irren verb
Fundstelle: Lfg. 11 (1877), Bd. IV,II (1877), Sp. 2163, Z. 30
turbare; errare. es sind zwei ursprünglich auch formell ganz verschiedene verben zusammengeflossen, das transitive ahd. irran, goth. airzjan, sollicitare, impedire, confundere, und das intransitive irrôn, irreôn errare, apostatare, vacare (Graff 1, 452. 456); bereits im mhd. irren zeigt sich die eine form für die zwei bedeutungen.
I.
irren, transitiv, irre machen.
1)
nach dem adj. irre 2, vom rechten wege abbringen, irre leiten, falsch leiten, gewöhnlich bildlich: mein vater hat das land geirret. 1 Sam. 14, 29; wo jemand geirret oder verfüret ist, das ir das haus entsündigt. Hes. 45, 20; was hat sie nu geirret? eben das, das sie den text nicht recht angesehen. Luther 4, 156ᵇ; lasz du dich kein regulbuch irren, wie dick es auch sei. Klopstock 12, 145; befriedigung oder verletzung des eigenen selbstgefühls irrt uns allen das urtheil. Freytag handschrift 3, 211;
got hat uns lassen irren
biszher vil hundert jar,
menschen gesatz und lehr verwirren,
und uns verblenden gar.
Soltau volksl. 277 (16. jh.);
sonst schlug die lieb aus mir so helle,
wie eine nachtigall am quelle.
nun hat sie meine kunst geirrt,
dasz jeder laut zum seufzer wird.
Bürger 67ᵇ;
ihr werdet
gerecht sein. leidenschaft wird euren blick
nicht irren.
Schiller Carlos 3, 10.
2)
namentlich auch als milderer ausdruck für täuschen:
ach aus dem grabe kehr ich zurück, und mit goldschrift
schreib ich ans mal der erhabnen ... die entzückung
irrt mich, sie haben kein maal!
Klopstock 2, 76;
wenn er euch nur nicht irret.
5, 244;
ist sie denn eben die noch, die auch sie
sahen? und irrt
ihn und sie kein phantom?
7, 10;
wenn ich den könig irrte? wenn es mir
gelänge, selbst der schuldige zu scheinen?
Schiller Carlos 5, 3.
3)
in der ältern sprache aber gewöhnlich vom vorwärtsschreiten abhalten, hindern, hemmen: irren oder hindern, impedire. voc. inc. theut. k 7ᵃ; eigentlich:
nû kom her Îwein balde
dort ûʒ jenem walde
ze velde gewalopieret ..
in enirte ros noch der muot:
wan diu wâren beide guot.
Iwein 2555;
er sprach: wer irret uns den wec?
Parz. 121, 28;
oder bildlich: ih ne irta doh ten meldare nieht. ih tâte uuola ube ih in irti. doh ne irta ih in is nieht. Notker bei Hattemer 3, 31ᵃ;
er sprach: owê, wer irte dich,
daʒ du nu sô lange mich
der guoten rede hâst verholn?
Barlaam 143, 7;
nhd. mich irt alles nit das ich sach und hort. Keisersberg baum d. sel. 8ᵃ; keiner wird den andern irren, sondern ein jglicher wird in seiner ordnung daher faren. Joel 2, 8; wo die heilige schrift deinen dünkel irret oder hindert, da thu sie aus den augen, und folge zuerst deinem dünkel, so triffestu den rechten weg gewis. Luther 3, 483ᵇ; gott im beruf dienen und anderer beruf neben sich nicht irren. Melanchthon im corp. doctr. christ. (1560) 540; was den pflug irr, das soll er daraus prechen. Schm. 1, 131 Fromm.;
got (acc.) irt nit, was der mensch erdenkt.
Schwarzenberg 104ᵇ;
aber doch achtung haben will,
wie sie (die kaiserin) sich hinfort halten wer.
desz kaisers son irrt sie nicht mehr.
