: i wer kommt uns da entgegen?; i wer wirds denn dém auf die nase binden? Kotzebue dram. sp. 2, 51; i was soll ich dir mehr sagen, potz schlapperment! newe zeitung von Berlin (1614), s. histor. genealog. kalender (1821) 18; ie was zum henker? bistu es denn oder bist du es nicht? Schlampampe kr. u. tod 25; ie was schadet es, wenn er auch was schuldig ist? Lessing 2, 402; ie! sprach sein freund, was fehlt dir? Göckingk 2, 204; i warum nicht gar?; ie wie so? ie wie denn so? Schlampampe leb. 96; mir? ie wofür denn? hab ichs nicht recht gemacht? Gotter 3, 323. Doch wird auch ohne diese wörter frage und ausruf durch i hervorgehoben:
ach leben, bistu todt? ie kann denn gott sich enden,
der anfang anfangslos, das end ohn end und wenden?
Fleming 12 (Lapp. 1, 24);
ihr ganz vergälltes volk, ihr gar verstockter sinnen,
noch thierischer als thier, ie werdet ihr nur künnen
erkennen eure schuld?
13 (Lapp. 1, 25);
M. Loll. verstehet ihr euch aufs calendermachen, so sehet doch, ob der monde scheinen wird. P. ie sollte ich das nicht können! lustig, lustig, ihr herren! der mond wird gewiss scheinen, wenn wir spilen werden. A. Gryphius P. Squenz 6 (1, 722); ie schämet ihr euch denn nicht für dem könige? 23; ie ist das nicht eine plappertasche, die Camille? Schlampampe krankh. u. tod 42; ie sollten sie denn den kleinen mann nicht kennen? Lessing 1, 255.
4)
an dieses frage und ausruf begleitende i reiht sich dasjenige, welches behauptungen, berichtigungen, zugeständnissen, bekräftigungen nachdruck gibt: i ja wohl, das ist so! i das versteht sich!; der junker fragte Hansen ganz ernstlich, ob es nicht wahr wäre? ie ja, junker, freilich ist es wahr. gepflückte finken (1667) 281; 'das buch hat den prinzessinnen recht wohl gefallen'. ie ja! das buch ist ganz gut. Rabener 6, 222; Joh. ein atheist ist nichts weiter, als ein mensch, der keinen gott glaubt. Mart. keinen gott? ie, das ist ja noch viel ärger. Lessing 1, 413; ie, das ist ja gar, mit ehren zu melden, ein betrieger. 1, 496; was? was? mein vetter? ie, dem sein schiff ist ja untergegangen, madame. 2, 384; die frau doctorin und ich brachten sie in einer kutsche nach hause? 'in einer kutsche! warum?' .. ie, sie lag ja in einer ohnmacht, die arme frau! Engel (Lor. Stark) 12, 296; sie scheinen, lieber freund, den sinn meines gedichts (sagt W.) gefaszt zu haben, es hat sie fast zu sehr angegriffen. nehmen sies nicht übel, sagte H., dasz ich meinen empfindungen so freien lauf lasse. i (erwidert W.), es ist ja auszerordentlich schmeichelhaft für mich! Tieck schr. 15, 239; ie da hätte ich mich doch zu tode geschämet! Schlampampe krankh. u. tod 5; Cyr. o, mein einig zahn! vertragen wir uns lieber in der güte mit einander! Sempron. ie, meinethalben! was haben wir auch sonsten vor? A. Gryphius Horribilicr. (1665) 84;
erster jäger. was? der blitz!
das ist ja die Gustel aus Blasewitz.
marketenderin. i freilich! und er ist wohl gar, musjö,
der lange Peter von Itzehö?
Schiller 321ᵃ.
Ebenso aber auch ablehnungen und leugnungen:
bistu derjenig geist, der hie herumb sol sein,
so mach dich fluchs (flugs) von mir zur tiefen höll hinein! echo. ie nein!
Hanmanns anmerkungen 199;
'hm!' fiel ihr jener in die rede,
'wenn dirs an geld gebricht' —
ie, das nicht! doch ...
Göckingk 3, 83.
ablehnung liegt auch in den formelhaften ellipsen: i bewahre! i behüte! i lieber gar!, und ironisch zu nehmen ist: i das wäre schön! = das könnte mir gefallen, daraus wird nichts! oder auf fragen wie: du meinst, ich würde morgen damit fertig? die antwort i já doch! = keineswegs, das ist gar nicht möglich!
5)
besonders wirksam leitet unwilliges i verwünschungen und flüche ein: i zum donnerwetter! i hols der teufel!; ie der verfluchte brief! Lessing 1, 287; ie verflucht! 2, 389; ie verflucht! schrie er, wenn hat jemals eine fee diejenigen, die sie in ihren schutz genommen hat, .. halb todt prügeln lassen? Wieland 12, 14; ie zum henker! so warten sie noch einen augenblick! Lessing 2, 368; ie zum henker, schrie Pedrillo, indem er sich von ihm los risz, sind sies, herr? reitet sie denn der teufel, dasz sie mich mit aller gewalt erdrosseln wollen? pestilenz! man ist ja seines lebens nicht bei euer gnaden sicher! wie? was ist das? rief don Sylvio ganz bestürzt, bist du es Pedrillo? ie zum wetter! wer soll ich sonst sein? Wieland 11, 185.
6)
i in ausdrücken der verwunderung, des staunens, der befriedigung und freude. manche der bisher aufgeführten belege hätten für diesen fall gespart werden können. doch sollen hier nur beispiele gegeben werden, in denen die ebengenannte anwendung der interjection besonders hervortritt: Vansen. willst du einen aufruhr erregen, wenn sie ihn (Egmont) gefangen nehmen? Jetter. ah! Vansen. wollt ihr eure rippen für ihn wagen? Soest. eh! Vansen (sie nachäffend). ih! oh! uh! verwundert euch durchs ganze alphabet. Göthe 8, 244; D. sie war so krank. W. ah! D. höchst gefährlich krank. W. eh! D. wir fürchteten einige tage für ihr leben. W. ih! Klinger 9, 123; L. ergebenster diener, herr Riepel .. R. i! hat man doch lange nicht die ehre gehabt, sie zu sehen. J. Chr. Barth galante ethica (1748) 118; ie, guten morgen, herr don Sylvio, schrie ihm dieser entgegen, sobald er ihn erblickte, leben sie auch noch? Wieland 12, 329; ie, unvermuthete freude! herr Paul Werner! willkommen bei uns, willkommen! Lessing 1, 549;
nun ein knikschen! — i!
wie mirs kracht im knie!
L. Ph. Hahn ged. 53.
formelhafte wendungen, welche hierher gehören, sind: i der tausend! i sehen sie mal! i guck einer! u. dergl. zuweilen gesellt sich nein zu diesem i, um erstaunen oder freude des sprechenden, der was er sieht oder hört unglaublich findet, noch mehr hervorzuheben: i nein! was du sagst!; ie nei! ie nei! ie, ie, ie was schüne leute hots hie, ie nei! A. Gryphius gel. dornrose (1661) 8, vgl. Palm 51, 1. auch leitet i antworten auf fragen ein, die der befragte seltsam findet, da sie sich für ihn von selbst beantworten: Lelio. wenn du als freund an mir handeln wolltest, so würdest du mir lieber einen rath geben, wie ich etwan diese unglückliche heirath hintertreiben könnte. Klit. wie so? Lelio. ie, meine erbschaft geht damit zum teufel. Lessing 2, 398; Selt. Lisette, lasz uns doch auch von unsrer sache etwas reden. Lis. was ist das vor eine sache? Selt. ie, unsre sache — Lis. ich weisz nicht, was sie wollen. Selt. ie närrchen — Lis. ha! ha! aus dem närrchen merke ich bald was es sein soll. 2, 439; 'nun, wovon denn?' ie, vom kloster und dergleichen. Miller Siegw. 1, 25.
