Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

jener, pron.

jener, pron.
ille.
1)
goth. jains; ahd., bei Otfrid jenêr und genêr, im bairischen und alemannischen sprachgebiete aber unter abfall des anlautes (vgl. âmer für jâmer jammer sp. 2250 und sp. 2186) enêr, ener; mhd. jener und ener; fries. (doch im östlichsten sprachgebiete fehlend) jene, gene; mnl. mit dem artikel die ghone, neunl. de gene; altnord. enn und inn, später in hinn aufgegangen; im alts. fehlt das wort überhaupt, im ags. engl. hat es von seinem ehemaligen dasein spuren hinterlassen in ableitungen wie ags. geond und gend hindurch, hinüber, was dem goth. jaind dorthin, dahin entspricht, ferner geondan von jenseits, begeondan jenseits, geonre illuc (goth. jaindrê), engl. yonder, yond und yon an jener stelle, drüben, zu welchen letzteren formen sich der begriff jener auszerdem wieder neu entwickelt hat. Das goth. zeigt in der stammsilbe des wortes diphthong, die übrigen dialekte kurzen, zunächst aus i entstandenen vocal, was jedoch nur auf eine leichte verschiedenheit in den bildungssuffixen zurückzuführen ist, denn goth. jains, stamm jaina entspringt ebenso aus älterem stamm janja wie goth. hails heil aus älterem stamm halja (vgl. sp. 815) oder wie dails theil aus dalja, während ahd. jëner auf stamm jana, geschwächt jina zurückzuführen ist. dasz in diesem das indogermanische relativ- und demonstrativ ya steckt, ist anerkannt, zweifel bleibt nur ob eine weiterbildung desselben oder eine composition, etwa mit dem pronominalstamme na oder ana vorliegt. Wir sprechen jener mit hohem e, während mundartlich noch tiefes e wie im mhd. festgehalten wird; doch war auch schon in der alten sprache das hohe e in dem worte nicht ungebräuchlich, wie reime erweisen:
da er hât
weinen, grisgramen der zene.
beide, dise und jene ...
Barl. 88, 34;
al mîn ungelücke wil ich schaffen jenen
die sich haʒʒes unde nîdes gerne wenen.
Walther 60, 38.
nahe steht die vornehmlich elsässische form giner (Weinhold alem. gramm. s. 292): der (wille) ist frei, wenn er mag erwöln disz oder ginsz teil. Keisersberg trostsp. EE 2ᵇ; selikeit, die er in ginner welt entpfahen würt. eschengrüdel a 2ᵇ; bei Beheim zu giener gedehnt Lexer mhd. handwörterb. 1, 1479. — Formen mit ausgefallenem nasal: ges jenes Lexer a. a. o.;
wa ist das gros fiur
in gem gebirg hoch?
Altswert 197, 28;
jem hangen die packen als ein wadich.
Renner 372;
vor jem raubschlos.
H. Sachs 3, 83 Gödeke;
da wird man an jem tag klar merken,
wer umbgieng mit losz fabelwerken.
Fischart dicht. 3, 370, 243 Kurz.
die form geiner, die Weinhold mittelhochd. gramm. s. 472 belegt, darf nicht mit goth. jains verglichen werden, sondern enthält einen unechten, aus kurzem e erst spät entwickelten diphthongen.
2)
jener, bis auf die fälle no. 9 stets in starker flexion, deutet auf räumlich und zeitlich entfernteres oder früher genanntes hin, während dieser das räumlich und zeitlich nächstliegende oder zuletzt genannte bezeichnet. es wird absolut oder adjectivisch vor einem substantiv verwendet: da sprach das weib des son lebete, zum könige .. ach mein herr, gebet ir das kind lebendig, und tödtet es nicht. jene aber sprach: es sei weder mein noch dein, laszt es teilen. 1 kön. 3, 26; jene verlassen sich auf wagen und rosse, wir aber denken an den namen des herrn unsers gottes. ps. 20, 8; und an den mauren von morgen an, waren auch kamern, und war auch ein platz da vor, wie vor jenen kamern gegen mitternacht. Hes. 42, 11; er (der mensch) ist ja besser, denn das, dem er gottesdienst thut, denn er lebet doch, jene (die götzen) aber nimer mehr. weish. Sal. 15, 17; und sie geleiten uns alle .. und als wir einander gesegneten, tratten wir ins schiff, jene aber wandten sich wider zu den jren. ap. gesch. 21, 6; es sei nun ich oder jene, also predigen wir. 1 Cor. 15, 11; da schrie ein muszquetierer: ich weisz was! ein anderer fragte ihn mit vollem halsz: was weist du dann? jener antwortet: es hat heut birnen geerdbidmet. Simpl. 3, 126 Kurz; lehreten mich und meinen bruder das schiffen wider unsern willen erdulden. jener thät, als wolte er verzweifeln; ich aber liesze mich noch trösten. 204; es ist kein anderer ausweg, als dasz ein unternehmender mann an jenen problematischen erfolg so viel wage, als etwa nöthig sein dürfte, ihn gewisz zu machen. Schiller an Göthe 1, 2; zur erreichung jenes zweckes. ebenda;
wann deine lügen hasen wären,
wer wollte jene (d. h. die andern hasen) mehr beschweren?