Ayrer 372ᵇ (1866, 6 Keller);
gern in der verbindung sich irren lassen: das lasz dich nicht irren noch betrüben. Keisersb. baum d. sel. 11ᵇ; wil .. keine mühe, ruhe noch schlaf mich irren laszen. Galmy 248; also müssen wir uns das nicht irren lassen, das unser papisten auch eiserne helse und eherne köpfe kriegt haben, .. sondern müssen auch auf die dresschen und schmeiszen. Luther 6, 111ᵇ; für viel klüger würd er gehalten werden, wann er sich solches (dasz ihm die heuschrecken die ohren voll singen) nicht irren läszt, sondern seines weges fortreiset. Schuppius 569;
lant euch nit irren der pfaffen sperren
die recht zuͦ thon sich wöllen weren.
Schade sat. u. pasqu. 1, 12;
laszt euch nicht irren des pöbels geschrei,
nicht den miszbrauch rasender thoren.
Schiller die worte des glaubens;
früher hiesz es einen eines dinges irren: die mih tagelîches kerno dînes rehtes irrent. Notker bei Hattemer 2, 35ᵇ;
dô er si slâfes irte,   minne si ime verbôt.
Nib. 588, 3;
oder, wie später immer, an, in etwas irren:
daʒ mich, frouwe, an fröiden irret,
daʒ ist iuwer lîp.
Walther 52, 7;
ich wolt iuch gerne wiʒʒen lân
waʒ uns an fröuden irret.
frauend. 596, 21;
da wolten in die von Venedig nicht durchlauszen (lassen) und irten in daran. d. städtechron. 4, 116, 16; daʒ uns ieman daran irren oder bekrenken wolte. 138, 16; sie sollen geben 1 [[undefined:poundsign]] flesch um 5 hl., ... und sollen in die metzger das nit weren und sie nichts daran irren noch engen in kain weis noch weg. 5, 169, 1; er wolt den jungen bruͦder geirt haben in seinen guͦten werken. Keisersberg baum d. sel. 11ᵇ; unnütze wort machen das sie dich irrent an dem zuͦnemen (vervollkommnung). sünd. d. m. 50ᵃ; der erst schad der da erwachszet ausz unnützen worten ist, es irret dich an dinem zuͦnemen und fürfaren, du wirst nit besser, du bleibst hüer als vern. ebenda; wie sy so gar nicht (nichts) an diser reisz irrt oder engt, weder ungewitter, kelt, hitz .. Frank weltb. 101ᵃ; so man sy an der frucht irren oder aufhalten wölt. 102ᵇ.
4)
diese bedeutung steigert sich zu der in schaden bringen: ob jemand der gemeine nutz und fromen wes entwendete, denselben irrete, schwechte, krenkete. Dreyding B ij; 'wodurch hab ich die republik geirrt?' dadurch hast du sie geirrt, dasz du aufschub der entschlieszung vorgeschlagen, und sie also veranlaszt hast, an sich selbst zu zweifeln. Klopstock 12, 442.
5)
andrerseits blaszt sie ab zu der verwirren (vergl. das adj. irre 3), stören, beschwerlich, lästig sein, ohne dasz die im folgenden hierher gezogenen beispiele immer scharf von den unter 3 gegebenen gesondert werden können: als der priester uff den cristabent das ampt an hube waren etlich frowen und manne, die machtent einen tanz uff dem kirchhof und irten den priester. altd. bl. 1, 54 (15. jh.); ein predicant der prediget nach mittag und nit weit davon tanzt man. er ward geirret von der trummen. Pauli schimpf 139ᵇ; irre die spieleute nicht, und wenn man lieder singet, so wassche nicht darein. Sir. 32, 5; las dich nicht irren, wie die gottlosen nach gut trachten. 11, 20; las dichs nicht irren, ob einer reich wird. ps. 49, 17; (ich) liesz mich nichts irren. Schweinichen 2, 137; schwager siehst du was? rief der zaghafte tropf vom hohen kutschbock herab mit berganstehendem haar. freilich seh ich was, antwortete dieser ganz kleinlaut; aber schweig nur, dasz wirs nicht irren. Musäus volksmährch. 231; laszt nur, mich irrts nicht wenn noch so viel um mich herum krabbeln, mir ists als wenns ratten und mäuse wären. Göthe 8, 61; meine gegner irren mich nicht, wer müszte dies nicht in der welt, besonders aber in Deutschland gewohnt werden! an Zelter 384;
wer neben dir zu tisch ist gsessen,
den irre nit mit den elbogen.
