Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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itz, itzo, itzt, itzund

itz, itzo, itzt, itzund,
u. ähnl. s. jetzt, jetzo, jetzund.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1877), Bd. IV,II (1877), Sp. 2184, Z. 19.

jetzt, adv.

jetzt, adv.
nunc.
I.
Die form.
1)
das seit dem 12. jahrh. nachweisbare mhd. iezuo, geschwächt ieze ist zusammengesetzt aus den partikeln ie und zuo, vergleicht sich seiner bildung nach dem erst später auftauchenden immerzu (sp. 2078) und will im allgemeinsten sinne einen gegenwärtigen, dauernd gedachten zustand bezeichnen. die form leidet mannigfache veränderungen. neben der vollsten und ältesten, die bis auf unsere zeit in itzo, jetzo dauerte (s. d.), ergab sich aus der geschwächten ieze ein iez, das im 15. und 16. jahrh. höchst gewöhnlich gebraucht wurde, und mit antritt eines etymologisch nicht berechtigten t ein iezet, iezt, das erst spät in unser jetzt sich wandelte; ferner mit nasalierung ein iezent, mit tieftonigem schweren vocale iezunt, das unten gesondert betrachtet wird (s. jetzund, jetzunder).
2)
die form iez ist zumal in alemannischen und bairischen quellen der genannten zeit die vorwiegende, und hier nach der diphthongischen aussprache (die bis heute dauert, alem. ietz, bair. ietz und hietz, vgl. Schm. 1, 181 Fromm. Lexer 151), auch durch den reim gesichert: yetz : gebiets Daniel 1545 M 2ᵃ; : gmüets G 2ᵇ; : geblüets Q 3ᵃ; yetz, geleich angends, nunc, jamprimum, in praesens, hic, eo loci Maaler 510ᵃ; yetz sindt sie also dahin, das man nit weisz, wo die stet gelegen sind. Frank sprichw. 94ᵃ; dise sind yetz also veracht. ebenda; yetz brechen wir alt bew ab. 96ᵃ; ietz ist aber die welt noch grober. 147ᵃ;
do ist den narren yetz mit wol (nämlich mit zutrinken).
Brant narrensch. 16, 72 u. oft;
botz lung, ietz kom ich wider uff die ban
z'reden, was ich fürgnommen han.
spiel von S. Meinrad s. 1;
ab dir wil ich ietz wytzig werden.
s. 35 u. ö.;
auch wenn in drucken jez steht, ist die form keine andere, da das zeichen j bis ins 17. jahrh. häufig für i steht, vgl. sp. 2185: jetz Keisersberg bilg. 3ᵈ gegen ietz 2ᵈ. 3ᵃ;
drumb lueg jets was er zu schaffen habe
mit beicht, busz, reu der sünden.
Püterich bei Haupt 6, 43;
jetz ists umbsunst, du kumst zu spat.
Funkelin in Tittmauns schausp. 1, 199, 775;
hör mich auch jetz, wan mein mund sendet
mein laid und bit zu deinem ohr.
Weckherlin 56 u. oft.
in andern als alemannischen und bairischen gegenden hat jedenfalls schon frühe iez wie îz oder auch iz gelautet, H. Sachs 1, 293ᶜ reimt jetz : spitz; und es wird demgemäsz nun auch itz geschrieben:
manch tröstüng hätt ich in der ehe,
itz trag ich ach und aynig whe.
Schwarzenberg 148ᵈ
(ebenso 150ᵈ gegen yetz 151ᵃ, yetzt ebenda, jetzt 154ᵃ);
auch ich lig krank und leid grosz quale,
davon ir mir itz habt geklaget,
das ir darin seit hart geplaget.
P. Rebhun in Tittmanns schausp. 1, 34, 109;
und noch in quellen des 17. 18. jahrh.:
das fleisch, das böse fleisch will jtz
behalten schier den obersitz.
Philander (1650) 1, 437;
ich war der könig der schwarzen inseln,
und dieser see, um den sie sich itz (gedrucht ist itzt)
verwandelt in vier hügel, winden,
war einst mein königlicher sitz.
Wieland 18, 256 (wintermährchen, 2. theil).