7)
weniger bestimmt ist die bedeutung von i, wenn es mit nu oder nun verbunden wird, wobei, was schon erwähnt wurde, vermischung mit je nun und ja nun eintritt und nicht zu entscheiden ist, ob i nun oder je nun vorliegt. im allgemeinen kann sich so ausdrücken, wer zurückhaltend redet oder, 'da die sache nun einmal so liegt', widerstrebend etwas einräumt, hingehen läszt oder auf etwas eingeht. auf dieses zurückhaltende i beziehen sich auch wohl Logaus verse (1, 7, 57), wenn er mit ähnlichem vocalspiel wie H. v. Trimberg sagt:
a ist derer die nicht wollen.
e ist derer die nicht sollen.
i ist derer die da zagen.
o ist derer die da klagen.
u ist derer die da plagen.
zurückhaltung liegt in dem ausdruck in folgenden stellen: Maskarill. sein väterliches haus war ihm zu grosz — zu klein, zu leer — zu enge. Anselmo. zu grosz, zu klein; zu leer, zu enge. was heiszt denn das? Maskarill. ie nun! sie werden es von ihm selbst besser hören können, wie das alles ist. Lessing 1, 493; ew. gnaden kennen den meister Erich nicht? (lächelnd und verschämt) i nu — das ist so zu sagen die karbatsche. Kotzebue dram. sp. 2, 141. einräumung, hingehenlassen in diesen: ye nu, wein (sagt die mutter zum kinde) das dich der teufel holen müste. Ulenspiegel 142; ie nu, wenn es so sein sol. Chr. Weise comöd. 327; frau Oront. gefangen waren sie! so ein unvernünftiger mann; wenn man ihm einen finger giebt, nimmt er die ganze hand! Ohldinn. ie nu — wie gott will. frau Oront. behüts gott! sie werden doch das nicht thun! Lessing 2, 390. bisweilen tritt dabei der widerspruch stärker hervor, so dasz i nun soviel wie ich gebe das zu, entgegne aber bedeutet: Mich. St. ohne das (ohne glück) kann man nicht einmal ein guter spitzbube sein. Mart. Kr. ie nu, wenn ichs beim lichte besehe, so sind wir kaum dadurch auf ein paar tage länger dem stricke entgangen. Lessing 1, 304;
ich warf dem Mison vor, dasz ihn so viele hassen!
'ie nun! wen lieb ich denn?' sprach Mison ganz gelassen.
1, 13;
und eine frau ist ohnedem ein lamm.
'ein lamm? du magst die weiber kennen'.
ie nun, man kann sie doch in so weit lämmer nennen,
als sie von selbst ins feuer rennen.
1, 117;
i nu, damals war ich auch in sie verliebt. Kotzebue dram. sp. 2, 198. baare ablehnung aber liegt darin, wenn nu (nun) verdoppelt wird: ie nu nu, das todtschlagen kömmt doch nicht an uns. Chr. Weise comöd. 195, während i nu ja! (Lessing 2, 389) i nun ja! i nu freilich! i nun freilich! (Kotzebue dram. sp. 3, 195) je nach der beziehung beharren auf der eigenen meinung oder billigung der entgegenstehenden anzeigt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1876), Bd. IV,II (1877), Sp. 2013, Z. 1.

je

je,
mit kurzem e, nebenform zu ja, vgl. sp. 2187. es steh am häufigsten für das fragende, zweifelnde, bedenkende ja (vgl. sp. 2190): da das seine jünger höreten, entsatzten sie sich seer, und sprachen, je, wer kan denn selig werden (τίς ἄρα δύναται σωθῆναι)? Matth. 19, 25; und in dieser bedeutung der sprache des gemeinen lebens gewöhnlich, vgl. Schm. 1, 853 Fromm., wo eine stelle aus Abr. a S. Clara g = je als laut der verwunderung gibt: wohl recht fangt das wort gelt und golt von dem buchstaben g an, welcher buchstab ein verwunderung in sich hat. g, was richt das gelt nit? g, was thut das gelt nit? g, was vermag das gelt nit? (über die berührung von g und j s. sp. 2186); schweiz. jä: jä, so hatte es Joggeli nicht gemeint, an Vrenelis kurzweil war ihm wenig gelegen. J. Gotthelf Uli d. pächter 31; ebenso als bloszes füllwort (ja II, 7 sp. 2197): sie werden mich je doch wohl merken (verstehen), herr sekertare? Schiller kab. u. liebe 1, 2; je wohl, das wirkte. J. Gotthelf Uli der pächter 32; in der verbindung je nun, wo es sich mit i nun, oft ie nun geschrieben, berührt (vergl. spalte 2013. 2015), und widerwillig oder resigniert einräumt, wünscht, behauptet, etwas von anderer seite vorgebrachtes gelten läszt, oder dasselbe abschwächen will: je nu nu, das todschlagen kömmt doch nicht an uns. Chr. Weise komöd. 195; Anton. ja, ja, mein äffchen, ich merk es schon; du willst die kastanien aus der asche haben, und brauchst katzenpfoten dazu. Lisette. je nun, mein liebes katerchen, thu es immer! Lessing 1, 270; je nun! wem nicht zu rathen steht, dem steht auch nicht zu helfen. 303; Kräusel. wenn verlangen sie das gedicht fertig zu sehen? Ohld. je nun, so bald als möglich. 2, 405; Rehfusz. die rede ist von dem herrn kapitän von Schlag. Ohld. je nun, das ist er ja. 413; 'sie werden gefunden haben, dasz es eine sehr feine frau ist. nicht wahr?' fein? je nun ja! wie sie wollen. figur und gesichtchen sind ganz erträglich. Engel schriften 12, 232; sie sind auch erschrecklich ungenügsam. je nun, so musz ich wol mein köpfchen anstrengen. Gotter 3, 327; je nun, die feinere welt hat das gerade deutsche von ihm noch nicht abgerieben, er giebt sich, wie er ist. Klinger 1, 377; Frölich. und wenn man dich todt zu schlagen droht? Eulensp. je nun, da schlag ich wieder todt. Kotzebue dram. sp. 2, 269; je nun, was so eben am entbehrlichsten sein mochte. 3, 291. sprichwörtliches je nun, so dann! bezeichnet die ausführung eines zögernd gefaszten entschlusses:
und eine frau ist ohnedem ein lamm.
'ein lamm? du magst die weiber kennen'.
je nun, man kann sie doch in so weit lämmer nennen,
als sie von selbst ins feuer rennen.
Lessing 1, 117;
wann das närrisch ist — je nu!
Gökingk 1, 134;
je nun,
verliebte nähern sich einander leicht.
Platen Berengar s. 130.
anders ist schweizerisches jæ nu! jetzt versteh ichs. Stalder 2, 71.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1877), Bd. IV,II (1877), Sp. 2273, Z. 45.

je

je,
mit langem e, die abkürzung des namens Jesus in verschiedenen ausrufen: je! wie ist das schön! o je!; ei je!, herr je! ei herr je!; herr je, ja, sag ich. Holtei Lammfell 20; herr je, das biszchen auspacken wenn wir vorfahren! 136; vgl. auch herrje sp. 1146 und unten jerum, jemine, jesses. von dem schweizerischen gleichen jä, je, jee, ausruf des schreckens oder schmerzes, ist dort das verbum jäheln, erbärmlich klagen, auch jêhelen, jessenen, und das subst. gejêhel, gejêsz erbärmliche klage gebildet worden. Stalder 2, 71.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1877), Bd. IV,II (1877), Sp. 2274, Z. 13.

je

je,
mit langem e, adv. semper; unquam. Der goth. acc. aiv von aivs die zeit wird auch adverbial, in der bedeutung einmal, je, aber nur in negativen sätzen verwendet; er ist das ahd. êo, später zu io, ie, mhd. ie zurückgegangen, das nun aber nicht mehr in dieser beschränkung steht, vielmehr auch in positiven sätzen und in distributiver stellung verwendet wird, auch nun nicht mehr blos einen unbestimmten zeitpunkt, sondern auch eine zeitdauer ausdrückt; im niederdeutschen sprachgebiete ebenso: altnfr. io semper und ie in ie-mêr semper; niederl. ie; alts. êo, aber auch io, und gio; ags. dagegen hat sich die form als â semper, unquam festgesetzt (was in engl. aye immer, auch ausdruck einer starken bejahung, noch dauert), nicht anders im friesischen, wo es sich aber nur entweder negiert als nâ (nunquam) oder als erstes glied von compositen findet (ammer immer, âwet, ahd. êo-wiht irgend etwas u. ähnl.); altnord. æ immer. in der formellen behandlung des beregten adverbialen accusativs stehen demnach die östlichen und nördlichen zweige des niederdeutschen von dem westlichen und dem hochdeutschen ab und dem altnord. nahe. Nachdem ahd. und alts. êo unter kürzung des langen stammvocals zu io geworden war, lag der übergang des ersten lautes zu j nicht gar zu fern. er ist schon im alts. eingetreten, wie die schreibung gio zeigt, und setzt sich im mnd. jo fort: semper jo ummer, jummer mer Dief. 526ᵃ;
do quam he, dar twei berge lagen,
dar plach jo Reinke, sîn ôm, to jagen.