H. Sachs 1, 430ᵇ;
dasz ich grosz werd, ist mein beger (spricht der frosch),
ein schöne tapfer stimm hab ich,
und bin doch klein, das irret mich.
E. Alberus 150ᵇ;
sie läugnens zwar; allein das irrt mich wenig;
was herz und mund verhehlt, läszt oft ihr aug entrinnen.
Wieland 10, 232 (224);
euch nicht
zu stören: ihn mit meiner neugier nicht
zu irren.
Lessing 2, 307;
dadurch werd in unserm kreise
nie ein biedermann geirrt.
Gökingk 1, 54;
wenn ihr für die leiden der liebe was könnt,
vernünftler, so gönnen wirs euch.
wenn wir es nicht können, so irr es euch nicht!
Bürger 56ᵃ;
in der verbindung es irrt nichts, stört, hindert in keiner weise: ebensfalls kann man wider die vier rathsherren kein einrede haben, und irret nichts, wenn sie schon Jesum als ein ubelthäter verklagt. Ayrer proc. 2, 7; dies besagte der fürsten und stände resolution, daran nichts irrete, was etwan wegen deliberation eines defensivwerks prätendirt werden wollte. verhandl. der schles. fürsten u. stände von 1619 s. 212.
6)
mhd. hiesz mich irret ein dinc es fehlt, entgeht mir:
wie tuot ir sô
daʒ ir sît als ungemuot?
iuch irret weder lîp noch guot,
iuch irrent guotiu jâr noch jugent.
frauend. 595, 28;
auch später noch:
die glaten antlitz lieben den weiben,
darümb ich hinden nach musz treiben.
di krumen, gelben, krausen har
die irrn mich auch über jar.
fastn. sp. 703, 7.
7)
irren, böse, zornig machen (nach irre 4): irritare, irren, erren Dief. 310ᵃ; doch ich weisz, dasz den menschen von zitternder nerve eine mücke irren kann und dasz dagegen kein reden hilft. Göthe bei Schöll 171; dasz er es aber nun schuldig sei, zu bezahlen, um gott nicht zu irren. Tieck Sternb. 2, 182.
8)
der neuern sprache ausschlieszlich gehört an etwas irren, etwas irrig, unrecht thun: wir empfinden, was unsre väter irrten; was wir verschulden, wird der fluch unserer enkel. Dya Na Sore 3, 262;
was ich irrte, was ich strebte,
was ich litt und was ich lebte,
sind hier blumen nur im strausz.
Göthe 1, 12.
9)
reflexives sich irren schlieszt sich zunächst an die bedeutung 1 an, eigentlich sich vom rechten wege weg, sich in die irre bringen, daher in der ältern sprache sich irre machen lassen: irret euch nicht, gott leszt sich nicht spotten. Gal. 6, 7; weil sie wol gedachten die knechte würden sich nicht dran irren, ob man sie wolte abschrecken. Luther 8, 250ᵃ; e. g. lasz ihr gefallen und irr sich nit an denen, so ahn gottes wort dawider sagen ihr eigen tand. br. 2, 399; neuer in irrthum verfallen: der herr irrt sich, dominus fallitur, animo aberrat, in errore versatur. Stieler 893; ohne zweifel wird er sich im namen geirret haben, mein lieber mann. Lessing 2, 414; irrt sie sich an der ähnlichkeit der hände? Göthe 17, 147; ich müszte mich sehr irren, oder ich musz künftig diesen letzten band zu zwei bänden erweitern. an Schiller 1, 211;
L. du irrst dich über ihn, so ist er nicht.
T. und irr ich mich an ihm, so irr ich gern!
werke 9, 199.
II.
irren, intransitiv, irre sein.
