Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

jäten, verb.

jäten, verb.
runcare, sarrire. Ein vorzugsweise hochdeutsches und nur am Rhein auch in niederdeutschem gebiete vorhandenes wort: ahd. jetan, mit dem part. praet. gigetan Graff 1, 595, mhd. jetan und geten, rhein. geden, niederdeutsch gilt dafür alts. wiodôn, ags. veôdjan, engl. weed, ndl. wieden, nnd. weden, und wie dies letztere wort auf alts. wiod, ags. veôd unkraut zurückführt, so musz auch jäten mit dem freilich nur einmal belegten ahd. getto lolium (Graff a. a. o.) im engsten zusammenhange stehen, das möglicherweise in dem schweiz. neutr. jätt, gejätt unkraut (Stalder 2, 75), bair. jät, jet, das jäten und das unkraut (Schm. 1, 1212) fortlebt, obschon nicht zu übersehen ist, dasz in diesem jät, worauf namentlich die alem. form weist, der begriff unkraut erst später aus der handlung des jätens sich entwickelt haben kann. nebenform zu jäten ist gäten, alt geten (vgl. theil 4¹, 1489 f.), man nimmt an, dasz das anlautende j in dem worte ursprünglich ist, indes so lange ohne völlige sicherheit, als die etymologischen bezüge noch unklar sind, und man nicht darthun kann, dasz auch jenes oben angeführte ahd. getto für jetto geschrieben ist. jeten gehörte ahd. und mhd. der starken conjugation an, über die nachklänge derselben und das aufkommen der schwachen im nhd. vgl. theil 4¹, 1489, ebenso über den genauen begriff. runcare yetin, getten, geden Dief. 503ᶜ; jätten, sarculare, sarrire, runcare, noxias herbas evellere, exstirpare, eruere Maaler 234ᵃ; den weingarten jätten, sarrire, vineas occare. ebenda; jeten evellere, vulg. uszraufen oder ziehen. voc. inc. theut. k 6ᵃ, gegen geten vel jeten vellere sicut ortulane vellunt herbas malas de bonis h 1ᵃ; jäten, jeten runcare, sarrire, surculare Schottel 1340; die saat jäten, segetes sarrire, sie jäten das korn, frumentum sarculant, sie jäten den flachs, lini herbas inutiles evellunt Steinbach 1, 808; jätten, jäten, sarrire, herbas inutiles evellere, runcare Frisch 1, 485ᵃ; wer disen bienenkorb halten will, der musz diese kräuter (gratia dei und palma Christi) ausz seim garten jetten. Fischart bienk. 242ᵃ;
sie liept mir mer, denn laimen kneten,
und liept mir mer, dann distel jeten.
fastn. sp. 633, 12;
schneiden, rebnclauben, jeten, pinden (als weinbergsarbeiten).
Schmelzl lobspruch 70;
wenn nesseln an dem bach
des lebens unter euren veilchen blühen:
wer soll sie jäten? eure gattin? ach!
Gökingk lieder zweier lieb. 55,
in freierem sinne:
neun stück die will er an in rechen ..
das viert ist ir meineid schwern,
das solten die obersten haubt in wern;
das funft ist von irem glauben abtreten,
das solten ir pebst und bischoff ausz jeten.
fastn. sp. 294, 4;
schweiz. jäten, jätten, einem kinde die rute geben. Stalder 2, 75.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1877), Bd. IV,II (1877), Sp. 2267, Z. 70.

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Zitationshilfe
„jäten“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/j%C3%A4ten>, abgerufen am 16.10.2021.

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