Reineke fuchs 476;
in der form ju:
Adam was de êrste man
de ju minschen formen wan.
v. d. holte des hill. cruzes 10 Schröder.
im hochdeutschen gebiete erfolgt die jotierung des lautes erst viel später, zunächst so lange nicht, als die hier gebräuchliche geschwächte form ie den diphthongen zeigt, der auch in einer ganzen reihe anderer wörter häufig gehört wird; erst als dieser diphthong untergeht und nur noch als î gesprochen ist, was im mitteldeutschen am frühesten, in den oberdeutschen gegenden unter einwirkung der schriftsprache am spätesten geschieht, fängt eine doppelte behandlung des adverbs an sich zu zeigen. die eine, ältere, spricht es nun auch als î, und es ist dieses zwar selten blosz i geschrieben:
machest, das ich trag
mein haupt erhöcht i mere.
Melissus ps. A 7ᵃ;
bei Zesen ih: ja ih mehr si sich solches ruhmes entäuszern würd, ih mehr würd sich er unter dem folke häufen. Rosemund (1664) 361 (vgl. ihmals 358, ihdoch 354 u. a.); aber die aussprache wird durch den reim gesichert, selbst wenn im 16. jahrh., wo die zeichen i und j in den druckwerken noch durcheinanderlaufen, und auch in spätern drucken, je erscheint:
alle himlische irdische und hellische knie
müssend dem gotes namen ye
naigen als dʒ pillich ist.
Vindlers blume der tugend bei Haupt 9, 85;
und hüt euch vor den menschen, sie
wern euch überantworten ie
für ire ratheuser.
H. Sachs 2, 28, 628 Tittmann;
o gott vom himel, so du ye
wilst haben das auf erden hie.
Schmelzl Saul 20ᵃ;
da rauscht das wasser schnell behend
und war nit tiefer denn zum knie.
da sprach der bawr: nun merk ich je ...
B. Waldis Esop 2, 36, 16;
dieweil die stras auf Strasburg je
ganz glückhaft sei, wie man spür hie.
Fischart dicht. 2, 207, 1085 Kurz.
die belege gehen bis ins 18. jahrh.:
ihr auch, gute nacht, ihr brüder,
gute nacht, du liebes vieh,
seid gesegnet ie und ie.
Fleming 397;
denn wenn sie schlugen, fragten sie:
sag an, wer thats, du kannst es ie
als ein prophete sagen.
P. Gerhard 26, 10;
er herschet über sie:
so klein ist kein geschöpflein
(auch nicht ein wassertröpflein)
so ihm verborgen je.
L. v. Schnüffis mir. flötl. 34;
allmählich sank die süsze harmonie
gleich voll, doch schwächer stets, herunter bis zum säuseln
der sanftsten sommerluft, wenn kaum sich ie und ie
ein blatt bewegt.
Wieland 22, 128 (Oberon 3, 57);
er steht betroffen und geblendet
von einer pracht, die alles was er ie
gesehn, beschämt; so sehr ist gold und lapis lazuli ...
mit stolzer üppigkeit hier überall verschwendet.
doch unbefriedigt sucht sein liebend auge — sie.
23, 228 (11, 47).
doch war zu dieser zeit die form bereits veraltet und durch eine anmerkung zu erläutern: die alte und noch immer übliche oberdeutsche form der partikel je ist ie, welches beinahe wie i ausgesprochen wird ... weil man einem deutschen dichter das reimen nicht ohne noth erschweren sollte, indem unsre sprache ohnehin arm genug an reimen ist, so halten wir für billig, dasz man reimenden dichtern erlaube, sich der wörter je, jeder, und jetzt sowohl in dieser neuern, als in der altdeutschen form ie, ieder, und itzt, nach gefallen zu bedienen. 23, 327. heute ist dieses ie der schriftsprache nur in der negation nie geblieben (über seine schon frühe verkürzung im compositum immer vgl. sp. 2068), auszerdem in dialekten, so im bairischen (Schm. 1, 8 Fromm.), im kärntnischen (Lexer 148), wo es noch in der art die Wieland bezeugt, gehört wird; im oberpfälzischen ist es êi geworden (Schm. a. a. o.). Die jüngere art, den anlaut des adverbs zu jotieren, ist von Niederdeutschland ausgegangen, Steinbach 1, 809 bezeugt ausdrücklich je als sächsische aussprache und stellt derselben als richtiger die schlesische gegenüber, die ie wie die ausspreche; je erscheint seit dem 17. jahrh., wo Schottel es einzig schreibt: je acht .. je sechs. 1340, und Stieler 883 beide formen ie und je neben einander aufführt; ob schon früher, müsten reime beweisen, da, wie schon oben hervorgehoben, drucke des 16. und zum theil noch des 17. jahrh. j und i im auslaute eines wortes durcheinander werfen (vergl. auch sp. 2185). je verbreitet sich langsam und gewinnt die herschaft erst etwa mitte des vorigen jahrhunderts, wie man z. b. am drucke Hagedornscher werke sehen kann: in dessen versuch in poetischen fabeln und erzählungen (Hamb. 1738) ist noch stets ie gesetzt, ebenso wie ieder, iederzeit, iedoch u. a.; in seinen poetischen werken (3. aufl., Hamb. 1764) ist dafür ausnahmslos je, jeder, jederzeit, jedoch durchgeführt; Lessing hat bereits in seinem frühesten briefe von 1743 jeder, jemand, 1746 je eher, je lieber. werke 12, 2. 3. dieselbe wandlung der aussprache bei jeder, jetzt u. a. Die verwendung von je folgt aus seinen zwei hauptbedeutungen: je heiszt zu aller zeit, und zu irgend einer zeit. doch kann nicht immer mit aller schärfe geschieden werden.
I.
je, zu aller zeit, immer.
1)
selten weist es auf gegenwart und zukunft, weil in diesem falle schon der mhd. sprachgebrauch sich für immer entschieden hat (vgl. sp. 2066): und sol ouch gehorsam sein, swaʒ der rat und die schepfen, die ie (stets) deʒ rates sint und schepfen deʒ jares sint, mit der merern menige ze rate werdent oder gesetzent. Nürnb. pol.-ordn. 9; eʒ sol auch ie der genante versweigen auf sinen ait, swaʒ er höret auf dem rate. ebenda;
ie wesender got, alpha und o.
Uhland volksl. 816;
in verstärkenden formeln: dieweil sie so gutwillig gewesen, leib und leben bei im zu lassen, verwilligt hatten, das wolte er je und alleweg umb sie verdienen. buch d. liebe 209ᵃ; ist von jeher gewesen und wird bis je und je bleiben. Claudius 4, 102;
ausz ist mein hoffnung je und je.
H. Sachs 3, 3, 47ᶜ;
es dunkt mich auch je und jmer
er sei kein recht geborner narr.
48ᵇ;
nembt darinn zu je und je (: Christi).
4, 1, 95ᶜ;
nochmals gute nacht, ihr brüder,
gute nacht, grün (lies grünt) je und je,
seid gesegnet spat und früh.
Chr. Gerber unerkannte sünden (1701) vorr. c 8ᵃ.
2)
häufiger auf die vergangenheit, und es wird wol das auf die zukunft weisende immer ausdrücklich davon abgehoben: das ie wart und imer wirt. theol. deutsch 56; mhd.
nu bin ich ie mit iu gewesn
und muoʒ ouch noch mit iu genesn.
Iwein 1951;
der (deren) lob ich ie sanc,
sît ich êrst gesach ir mundes rœte glesten.
minnes. 2, 132ᵃ Hagen;
nhd. gott weszt je in der ewigkeit
all sündtlich straf und seligkeit.
