Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

jüngling, m.

jüngling, m.
juvenis. ahd. jungeling, mhd. jungelinc; niederl. jongling; ags. geongling, engl. youngling; altnord. ynglingr, unglingr, dän. schwed. yngling; das goth. hat dafür die bildung jugga-lauþs. die nicht nasalierte form junglig, jünglig findet sich in ältern alem. quellen: jünglig Keisersberg bilg. 3ᶜ;
besser ist ein wyser jünglig,
denn ein thorechter alter künig.
rychstag 805.
1)
unter jüngling ist zunächst auch der knabe verstanden: item darnach als man zalt 1407, do was ich ain jüngling bei ailf jaren. d. städtechron. 5, 123, 1 (eine handschr. junglin, vgl. dazu unter jünglein);
si bevalch ir den wênigen jungelinch (den eben aus dem wasser gezogenen Moses)
unde nante in Môŷsen unde ire chint.
exodus in den fundgr. 2, 88, 20;
aber gewöhnlich wird jüngling von dem zwischen dem knaben- und mannesalter stehenden gebraucht und demgemäsz zwischen kind und jüngling, knabe und jüngling unterschieden (über knabe = jüngling in der alten sprache vgl. th. 5, sp. 1313), ebenso zwischen jüngling und mann: ausz guten knaben, werden gute jüngling; ausz guten jünglingen, gute männer. Schuppius 733; sie sollen .. ein desto glückseligerer mann werden, je unschuldiger der jüngling gewesen ist. Gellert 6, 177; der knabe, der jüngling, der mann und der greis. 149; der reichlockige knabe, der muntere jüngling, der ernste mann. Göthe 17, 211; der knabe (Friederich) ... das mittelding zwischen kind und jüngling. 18, 223;
immer dieselbe, bewahrst du (natur) in treuen händen dem manne,
was dir das gaukelnde kind, was dir der jüngling vertraut.
Schiller spaziergang v. 196;
und es sagte darauf der edle verständige pfarrherr,
er, die zierde der stadt, ein jüngling näher dem manne.
Göthe 40, 237.
der sprieszende bart wird an ihm als zeichen der nahenden mannesreife hervorgehoben: jüngling dem das erst barthaar wechst, julus, adolescens, adolescentulus. Dasyp.; mannbar und gebarter jüngling, vesticeps. ebenda;
ein jüngling ohne bart, in freiheit nun gestellt,
hat hund und pferde lieb, streicht durch das freie feld.
A. v. Abschatz verm. ged. 176.
jünglinge und jungfrauen formelhaft zusammengestellt: auswendig wird sie das schwert berauben, und inwendig das schrecken, beide jünglinge und jungfrawen, die seuglinge mit dem grawen man. 5 Mos. 32, 25; verschonete weder der jünglinge noch jungfrauen. 2 chron. 36, 17; jünglinge und jungfrawen, alten mit den jungen, sollen loben den namen des herrn. ps. 148, 12; erwürget, beide alte, jünglinge, jungfrawen, kinder und weiber. Hes. 9, 6;
mehr als die lämmer sind dem gotte werth
die jungfraun in der jugend erstem kranz:
mehr, als der füllen auch, hat er begehrt
der jünglinge im ersten waffenglanz.
Uhland ged. 381.
von einem schon bejahrten sagt man halb ironisch das ist auch kein jüngling mehr.
2)
in der modernen sprache ist das wort viel ausschlieszlicher als in der ältern, nur der gehobenen oder doch gewählten rede eigen, in gewöhnlicher heiszt es dafür junger mann: gedenke daher, o jüngling, an deine pflichten in deiner jugend. Gellert 6, 231; so eine stadt, wo ehemänner einen begriff von dem bedrängten zustande eines unverheiratheten wohlgesinnten jünglings hätten. Göthe 14, 89;
schlafend sieht sie den jüngling, wie er in thränen zerflieszet,
und mit bebender stimme die liebe
endlich stammelnd ihr sagt.
Klopstock 1, 34;
kein deutscher jüngling wähle das mädchen sich
das deutsche lieder hasset.
Hölty 86 Halm;
ich tadl es nicht (das erwählen eines mannes zum vorbild), weil du ein jüngling bist:
ein jüngling musz die flügel regen,
in lieb und hasz gewaltsam sich bewegen.
Göthe 13, 160;
da faszt ein namenloses sehnen
des jünglings herz, er irrt allein.
Schiller glocke v. 67;
wohlan!
so reich ich diesem jüngling meine rechte,
die freie Schweizerin dem freien mann!
W. Tell 5, 3;
den jüngling, dem die liebe
heiszes sehnen aufgeweckt.
Uhland ged. 5;
dir, edler jüngling, bring ich heut ein lied.
Platen 71.
ironisch: diesen liebenswürdgen jüngling
kann man nicht genug verehren.
H. Heine 15, 167.
bei personificationen:
willkommen, schöner jüngling!
du wonne der natur!
mit deinem blumenkörbchen
willkommen auf der flur!
Schiller an den frühling.
3)
jüngling, in poetischer rede auch von dem, der die empfindungen eines jünglings in das reifere alter gerettet hat: er sagte dem baumeister Dian sein ganzes glück, weil er wuszte, wie sehr der mann noch ein jüngling für die liebe blieb. J. Paul Tit. 4, 164;
so bist du schon im hafen, alter mann?
ich nicht. es treibt der ungeschwächte muth
noch frisch und herrlich auf der lebenswoge;
die hoffnung nenn ich meine göttin noch,
ein jüngling ist der geist (Wallenstein zu Gordon).
Schiller Wallensteins tod 5, 4;
als kriegsruf erklang;
hei! wie der weisze jüngling (Blücher) in'n sattel sich schwang!
Arndt ged. (1840) 283.
4)
jüngling, in der ältern sprache ein jugendlicher diener: da nu David in der wüsten höret, das Nabal seine schafe beschur, sandte er aus zehen jüngling. 1 Sam. 25, 5; und David sprach zu seiner jüngling einem, erzu, und schlag jn. 2 Sam. 1, 15; und David gebot seinen jünglingen, die erwürgeten sie. 4, 12; der coffee, welchen mein jüngling herein brachte, veränderte unser gespräch. Plesse 1, 7; ging selbst mit meinem jüngling nach dem posthause. 1, 10.
5)
jüngling, eine in Afrika heimische pflanzengattung, athanasia. Nemnich 1, 528. auch die pflanze gnaphalium arenarium, gelbe strohblume. 3, 61.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1877), Bd. IV,II (1877), Sp. 2395, Z. 35.

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Zitationshilfe
„jüngling“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/j%C3%BCngling>, abgerufen am 26.10.2021.

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