3)
schon seit dem 13. jahrh. findet sich angetretenes t:
nu bedarf ich dîn izit wol,
wand ich hinnen scheiden sol.
Marien himmelfahrt in Haupts zeitschr. 5, 536, 775;
und diese form, bis ins 16. jahrh. gegen ietz die seltnere, breitet sich von da an aus: ich köndte jn jetzet nicht hören. Pauli schimpf 46ᵃ; gewöhnlich als ietzt und itzt (auch wenn jetzt geschrieben, s. oben 2): so bei Brant yetzt 102, 28 für sonstiges yetz; in S. Meinrads spiel jetzt s. 13, sonst ietz; wie sie euch in der bewrischen uffrhur beim leben erhalten haben, ihr weret sunst ietzt lengest faul. Alberus wider Witzeln L 3ᵃ; yetzt Aimon bog. O 4 gegen yetzt O 2; wo seindt jr ytzt? O 3;
fürwar es ist iezt an der zeit.
Schade sat. u. pasqu. 1, 12, 201 (gegen iez 10, 117. 13, 4. 14, 44. 16, 124 u. s. w.);
Luther führt jtzt (= îtzt) durch. diese form ist nun die bis ins 18. jahrh. herschende und noch bis in unsere tage hineinreichende, theils und gewöhnlich itzt, theils ietzt geschrieben: besser iezt als ein andermal, praesentia sunt meliora Stieler 886; itzt, jam, nunc Steinbach 1, 816; bei allen schriftstellern bis in die achtziger jahre des vorigen jahrhunderts sind belege ungemein häufig: ja, ja, mein schönes kind, da war ich gefährlich, da wuszte manche davon zu sagen; aber ietzt — Lessing 1, 549; mein herr, sie beschimpfen mich ietzt mit dieser vertraulichen benennung. 581;
ach wüszt er was mein herz noch ietzt für ihn empfindet.
der junge Göthe 1, 162 (= werke 7, 52, wo jetzt);
dein brief, den ich eben izt erhalte. Wieland in Mercks briefs. 1, 126;
itzt sinkt dem alten arm und muth.
werke 18, 222;
im reime namentlich bleibt itzt noch lange, auch nachdem sonst das moderne jetzt durchgedrungen: gewisse freiheiten musz sich jeder dichter im reime gestatten. so habe ich mir z. b. nie ein gewissen daraus gemacht, bald itzt bald jetzt am ende eines verses zu brauchen, weil das itzt oft einen vortrefflichen vers zuspitzt. äuszerung Wielands von 1796 in Böttigers litt. zust. 1, 196;
es ist ein wahres zeichen
dasz euch ein guter engel schützt;
allein, setzt er hinzu, das nöthigste ist itzt
dem jungen weibe die hand des trosts zu reichen.
werke 23, 76 (Oberon 8, 9);
wann sie an ihrem tischchen sitzt,
so werd ich scherzend hingewinket:
'komm, schmücke selbst dein mädchen itzt,
wie deiner laun am besten dünket!'
Bürger 18ᵇ;
mit deutschheit sich zu zieren itzt
hat jeder sein armes wamms zerschlitzt.
Göthe 13, 54 (von 1780),
ich seh ihn, wie, die stirn gestützt,
er leise lächelt in gedanken;
wo weilen sie? wo blühen itzt
und treiben diese zarten ranken?
A. v. Droste-Hülshoff ged. (1873) 93;
die sonne schwindet, doch ein leuchten streicht
um der liktoren beile — wieder itzt —
sie rucken, schwenken sich — es blitzt! es blitzt!
127.
4)
wie frühe die form jetzt der aussprache nach durchgedrungen sei, läszt sich nicht feststellen. der schreibung nach findet sich jetzt bereits im 16. und 17. jahrh., aber es bestehen zweifel, ob die jotierung des anlautes selbst in der zweiten hälfte des 17. jahrh. schon bestanden habe oder, wenn dies der fall, doch erheblich verbreitet gewesen sei (vgl. dazu jetzo 3 und unten unter jetzund den reim Ayrers jetzen : sitzen), beweisende reime für das 17. jh. stehen hier nicht zu gebote; erst für das 18. jahrh. thun sie die heutige aussprache dar:
(bis) jetzt wir blicke wechseln, jetzt
leise seufzer, und zuletzt
in die arm einander sinken.
