Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

insiegel, n.

insiegel, n.
siegel; ahd. insigili, sigillum, signaculum, lunula, annulus, moneta (Graff 6, 144), mhd. insigele, ingesigele; von lat. sigillum, zunächst in seiner allgemeinen bedeutung eines eingegrabenen, eingeprägten oder ausgeschlagenen bildchens übernommen, als ein collectivum ausgebildet, und durch das präfix in- deutlicher auf die art der darstellung bezogen; seit dem mhd. auf das bild des petschaftes und dieses selbst eingeschränkt.
1)
insiegel, siegelabdruck, siegelbild: sigillum insigel, insegel Dief. 533ᵃ; insiegel, sigillum Steinbach 2, 591; versigelt mit unserm anhangenden innsigel. weisth. 4, 52; des zu urkund habe ich mein insiegel wissentlich an diesen briefe gehangen. urk. von 1536 bei Dreyhaupt Saalcr. 1, 918; der könig von Loango musz bei jeder rechtlichen entscheidung einmal trinken, und es ist dann so viel, als wenn er das kleine insiegel darauf setzte. J. Paul teuf. pap. 1, 61; bildlich:
dirre kus sol ein insigel sîn,
daz ich iuwer und ir mîn
belîben stæte unz an den tôt.
Trist. 461, 1.
2)
siegelbild in einem petschaft oder ringe, das das siegel herstellt: all die maister, die in der zauberkunst lêrent, daʒ sprechent, daʒ die götter und die gaist, die man anruoft mit pildengeschrift, die karacteres haiʒent, und mit insigelgraben, oder daʒ graben, daʒ man in vingerlein tuot, die zaubrær dester ê erhœrnt, wenn si in weirach opfernt. Megenberg 377, 23; eʒ spricht ouch diu geschrift, daʒ die sün von Israhel der stain (carneole) gar vil durchgruoben mit mancherlai gestalt (sam man diu insigel grebt). 442, 9; sein insigel hatte er (Carl der grosze) auf seinem wehrknopf, und pflegte darvon, wann er etwas siegelte, also zu sagen: was dieses schwert mit dem insigel bekräftiget, das wird es auch mit der schärpf gegen alle widerwertige verthedigen und handhaben. Zinkgref apophth. 1, 10;
recht als insigel drückt,
hat sich ir bild gesmückt (geschmiegt)
in mynes herczen normen.
Altswert 140, 14.
3)
insiegel, weidmännisch: item wo der hirsch in lediger erden gehet so scheuet (l. schuͦhet) er sich, wann die erde nasz ist, so wirft er den schuͦh hin, das ist gar ein grosz zeichen, und heiszt das innsigel: dann man findet darinnen den grimmer und das fädemlin, und das näschlin, und das blenden, und alles das ein hirsch thuͦn mag: das ist darinn gemalt. M. Sebiz feldb. 573; der hirsch wirft vor holze den schuch bei nassen wetter von sich, heiszt des hirsches insiegel oder auswurf. Göchhausen not. ven. (1741) 28; insiegel, des hirsches schuh, eine fährte, da der hirsch das erdreich in und an den schalen mit sich fortgenommen hat. das hohe insiegel, da der hirsch die erde über der schale mit herausgehoben, und es so umgekehrt vor der fährte liegen gelassen hat; franz. les surneigées. Nemnich 2, 972.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1876), Bd. IV,II (1877), Sp. 2142, Z. 76.

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Zitationshilfe
„insiegel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/insiegel>, abgerufen am 11.08.2020.

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