Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

insonderheit, adv.

insonderheit, adv.
separatim, praecipue, früher in freier stellung: singulatim in ainer sunderhait Dief. 536ᶜ; seit dem 16. jahrh. vielfach, später immer zusammengerückt.
1)
abgesondert von anderen, für sich, besonders: und on gleichnis redet er nichts zu inen. aber in sonderheit (κατ' ἰδίαν, seorsum vulg.) leget ers seinen jüngern alles aus. Marc. 4, 34; und er wandte sich zu seinen jüngern, und sprach in sonderheit, selig sind die augen, die da sehen, das ir sehet. Luc. 10, 23; die bauren musten im das in sunderheit bezalen. Wickram rollw. 137, 4 Kurz; es ist bei den Reuszen nicht üblich (beim tanzen) einander bei der hand herumb führen, sondern jeglicher tanzet vor sich und insonderheit. pers. reisebeschr. 1, 4;
stockmeister, ledig ihm zu hand
von seinem leib fesel und bend
und zieh ihm an in sonderheit
seines weibs uns verehrtes kleid!
J. Ayrer 364ᵈ (1828, 8 Keller).
2)
besonders, speciell, im einzelnen: und von jeglichem artikel in sonderheit, haben ewre und meine gesandten befelh, euch weiter zu unterrichten. 2 Macc. 11, 20; denn wir wol erfaren haben, wie der pöbel und die jugent aus der predigt wenig lernt, wo sie nicht in sonderheit gefragt, und verhöret wird. Luther 6, 109ᵃ.
3)
besonders, vor anderem, vorzugsweise: und wo würden doch alsdan die vier heil. beichtende und reverenden orden gepliben sein, und insonderheit die heil. minbrüder oder barfüszer? Fischart bienk. 4ᵃ; wan man werk der barmherzigkeit, und insonderheit den pfaffen und mönchen erzeigt. 113ᵇ; wird vielleicht herzog Joachim von Stettin diesen zug gethan haben. aber solches ist auch zweifelhaft, insonderheit weil derselbe sonst ein friedliebender herre gewesen ist. Micrälius 3, 422; es ist (das gebet) auch insonderheit kräftig, den himmlischen vater zu bewegen. Schuppius 430; gütigster vater erkenne mich alsdann insonderheit vor dein kind, wann mich alle creaturen verlassen werden. 431; er hat unterweilen seine sonderliche raptus, insonderheit kan er die Juden nicht erdulden. 495; insonderheit fallen mir dabei die barmherzigen trabanten in die augen. J. E. Schlegel 3, 22; dieses begegnete insonderheit bei einem pantomimischen tanze. Wieland 1, 355 (298); insonderheit ermahnte er mich, mein urtheil über alles zurück zu halten. 2, 24 (21); wenn wir den geschichtschreibern, insonderheit dem tugendhaften und gutherzigen Plutarch einen unumschränkten glauben schuldig wären. 297 (254); alsdann ist das ägyptische todtenurtheil gerecht, und für die wahrheit der geschichte nützlich, insonderheit wenn mündige verwandte leben, die sich vertheidigen können. Herder z. litt. 1, 6; man hüte sich vor gewohnten eigenheiten und lieblingsausdrücken ... fast niemand kann ihnen ganz entgehen; insonderheit haben sie leute, die viel reden müssen, und ohne vorbereitung reden. z. phil. 10, 184; der könig insonderheit wollte sich vor lachen beinahe ausschütten. Tieck 9, 273.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1876), Bd. IV,II (1877), Sp. 2143, Z. 77.

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Zitationshilfe
„insonderheit“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/insonderheit>, abgerufen am 11.08.2020.

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