Schwarzenberg 130ᵃ;
ach wol mir, sol mich die umbfangen,
nach der mein herz ye thet verlangen.
H. Sachs 1, 118ᶜ;
ein lindre straf die wer von nöten,
weil er sunst ye was frumb und trew,
und vor nicht arges hat gethon.
119ᵈ;
des Beiszkopfs lehr wer vor viel jahren,
die alten auch nicht narren waren,
der alte glaub wer je der best,
den solt man allzeit halten fest.
froschmäus. Ll vᵃ (2, 6, 1).
auch hier gewöhnlich in formelhaften verbindungen:
der site ist ie und ie ergân:
swaʒ leides lîdent die man,
daʒ beweinent alleʒ diu wîp.
Dietrichs flucht 3475 Martin;
ich berufe mich auf aller doctorn und der ganzen kirchen urteil, welche allzumal je und je geleret haben, das besser sei gnugthun, denn gnugthuung erlassen. Luther 1, 55ᵇ; zum siebenden, gefelt es uns nicht ubel, das man das symbolum Nicenum singe, wie je und je gewönlich gewesen. 3, 271ᵃ; weil nun der merteil der geschicht und buͦchschreiber natürliche menschen ye und ye gewesen seind. S. Frank weltbuch, vorrede; wie denn viel groszer leute .. dem eisen je und je den vorzug und preisz vor andern metallen geben haben. Mathes. Sar. 78ᵃ; ich habe je und je gehört .. Kirchhof mil. disc. 214; grosze leut haben je und je solcher verdeckter reden gern gebrauchet. Schuppius 830;
die weis hat ie und ie gewert.
fastn. sp. 42, 26;
ist dinsthaft gewest tag und nacht
und hat ie und ie gedacht
auf er und gefür und frumkheit stet.
43, 12;
desz königs tochter auf der fart
der ich je und je günstig ward.
H. Sachs 4, 1, 10ᵃ;
warheit je und je bei im war.
17ᵇ;
sei mir tausendmal gegrüszet,
der mich je und je geliebt.
P. Gerhard 16, 1;
(den tod) den ich vor dich zu tragen
war willig ie und ie.
A. Gryphius 1698 1, 28;
wie dann ganz Griechenland je und allweg unzalbar abgötter gehabt. Reiszner Jerus. 2, 73ᵇ; ihr aber habt .. je und allweg tückischer weisz gehandelt. Kirchhof mil. disc. 86; ich hab euch doch je und allweg für einen getrewen und rechten frauwendiener gehalten. Galmy 90; dasz er nemlich (der geiz) je und allwege, wie dann auch noch, die wurzel alles übels genennet worden. Simpl. 2, 137 Kurz; das weibliche geschlecht, das hat je und allezeit geherrschet. Schuppius 531; ich zwar habe je und allzeit dafür gehalten, dasz das alterthum eines dinges, solches weder bösz noch gut mache. 403; dasz er je und allezeit feierlich aussehen würde wo ein vernünftiger mensch lacht. Wieland 19, 280; den einflusz, den .. zu je und allen zeiten die glieder des klerus auf die politischen machthaber ausübten. briefe an J. v. Müller, bd. 2, vorr. s. x.
3)
diese bedeutung zeigt sich auch in der der modernen sprache noch gewöhnlichen verbindung von je, welche eine ununterbrochene zeiterstreckung von der vergangenheit in die gegenwart bezeichnet (vgl. auch jeher): von ye wälten her, ab aevo condito Maaler 509ᶜ;
denk, was der fürst von je an mir gethan.
Schiller Wallenst. tod 3, 21;
ich höre staunend die gewalt des mundes,
der mir von je so unheilbringend war.
M. Stuart 1, 7;
das griechische war mir von je zu trocken.
Platen 163;
von je und je: diese herren waren ja von je und je wegen ihres kreuz- und hörnerpflanzens berühmt Münchh. reisen 55
drum blieben die neun jungfern auch
von je und je so schüchtern.
Bürger 9ᵃ;
es bestätigt diesz die menge der exempel,
dasz solch ein zug von je und je ein stempel
erhabener genieen war.
31ᵃ;
an euch war gottes that und wort
von je und je verloren.
45ᵇ.
4)
je aus dem begriff immer in den jedesmal umgeschlagen (vgl. immer 10, sp. 2070):
dô bôt Ehmereiz mîn suon
den schaden ze gelten disem lant:
swâ daʒ gein einem bisant
mit flüste het enphangen nôt,
ie da gein Karles lôt
wolt er wegen bereiteʒ gelt.
Wolfram Willeh. 256, 22
dise (seelenkräfte) sint gehorsam (der vernunft) ie wann es in eben ist und ir lune ist. Keisersberg bilg. 8ᵇ; also thet der vatter und nam in hinder sich uf das pferd. also lupft sich Ulenspiegel hinden uf mit dem loch, und liesz die lüt ye in den ars sehen und sasz da wider nider. Ulensp. s. 4 Lappenb.
5)
je auch wie einst, eine jetzt abgeschlossene dauer in der vergangenheit bezeichnend:
ich bin erstlich ein junkfrau gwesen (sagt die spinne),
thut man im Ovidio lesen,
Aragne, so war je mein nam.
H. Sachs 1, 483ᶜ.
6)
je, der bedeutung nach abgeschwächt, ähnlich wie immer auch (vgl. sp. 2071 fg.), in verschiedener art. die fälle gehören der älteren sprache an.
a)
es tritt zu einer allgemeinen behauptung oder mahnung, im sinne von immer, auf jeden fall: du muͦst got ie ein gnüge thuͦn für din sünde, entweders hie oder nach dem tod. Keisersberg bilg. 3ᵇ; da lasset uns je zusehen, das wir nicht unter dem haufen funden werden, für welche er nicht bitten wil. Luther 6, 185ᵇ; weil er sich selbs für unsere sünde in tod geben hat .. so ist er je kein tyrann. 7, 27ᵃ; nun ist ye sömlichs ein sondere grosze ergernusz, wo man vor züchtigen personen sömliche unnütze wort übet. Wickram rollw. 5, 18 Kurz; das solt je die welt schrecken, das sie für zittern verstarrete für solchem urteil. ebenda; so wil mir je nach göttlichem gesatz gebüren, ihm (meinem vater) gehorsam zu sein. Galmy 195;
dein gsicht, gehör, verstandt und sinn
fallen auch teglich stückweisz hin, ...
dabei soltst je verstanden han,
das auch müstest ein mal davon.
B. Waldis Esop 3, 25, 29;
du globtest mir dreiszig schaf,
das wardt je nit geredt im schlaf.
4, 9, 24;
er sey geleich wer und er wöll,
er uns ye nicht entrinnen söll.
H. Sachs 1, 119ᵃ;
dann es ist je das sprichwort war,
es fehlet nicht, dasz in eim jahr
etwa in eim dorf kirchwei ist.