Gökingk ged. (Frankf. 1821) 1, 41 (v. 1772),
gegen: hat bei den alten
diesz vor erkalten
kein herz geschützt:
warum denn itzt?
125.
die zeit des schwankens ist ganz dieselbe wie bei jetzo, und bei beiden worten dringt der consonantische anlaut viel später durch als bei je, jeder u. ähnl.
II.
Bedeutung.
1)
jetzt, auf eine gegenwärtige zeit bezogen: hodie, hac tempestate itzt, itzund, zu disser zeit Alb.; uf daʒ er ietz entpfindt in im (sich) die bitterkeit der stroff (strafe). Keisersberg bilg. 5ᶜ; die schuld ist jtzt ewer. richt. 21, 22; die man jtzt propheten heiszt, die hies man vorzeiten seher. 1 Sam. 9, 9; ist nicht jtzt die weizenerndte? 12, 17; die dir jtzt hofieren, werden dich verachten. Jer. 4, 30; ich wolt aber, das ich jtzt bei euch were. Gal. 4, 20; es ist nicht mehr umb die zeit, da Gretlin span, und Henszlin stecken ritt: vor haben sie bei dem hunger gewacht, jetz schlafen sie bei vollem bauch wol. die kirchen seind jetz gar liecht und hell worden, und die herzen tunkel: vorzeiten warn die kirchen tunkel und der menschen herzen liecht. Fischart bienk. 139ᵃ; die yetz zu jrer zeit gborn werden, müssen zu jrer zeit sterben, und das man yetz pflanzt, muͦsz etwa uszgerot werden, yetz schneiden wir ab, dʒ wir etwa sorgfeltig pflanzten, nu zerbrechen wir, dʒ wir etwa gebaut haben. Frank sprichw. 95ᵇ; den wil ich jm jetzt alsdan, und dann als jetzt perfecte und plene gegeben haben. Ayrer proc. 1, 4; und wird dann (am jüngsten tage) kein vergleich, keine gütliche handlung mehr gelten. jetzt aber seid ihr mit eurem widersacher noch auf dem wege. Schuppius 321; schon seit anderthalb jahren bin ich mit einer übersetzung beschäftiget, mit welcher auch sie jetzt beschäftiget sind. Lessing 12, 21; vormals war er so arm wie ich, jetzt sitzt er im überflusz. Schiller parasit 2, 4; verlieren sie keine zeit; es ist gerade jetzt der günstige augenblick — ich möchte es, wo möglich, noch heute an die behörde absenden. 2, 5; jetzt, da es uns noch an nichts gebricht. Göthe 19, 20; das innere lernen wir schon bei gelegenheit kennen; jetzt sei nur gesagt, dasz auf der andern seite des hauses um einen geräumigen hof ställe und scheunen liefen. Immermann Münchh. 1, 148;
welchs iez ligt unden, wirt dan das ober.
fastn. sp. 386, 14;
junkfrau, sagt mir, was euch geprist!
ich hilf euch iez und alle frist.
549, 16;
ich schmelze itzt miseriam.
Lessing 2, 409;
den reichen nennt es ihn
itzt mehr als je.
239;
wollt ein strahl der hofnung mich erfreun,
dasz du mein noch würdest sein:
o! wie kam ich mir so klein,
aber izt, wie grosz nicht vor!
Gökingk 1, 50;
nun sagt mir, herr abt, als ein treuer wardein,
wie viel ich itzt werth bis zum heller mag sein?
Bürger 67ᵃ;
ihn würdest du aus tausenden heraus
zum freunde dir gewählt, ihn an dein herz
geschlossen haben als den einzigen;
und jetzt, da ihn die heilige natur
dir gab, dir in der wiege schon ihn schenkte,
trittst du, ein frevler an dem eignen blut
mit stolzer willkür ihr geschenk mit füszen.
Schiller braut von Messina v. 388;
jetzt empfind ich erst den mai,
seit der sturm in blüthen wühlet.
Uhland ged. 45;
was weht doch jetzt für trockne luft!