1)
nach dem adj. irre 1, umher schweifen: item die hunde die doch aller gernest wonent bi den lüten, die liefent zuͦ walde, schrigende und hülende und irrende also die wölfe. d. städtechron. 8, 328, 19; weil ich sehe, das des rottens und irrens je lenger je mehr wird. Luther 3, 509ᵇ; aufgang und nidergang der geheften und irrenden stern. Frank weltb. 1ᵇ; von dem kreuzen eines schiffes: nachdem mich das glück durch ein irrendes schiff eines portugisischen kaufmannes von meinem jammer befreiet. polit. stockf. 327. der neueren sprache ist dieser ausdruck ein gewählter und poetischer: wenn meine seele, vom anblick der natur begeistert, in tiefsinnigen betrachtungen und süszen ahnungen, wie in den bezauberten gärten der Hesperiden, irrte. Wieland 1, 67 (57); ich will messen lesen lassen, den irrenden geist in seine heimat zu senden. Schiller räub. 4, 5; es ist wald auf wald, wo das auge im gewühle irrt. Dya Na Sore 1, 5; so überflosz ein irrendes feuer die grüne fläche. J. Paul uns. loge 3, 181; bei ihm irrten die träume — diese nachtschmetterlinge des geistes — wie andre über die nacht und den schlaf hinaus. Hesp. 2, 83; als er .. zum schwarzblauen himmel, in welchem irrende wolken um den mond wie schlacken umher geworfen waren, hinaufblickte. 104; sah .. in den grünen umher irrenden widerschein. Tit. 3, 109;
in den wäldern will ich irren.
Günther 276;
mein unmuthvolles haubt war von gedanken schwer,
es irrten, weisz nicht wo, die sinnen hin und her.
Abschatz verm. ged. 143;
(ich will) irren ans gestad des meers, und dich (gott)
in jeder woge sehn.
E. v. Kleist ged. (1765) 39;
es (das kind Amor) irrt in alle hecken,
und sah nach allen beeten,
und pflückte rosenknospen,
und haschte schmetterlinge.
66;
hurtiger treibt der schäfer über das steinigte brachfeld
seine heerde zur hürde, die ihre schranken verschlieszet.
an sein irrendes haus (die umher fahrende schäferhütte) angelehnet,
durchzehlt er die heerden.
Zachariä tagesz. (1757) s. 69;
war mit brennendem durste, gewisz zu werden, in Salem
lang geirrt, und hatte geforscht: ob Jesus erwacht sei?
Klopstock 5, 329;
von irrenden rittern und wandelnden schönen
sing, komische muse, in freier irrenden tönen!
Wieland 4, 3 (n. Amadis 1, 1);
doch, um den leser nicht
in dunkeln vermuthungen irren zu lassen,
erstatten wir ihm, ganz kurz, umständlichern bericht.
5, 86 (15, 5);
nur dasz ein käfer hier mit trägem fluge schwirrt,
und schläfrig um mein ohr ein fernes läuten irrt.
Gotter 1, 133;
indessen eure phantasie in rosenhainen irrt.
177;
jetzo von Troja vielleicht als irrender kommst du auch hieher.
Odyssee 11, 160;
und was sich sonst an meinem lied erfreuet,
wenn es noch lebt, irrt in der welt zerstreuet.
Göthe 12, 5;
nach einem selbstgesteckten ziel
mit holdem irren hinzuschweifen.
16.
von regellosen gartenanlagen: diese elysischen haine, diese irrenden rosengebüsche, worin die lauschende wollust sich so gerne verborgen hatte. Wieland 2, 180 (155).
2)
nach irre 2, vom rechten wege abweichen, sich verlaufen, eigentlich und bildlich: aberrare irren, irre gân, erre gên Dief. 2ᵇ; irren des wegs, irren an der vernunft, errare. voc. inc. theut. k 7ᵃ; wenn du deines feindes ochsen oder esel begegnest, das er irret, so soltu im denselben wider zufüren. 2 Mos. 23, 2; verflucht sei, wer einen blinden irren macht auf dem wege. 5 Mos. 27, 8; die gottlosen legen mir stricke, ich aber irre nicht von deinem befelh. ps. 119, 110; ein mensch der vom wege der klugheit irret. spr. Sal. 21, 16; ir waret wie die irrende schafe, aber ir seid nu bekeret, zu dem hirten und bischove ewer seelen. 1 Petr. 2, 25; so jemand unter euch irren würde von der warheit, und jemand bekeret in. Jac. 5, 19; wer gegen die groszen männer den pfeil der verläumdung schieszt, der irret nie von dem ziele. Stolberg 14, 177; seine kugel irrte, meine traf. Göthe 8, 289; das nie irrende geschosz. Klinger 7, 157;
sie kommen grad herauf ... sie irren doch vielleicht;
es wäre hart sie nicht zurecht zu weisen.