Logau 1, 81, 31;
sind jene oben, schliesz ich gleich die burg.
Schiller Wallensteins tod 4, 8;
die absolute stellung der genitive jenes und jener ist mehr nur der gewählten rede eigen: du hast das hülzene joch zubrochen, so mache nu ein eisern joch an jenes stat. Jer. 28, 13; dafür die erweiterte form jensen (wie deren für der th. 2, 955): jetzt weisz ich den unterschied zwischen dem leben der soldaten im krieg und der burgers-leuthe in dem frieden. jehnsen unleidentliche schärpfe übertrifft die härteste gefänknüsz ... dieses aber ist gegen jenem wie ein paradeisz zu rechnen. Simpl. 4, 335 Kurz; gen. plur. jener: euch aber sage ich, jr solt jener land besitzen. 3 Mos. 20, 24; da nu die kinder Israel also woneten unter den Cananitern, Hethitern, Amoritern, Pheresitern, Hevitern und Jebusitern, namen sie jener töchter zu weibern, und gaben jre töchter jener söne, und dieneten jener göttern. richter 3, 6; und er lies sein volk seer wachsen, und machet sie mechtiger denn jre feinde. er verkeret jener herz, das sie seinem volk gram worden. ps. 105, 25;
leiden und freuden
jener verschwundnen (stunden),
sind die verbundnen
fröhlich gedenk.
Göthe 1, 120;
ich war gereizt von ihrer lästerzunge,
die jener schuld legt auf mein schuldlos haupt.
Shakesp. Richard III 1, 2.
zeitlich: so gib mir nu dis gebirge, davon der herr geredt hat an jenem tage. Jos. 14, 12; jenes mal wolten die Juden dich steinigen, und du wilt wieder da hin ziehen? Joh. 11, 8; zu jenen zeiten aszen und trunken, freieten sie und lieszen sich freien, istis temporibus, nempe ante diluvium ... Stieler 632; wie ich von jenen tagen an auch eine epoche rechne. Göthe an Schiller 1, 9; ein reisender student kam in jenen tagen durch Hackelpfiffelsberg. Immermann Münchh. 1, 75;
solche grosze menge der Troer und der Achaier
stürzte jenen tags dicht neben einander zu staube.
Bürger 219ᵇ;
da gings wie in alten tagen
recht feierlich wieder zu.
als wären für stattliche gäste
die weitesten räume bereit,
als käm ein pärchen gegangen
aus jener tüchtigen zeit.
Göthe 1, 104;
vergaszt ihr jenen tag der schlacht (bei Leipzig),
an dem ihr auf den knieen laget
und huldigtet der höhern macht?
Uhland ged. 92.
3)
jener wird begleitet durch die auf entfernteres zeigenden adverbia dort oder da: jener da soll einmal her kommen; mit jenem manne dort war ich früher gut bekannt;
ach, wie schön musz sichs ergehen
dort im ewgen sonnenschein!
und die luft auf jenen höhen —
o wie labend musz sie sein!
Schiller sehnsucht.
4)
jener in verbindung mit dem possessivpronomen, wie dieser th. 2, 1138, no. 7: jene meine feinde .. bringet her. Luc. 19, 27; jener unser sohn starb uns schon frühe.
