Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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dennoch

dennoch
s. dannoch.
1.
adhuc praeterea, wie das ahd. noh danne Graff 5, 49. schon im 16ten jahrh. selten und heute auszer gebrauch. das setzt er dennoch dazu Luther 5, 377ᵃ.
2.
gleichwol, tamen attamen, nihilominus, nachdrücklicher als doch; vergl. jedennoch. dennoch attamen Voc. theut. 1482 e 7ᵃ. das ein volk gottes stimme gehört habe aus dem fewr reden wie du gehört hast, und dennoch lebest? 5 Mos. 4, 33. und ob er schon höre die wort dieses fluchs, dennoch sich segne in seinem herzen 29, 19. wenn du mir tausend silberlinge in meine hand gewogen hettest, so wolt ich dennoch meine hand nicht an des königs son geleget haben 2 Samuel 18, 12. ir werdet keinen wind noch regen sehen, dennoch sol der bach vol wassers werden 2 Könige 3, 17. du hast gaben empfangen fur die menschen, auch die abtrünnigen, das gott der herr dennoch daselbs bleiben wird Psalm 68, 19. Israel hat dennoch gott zum trost, wer nur reines herzen ist, wo der satz auf den sich dennoch bezieht nicht ausgedrückt, sondern vorausgesetzt wird 73, 1. das gerechtigkeit dennoch fur im bleibe und im schwang gehe 85, 14. die stolzen haben iren spot an mir, dennoch weiche ich nicht von deinem gesetz 119, 51. die eimmeisen ein schwach volk, dennoch schaffen sie im sommer ire speise: caninichen ein schwach volk, dennoch legts sein haus in den felsen: heuschrecken haben keinen könig, dennoch ziehen sie aus ganz mit haufen Sprüche Sal. 30, 24. du demütigest der frembden ungestüm, wie die hitze in einem dürren ort, das die hitze den tyrannen der rebe verderbe und die wolke dennoch schatten gebe Jesaia 25, 5. herr, wenn ich gleich mit dir rechten wolt, so beheltest du doch recht: dennoch musz ich vom recht mit dir reden Jerem. 12, 1. 'wenn du gleich dein nest so hoch machest als der adler, dennoch will ich dich von dannen herunter stürzen' spricht der herr 49, 16. da sprach Pilatus zu im 'so bist du dennoch ein könig?' Joh. 18, 37. da wir aber von reden, das ist dennoch weisheit 1 Corinth. 2, 6. sondern, als wir zuvor gelitten haben und geschmähet gewesen waren zu Philippen, wie ir wisset, waren wir dennoch freudig in unserm gott 1 Thessal. 2, 2. aber doch, dennoch mustu also sagen atqui ita dicas necesse est Henisch 679. ein junger mann kann neunmal verderben und dennoch wieder genesen ders.
(sie) redt und weisz dennoch nicht
was in der tollerei sie gegen mich selbst spricht.
Fleming 106.
noch dennoch bleib ich hier, musz ich sie gleich verlassen.
609.
bittres will ich dennoch leiden,
dasz ich süszes nicht darf meiden
Logau 1, 35 (25).
wenn das beste nicht zu haben, neme man für gut das gute,
auch für lieb,   ist nicht ein tapfrer, dennoch mit dem frohen
mute.
1, 51 (89).
bücher haben auch ihr glücke: wann sie nicht gesalzen sein,
faszt man dennoch gute würze, pfeffer oder safran drein.
2, 157 (96).
altes ehvolk als die jungen lieben auch nicht minder,
wo ja nicht wie ehgenossen, dennoch als die kinder.
2, 166 (35).
das glück das seine liebsten gaben
sonst immer für die leute spart,
die von den gütern bessrer art
nicht gar zu viel bekommen haben,
entschlosz sich dennoch auf sein flehn
dem wackern manne beizustehn
Gellert 1, 101.
wenn gleich ihr auge zürnt, so zürnt es dennoch schön.
ders.
zwei muntre mädchen hatten schuld,
die voller frommen ungeduld
das thaten was die mütter thaten:
und dennoch wollten sich die mütter nicht bequemen
die guten kinder mitzunehmen
Lessing 1, 117.
was? es wäre
nicht geckerei, an solchen geckereien
die gute seite dennoch auszuspüren?
2, 212.
wer weisz ob er sich meiner gar erinnert.
und dennoch musz er, einmal wenigstens,
sich meiner noch erinnern, um mein schicksal
ganz zu entscheiden
2, 252.
süsz ist was die biene zollt,
süszer dennoch minnesold
Bürger 17ᵃ.
das dunkelste aller dinge, ja das dunkel selbst nach einigen ist die materie. dennoch ist es eben diese unbekannte wurzel, aus deren erhebung alle bildungen und lebendigen erscheinungen der natur hervorgehen Schelling Weltseele xix. Göthe und Schiller gebrauchen in dichtungen die partikel selten.
denn der könig gedenkt mit allen seinen baronen
hof zu halten in feier und pracht; er läszt sie berufen
alle mit einander, so gut die groszen als kleinen.
niemand sollte fehlen, und dennoch fehlte der eine
Reinecke fuchs, der schelm, der viel begangenen frevels
halben des hofs sich enthielt
Göthe 40, 5.
und eh er sich eben erklärte,
dasz er den geistlichen stand ergreifen wolle, so war er
von der dringenden menge beinah zu tode geschlagen.
dennoch beharrte der thor auf seinem vorsatz
40, 50.
was kein ohr vernahm, was die augen nicht sahn,
es ist dennoch, das schöne, das wahre
Schiller 88ᵇ.
Wrangel. noch mit erstaunen redet man davon,
wie Sie vor jahren gegen menschendenken
ein heer wie aus dem nichts hervorgerufen:
jedennoch —
Wallenst. dennoch? 363ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1856), Bd. II (1860), Sp. 952, Z. 43.

