Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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entzwischen

entzwischen
für enzwischen, inzwischen, mit derselben verwilderung, die in entgegen, entzwei, entwicht obwaltet, ahd. in zuiskêm (Graff 5, 728), mhd. enzwischen (pass. K. 442, 10 entwischen), nnl. intusschen. auch ist die spätere und heutige nhd. sprache wieder zu inzwischen zurückgekehrt oder hat das ent, in völlig getilgt. entzwischen galt
1)
im sinne von dazwischen, darzwischen 2, 876. 877, mhd. dâ enzwischen. Parz. 230, 2 und enzwischen. tr. kr. 3489; nhd. die weite, so entzwischen gelassen, ausgefüllt. Tacius bei Fronsp. 3, 247ᵃ; man bringet collation und wein, die Verecundia und Phillis, die kammerfraw tragens rumb, alsdann trinken sie auch entzwischen. Ayrer 422ᵈ; es hatte zwar einen schein und geschahe, dasz je derweilen ein weniges angefangen ward von gott, vom glauben, von tugend, von andern heiligen dingen, aber das haftete nicht lang, es kam allemal einer, der einen zotten entzwischen einwarfe und uns zu lachen machete. Philander 1, 431 (432); Batrawitz, der solches hörte, kam entzwischen, und sprach. 2, 720; wiewol eine grosze widerwärtigkeit entzwischen stehet. Hofmannswaldau sterb. Socr. s. 32; damit ich aber entzwischen nit feirete, sahe ich mir einen baum aus. Birken OL. 24; Erifile winket, murmelt, entzwischen wird der thurn wider sichtbar. Margenis 137.
2)
von interea, das bei Dasypodius gleichfalls darzwüschen, bei Frisius darzwüschend lautet: entzwischen war herzog Friedrich von Holstein im anzuge. Micrälius 5, 179;
entzwischen sich auf ebnem feld
der jüngling Turnus oft gemeldt
mit wenig knechten sehen liesz.
Spreng Aen. 448ᵃ;
entzwischen füllen sich das meer, die luft, der himmel
mit grausamer geschwulst.
Weckherlin 248;
entzwischen lasz nach deiner weis
dir, Ponica, den schlechten fleisz,
den mein herz reich macht, nicht misfallen.
560;
entzwischen verlanget mich nach seinen neuen briefen. Butschky kanzl. 47; die wir entzwischen uns allerseits in der herzgetreuen obhut gottes überlassen. 599, aber inzwischen s. 48. 50.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 675, Z. 60.

inzwischen, adv.

inzwischen, adv.
interea, ceterum. die ahd. fügung in zwiskêm, in zwiskôn in binis, die seltener vorkommt als unter zwiskên, inter binos (Graff 5, 728), vom distributiven zahlwort zwisk, geht mhd. in die zusammenrückung inzwischen, enzwischen über, welcher letzterer form noch das nhd. doch jetzt zu gunsten von inzwischen wieder gewichene entzwischen (oben th. 3, 675) entspricht. die ursprüngliche locale bedeutung des wortes hat sich nhd. fast ganz verloren, indem entweder dazwischen, oder in andern fällen das höchst gekürzte zwischen dafür eintritt, temporale und abstracte verwendung ist noch ziemlich häufig.
1)
schon ahd. in zwiskên ward praepositional verwendet: in mînemo herzen, daʒ inzwischen den brusten liget. Williram 11, 24; eben so mhd.:
dô huop sich schœneʒ strîten
enzwischen in beiden.
Wigalois 19, 13;
daneben adverbial:
da die becche miliche vluʒʒin,
diʒ süeʒe honig dar inzuschin.
Anno 858;
die praepositionale verwendung von localer bedeutung aus ist nhd. nur noch selten zu belegen:
wer ich wie du gesinnt, so könnt auch ich, wie du,
bei gleichem muthe sein inzwischen müh und ruh,
inzwischen leid und lust bei einem herzen stehen.
Fleming 646.
2)
häufig ist es dagegen als temporales adverb, wofür auch früher schon belege:
doch ê wir daʒ grîfin an (die erzählung einer neuen geschichte),
sô sul wir hî inzwischin
ein teil geschichte mischin.
Jeroschin 18030;
inzwischen, als mein herr so über mich klagte, samleten sich die gäste nach und nach. Simpl. 1, 120 Kurz; was hilft es, dasz .. dir ein groszes lob zugeeignet werde, da inzwischen die elendige unterthanen über dich seufzen. pers. baumg. 1, 29; inzwischen vermehrte sich seine verwunderung, je mehr er sich in dem hause des weisen Hippias umsah. Wieland 1, 87 (73); inzwischen neigte sich die sonne. 340 (286); inzwischen hatte ich das achtzehnte jahr erreicht. 2, 29 (26); meine wenigen freunde hatten sich inzwischen in der stille .. eifrig zu meinem besten verwandt. 150 (130); inzwischen hatte sich in Wilhelms abwesenheit eine veränderung vorbereitet. Göthe 19, 252; es thut mir leid, dasz sie inzwischen aus noth gefeiert haben, indesz meine tagedieberei willkührlich genug war. an Schiller 1, 80;
inzwischen ward, nach sieben heitern tagen,
das liebenswürdge heldenpaar ...
ans ufer von Lepanto hingetragen.
Wieland 23, 5 (Oberon 7, 1).
3)
auch einen leisen gegensatz einführend, wie indessen, unterdessen: sehen sie wohl .. dasz ich die ungewöhnliche absicht habe, herr im hause zu sein? es ist eine sehr altvätrische mode, aber ich will sie doch beibehalten wissen. so viel kann ich ihnen inzwischen versichern, dasz so gewisz ich herr im hause zu sein verlange, so gewisz will ich auch, dasz meine frau frau im hause sein soll. Rabener sat. 3, 238; es ist nicht ganz ausgemacht, von wem und in welcher sprache, ob italienisch oder lateinisch, diese nachrichten (von Marco Polo) zuerst aufgesetzt worden. der text inzwischen, den die gelehrten am gewöhnlichsten gebraucht haben .. ist der lateinische. Lessing 9, 189; der gedanke inzwischen, dasz sich vielleicht die nehmlichen typischen und antitypischen gemälde in den fenstern von mehrern alten klöstern befunden, ist auch nicht zu verachten. 239; wir schmeicheln uns keinesweges, das sicherste, kräftigste und ausführbarste mittel, eine mit so vielen schwierigkeiten umringte sache zu bewerkstelligen, gefunden zu haben. inzwischen erkühnen wir uns, euch vor der hand .. einen rath zu geben. Wieland 2, 237 (203); wenn diese wichtigen documente wieder vor den augen des publicums liegen, möchte es zeit sein, über den verfasser, dessen natur und wesen das nähere zu besprechen; inzwischen will ich doch einiges hier schon beibringen. Göthe 26, 108.
4)
inzwischen in verbindung mit dasz, als conjunction: indem es (das unreine) sich, inzwischen dasz er es zu überwinden suchte, mit ihm aufs innigste verbunden hat. Göthe 18, 193; inzwischen dasz adel und freundlichkeit .. über den schwarzen augenbrauen herrschten. 42, 62; auch ohne dasz: wogegen er auf eine verbindliche weise die verdienste der arbeit anzuerkennen verstand, inzwischen der hausfreund darn ein penelopeisch zauderhaftes werk zu sehen glaubte. 22, 59.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1876), Bd. IV,II (1877), Sp. 2152, Z. 47.

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Zitationshilfe
„inzwischen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/inzwischen>, abgerufen am 05.08.2021.

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