J. Ayrer 239ᵇ (1191, 4 Keller).
b)
oder zu einer bedingten behauptung, einer gegenbehauptung, einem zugeständnis, wie immerhin, allerdings, doch (vgl.jedoch): nu ist je war, das die warheit und gerechtigkeit nicht scheuet das gericht, ja nicht liebers hat, denn liecht und recht. Luther 1, 358ᵃ; des (gottes) wille geschehe auch in uns mit frewden, oder je mit gedult. 6, 273ᵃ; er hat ein buch durch ein neber loch gesehen, wann einer seicht gelert, ein ding zu lernen erst hat angefangen, und es noch nit kan, oder ye nit wol kan. Frank sprichw. 1, 1ᵇ; frid, lieb, glauben, trew .. laszt sich nirgent sehen, oder ye wenig. 2, 104ᵃ; der reuter erzalt der oberkeit, wie er für den hund hett müssen die urten .. bezalen, so were es ye billich, das er auch wol lege (ein gutes lager habe). Wickram rollw. 129, 18 Kurz; derwegen da man in (den Rabelais) je wolt teutsch haben, hab ich ihn eben so mehr im teutsch wöllen verkleiden, als das ich einen ungeschickteren schneider müst drüber leiden. Fischart Garg. 16; disz war wol je etwas scharf, gleichwol ... ehz. 16; aber sintemal es jhe musz gescheiden sein, so beware dich der allmechtig vor allem ungutem. Amadis 29; ich wil dir gar gerne zu ehren und auch zu lieb darkommen (zur hochzeit). doch eins musz ich dich je fragen, wer oder von wannen ist die frauw, die du genommen hast, auch sage mir, ob sie fast wol und hochgeboren sei, denn ich jhe dir zu lieb darkommen wil. buch d. liebe 265ᶜ; hatten also abgeredt, wenn je eine parthei ergriffen würde, so solt sich das ander theil jn keinen vertrag geben, jene weren denn auch zu gleich an leib und gute gesichert. Becherer newe thür. chron. (1601) 412; so ist derwegen je ein grosze torheit, dasz man tanze und hupfe .. als lang wir uns in diser armseligkeit befinden. Albertinus der welt tummel- u. schauplatz (1612) 613; kanst du aber der wollust je nicht entbehren, so wisse dasz kein gröszere als ein beständiges gemüthe ist. Opitz 2, 254; es ist je nichts geschwinders als die seele. 308; warum brauchestu nicht, wenn du je närrisch sein wilt, die höflichkeit, so die wilden .. im brauch hatten? Philander 1, 617;
hie bin ich und die schwester mein,
die ist ein hur und wil doch ie
gelaichen erbtail haben hie
fastn. sp. 531, 21;
(man spricht, gott) zürn nit ser,
ob man joch ettwann sund volbring,
und wygt die sünden also gering,
das sünden ye sy ganz menschlich.
nuͦn hab doch gott das hymelrich
den gensen ye ganz nit gemacht,
so hab man allzyt sünd volbracht.
Brant narrensch. 14, 7. 9;
o das wer dieser jüngling mein!
o das mag aber ye nit sein!
H. Sachs 1, 118ᵃ;
ich gib ein rat euren genaden,
weil ye geschehen ist der schaden,
und man den jungling strafen wil,
das es geschech heimlich und stil.
119ᵇ;
musz aber je der jüngling sterben,
so thuts still.
120ᵃ;
nun west ich je auch geren, wer
der grosz vierecket narr auch wer.
467ᵈ;
bist je so wol der narr als er.
481ᵃ;
o Jupiter, wie kanst zusehen
solche unbillichkait geschehen, ..
ich thu je dis, dazu mich schufst,
und nehr mich, wie du mich berufst.
Fischart dicht. 2, 8, 173 Kurz;
drum wollen sie euch nimmermehr,
sie müssen sich ie euer schämen,
wa sie zu rechten leuten kämen.
70, 2601;
und wenn der feind je starker wer,
daran ich gar nit zweifel,
auch anzugreifen käm daher,
so flieht wie tausent teufel.
Weller lieder des 30 jähr. kriegs 128;
ist je nit billich und nit recht
dasz reformirte bawren ...
allein solln haben so viel gelt.
129.
c)
oder, indem die zeitliche bedeutung wieder mehr hervorscheint, in der verwendung wie denn, nun: dieweil jhe die sachen zu solchem sich zugetragen und inn diese letzte noth und extremitet gerahten. Amadis 27; dieweil aber die sach sich also schicket und der ritter je mit mir davon wil, so ist meines bleibens nicht lenger. Galmy 196; dieweil sich denn je mein sach also zutregt, dasz ich mich nicht anderst behelfen mag. 276; dieweil ich je getödtet und gemetzget werden musz (sagt ein zu opfernder). b. d. liebe 224ᵈ; je nicht, immer nicht, gar nicht: da sie je nicht schweigen wolt, nam er ein halmen, und legt den für sie und sprach: fraw, dieweil jhr je krieg und unfriedt haben wöllet, so krieget mit diesem halmen. 287ᵈ; ye vester er aber kochet, ye mer das kind schreit. als es aber ye nit schweigen wil, nimpt der guͦt Joseph ein löffel voll heiszes muͦsz. Wickram rollw. 183, 8 Kurz;
ich natzt im auch das har,
die wangen, stirn und nas;
ich weis nit, wie im was,
wan das er ye erquickt
und dugentlich uff blickt.
Altswert 205, 29;
weil es je mag nit anderst sein,
so facht nur an und schneidet drein (in den bauch).
H. Sachs 1, 467ᵇ;
lasz mich verjagen
die fliegen, mücken, die dich plagen
und dich mit stechen heftig drücken:
so magst dich je zum theil erquicken.
B. Waldis Esop 4, 52, 20;
weil jhr so hart mich bittet je (: hie),
so wil ich mich von euch nicht wenden.
J. Ayrer 307ᶜ (1537, 1 Keller);
wolt ich je nit gern allhie sterbn!
ich bitt doch: last mich gnad erwerbn.
fastn. sp. 3ᵇ (2348, 21).
vgl. auch unten jeso.
d)
endlich ist es, und am häufigsten, zu einer partikel der betheuerung oder auch nur der hervorhebung geworden, und in diesem falle mit ja 7, sp. 2196 f. sich berührend, so dasz gefragt werden kann, ob nicht hier die nebenform je von ja (sp. 2273) auf diese verwendung mit eingewirkt hat: es were uns je besser den Egyptern dienen, denn in der wüsten sterben. 2 Mos. 14, 12; so ich aber durch gottes finger die teufel austreibe, so kompt je (ἄρα) das reich gottes zu euch. Luc. 11, 20; das gesetz ist je (μέν) heilig. Röm. 7, 12; zwar es ist je (μενοῦνγε) in alle land ausgegangen irer schall. 10, 18; so ich mich je rhümen sol (εἰ καυχᾶσθαι δεῖ), wil ich mich meiner schwacheit rhümen. 2 Cor. 11, 30; denn das ist je gewislich war (πιστὸς ὁ λόγος). 1 Tim. 1, 15; er war je noch in den lenden des vaters (ἔτι γὰρ ἐν τῇ ὀσφύϊ τοῦ πατρὸς ἦν), da im Melchisedech entgegen gieng. Ebr. 7, 10; denn er mus je nicht mit ertichten worten für gott reden, es mus war sein, das er sünd hat. Luther 1, 27ᵃ; (Jacob) hat je sechs söne mit jr. 4, 163ᵃ; du weist je wol was gott ist. 165ᵇ; denn ehe die welt worden ist, hat je nichts künden sein, on gott alleine. 6, 180ᵇ; denn das wort, alles was dein ist, das ist mein, lesset je nichts ausgeschlossen sein. 187ᵃ; es ist je niemand uberal heilig, sie gleiszen und schmücken sich wie sie wollen, on allein dein name und wort so ich predige. 189ᵇ; wir armen leut haben je ein reichen gott, von dem alles gutes herkommet. Mathes. Sar. 39ᵃ; da alle pfaffen creatores creatoris genennt werden. nun macht er je selbst alle die pfaffen, so mag er auch billich creator creatorum creatoris .. genant werden. Fischart bienk. 123ᵇ; so wir uns nun von disem cörper (der katholischen kirche) absundern und in die Lauterisch ketzerei fallen, so handt wir je den cörper geschendt. Wickram rollw. 46, 26 Kurz; die wolt der könig von Elsasz je zum weib haben, oder aber je das schlosz mit gewalt gewinnen oder zwingen. buch d. liebe 269ᵃ;
und mag ich nit jr huld erwerben,
so musz ich ye vor sehnen sterben.
H. Sachs 1, 112ᶜ;
Adam, thut unser pfarrherr lesen,
ist unser aller vatter gwesen,
so sind wir je all seine kinder.
470ᵈ;
sichst wol, wir sind je frembd auszlender.
474ᵇ,
nun hab ich euch je auszerkorn
vor ander all die mir gefelt.
477ᵈ;
hör haubtman es ist je nit gut
das du nit besser heltst in hut
dein könig.
3, 1, 69ᵈ;
da sprach der bawr: nun merk ich je (: knie)
sichrer ists sich zu begeben
in rauschend wasser, die feindtlich leben,
denn in den stillen, tiefen pfülen.
B. Waldis Esop 2, 36, 16;
hol dich der todt, du heilosz fliegen!
du solt je wider mich nit siegen.
2, 99, 6;
da er (gott) ein fromme jungfraw hett,
welche Maria war genant,
die Joseph noch nie hett erkant,
das ist je gewisz und auch war,
ob sie jhm schon vertrawet war.
