ihm
Fundstelle: Lfg. 10 (1876), Bd. IV,II (1877), Sp. 2047, Z. 41
dat. sing. masc. und neutr., zu er und es.
1)
goth. imma (gebildet vom eigentlichen demonstrativstamme i mittels des als pronominales dativsuffix mehrfach fungierenden -mma aus sma, sanskr. smâi, vgl. Leo Meyer goth. spr. s. 272), alts. imu, ahd. imu, imo, ime, mhd. ime, im; die andern deutschen dialecte bilden die entsprechende form von einem andern stamme. das nhd. behält die form ime, ihme, vereinzelt bis ins 17. jahrh.: aus dem glauben in ime. Luther 6, 328ᵃ; Christus gehet in das haus desz starken und nimpt ime seine waffen. Reiszner Jerus. 2, 56ᵇ;
wer andren lebt, lebt recht: wer ihme lebt, lebt gut,
weil jener andren wol; ihm übel der nicht thut.
Logau 1, 33, 15.
bei Fischart auch die form imo: gott .. der uns in form und weisz, als es ihn gut bedunkt, schafft, wie ein hafner seine geschirr imo. Garg. 247ᵇ; eine form, die mit der ahd. nichts zu thun hat, sondern wie die gleich auslautenden dero, ihro erst im 16. jahrh. neu ersteht.
2)
substantive verwendung der casusform:
Daja. ihre ganze seele war
die zeit her nur bei euch — und ihm.    Nath. bei ihm?
bei welchem ihm?
Lessing 2, 194.
3)
neben den fällen, wo ihm in gewöhnlicher weise als dativ sing. des persönlichen geschlechtigen pronomens masc. und neutr. steht, und die hier weiter nicht zu belegen sind, dient es als reflexivum, wie ahd. und mhd. im ahd., wo es einen dem goth. sis entsprechenden dativ des reflexivpronomens nicht mehr gibt, vertritt der dat. imu überhaupt mit den dativ des reflexivums, so dasz nur der zusammenhang lehrt, welcher gemeint sei, eben so im mhd., nur dasz schon hier in den anfängen die erst nhd. einreiszende gewohnheit aufkommt, den accusativ des reflexivums sich für den dativ mit zu verwenden und demnach den dativ des persönlichen geschlechtigen pronomens von diesem gebrauche auszuschlieszen (vgl. gramm. 4, 324 fg. 327 fg., mhd. wb. 2, 2, 291ᵇ fg. und oben theil 3, 683). nhd. dauern die nachklänge der ahd. und mhd. weise anfangs häufiger, später seltener bis in den anfang dieses jahrh., ihm steht für unser heutiges datives sich; es genügt eine auswahl aus den vorhandenen überreichen belegen. ein herr het mancherlei lüt under im. Keisersberg bilg. 8ᵇ; wer verstendig ist, der leszt im raten. spr. Sal. 1, 5; unser keiner las im feilen mit brangen, das man allenthalben spüren müge, wo wir frölich gewesen sind. weish. Sal. 2, 9; andern hat er geholfen, und kan im selber nicht helfen. Matth. 27, 42; also das einer bei iiij quatrin eins tags haben muͦsz, der ihm gnuͦg wasser will trinken. Frank weltb. 185ᵇ; nach solchem wurde er beides, durch seinen beichtvatter und sein eigen gewissen angesport und getrieben, dasz er mich mit ihme im bette copulieren liesze. Simpl. 3, 24 Kurz; aber wie ist dem miszgünstigen zu helfen? der ihm selber eine marter ist. pers. rosenth. 1, 7; so musz der schadenfroh ihm selbst sein henker sein. 1, 45; man kan ihm leicht einbilden, wie dem guten Ruben zu muthe gewesen. Zesen Assenat 76; dahero musz man ihm die freiheit, in der natur selbsten zu studiren, stets vorbehalten. Sandrart teutsche acad. 2, 3, 17ᵇ; solchen antrag läszt ihm Taubmannus gefallen. Brandt bericht vom leben Taubmanns s. 39; sobald er ein büchlein ans licht giebt, musz er es ihm auch gefallen lassen, dasz man es lieset. Liscov 257; er musz glauben, dasz der bär ihm habe das fell über die ohren ziehen lassen. 697; im wechsel mit sich, wo solches zweimal gesetzt übel klänge (vgl. die theil 3, 683 mitgetheilte stelle aus Lessing 2, 259): als der patient so mit ihm reden hörte, liesz er sich sogleich den andern morgen die stiefel salben. Hebel 2, 141 (rheinl. hausfreund von 1809);
da erwelt im der fuchse schier
ein gesellschaft von vogel, thier ..
H. Sachs 1, 482ᵈ;
und keiner lässet ihm, was recht und billich wol gefallen.
Weckherlin 48;
der machte seine wehr und schild ihm wol zu nutze.
D. v. d. Werder Ariost 11, 17, 1;
Coecutus ging zum brillenmacher, um eine brill ihm zu erkaufen.
Brockes 8, 460.
vgl. auch ihr, ihnen.
4)
ihm, als dat. sing. des neutr. es, steht mit den verben sein und thun, zurückdeutend, auf eine schon früher erwähnte sache im allgemeinen sich beziehend (vgl. einen eben solchen gebrauch von dem theil 2, 966) und zusammenhang mit ihr betonend: aber ihm ist wie gesagt. Fischart bienk. 72ᵃ; der liebe dienstbar sein, .. heiszet die liebe zum herren haben: dann welcher dienet, musz einen herren haben dem er dienet. ist ihm nicht also? Opitz 2, 250; dasz alles was schön ist, aus ursache der schönheit, schöne sein müsse. dieses ist nun, was ich mir kühnlich zu behaupten getraue. ist ihm nun nicht also? Hoffmannswaldau sterb. Socr. 102;
ja, ich waysz wol, wie ym ist.
ring 42ᵈ, 43;
im sei nu gleich wol wi im sei,
so helf uns got und steh uns bei,
dasz wir di rechte warheit erkennen.
Schade sat. 2, 195;
was muͦsz ich aber thuͦn sprichstu, dʒ ich des kropfs ab komme und der alten federn, und dʒ ich gar nüw werde? ... ich wil dich leren, wye du im thuͦst, das du dich muszest und des kropfs ouch abkumpst und ganz ein nüwer fogel wurst. Keisersberg bilg. 10ᵃ; es war aber der ein seer reich worden, .. der ander hat gar nichts, deszhalb der reich sein spottet und sprach: wie hast du im doch gethon, dasz du so gar nichts hast überkommen? Wickram rollw. 28, 7 Kurz;
nu mag ichs lenger nit vertragen,
ich musz ie sehen, wie ich im thu.
fastn. sp. 40, 13;
ratt (rathet), lieben herren, wie ich im doch thue.
48, 26.
Zitationshilfe
„ihm“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/ihm>, abgerufen am 15.10.2019.

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