5)
jener steht sehr häufig mit seinem gegensatze der oder dieser, vergl. eine reihe von beispielen theil 2, 962 fg. 1139 fg.: wo (zwei alter) nach einander folgen, so heist das erst jhener, das ander disser. Alberus; am guten tage sei guter dinge, und den bösen tag nim auch fur gut, denn diesen schafft gott neben jenem. pred. Sal. 7, 15; es ist gut, das du dis fassest, und jenes auch nicht aus deiner hand lassest. 19; der knan und die meuder erwachten zum ersten und indem jener kröchzet, diese aber mit ihm bappelt, wurden wir übrige allzusammen munter. Simpl. 3, 197 Kurz; dieser soll aufs gemüth wirken und musz also auch gemüth zeigen, jener musz sich verschlieszen um die politische und ökonomische form zusammen zu halten. Göthe an Schiller 1, 414; ihre fliegenden blicke schweiften von dem herrn zum diener und von diesem zu jenem. Immermann Münchh. 1, 91;
so voll das herz mir war, so leer fühlt ich den kopf.
jens glich dem trunkenbold, und dieser war ein tropf.
Bürger 105ᵃ.
in vielen fällen aber begreift diese zusammenstellung nur einen oder den andern beliebigen innerhalb eines paares oder einer reihe (vgl. die abgeblaszte bedeutung von jener no. 8):
vil herren, ritere, jene und die,
alte zuhteklich, und jungen,
gemeine zu dem danze drungen.
Heinrich Trist. 630;
das schwert frisset jtzt diesen jtzt jenen. 2 Sam. 11, 25; da dieser so, und jener sonst sagt. 2 chron. 18, 19; also ist der bund zwisschen den Römern und den Jüden aufgericht. so aber ernach dieser oder jener teil bedechten mehr stück dazu zusetzen, .. das sol jeder teil macht haben. 1 Macc. 8, 30; aber welchen lustigen contrast machet mit dieser wahren schätzung der critik und alten schriftsteller, die denkungsart dieses oder jenen (so für die starke form jenes) grundgelehrten wortforschers, von welchem sich in eben dieser sammlung briefe finden. Lessing 6, 195ᵃ; es kam ihm (dem Vreneli) oft dazu, einen entscheid zu geben in aller liebe oder für dieses oder jenes reden zu müssen. J. Gotthelf Uli d. pächter 40;
allein das ir euch weisen lassen,
und nichts zu meinen dingen sagen,
nach disem oder jenem fragen.
B. Waldis Esop 4, 66, 128;
die muck, wanz, amaisz, lausz, roszflieg
trieben einander, jagten sich
frei umb den barchent, jener hieb,
dieser fiel und erliegend blieb.
mückenkr. 3, 365;
einer will die sonn, die den andern beschwert;
dieser wills trocken, was jener feucht begehrt;
wo du nur die noth siehst und die plag,
da scheint mir des lebens heller tag.
Schiller Wallenst. lager, 11. auftr.;
wider alles vermuthen erfährt man dieses und jenes.
Göthe 40, 124.
in ähnlichem sinne ist jener einem persönlichen pronomen gegenüber gestellt:
wenn jenem nicht die gabe fehlte,
die die natur für mich erwählte:
so würd er nur für sich allein,
und nicht für mich bekümmert sein.
Gellert 1, 36;
beschwer die götter nicht mit klagen!
der vortheil, den sie dir versagen,
und jenem schenken, wird gemein;
wir dürfen nur gesellig sein.
ebenda.
dieser und jener bei verwünschungen, vgl. theil 2, spalte 1140: Adrast. das dich dieser und jener — Johann. ha ha! nach dem diesen und jenen wird nicht mehr gefragt. ich weisz doch wohl, dasz sie den teufel meinen, und dasz keiner ist. Lessing 1, 398;
got thu mir di und jene plag.
H. Sachs 3, 1, 120ᵈ.
6)
vielfach jene welt, jenes leben im gegensatze zu dieser welt, der irdischen, diesem leben, vgl. auch unten jenseits: wer etwas redet wider den heiligen geist, dem wirds nicht vergeben, weder in dieser noch in jener welt. Matth. 12, 32; got richtet hie nach barmherzigkeit, aber in jener welt nach gerechtigkeit. Keisersberg bilg. 3ᵇ; das ende meines elenden lebens zu beschleinigen, um mit dir in jenem leben bald wieder vereinigt zu sein. Lessing 2, 438;
dasz wir wurden der heiligen gesellen
dort ewiklich in jenem leben.
Schade sat. u. pasqu. 1, 28, 53;
bis das in herzenleid
mein seel mit dir von hinnen scheid
aus diser welt in jenes leben.