Eger itinerar. (Eisleben 1604) 5
ich lasz es wol (die verehrung eines albernen reichen),
weil man ein gülden kalb je nicht verehren sol.
J. Grob in Wackernagels leseb. 2 (1876) 603.
II.
je, zu irgend einer zeit.
1)
es weist auf einen unbestimmten künftigen zeitpunkt:
so maint ir .. mit worten mich zu schweigen,
aber ich wil ie ein andern reien geigen.
fastn. sp. 42, 30;
dann dasz die geitigen und die
ungerechten understant ie
in (den brennenden busch) zu leschen, mags doch nit sein,
dann er von got hat seinen schein.
Schade sat. u. pasqu. 1, 23, 126;
lockte die neugier nicht den menschen mit heftigen reizen,
sagt! erführ er wohl je, wie schön sich die weltlichen dinge
gegen einander verhalten?
Göthe 40, 237;
aber denke nur nicht, du wollest ein bäurisches mädchen
je mir bringen ins haus, als schwiegertochter.
256;
denn wenn das je ein mädchen thut,
so hat daran der wankelmuth
gewisz mehr antheil als die tugend.
2, 242;
wenn ihm je
der hohe lohn bestimmt ist.
Schiller Piccol. 3, 8;
wo je bei altem gutem wein
der Würtemberger zecht,
da soll der erste trinkspruch sein:
das alte gute recht!
Uhland ged. 85.
2)
auf einen unbestimmten punkt der vergangenheit:
vil schône satzte mich sîn hant
hinderʒ ros an daʒ lant,
daʒ ich vil gar des vergaʒ
ob ich ûf ros ie gesaʒ.
Iwein 746;
swer ie kumber erleit,
den erbarmt des mannes arbeit
michel harter dan den man
der nie deheine nôt gewan.
4389;
die gröszest offembarlichest lugen die ye geredt ward. Keisersberg has im pf. Aa vᵇ; so oft ich euch gesand habe on beutel, on taschen, und on schuch, habt jr auch je mangel gehabt (μή τινος ὑστερήσατε)? Luc. 22, 35; hab ich auch je gepflegt dir also zu thun? 4 Mos. 22, 30; hastu mich je deinen feind erfunden? 1 kön. 21, 20; wo ist ein unschüldiger umbkomen? oder wo sind die gerechten je vertilget? Hiob 4, 7; ich verdampt alle deine kinder, die je gewesen sind. ps. 73, 15;
Sebastian Brant ist auch im spil:
der hat anzeigt der narren vil
die niemant sunst ie het erkent
dasz sie auch narren weren genent.
Schade sat. u. pasqu. 1, 30, 137;
wer hat gröszer unrecht ie gehört
und die welt ie so hoch betört?
49, 41;
weg welt! weg erden! nichtige phantasie!
weg, stand! weg ehre! flüchtiger ietzt als ie!
A. Gryphius 1698 2, 142;
und wer verehrt den vollen busen nicht,
der alles das an liebreiz übersteiget,
was Paris je gesehn, und Venus je gezeiget?
Hagedorn 2, 51;
hast du die schmerzen gelindert
je des beladenen?
hast du die thränen gestillet
je des geängsteten?
Göthe 2, 80;
lieber möcht ich, als je, mich heute zur heirath entschlieszen.
40, 249;
die sonne ging wieder
herrlicher auf als je.
250;
ward je in dieser laun ein weib gefreit?
ward je in dieser laun ein weib gewonnen?
Shakesp. Richard III 1, 2;
habt ihrs schon je erlebt, das möcht ich wissen,
dasz ich mit zuversicht gesagt: so ists,
wenn es sich anders fand?
Hamlet 2, 2;
kein könig seufzte je
allein und ohn ein allgemeines weh.
3, 3.
selten je im sinne von nie, ist noch ein nachklang mhd. brauches:
daʒ was ein frîer bûman
der vil selten ie gewan
dehein grôʒ ungemach.
arm. Heinr. 270;
also daʒ der Triefnas
Mäczleins selten ie vergas.
ring 2ᵇ, 10.
In der verbindung je und je (verschieden von oben I, 1 und 2) zu einer und der andern zeit: er kam je und je einmal zu mir; je und je giengen wir ins theater; des herrn majors von Walter hohe gnaden machen uns wohl je und je das bläsier. Schiller kab. u. liebe 1, 2; auf die zukunft bezüglich: leer und erstorben ist meine zukunft — doch werd ich noch je und je am verwelkten strausz der vergangenheit riechen. 3, 4.
3)
zu andern zeitbestimmungen gesetzt, verallgemeinert je dieselben oder zieht sie ins ungewisse (vgl. auch jeweilen, jezuweilen, jemals, jemalen): dasz keiner jemalen so witzig, so verständig und so geschicklich gewesen, deme es nicht je zuweilen gefehlet. Schuppius 525; hatte er je einmal kein geld. Hebel schatzkästl. 186; der fürst selbst, wenn er sich je zuweilen hier einfand, sah sich ... vernachlässigt. Schiller 714; wenn es auch je zuweilen dazu kam. 859; wie dem laufe aller menschlichen glückseligkeit sich je einmal ein damm entgegenstellt. Göthe 23, 137;
ich sach in eins die kirchen durch gutzen
und ie zu zeiten eine an schmutzen.
fastn. sp. 544, 9.
4)
zum pronomen tritt je ebenfalls im verallgemeinernden sinne (vgl. jeder, jeglich): und hat nit fleisz mit ie etwas guͦter begirden zuͦ meren das feuer der liebe. Keisersberg baum d. sel. 10ᵃ; Johannes Stucky, oder wer ie (wer immer) den werd innhabe. weisth. 4, 288 (Zürich, 15. jahrh.); von eim ding daran man gar zweifelt und von weite nit kennen kan, sagt man: es ist ein kuͦw oder ein zeiszle, es war ye etwas. S. Frank sprichw. 1, 11ᵃ.
5)
die distributive verwendung von je schlieszt sich dem begriff eines zeittheiles an, den das wort in der zweiten hauptbedeutung besitzt. sie ist mehrfach. dasz auch immer in diesem sinne stehen kann (sp. 2072), ist daraus zu erklären, dasz dasselbe bisweilen in den sinn von je jemals umgeschlagen (sp. 2071).
a)
je tritt zum zahlworte: also fieng der baur an die schaf also uber ze füren ye zwai und zwai. Steinhöwel (1487) 97ᵇ; also schlecht (schlägt) ie eins das ander mit den flügelen der guͦten werk, damit ie eins das ander vermant für und für ze faren. Keisersberg baum d. sel. 10ᵃ; jre angesichte und flügel, waren oben her zurteilet, das je zween flügel zusamen schlugen. Hes. 1, 11; und der selben gemach waren auf jeder seiten drei und dreiszig, je eines an dem andern. 41, 6; vier grosze thier stiegen er auf aus dem meer, eins je anders denn das ander. Dan. 7, 3; es waren aber alda sechs steinern wasserkrüge gesetzt nach der weise der jüdischen reinigung, und gieng in je einen, zwei oder drei mas. Joh. 2, 6; dasz in acht tagen (von dem neuen ehepaare) ye eins wolt, das ander wer ein wolf und lief zuͦ holz. S. Frank sprichw. 2, 106ᵃ; ye eilf, undecim, ye ein tag umb den anderen, alterno quoque die Maaler 509ᵇ; ye über zwei jar, binis annis, ye zuͦ fünf jaren, quinto quoque anno ebenda; thue das je zu acht tagen einmal oder zwei. Tabernaemont. 601; da es je eine der andern in kleidung hat wollen zuvor thun. Schuppius 108; seine leute brachten ihm ausz Egypten je einen wagen umb sechzig silberlinge, und ein pferd umb 150 silberlinge. 122; es war artlich zu hören als je einer (von zwei dieben) zum andern sagte: ach bruder, was ist das? Simpl. 3, 370 Kurz;
ie zwischen zwein frowen stuont,
als si noch bî tanze tuont,
ein ritter an ir hende:
dort an enem ende
ie zwischen zwein meiden gie
ein knabe der ir hende vie.
