Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

gäre, järe, f.

gäre, järe, f.
gärung.
1,
a)
gäre, aestuatio vini vel cerevisiae Stieler 609, das gären oder die gur des biers Ludwig 691. später gähre, z. b.: sodenn bekömmt es (das wasser in der branntweinblase), wie das bier, zur gähre seine frische hefen. in dieser gähre bleibt es .. stehen .. Leipz. öcon. lex. 366. auch gehr, gähr: gib gute achtung auf die gehr (des mostes). Colerus hausb. 82; weiln die most in der brunst oder gähr sind. Hohberg 3, 1, 284ᵇ. nd. dat bier stêt in de gäre Dähnert 140ᵇ. s. auch u. gare 4, a.
b)
der rechte grad der gärung (wie gare 4, b): dieser wein hat eine gute gäre, this wine has a good garb, a quick and pungent taste Ludwig 691, hamb. êne gode göhr, 'schmeckt rein und wol ausgegohren, hat die lieblichkeit und stärke der reinen traube' Richey 78, auf den tabak übertragen Brem. wb. 2, 528; vgl. 3, c.
c)
was die gärung bewirkt, hefe, gähre Frisch 1, 320ᵇ, s. Adelung oben unter gare 4, c, bestätigung gibt Stielers beispiel dem bier eine gute gäre geben, optimam fecis condituram cerevisiae indere, offenbar aus der brauerei, s. gärbottich.
d)
bildlich nd. in de wilde gäre kamen, in ein unordentliches leben geraten (s. gären II, 4, d), anders de sake steet noch in de gäre, man weisz noch nicht wie sie ausfallen wird. Dähnert 140ᵇ, wie dän. i gjäre.
2)
järe, wie jären (s. dort): den most soll man im winter- oder christmonat reinigen, wenn er nemlich aufgehöret zu jären. alsdann soll man die vässer inwendig, da sie von der jär angelaufen, abwischen .. Hohberg 3, 1, 263ᵇ, er hat daneben gähr (1, a).
3)
die form.
a)
aus d. 15. jh. bei Dief. 77ᵃ gere blictrum, aus Mones anz. 7, 300, wo aber 'gest, gern, blictrum' steht. aus mhd. zeit (wb. 1, 530ᵃ) ein zeugnis bei Frauenlob in einem spruche von der milde:
swer sîn (l. ir) hât übergære,
dem ist der muot ze swære.
325, 13,
überflusz, überschäumenden ausbruch; doch hat die hs. ubergere, und da der dichter im reime auch sonst kürzen lang macht, ist auf gære kein verlasz. gere kann präsensbildung sein, wie bair. ger f. gärung Schm. 2, 62, und gäre trotz seiner nhd. länge nicht anders; vgl. übrigens u. 4. eigen nd. gërige f. gärung Schamb. 63ᵃ, wie hittige hitze 83ᵇ.
b)
auch dän. 'gjär, gähre, gahre, gäscht, hefen', at väre i gjäre, in der gäre sein, norw. gjär f. Aasen² 223ᵇ, schwed. dial. gär m. und göre n. Rietz 230ᵇ, isl. gér n.; das scheint aber unter deutschem einflusz zu stehn, wie auch Aasen andeutet. dän. verflieszt übrigens gjär mit gjärd, und isl. gerđ f., eig. bewirkung (auch verdauung), gilt geradezu auch für gärung, wie schon altschwed. gärþ Rydqvist 2, 357, altn. gerđ Möbius 137, Fritzner 199ᵃ, d. h. es ist zu gera, gerva (s. gärben) hinüber gezogen, ganz wie bei uns gärben und gären verwachsen sind, s. gären I, 3, a; auch das altn. giör hefe unter gare 5, c wird sich so erklären, nicht verschieden von isl. gér.
c)
nd. neben gäre (1, a) auch göre f., 'gehrung, johre' Richey 78, Brem. wb. 2, 528, Schütze 2, 53, auch gör f., bildlich nach 1, b, im 17. jh.:
jerni, segt he, que vive donc la France de bon coeur!
denn, foutre! wat ut Frankrik kumt, dat het de rechte gör!
Lappenbergs Lauremberg s. 150.
das berührt sich zugleich mit nl. geur m. blume des weins, duft u. ä., luxemb. gêrchen n. Gangler 168, in Aachen gühr f., auch saft des fleisches Müller u. Weitz 76, die gleiches ursprungs sein werden, s. gären I, 3, b.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1874), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 1348, Z. 16.

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Zitationshilfe
„järe“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/j%C3%A4re>, abgerufen am 22.10.2021.

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