Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

irte, f.

irte, f.
häufig geschrieben für ürte, s. d., in der bedeutung
1)
wirtsrechnung, zeche: symbolum irten Dief. 534ᵇ; wanns nur alles wol bestellt ist, das wann der wirt einen die erst steg hinunder wirft, ein anderer ihn flugs die ander auch hinab losz, und der hauszknecht ihn gar zur thür hinausz stosz. hei, also verdient man die irrten. Garg. 97ᵃ; hieher fraw wirtin, trinkt eins für ewer irrtin. 95ᵇ; da wir nun beiderseits, mann und pferde, wol gefütert hatten, zogen wir also ungemachter irten davon (ohne die zeche zu zahlen). Philander 2, 604;
lauf, gang gen Boppart zu dem wirt,
dem du nit zalen kondst die irt.
Fischart dicht. 1, 41, 1500 Kurz.
sprichwörtlich: die zech vor der yrthen machen, oder an den wirt rechnen. Frank sprichw. 1, 3ᵇ; ich hatte .. die irten gemacht ohne den wirt. Philander 2, 195; die irte bezahlen, etwas ausbaden, für etwas haften müssen:
die irten hat er (Christus) selbs bezalt am krütz.
N. Manuel fastn. sp. 398 Grüneisen.
2)
auch das zechen, trinkgelage: löschte darneben aus desz wirths schenkgelte meinen durst so redlich, als wann ich so wol als ein anderer in der irrten oder zech gesessen wäre. Simpl. 3, 346 Kurz;
der eisenbeiszer kenn ich mere
die kreftigklich ein ganzes höre
bei ainer irten hond erschlagen
und ward kain todter nie hintragen.
Murner schelmenz. (Halle 1788) s. 25.
spottend von einem, der eine schlacht verloren:
das ward Ride verwiszen
dasz er ain irten het gmacht ...
bruͦder Veit wolt im nit borgen,
das zalt der stier von Ur.
Uhland volksl. 478 (v. 1515).
3)
irte, ein masz: so dasz er .. in einen ansehnlichen keller gelangte, zu dessen beiden seiten er grosze fässer liegen sah. der sonnenstrahl fiel durch die ritzen, er konnte deutlich achtzehn gefäsze zählen, deren jedes ihm däuchte funfzig irten zu halten. Grimm deutsche sagen 1, no. 15 (aus Tirol). doch heiszt hier ein weinmasz îrn, ürn (Frommann 6, 158), wie in Kärnten ürn, irn, 54 masz haltend (Lexer 248), mhd. ürn, irm (Lexer wb. 2, 2010), was auf lat. urna zurückgeführt wird; so dasz irten in der oben angezogenen stelle auf einem misverständnis beruhen kann. bair. war die ürten salz eine gewisse anzahl salzscheiben. Schm. 1, 153 Fromm. vergl. auchörte.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1877), Bd. IV,II (1877), Sp. 2180, Z. 67.

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Zitationshilfe
„irte“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/irte>, abgerufen am 11.08.2020.

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