66;
in der formel jetzt zu dieser zeit: und ich ietz diser zitt mit alter und libs krankhait beladen. Öheim chr. v. Reichenau s. 1; der nicht hundertfeltig empfahe, itzt in dieser zeit, heuser und brüder, und schwester und mütter, und kinder .. und in der zukünftigen welt das ewige leben. Marc. 10, 30; ist aber yetz der zeit ganz öd und wüst. Frank weltb. 166ᵃ
2)
mit praepositionen, bis jetzt, für jetzt, vor jetzt (auch zusammengerückt, theil 4¹, 754), auf jetzt: und was ich auf itzt vergessen musz, habe ich denn das auf ewig vergessen? Lessing 10, 329; es gehört für itzt mir zu. Gellert 2, 202; dasz von Spanien vorjetzt noch nichts zu hoffen sei. Schiller 682;
komm vor itzt nur mit
in meinen harem, eine sängerinn
zu hören, die ich gestern erst gekauft.
es reift indesz bei mir vielleicht ein anschlag.
Lessing 2, 242;
habt ihr bis jetzt verheimlicht diesz gesicht,
so haltet ferner fest an eurem schweigen.
Shakesp. Hamlet 1, 2.
vergl. auch anjetzt.
3)
in bezug auf ein vorhaben, eine absicht, einen willen, wunsch, befehl zeichnet jetzt eine unmittelbar bevorstehende, an die gegenwart dicht heran reichende zukunft, etwa wie sogleich oder auch nun: du solt jtzt sehen, ob meine wort können dir etwas gelten oder nicht. 4 Mos. 11, 23; doch ich wil jtzt von gott reden und von jm handeln. Hiob 5, 8; wöllend wir nit yetz gon, ist es nit zeit ze gon, jamne imus Maaler 510ᵃ; sieh, sie regt sich! itzt wird sie erwachen. Lessing 2, 567; so wird man itzt in der that weniger blendende stellen zusammen rechnen können. Ramler dichtk. d. H. 128; was fangen wir izt mit unserm bären an? Wyttenbach in Mercks briefs. 1, 504;
darum wil ich ietz sterben thon (thun).
meisterl. fol. 23 no. 243;
wir wolln zu ir ins haus itzt gehen.
Rebhun in Tittmanns schausp. 1, 37, 189;
itzt wird der südwind mich nicht mehr aus regen büschen,
davon der schatten wankt, in ihrem arm erfrischen.
itzt werd ich nicht, wie sonst, die rauhen faunen gehn
und ziegen über uns am felsen klettern sehn.
E. v. Kleist (1804) 1, 147;
das alles wird sich itzt
o prinz, vor deinem aug verbreiten.
Mercks briefs. 1, ⅩⅬⅤⅠⅠ;
o, so erfüll itzt die verwünschung mir.
Bürger 142ᵇ;
jetzt geh und schick mir gleich den Isolan
hieher.
Schiller Wallenst. tod 3, 4;
jetzt unvermittelt neige
du dich zu unserm schmerz!
Uhland ged. 97.
auch bei lebendiger schilderung einer ferneren zukunft: der vater wird ihm bald die herrschaft abtreten und in ruhe auf seinen schlössern leben. i zt hat der stolze strudelkopf den zügel in händen, itzt lacht er seiner hasser und neider — und ich .. werde tiefgebückt vor seiner thürschwelle — Schiller räuber 2, 1.
4)
jetzt deutet auf einen bis unmittelbar an die gegenwart reichenden abschnitt der vergangenheit, etwa durch eben, so eben zu umschreiben: sihe, jtzt sind zu mir komen vom gebirge Ephraim zween knaben. 2 kön. 5, 22; die jtzt mit namen beschrieben sind. 1 chron. 5, 41 (sie sind vorher v. 24—37 genannt); da stunden auf die menner, die jtzt mit namen genennet sind. 2 chron. 28, 15; herr, meine tochter ist jtzt gestorben. Matth. 9, 18;
wer wars, der itzt in die collekte
mit langsam schlauer hand ein volles briefchen steckte?
Gellert 1, 34;
und itzt sprach Hafi doch so ungewisz,
so kalt von ihm.
