Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

impfen, verb.

impfen, verb.
inserere. ahd. impitôn, imptôn, imphôn (Graff 1, 262), mhd. impfeten, inpfeten, impfen (Lexer wb. 1, 1422); noch bair. impten, impfen Schm. 1, 80 Fromm. die herleitung des wortes von ἐμφυτεύειν einpflanzen, pfropfen darf wol als sicher gelten; das wort ist, wie so manches andere, aus dem griechischen ins späte latein eingedrungen und in den romanischen ländern gebraucht worden, wo sowol dem griech. ἔμφυτος zunächst entsprechend, ein inpotus in der bedeutung pfropfreis in der lex salica belegt ist: si quis in potus (l. inpotus) de pomario aut de perario deruperit. ed. Merkel s. 62; si quis inpotus de milario aut de pirario tulerit. s. 85; als sich auch bis jetzt im piemontesischen und parmesanischen enta, modenesisch entin, franz. ente pfropfreis, enter pfropfen erhalten hat (Diez wb. 2, 286). impfen heiszt
1)
ein fremdes reis in einen baumstamm einfügen: inserere impfen, impten, pelzen Dief. 300ᶜ; insitus ingeimpft 301ᵃ; ympfen, zweien, einsetzen, inserere Maaler 510ᵇ; impfen, pflanzen, plantare, serere, inoculare, pangere, emplastrare 235ᶜ; pfropfen oder propfen, so sonsten auch impfen, pelzen und zweigen genannt wird. öcon. lex. (1731) 1894; eh du etwas zu impfen anfahest, soltu mit sonderm fleisz betrachten und erwegen ... Sebiz feldb. 322; will man aber auf frembde bäume impfen. 323; man pflegt zwischen rinde und holz zu impfen, wann die bäum anfahen iren saft zu uberkommen. 330; das soll man allezeit für ein gemeine regul halten, das man weder blüende noch fruchttragende zweige impfen soll. 338; die sebesten könnten auch bei uns gepflanzet werden, dann sie sich auf die nespel gern impfen lassen. Tabernaem. 1324; lorber auf eschenbaum impfen. Hohberg 1, 409ᵇ; er wolt ihm zweig davon (von dem baume) zu impfen geben. Lehmann 160;
auf ihr gärtner, senket reben,
impfet bäume mancher ahrt,
pflanzet kraut und obst daneben,
dasz sich fein zusammen paart.
Rist Parn. 851;
infinitiv substantivisch: das versetzen und einlegen pringet zwar schöne lustige und groszwachsende bäume und frücht herfür: aber doch das impfen und propfen noch vil mehr. dann durch das impfen werden .. die wilden bäume gezämt. Sebiz 322.
2)
impfen bildlich: mhd.
er (H. v. Veldecke) inphete daʒ êrste rîs
in tiutescher zungen:
dâ von sît este ersprungen,
von den die bluomen kâmen.
Trist. 120, 18;
nhd. wir sind all durch die tauf in Christum geimpft. kriegb. d. fr. 56; denn ich hatte ein stolzes herz, und tugend auf stolz geimpfet, giebt zwar schöne früchte, aber andre genieszen sie nicht gern. Möser patr. phant. 4, 72; risz den spalt weiter, in den das schicksal seine schmerzen impfte. J. Paul Hesp. 3, 57; der auf die saftröhren und das mark des hohen ernstes geimpfte humor des Engländers. palingen. 1, xi; an die weiber wend ich mich noch weniger, diese gewähren hier nichts; überall mehr als jene (die männer) auf fremde meinung geimpft, stecken sie mehr ins ohr, als jene in den magen. friedenpr. 23;
so eilt auf einen stamm, wie ihr seid, mich zu impfen.
A. Gryphius 1698 1, 714;
daselbst schmissen sie ihn (einen kuchen) in die hecken, dessen stücke die freudenvolle jugend aufsuchten, und gleichsam als zum ewigen andenken in sich impften und aszen. unw. doctor 619.
3)
das seit dem jahre 1717 vom orient her in England bekannt gewordene verfahren, künstlich blattern als schutzmittel gegen die natürlichen zu erzeugen, hiesz dort ingrafting, als übersetzung einer wahrscheinlich neugriechischen bezeichnung: the small-pox, so fatal and so general amongst us, is here (in Adrianopel) entirely harmless by the invention of ingrafting, which is the term they give it. Lady Montague brief vom 1. april 1717; und wurde deutsch genau durch einimpfung, einimpfen, impfen wieder gegeben, indem wie in England, der gärtnerausdruck auf die medicinische operation anwendung erfuhr: das impfen der blattern, pocken, und metonymisch das impfen der kinder; also sollte man die einimpfung der blattern ganz verbieten. Möser patr. phant. 4, 64; die einimpfung derselben (der pocken) ward bei uns noch immer für sehr problematisch angesehen, und ob sie gleich populare schriftsteller schon faszlich und eindringlich empfohlen, so zauderten doch die deutschen ärzte mit einer operation, welche der natur vorzugreifen schien. speculierende Engländer kamen daher aufs feste land und impften, gegen ein ansehnliches honorar, die kinder solcher personen, die sie wohlhabend und frei von vorurtheil fanden. Göthe 24, 51 fg. der ausdruck ist auch dem seit 1796 angewendeten verfahren, kuhpocken auf menschen zu übertragen, geblieben. vgl. einimpfen th. 3, 212 und impfarzt, unten impfling, impfnarbe, impfzwang.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1876), Bd. IV,II (1877), Sp. 2079, Z. 58.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
Zitationshilfe
„impfen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/impfen>, abgerufen am 06.08.2020.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch (¹DWB)