Göthe 10, 319;
aber, aus dem gleise gedrängt, nach dem rande des hohlwegs
irrte das knarrende rad.
40, 240.
in der technischen sprache der meistersänger: irren, oder irr werden, ist ein grober fehler, und wird begangen, wann man, es sei im text, in der melodey, in reimen, stollen, abgesängen oder ganzen gesätzen, irr wird, und eines für das ander singet. Wagenseil 531.
3)
namentlich eine falsche meinung haben (vgl. irre 2, b); in der alten sprache in bezug auf den alleinigen wahren glauben: den irrenden könig Girsicken, der dan des ketzerlichen glaubens ein anhenger und vester handhaber was. Wilw. v. Schaumb. 12; so ich uberzeuget würde, das ich solt geirret haben, wolt ich alle irrthum widerrufen. Luther 1, 452ᵇ;
jeder der nit darzu kumpt (zur beschneidung)
der selbs ewigen lebens irt.
Haberer Abrah. (1592) C iiijᵇ;
aber auch, wie heute, allgemeiner: also loszt die sünden ab (vergibt) ein ieglicher priester, der do gewycht ist noch rechter ordnung christenlicher kirch, synen underthonen, irt er echter nit in der form, und in der meinung. Keisersberg bilg. 6ᵃ; was plaget ir doch meine seele? .. irre ich, so irre ich mir. Hiob 19, 4; das sie in gottes erkentnis irreten. weish. Sal. 14, 22; ir irret, und wisset die schrift nicht, noch die kraft gottes. Matth. 22, 29; meinen sie aber, dasz ich diesen verdienst auch in Göttingen beibehalten könnte, so irren sie unmaszgeblich. Lessing 12, 19; irren heiszt sich in einem zustande befinden, als wenn das wahre gar nicht wäre; denn irrthum sich und andern entdecken, heiszt rückwärts erfinden. Göthe 50, 125; da es immer schon tröstlich genug ist, mit einer anzahl geprüfter menschen eher zum nutzen als schaden seiner selbst und seiner zeitgenossen zu irren. an Schiller 1, 24; sprichwörtlich irren ist menschlich; kleinlauten tones versetzte hierauf der sammler nach einer pause, dasz irren menschlich wäre. Immermann Münchh. 1, 143;
des keisers schreiber soll des keisers tochter küssen,
wie, les ich? schlaf ich halb? wer irrt? ich oder du?
Hoffmannswaldau heldenbr. 9;
wo der hasz und der wahn die herzen verwirren,
wo die menschen wandeln im ewigen irren,
da wenden wir flüchtig den eilenden gang.
Schiller huldigung der künste v. 58;
und irr ich nicht, so zieht ein feuerstrudel
auf seinen pfaden hinterdrein.
Göthe 12, 62;
was kommt heran? was schleicht herbei?
irr ich nicht, es sind ihrer zwei.
192;
wer mir glaubt, der irret nicht,
ich bin wahrheit, ich bin licht.
Arndt ged. 544.
4)
in der ältern rechtssprache irren mit einem in etwas, uneins sein. Schm. 1, 131 Fromm. (aus bairischen landtagshandlungen des 15.-16. jahrh.). vgl. irre 4 und unten irrig 7.
5)
irren (nach irre 5), geistig gestört sein:
ich irre, rase schon.
Göthe 5, 17
(vorher ich werde rasend, toll).
Zitationshilfe
„irren“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/irren>, abgerufen am 22.11.2019.

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