jedennoch, conjunction

jedennoch, conjunction
des gegensatzes, aus dennoch (theil 2, 952f.) mit dem allgemeinen je, das eine bedingte behauptung, gegenbehauptung, ein zugeständnis einleitet (sp. 2277) verbunden, und den gegensatz nachdrücklicher als bloszes doch oder jedoch markierend; es ist vorzugsweise der sprache des 17. und 18. jahrh. eigen, nachher zu gunsten von dem älteren jedoch wieder in abgang gekommen: jedennoch tamen, attamen Steinbach 2, 127; er antwortete, so solte ich je dannoch aufstehen, weil es anfieng zu tagen. Simpl. 1, 209 Kurz; jedennoch gab er mir eine halbe knackwurst mit auf den weg. Jucundiss. 133; jedennoch aber müssen sie bekennen .. Plesse, vorr.; stutzten aber jedennoch ziemlicher maszen. Felsenb. 4, 258; was das auge mit einmal übersiehet, zählt er (der dichter) uns merklich langsam nach und nach zu, und oft geschieht es, dasz wir bei dem letzten zuge den ersten schon wiederum vergessen haben. jedennoch sollen wir uns aus diesen zügen ein ganzes bilden. Lessing 6, 471; so sehr mich gewissermaaszen der besuch meines bruders Gottlob .. befremden muszte, .. so angenehm ist er mir jedennoch gewesen. 12, 158;
doch du hast deine lust an diesen edlen sachen,
die keinen mächtiger, jedennoch weiser machen.
Opitz 1, 13;
ich habe recht gethan,
jedannoch klagt man mich von wegen unrecht an.
190;
kein könig ist zwar Veit, von Gerar, hat auch nicht,
dasz Abraham für ihn gebet und segen spricht,
je dennoch ist sein haus an müttern aufgeschlossen,
dasz seiner guten art hat fraw und magd genossen.
Logau 1, 146, 30;
obgleich betrübt, jedennoch unverzagt.
Günther 326;
der dritte theil von dir, der zwar kein wesen ist,
jedennoch leben kan, dein nachruhm auf der erden.
616;
jedennoch wo dein blick mein hart verhängnis zwänge,
so glaub ich dasz ich noch in kurzem höher sänge.
718;
jedennoch, wenn du dir, und auch zugleich den deinen
wilst mehr zu gute thun, so must du da erscheinen,
wo man der fürsten huld ... in demuth suchen musz.
Caniz 147;
Wrangel. noch mit erstaunen redet man davon,
wie sie vor jahren gegen menschendenken
ein heer wie aus dem nichts hervorgerufen.
jedennoch — Wallenst. dennoch?
Schiller Wallenst. tod 1, 5.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1877), Bd. IV,II (1877), Sp. 2285, Z. 9.

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Zitationshilfe
„jedennoch“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/jedennoch>, abgerufen am 28.10.2021.

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