Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

jedermann

jedermann,
omnis, quisque, aus jeder mann zusammengeflossen; der betonung und bedeutung nach von dem letzteren ganz verschieden geworden, der betonung nach weil es den hochton auf jeder legt und mann nur als tieftonig behandelt (jédermànn gegen jéder mánn), der bedeutung nach weil es, von der allgemeinen bedeutung mann = mensch ausgehend, uns nicht mehr wie einfaches jeder ausdrückt. dieser sinn wohnt dem worte bereits im 14. 15. jh. bei, wo es noch getrennt geschrieben wird: waʒ auch este und wipfel von zimerholcz und prennholcz kumt, di mag ider man, der recht in den walt hat, ungepfent nemen und fuͤren. d. städtechron. 1, 30, 8;
also huob do yeder man
ze singen und ze sagen an.
ring 37ᵈ, 17;
du wirst wunder hören,
wie unser jeder man wirt lachen.
fastn. sp. 287, 16;
doch neben schon zusammengerückter form:
hört, ir tohtern und ir chnaben,
yederman far in sein haus!
ring 9ᵃ, 40;
sie tuot mich aber pei meinem eid kratzen,
das idermann ie tut erbarmen.
fastn. sp. 48, 7.
das wort wird wie ein compositum angesehen, insofern sein erster theil undecliniert verharrt, wie es heiszt im nom. jedermann: einer der do guͤtig ist und milt, den hat yederman lieb. der aber hert ist und pinlich, den hast yederman. Keisersberg bilg. 7ᵃ; verflucht sei jederman, der heute etwas isset. 1 Sam. 14, 28; da sprach Absalom und jderman in Israel. 2 Sam. 17, 14; jederman gibt zum ersten guten wein. Joh. 2, 10; und jederman gieng, das er sich schetzen liesze. Luc. 2, 3; jederman sei unterthan der oberkeit, die gewalt uber jn hat. Röm. 13, 1; verhaszte minen, aus welchen jederman seine verachtung zu lesen glaubte. Lessing 12, 5; jedermann findet das sechste buch .. interessant. Schiller an Göthe 1, 108; jedermann hat seines gutes gewalt. jedermann nutzt wohl das seine. deutsche rechtssprichw. s. 93;
gee iederman, von wannen er komen sei.
fastn. sp. 437, 20;
jderman wil dem selbigen (evangelium) anhangen.
Schade sat. u. pasqu. 1, 54, 11;
hie bei mag jederman vernemen,
was schalkheit sich der man mag ruͤmen.
H. Sachs 1, 114ᵈ.
so auch im acc. jedermann: läg dir dein sun ... gefangen, du .. töubtest (bestürmtest) ydermann. Keisersberg has im pf. Bb 1ᵈ; und er rief, last jederman von mir hin aus gehen, und stund kein mensch bei jm. 1 Mos. 45, 1; gehet hin ein, und schlahet jederman. 2 kön. 10, 25; auch ob der narr selbst nerrisch ist in seim thun, noch helt er jederman fur narren. pred. Sal. 10, 3; zu erleuchten jederman. Eph. 3, 9;
so komen der romanisten vil
mit irer straf und feurem vulcan,
wöllent verprennen iederman,
dasz keiner die warheit sol sagen,
und thuͦnt si ausz der kirchen jagen.
Schade sat. u. pasqu. 1, 29, 74
ir wölt jederman stechn und hauen.
H. Sachs 1, 473ᵈ;
er, der einzige gerechte,
will für jedermann das rechte.
Göthe 4, 8.
der von jedermann abhängige satz steht in nicht gewöhnlicher weise im plural (wie bei demselben schriftsteller auch noch einmal, vergl. unten a. e.):
ich sage noch, mich recht verstet:
mit wasser teuf ich jederman,
die solchs von mir begeret han.
B. Krüger in Tittmanns schausp. 2, 57, 521.
dat. jedermann: so woltestu .. jederman geben nach all seinem wege, nach dem du sein herz erkennest. 2 chron. 6, 30; ich war ganz ein schewsal jederman. Hiob 7, 4; lobet und danket ir gott von himel bei jederman. Tob. 12, 7; halts mit jederman freundlich. Sir. 6, 6; offenbar dein herz nicht jederman, er möcht dir ubel danken. 8, 22; von jederman unverhindert. 1 Macc. 10, 35; denn ich sage durch die gnade, die mir gegeben ist, jederman unter euch, das niemand weiter von jm halte, denn sichs gebürt zu halten, sondern das er von jm mesziglich halte. Röm. 12, 3; denn wiewol ich frei bin von jederman, hab ich doch mich selbs jederman zum knechte gemacht. 1 Cor. 9, 19; was nur mit yderman dester leichtsinniger. Wickram rollw. 153, 1 Kurz; ich lasse mir jetzt von jedermann rathen. Immermann Münchh. 1, 47;
wie denn von steten oft geschicht,
und im gleichm fal on hinderlist
jdermann mit recht erlaubet ist.
Schade sat. u. pasqu. 1, 49, 36;
jr helft jederman so fein.
H. Sachs 1, 466ᶜ;
das eur unschuld jederman nu würd bekante.
Rebhun in Tittmanns schausp. 1, 100, 563.
gen. jedermanns: jedermans genge komen vom herrn, welcher mensch verstehet seinen weg? spr. Sal. 20, 24; jedermans wege sind stracks fur dem herrn, und er misset gleich alle jre genge. 5, 21; die warheit ist dahin, und wer vom bösen weichet, der mus jedermans raub sein. Jes. 59, 15; sprichwörtlich jedermanns freund, allermanns geck; jedermannes: das meszopfer selbst ist eine richterliche handlung, und der grund aller übrigen: es ist, wenn wir wollen, die feierlich vor jedermannes augen, und zu jedermannes nachricht wiederholte belehnung der kirche mit dem richteramte gottes. Fichte werke 6, 258. In der verbindung ein jedermann (vgl. ein jeder sp. 2289):
solche wird ein jederman
kaufen wo er immer kan.
pers. rosenth. 3, 27;
die wahren welche vornen an
in einem laden liegen,
die kauft nicht gern ein jederman.
Logau 2, 71, 61;
also sol man thun einem jederman, der seins bruders haus nicht erbauen wil. 5 Mos. 25, 9; ist demüthig von eim jedermann zu lernen. Luther br. 3, 71; mit einem von jederman abhängenden satze im plural:
und bitt hiemit ein jederman,
sie wollens für lieb nemen an
und lassens inen wolgefallen.
B. Krüger in Tittmanns schausp. 2, 8 (vgl. dazu eine oben gegebene stelle desselben).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1877), Bd. IV,II (1877), Sp. 2291, Z. 45.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
judengreuel
Zitationshilfe
„jedermann“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/jedermann>, abgerufen am 18.10.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)