Helmbrecht 97;
und ie zwischen zwein frouwen guot
saʒ ein riter hôchgemuot.
Heinrich Tristan 895;
ye einer den andern letzt
mit sunden und mit schand.
Altswert 238, 34;
ich (sagt das zipperlein) nemb im alle seine gelider
je eines nach dem andern ein.
H. Sachs 1, 484ᵃ;
ye mit dem dritten wort, tertio quoque verbo Maaler 509ᵇ; je das fünfte jahr, quinto quoque anno Steinbach 1, 801; wie oft er des tages den friede versagt, .. als dicke sol man in pfenden ie umb fünf pfunt. Nürnb. pol.-ordn. 34;
er wurde je im siebenten jahr
auf einem blumenbekränzten wagen
durch stadt und landschaft schau getragen.
Wieland 18, 274;
in dieser noth beschlosz die landsgemeine,
dasz je der zehnte bürger nach dem los
der väter land verlasse.
Schiller Tell 2, 2;
von dem unreinen vieh aber je ein par. 1 Mos. 7, 3; ligen winterszeit verhalten und verschlossen in den löchern je geparecht. Forer fischb. 12ᵇ. Für dieses je ist auch ja gesetzt, sp. 2198.
b)
in verschiedener anderer stellung: wer deʒ ieman wider, der sol geben ie der man hundert pfunt haller. Nürnb. pol.-ordn. 33; fressen sich selber je der gröszer den kleinern. Forer fischb. 47ᵃ; ye der allergeleertest, doctissimus quisque, ye der fürnemmest, singularis quisque, ye der nächst, ye der erst der kumpt, quilibet Maaler 509ᵇ; dabei machte Vult das ruhigste gesicht von der welt vor je dem schönsten (mädchengesicht in der gesellschaft). J. Paul flegelj. 1, 151;
swannen ie der man was benant,
alsô schrei er al zehant
in fürten unde ûf plâne.
Wolfram Willeh. 437, 7;
und über daʒ leite ie der man
sîne reisekappen an
und sâʒen ûf ir ors alsô.
Trist. 135, 7;
je nach verschiedenheit der fälle musz man urtheilen; nach ihnen ist viel nachfrage, und ich antworte je nachdem die menschen sind. Göthe an Schiller 1, 80; ye nach dem, prout Maaler 509ᵇ; ye demnach die person ist. Wickram rollw. 4, 4 Kurz; viele bedürfnisse des äuszerlichen wohlstandes .. behalten ihre dauer oder ihre schönheit länger, je nachdem wir sorgfältig und ordentlich mit ihnen umgehen. Gellert 5, 258; jeder gab, der eine weniger, der andere mehr, je nachdem der geldbeutel beschaffen war und das herz. Hebel 2, 158. je — je baldbald: ein schöne tragedj, aus dem Esopo gezogen von dem doctor, der den esel je tryb, je zoch, je er oder sein son ritte. S. Wild bei Tittmann deutsche schausp. des 16. jahrh. 1, 209.
c)
je, im sinne von jedesmal, indem es handlungen oder zustände von gleicher beschaffenheit der zeit nach theilt: einer jeden sachen (rechtssache), wie bösz je dieselbig war, .. ein nasen machen kondte. Kirchhof wendunm. 127ᵃ;
ein graues männlein pflegt bei nächtlicher frist
durch verschlossene thüren zu ihm einzugehen; ..
und immer was groszes ist drauf geschehen,
wenn je das graue röcklein kam und erschien.
Schiller Wallenst. lager, 6. auftr.
6)
je, zu zwei mit einander in verbindung stehenden comparativen gesetzt, zeigt ein wachsen des in letzteren ausgedrückten begriffes nach einem bestimmten verhältnis an, und berührt sich sonach zunächst mit der distributiven verwendung (no. 5). die stellung von je ist manichfach.
a)
je — je:
lât mich zuo den frowen gân:
sô ist daʒ mîn aller meiste klage,
so ich ie mêre zühte hân,
so ich ie minre werdekeit bejage.
Walther 91, 3;
ye meer man sy trösten will, ye minder es sy hilft. Keisersberg has im pf. Bb 5ᶜ; ie me dich frürt, ie me du solt zuͦ dem ofen gan. baum d. sel. 12ᵃ; je mehr einer trinkt, je mehr einer dürstet. Reiszner Jerus. 1, 24ᵇ; je weiter ich aber gieng, je tiefer ich von den leuten hinweg in wald kam. Simpl. 1, 25 Kurz; die fama hat die art eines schneeballen, welcher ie weiter er gewelzet wird, ie mehr er zunimmt. polit. stockf. 252; je näher hergegen ein scribent der vollkommenheit kömmt, je mehr fehler entdeckt er an sich. Liscov 543; je mehr ich diesen ursachen nachdenke, je ernstlicher wird mein vorsatz, niemals dergleichen schriften wieder zu wagen. Rabener werke 4, 11; ich glaube, ihr gelehrten, je mehr ihr lernt, je mehr vergeszt ihr. Lessing 1, 267; und doch, je öfterer ich mir es sage, je unglaublicher wird es mir. 2, 562;
ie länger ich sie hab gesehen an,
ie mer kam mich ein grausen an.
Schade sat. u. pasqu. 1, 65, 349;
je höher schlosz und berg da lag,
je härter kam der donnerschlag.
Henisch 728;
je bälder einer stirbt,
je lieber ist er gott.
Fleming 132;
je besser ist der kranz, je ärger ist der wein.
225;
ie mehr der himmel treuft, ie schöner wächst die blum.
A. Gryphius 1698 1, 433;
je mehr man jahre zehlt, je mehr der sünden werden.
Günther 823;
je mehr das alter wächst, je schwerer wird das sorgen.
ebenda;
je eher du zu uns zurücke kehrst,
je schöner wirst du uns willkommen sein.
Göthe 9, 230;
ist das der kraiʒ (der sonnen- oder mondhof) ie lenger ie dicker wirt und ie swerzer, sô bedäut er zehant ainen künftigen regen. Megenb. 96, 28; werden dan ie lenger ie ungeschickter. Keisersberg baum d. sel. 7ᵃ; die thewrung ward je lenger je gröszer im lande. 1 Mos. 41, 56; das toben deiner widerwertigen wird je lenger je gröszer. ps. 74, 23; je eher je seliger. Luther br. 2, 639; meines herrn gunst vermehrte sich täglich und ward je länger je gröszer gegen mir, weil ich nicht allein seiner schwester .. sondern auch ihm selbsten je länger je gleicher sahe. Simpl. 1, 93 Kurz; indessen wuchse mir mein busen je länger je gröszer, und druckte mich der schue je länger je heftiger. 3, 18; genug, wenn sie mir nur je eher je lieber aus den augen kommen. Wieland 7, 84; ich wollte, sie wären je eher je lieber fort. Göthe 19, 82; wünschte den knaben je eher je lieber entfernt zu sehen. 20, 289; bis an die steilsten höhen liegt rother thon angeschwemmt .. je höher, je röther. 28, 121;
so wilt du ie lenger ie leppischer weren (werden).
fastn. sp. 42, 19;
und sah sie an je länger je basz.
E. Alberus 164;
je weiter weg, je besser. Göthe 20, 236; je weiter von uns, je besser für uns. Lessing 2, 437;
ie hœher berc, ie tiefer tal,
ie hœher gestigen, ie swinder val.
Renner 16426;
je ärger strick,
je besser glück.
Simrock sprichw. 540;
je höhr ein haupt, je meinen blitzen näher.
Rückert 126.
b)
je — desto, vgl. theil 2, 1034: lügen, .. welche die christlichen polemici desto lieber für wahrheiten annahmen, je ein leichtres spiel sie dadurch erhielten. Lessing 4, 59; du wirst aber desto leichter lernen, je mit beredtern du umgehest. 72; je näher das christfest dem neuen monde zufällt, ein desto härteres jahr soll hernach folgen, so es aber gegen den vollen und abnehmenden mond kommt, je gelinder es sein soll. Göthe 43, 279; je gröszer und näher der antheil ist, dessen sie unsere unternehmung würdigen, desto mehr wird der werth derselben bei demjenigen publicum steigen, dessen beifall uns der wichtigste ist. Schiller an Göthe 1, 1; je weniger eine hand verrichtet, desto zarter ist ihr gefühl. Shakesp. Haml. 5, 1; je gröszer das genie, je schöner der körper ist, desto mehr verzeiht ihnen die welt; je gröszer die tugend ist, desto weniger verzeiht sie ihr. J. Paul uns. loge 1, 191;
je mehr diesz schöne herz sich mir entfaltet,
ach desto feuriger lebts in mir auf,
dich als gemahlin in mein haus zu führen.
