Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

inbrünstig, adj. und adv.

inbrünstig, adj. und adv.,
mhd. inbrünstec.
1)
entbrennend, sich leicht entzündend, in eigentlicher bedeutung: inbrünstige kohlen. Schm. 1, 362 Fromm. (von 1591); das ein inbrünstige fackel enbrunnen sei in deinem herczen. Suso briefe 77 Preger; er ist das war feuer und liecht das enzunt und ymbrünstig macht. Keisersberg baum d. sel. 12ᵃ; von einer brennenden röte: der hett ein inbrünstige röte unter seinem angesicht, die so gar rot war, dasz sie herwider schein. buch d. liebe 267ᵃ.
2)
übertragen, von dem heftigen feuer der inneren regungen: gedenk, wie inbrünstig und begirig du warest. Keisersberg baum d. sel. 8ᵃ; mit inbrünstiger begird der warheit nachfragen, ardere studio veri reperiendi Maaler 236ᵃ; ward darnach schwarz als ein koll von inbrünstigem hasz. Aimon bog. d; alle geschichten von Rübezahl, die er vor zeiten so inbrünstig angehört hatte. Musäus volksmährch. 230; inbrünstig beten; ein inbrünstiges gebet;
darnach mein herz inbrünstig dürst.
H. Sachs 2, 1, 6ᶜ;
ach ich weisz es noch wohl, wie er uns inbrünstig umarmte,
wie er uns an die klopfende brust mit zärtlichkeit drückte.
Klopstock 3, 47 (Mess. 1, 696);
und umarmt inbrünstig den mittler.
110 (3, 50);
inbrünstig des Eurytus tochter beklagend.
Voss;
leidenschaftlich:
rachgirig, zornig und inbrünstig.
B. Waldis Esop 4, 95, 154;
von heftigem heiligen verlangen: wissent furwar ir allerliebsten, das ich inbrünstig und geizig bin des ewigen hymelischen reichs. A. v. Eybe 52ᵃ; mit heiligem willen und inbrünstigen begirden. Keisersberg bilg. 3ᵇ.
3)
namentlich häufig mit dem begriff liebe verbunden: von innbrünstiger lieb bezwungen. Bocc. (1580) 1, 86ᵇ; innbrünstige trew und lieb ... die er zu seinem vatter trug. Kirchhof wendunm. 23ᵇ; ward ich inbrünstig von ihr (meiner frau) geliebet. ehe eines mannes 280; Stratonikus liebte zu inbrünstig, um dem befehl, weiter an seine geliebte zu denken, gehorsam zu sein. Wieland 2, 92 (80); sie, die ihn so inbrünstig liebte. 182 (156); das halstuch .. das ich aus inbrünstiger liebe ergriff und zu mir steckte. Göthe 20, 94;
mein lieb ist so inprunstig heisz
und flammet in meines herzen kreisz
recht sam ein angezuntes werk.
fastn. sp. 134, 1;
manch (manchem) man wirt so gar inprünstig
die lieb die er zu frauen treit.
692, 13;
ich hab sie je lieb so inbrünstig.
H. Sachs 4, 3, 2ᵃ;
dir bin ich der trauliche sänger von Chios,
welchen du oft mit dem laut inbrünstiger liebe genennet.
Voss Ilias, weihe an Stolberg 25;
daher: eure schönheit .. hat mein herz und verstand so gefangen, dasz ich wol hiebevor die scharfe pfeile des Cupidinis verlacht, so musz ich doch jetzo .. euch mein inbrünstiges herz in tiefer demuth aufopfern. Schuppius 550; ein kleines liebes andenken. dergleichen uns ein inbrünstiges mädchen in die lippe beiszt. Lessing 2, 100; der inbrünstige liebhaber. 501.
4)
inbrünstig umgedeutet zu einbrünstig (vgl. oben inbrunst und theil 3 sp. 159): mehr ander sind gewesen, die mit einbrünstiger begiert begert haben leibliche schöne und sterke. Bocc. (1580) 1, 83ᵇ; offenbarten einander ire einbrünstige unsegliche liebe. Kirchhof wendunm. 320ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1876), Bd. IV,II (1877), Sp. 2106, Z. 3.

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Zitationshilfe
„inbrünstig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/inbr%C3%BCnstig>, abgerufen am 08.08.2020.

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