Lessing 2, 242.
in den verstärkenden verbindungen eben jetzt, gleich jetzt, grade jetzt: eben jetzt ist diese nachricht eingetroffen; izt gleich bekomme ich meines herrn brudern schreiben (empfange es so eben). Wallensteins briefe 20; du siehst es ja, dasz ich den brief nur jetzt gleich bekommen habe. Lessing 1, 275;
grad ietz, herr graf, kompt er gegangen (von einem so eben eingetroffenen).
spiel von S. Meinrad 14.
5)
jetzt mit einem praeteritum oder historischem praesens, und einien jüngern, gleichsam der gegenwart näheren abschnitt der vergangenheit von einem früheren unterscheidend: und alsbald sie versuͦchten die feigen, da schamten sie sich ietz des, des sie sich vor nit schamten. Keisersberg sünd. d. m. 12ᵈ; und da sie geberen solt, worden zwilling in jrem leibe erfunden. und als sie jtzt gebar, that sich eine hand heraus. 1 Mos. 38, 28; und in derselbigen nacht fiengen sie nichts. da es aber jtzt morgen war, stund Jhesus am ufer. Joh. 21, 3; da namen sie jn und marterten jn, wie den ersten. als er nu jtzt in den letzten zügen lag, sprach er .. 2 Macc. 7, 9; da seid ihr im irrthum, sprach der hofschulze, der das letzte gehört hatte und, das schurzfell jetzt abgethan, im weiszleinenen kittel aus dem schoppen trat. Immermann Münchh. 1, 128; die bauern sprachen jetzt (nach andern reden) von dem gegenstande, welcher sie zu dem hofschulzen geführt hatte. 137; die mägde hatten vorher schon den tisch abgeräumt und gingen jetzt hinaus. 191;
ein guter ehrlicher soldat,
der .. im trunke seinen wirth erschlagen,
ward itzt hinausgeführt, für seine missethat
den lohn durchs schwert davon zu tragen.
Gellert 1, 200;
durch gassen, wo er sonst stolz auf und ab gefahren,
schlich itzt sein fusz ganz unbekannt.
s. 51;
hier steht nunmehr das gute kind,
allein sie kann sich nicht entschlieszen.
doch nein, itzt bückt sie sich geschwind
und wagts, Damöten sanft zu küssen.
53;
die schaar
beginnt, geordnet itzt die reis, und eilt
mit schnellen flügeln fort.
E. v. Kleist (1804) 2, 31.
6)
jetzt, auch sonst bei einer zeitfolge, wie nun, nunmehr: wie jetzt geschehen ist. richt. 13, 23;
drumb hab ich ietz erwegen
desz üweren rhats in thrüwen z'pflegen.
spiel von S. Meinrad s. 11;
das recht, das eine schlimme zeit
lebendig uns begrub,
das jetzt mit neuer regsamkeit
sich aus dem grab erhub.
Uhland ged. 87.
so z. b. in scenischen anweisungen des 16. jahrh. bei den einzelnen, auf einander folgenden situationen: Richhard gibt ihm ietz ein streich, das ihm das hirn uszlauft. spiel von S. Meinrad s. 81; gahnd ietz in die zell, suochen den raub. ebenda; louffend ietz all wider in die hell. 83; yetz kumpt der landvogt. Urner spiel von Wilh. Tell s. 7 Vischer; yetz gond die diener mit einander zum Thellen. s. 11 (neben nun kommend die diener s. 12); ietzt macht Ludolf mit seinem stab einen kreisz. J. Ayrer 439ᶜ (2208, 13 Keller); und dann ähnlich auch anderweit:
nicht lange lässest du, mein kind, ihn staunen;
du fährst so fort, mit frostgen eisesblicken
ihn wegzustoszen ... itzt hebst du an zu weinen.
Schiller Semele v. 222.
7)
abgeblaszt, wie nun, denn, doch: was hab ich jtzt gethan, das ewr that gleich sei? richter 8, 2;
was freundschaft ich dir hab gethan,
die hastu mir so gar vergessen,
und hast mich keiner genieszen lan,
das hett ich dir jetzt nit vermessen (zugetraut).
Ambras. liederb. no. 185, 22.
8)
doppeltes jetzt in verschiedener verwendung; eindringlich: wie einem, der einen giftbecher ausgeleert und mit bebender angst jetzt und jetzt die tödtliche wirkung erwartet. Schiller 857;
und jetzt soll ich das thun, jetzt eben, da ich
auf mein vollendet werk den kranz will setzen?