Schiller Iphig. 5, 5.
c)
je — um so: sie sehen noch einmal so reizend aus, wenn sie böse sein wollen; denn es kömmt doch selten weiter damit, als bis zur ernsthaftigkeit, und diese läszt ihrem gesichte um so viel schöner, je fremder sie in demselben ist. Lessing 1, 429; ich erhalte iezo den augenblick dero schreiben ... welches ich um so viel lieber alsobald beantworte, je angenehmer mir es gewesen ist. 12, 11; hüte dich, mein sohn, vor diesem misbrauche der schönen wissenschaften um so viel mehr, je natürlicher er dem jugendlichen herzen ist. Gellert 5, 254;
was um so mehr gefährlich würde sein,
je mehr der staat noch wild und ohne führer.
Shakesp. Richard III 2, 2;
dafür je — so:
wo wir sind,
seh ich aus jedem lächeln dolche drohn:
je näher am blut, so näher dem verderben.
Schiller Macbeth 2, 11;
für nur um so mehr — je mehr steht kurz auch nur mehr — je mehr:
auf einmal fühlte sie die triebe
des mitleids und der menschenliebe,
und fühlte sie nur mehr, je mehr sie auf ihn sah.
Gellert 1, 200;
je — um je: je mehr nun die gleichheit beobachtet wird und je weniger man sich von dem, so bereits in übung, entfernet, je mehr auch der wohlklang und eine gewisse leichtigkeit der aussprache dabei stattfindet, um je mehr ist das schmieden neuer wörter nicht nur zu entschuldigen, sondern auch zu loben. Leibniz in Wackernagels leseb. 3¹, 1017.
d)
wie — je: wie mehr sie darvon nutzen, je mehr werden sie aufgeplasen mit eigen heiligkeit. Fischart bienk. 244ᵃ.
e)
vor dem einen comparative ist je unterdrückt, namentlich in der verbindung je länger mehr oder länger je mehr:
riuwe ist mir ie lanc unkunder.
minnes. frühl. 68, 13;
der tac ie lanc hôher schein.
Parz. 282, 8;
nach dem der vermeinte statthalter gottes, von tage zu tage lenger je mehr verstocket. Luther 6, 330ᵃ; das sollen sie wohl erfahren länger je mehr. briefe 5, 332;
sie tummeln schreien schnurn daher,
sie grimgranen ie lenger mer.
Schade sat. u. pasqu. 1, 127, 20;
darvon hat er lob preisz und ehr,
dardurch sein nam ye lenger mehr
gedechtnuszwirdig auferwachs.
H. Sachs 1, 116ᵈ;
im glauben also jrrig schwirmbten (die geistlichen),
je lenger wurden mehr parthei.
293ᵈ;
je lenger mehr ich mich vergieng.
1, 367ᶜ;
lob und dank sag ihm spath und früh
je länger mehr und mehre.
Weller lieder des 30 jähr. kriegs 270.
f)
auch sonst fehlt je:
und wie sie (die verliebten) neue süszigkeit
selbst in dem widerstande fanden,
sich täglich heiliger verbanden,
je mehr sie schwierigkeiten sahn.
Gotter 1, 43;
und an stelle des einen comparativs erscheint ein satzglied, in welchem jener dem sinne nach verborgen ist: diese ungeheuern gegensätze zusammenzufassen, war für die umstehenden eine schwere aufgabe (zu ergänzen je oder um so schwerer), je überraschender sie vorgelegt wurde. Göthe 17, 302; ich finde, je mehr ich über mein eigenes geschäft und über die behandlungsart der tragödie bei den Griechen nachdenke, dasz der ganze cardo rei in der kunst liegt, eine poetische fabel zu erfinden. Schiller an Göthe 1, 285; du hast vergessen, dasz der mensch auszer dieser sinnlichen welt, durch seine vernunft noch zu einer andern gehört, und je mehr gehört als (für je mehr) er sich über diese sinnliche erhebt. Klinger 5, 384; S. gibt dein könig viel für dich? G. keine feige. jemehr lieb ich ihn. theater 4, 116;
sag mir, was dein dienst doch sei.
es ist ein verkehrt verlangen,
da, je mehr wir sind gefangen,
je mehr achten wir uns frei.
und, je mehr wir frei auszgehn,
wollen wir in diensten stehn.
Fleming 358;
sein stolzer hunger wächst, je mehr dasz du ihm gibst.
Göthe 7, 16;
je vertraulicher du mit gott wirst, und zu reden dich gewehnest, so viel gnade wirst du von ihm genieszen. Spener in Wackernagels leseb. 3¹, 962.
7)
anders ist je vor éinem comparative, das ein stetes zunehmen des begriffes, ohne verhältnis zu einem andern, andeutet. die verwandtschaft dieser verwendung zu der vorigen (no. 6) ist einerseits naheliegend, andererseits rührt hier je, dadurch dasz es dauerndes wachsen bezeichnet, an die hauptbedeutung I des wortes, und kann auch durch immer ersetzt werden, was in der neuern sprache sogar fast einzig steht (vgl. immer 8 sp. 2070):
sîn lût erklang im schône,   ie hôher und ie baʒ.
Gudr. 380, 1;
schiere müeʒe ein ende hân mîn kumber!
wand er ist krumb und ie krumber.
minnes. 2, 261ᵇ Hagen;
das sie (die seele) je mehr und gründlicher gnade begere, und also je volkomlicher gnade empfahe. Luther 1, 44ᵃ; Saulus aber ward je mehr kreftiger (μᾶλλον ἐνεδυναμοῦτο). apostelgesch. 9, 22; machen die process und rechtfertigung bei jhnen anhengig, und nimmer abhengig noch abgengig, sondern je mehr zugengig und verlengig. Garg. 159ᵃ; so läst er diese seine göttliche meinung in h. schrift oft widerholen, und erkläret sich jemehr und mehr, dasz er in allen unsern nöhten wolle bei uns sein. Schuppius 261; wann ihr .. mit steinen nach ihm werfen wollet, so wird der hund jemehr und mehr bellen. 313; die gewalt der inquisition je mehr und mehr auszudehnen. Schiller 791;
du hubst mir das gemüht
je mehr zum ewig sein.
Fleming 144;
Veturia ruft jhrer jugend mit seufzen, wann sie an sie denkt.
sie aber fleucht je mehr zu rücke, weil jen im seufzen etwas stänkt.
Logau 3, 148, 63;
doch warum schärft sich euer blick auf mich
je mehr und mehr?
Lessing 2, 253.
8)
je präpositional und conjunctional wie 'bis': die zway (hase und wolf) kamen mit ein ander in einen zank. das weeret als lang, ye das der wolf dem hasen verwisz, er wär ein zag. Keisersberg has im pf. Aa 8ᵃ; der jung .. sprach .. lieber vatter, wie kompt es das du mich nit ansichst als vor (früher) und wenn du mich ansichst, so erseüfzest du und erblaichest ab mir. do wolt er es jm lang nitt sagen. do wolt der jung nit ablassen, ye er muͦszt es jm doch hindennach sagen. Bb 6ᵇ; nun hette die obgemelte altist tochter .. gern gesehen, dasz ir schwager graf Fridrich von Toggenburg sich mit irer jüngsten schwöster, die noch unverhyrat was, vermächlet hette, warb sölchs öftermalen an ime, je dasz er iren verhiesz, si ze vereelichen (ehelichen), wann er wyben welt. Tschudi 1, 121ᵃ. — je seit bisher, seitdem: anno mccxcix erlidt Hierusalem den vj. sturm und niderlag .. und ye seid haben die christen nichts glücklichs fürgenummen dise stadt zuͦ erobern. S. Frank chron. 1531 189ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1877), Bd. IV,II (1877), Sp. 2274, Z. 22.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
Zitationshilfe
„ih“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/ih>, abgerufen am 28.07.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)