Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

immermehr, adv.

immermehr, adv.,
das verstärkte immer. schon mhd. tritt zu iemer, als dessen zweiter theil mêr (vgl. sp. 2068) nicht mehr gefühlt wird, ein nochmaliges mêre, mê hinzu, um eine künftige stete zeitdauer zu bezeichnen (mhd. wb. 2, 1, 151). diese hinzufügung wandelt sich nach und nach, und seit dem 17. jh. stets, in feste verbindung zu éinem worte, mit dem hochtone auf der ersten silbe (ímmermehr); unterschieden von dem getrennten immer mehr, in welchem immer nichts ist, als verstärkung des comparativs mehr (vgl. immer no. 8) und in dem daher mehr den hauptton hat (immer méhr). fehlerhaft ist in dem letzteren falle immermehr zusammengerückt: auch von Leipzig fanden sich zuschauer, sie sowohl als die von Halle wurden mit unsern ernsten bemühungen immermehr bekannt. Göthe 31, 149. — Für immermehr die form immermeder (vergl. über meder für mehr beim letztern worte): ain lerch die hebt an an der erden und schwingt sich hinauf ymermeder für und für bisz sy ganz hinauf kompt ... aber der arm heuschrickel, der kan nit hinauf kommen, er fellt ymermeder herwider ab. Keisersberg spinnerin (1510) c 1ᵃ; auch ummermeder: und ist nüt den ytel unflat mit uns, umermeder angst und not. Marie himelf. 12ᵈ; das wenden sie umermeder für. 16ᵃ; s. auch nachher 1. immermehr, dem heutigen sprachgebrauche veraltet (während die negation nimmermehr frisch lebt), bedeutet
1)
immer fernerhin, fortwährend, stets von neuem (wie immer 3 sp. 2068): wenn du dich aber allwegen beclagst, und yemermeder ein liblöchlin suͦchest. Keisersberg bilg. 87ᵇ; das herz fert do hin, wie ein ungeregiert schifflin uff einem wasser, den do hin, den widerümb uff ein anders, iemer meder das wasser ab, bisz es zerbricht. 113ᵃ; da gedacht er ymmermeder an die fisch. sünden des munds 7ᵇ;
darumb sie (die stadt Rotenburg) imermere
der wirde haubtstat soll sein benant.
Püterich ehrenbrief bei Haupt 6, 33, 9;
o himelischer vatter mein,
des sei dir lob, dank, preis und er
iezunt ewig und immermer.
H. Sachs 3, 186 Tittm.
auf eine vergangenheit bezüglich (wie immer 7 sp. 2070): sie aber treib ire hurerei jmer mehr (καὶ ἐπλήθυνας τὴν πορνείαν σου sept.). Hes. 23, 19.
2)
immermehr je, jemals, wenn es in die zukunft weist (wie immer 11 sp. 2071): weh dir Jerusalem, wenn wiltu doch jmer mehr gereiniget werden? Jer. 13, 26; so wil ich doch hiemit für gott und aller welt bezeuget und bekant haben, das ichs mit diesen sacramentslesterern und schwermern nicht halte, noch je gehalten habe, noch jmermehr halten wil. Luther 3, 533ᵃ; so müssen sie nicht ehe teufen, sie wissen denn gewis, das der teufling glaube. wie und wenn wollen sie doch das jmer mehr wissen? 4, 323ᵇ; wil ich sagen, der gleubt nicht, darumb ist seine taufe nichts, er mus kurzumb sich so lange lassen teufen, bis er nimermehr fallen oder on glauben sein könne .. sage mir, welcher christ wil denn jmer mehr gnugsam getauft werden, oder seiner taufe ein gewis ende bekomen. 327ᵃ; weder du noch ich, kündten jmermehr etwas von Christo wissen, .. wo es nicht durch die predigt des euangelij von dem heiligen geist würde angetragen. 411ᵇ; welch herz kan jmer mehr gnugsam begreifen, welch ein wolthat und gnade das ist. 5, 197ᵃ; denn jr keiner wird solchen rhum, und preis jmermehr aufbringen, mit seiner und aller welt heiligkeit, das er könne sagen, wer ein cartheuser oder münche bleibet, der bleibet in gott. 6, 52ᵃ; denn wo wil er jmermehr den text finden, der da klerlich sagt, die schlüssel seien s. Petro gegeben von Christo. 8, 223ᵃ; ich habe keine hoffnung, dasz wir immermehr in allen kirchen .. eins werden mögen. br. 5, 529; glaubet nicht, dasz ein lausichter und unartiger mensch, ob er gleich des Crösus reichthumb erlangete, seine verfluchte geizige art immermehr verlassen werde. pers. baumg. 6, 13.
3)
immermehr, mit verallgemeinerndem sinne.
a)
wie nur, nur immer (s. immer 13, a sp. 2071): kein bloszer mensch, wie grosz der auch immermehr sei. Ayrer proc. 2, 10; da suchte ich die allerzartesten worte herfür, die mir meine bäurische grobheit immermehr eingeben konte. Simpl. 1, 34 Kurz; es mochte so wenig wasser in den röhren sein als immermehr wollte. Chr. Wolff versuch z. erk. der nat. u. kunst th. 1 cap. 2 s. 40; ich will beweisen, dasz nur wenig menschen diesen titel (schelm) verdienen, und dasz es mehr redliche in der welt giebt, als man immermehr glauben sollte. Rabener sat. 4, 56;
er (der gottesfürchtige) lacht nur dazu
was immermehr thu
der teufel mit blasen,
die welt mit viel rasen.
Logau 1, 171.
b)
in der verwundernden, zweifelnden frage (s. immer 13, e sp. 2072); in der indirecten: er war und nennete sich so vieler fürsten raht und consiliarium, dasz ich ofters bei mir nachdachte, was er doch immermehr solchen seinen fürsten für raht gebe? Schuppius 423;
und hett doch gern kundschaft gefragt,
wie es doch nur jmmermehr kehm,
das ich ewer keinen vernehm.
froschmeus. C 8ᵇ;
wie in der directen: wie hastu es doch immermehr gemachet, dasz solch ein fressend wildes thier zahm bei dir geworden? pers. baumg. 1, 1;
wie ist dir immermehr geschehn?
P. Gerhard 23, 7;
was hat euch immermehr das arme kind gethan,
dasz ihrs laszt, neben euch, auf schwachen füszen traben?
Canitz 131;
du pflegst um diese zeit die gasse nicht zu lieben;
was hat dich immermehr so eilig hergetrieben?
Hagedorn 1, 56;
was ist es immermehr, das dich so schrecken kann?
2, 136.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1876), Bd. IV,II (1877), Sp. 2076, Z. 7.

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Zitationshilfe
„immermehr“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/immermehr>, abgerufen am 07.08.2020.

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