Wallensteins tod 3, 4;
jetzt im lichte, jetzt im leben
find ich, die ich nie verlor.
Uhland ged. 47;
gewöhnlicher aber jetzt — jetzt, wie baldbald: denn das schwert frisset jtzt diesen, jtzt jenen. 2 Sam. 11, 25;
wenn, vom orkan gepeitscht, des meeres flut
sich mit dem bangenden gewölke mischt,
und itzt zur hölle niederstürzt, und itzt
sich wieder in den himmel thürmt und heult.
E. v. Kleist (1804) 2, 50;
ach! was in tiefer brust uns da entsprungen,
was sich die lippe schüchtern vorgelallt,
miszrathen jetzt und jetzt vielleicht gelungen,
verschlingt des wilden augenblicks gewalt.
Göthe 12, 10;
jetzt ist im dienst der götter was versehn,
das uns das leben wüste macht. jetzt ists
der meinungen verhasztes mancherlei,
die menge die es uns verbittert.
Schiller Iphig. 1, 1;
jetzt da, jetzt dort die irren blicke weidend.
Phöniz. v. 287;
wenn dein finger durch die saiten meistert,
Laura, itzt zur statue entgeistert,
itzt entkörpert steh ich da.
Laura am clavier;
des nachbars lieblich flötenspielen
nimmt jetzt mir die gedanken hin,
und jetzt musz ich hinüberschielen
nach meiner hübschen nachbarin.
Uhland ged. 30.
itzt - - itzt auch wie noch ebenjetzt:
wo blumen itzt stolzierten, tobt
in wasserwogen das verderben itzt.
E. v. Kleist (1804) 2, 63.
9)
für jetzt — jetzt auch andere fügungen: iez waren sie samenthaft mit gewerter handt bei ainandern, dann tailten sie sich in die gassen. Zimmer. chron. 3, 460, 30; zu zeiten weinen wir, zu zeiten lachen wir, yetz trauren wir, dann springen wir vor freud uff, und sind gar der zeit underworfen. S. Frank sprichw. 1, 96ᵃ; yetz sagt er ja, denn nein, modo ait, modo negat Maaler 510ᵃ;
wann er verwandelt sein gestalt.
jezt wurt er jung, dann wurt er alt,
jezt war er schön, dann wurt er scheuszlich ...
H. Sachs 2, 53, 26 Gödeke;
er leget bald sein misvergnügen (beim damenspiele),
bald seinen beifall an den tag;
er schüttelte den kopf itzt bei des einen zügen,
und billigte darauf des andern seinen schlag.
Gellert 1, 148;
lieblich itzt, wie über glatten kieseln
silberhelle fluten rieseln, —
majestätisch prächtig nun,
wie des donners orgelton,
stürmend von hinnen izt, wie sich von felsen
rauschende, schäumende gieszbäche wälzen,
holdes gesäusel bald,
schmeichlerisch linde ...
Schiller Laura am clavier.
10)
jetzt als substantiv: über das dann des jenseits hat dieses kleine jetzt keine stimme. J. Paul Tit. 2, 74;
dort eilt ein schnelles blei in das entfernte weisze,
das blizt, und luft und ziel im gleichen jezt durchbohrt.
Haller (1768) s. 26;
ein einzig itzt in dir (gott) ist ewigkeit.
157;
dreifach ist der schritt der zeit:
zögernd kommt die zukunft hergezogen,
pfeilschnell ist das jetzt entflogen,
ewig still steht die vergangenheit.
Schiller sprüche des Confucius 1, 3;
ach, ans ende statt zu denken,
dürft ich in das jetzt mich senken.
Rückert 102;
schwankend zwischen jetzt und einst.
218;
wer beschriebe
lenzestriebe?
wer die liebe?
wer das jetzt?
Platen 17;
J. wer aber blickt nicht gern ins künftige?
A. das ist ein schlechter trost! was mir das jetzt
versagt, besitz ich nicht.
243.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1877), Bd. IV,II (1877), Sp. 2317, Z. 47.

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Zitationshilfe
„itzt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/itzt>, abgerufen am 04.08.2021.

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