H. Sachs 1, 120ᶜ.
jener tag, der jüngste: es werden viel zu mir sagen an jenem tage, herr, herr, haben wir nicht in deinem namen geweissagt? Matth. 7, 22; ich sage euch, es wird der Sodoma treglicher ergehen an jenem tage, denn solcher stad. Luc. 10, 12; und bin gewis, das er kan mir meine beilage bewaren, bis an jenen tag. 2 Tim. 1, 12; das er finde barmherzigkeit bei dem herrn, an jenem tage. 18.
7)
jener, dem ein relativsatz folgt, ist unterschieden von der und derjenige, insofern es eine weiter abliegende beziehung einleitet: aber jene, die nach einem andern eilen, werden gros herzleid haben. ps. 16, 4; und jener sind viel, die priester wurden. Hebr. 7, 23; jene blätter, nach denen sie fragten, habe ich noch nicht gefunden. Göthe an Schiller 1, 104; die wiederholung jener muskelbewegungen im antlitz, auf die wir schon hingedeutet haben. Immermann Münchh. 1, 88;
ein ungewitter zieh sich über ihnen
zusammen, noch weit drohender, als jenes
das sie vordem zu Regensburg gestürzt.
Schiller Piccol. 2, 2;
zu jenen grauen jahren
entflieht es (das alte jahr), welche waren.
Voss 4, 95;
weggeschwunden ist die lippe,
die im kusse sonst genas,
jener fusz, der an der klippe
sich mit gemsenfreche masz;
jene hand, die gern und milde
sich bewegte, wohlzuthun.
Göthe 1, 133;
schmähn euch jene, die zum guten
lautern antrieb nie vermuthen.
Uhland ged. 91;
dem lande blieb ich ferne,
wo die orangen glühn;
erst kennt ich jenes gerne,
wo die kartoffeln blühn.
104.
dafür in anderer fügung: gern hätte er das buch, wie Johannes jenes vom engel getragene, auf die gefahr der empfindlichsten leibschmerzen hin, verschlungen. Immermann Münchh. 1, 74.
8)
statt der bestimmten demonstrativen bedeutung entwickelt jener den sinn eines entfernter gedachten, aber nicht näher angegebenen, von einem jeden sonst beliebig zu fassenden (vgl. auch oben 5 unter dieser und jener und unten jenig 2).
a)
so besonders häufig in ortsschilderungen des volksmäszigen liedes:
es stet ein lind in jenem tal,
ist oben breit und unden schmal.
Uhland volksl. 263
(dafür in einem andern liede es stet ein lind in disem tal. 68);
so dep in jennem dale
dar licht ein kolder schne.
75;
se vern in jennem Frankrike
dar licht ein möle stolt.
77;
es sten dri rosen in jenem dal.
81;
gar hoch auf jenem berge
da stet ein rautenstreuchelein.
750;
es stehet ein regenbogen
wohl über jenem haus.
Göthe 1, 94;
ich sasz bei jener linde
mit meinem trauten kinde.
Uhland ged. 26.
selbst wenn beisätze wie da und dort hinzutreten, sollen diese, ungleich den fällen unter no. 3, nur der gröszeren anschaulichkeit, nicht örtlicher bestimmtheit dienen:
dort ferne auf jenem berge
leit sich ein kalter schne.
Uhland volksl. 75;
dort niden in jenem holze
leit sich ein mülen stolz.
76;
dört hoch auf jenem berge
da get ein mülerad.
77;
dort auszen uff jenem berge
do stet ein rosenheckerlein.
750;
da droben auf jenem berge
da steh ich tausendmal.
Göthe 1, 94;
da droben auf jenem berge
da steht ein altes schlosz.
103.
b)
bei erwähnung eines, den man nicht nennen kann oder will (vgl. dazu auch dieser und jener oben no. 5): an einem sonntag abend kam jenem schneider ein paar strümpf zu pletzen, da er sonst ein ganze wochen war müssig gesessen. Fischart groszm. 557 Scheible; ich erstick sonst dran, wie jener herr, der das maul offen vergasz. Garg. 89ᵇ; jener bauete eine mühl auf einen berg. Schuppius 56; jener malte eine sonnenblume, mit der überschrift: sequitur suum. Rabener sat. 3, 261; jene malte einen kleinen korb. 262;
ich köndte ja so wol, als etwan jener thut,
auch ümm die ofenbank mir wärmen bluht und muht.
Fleming 201;
doch er, er bleibt in seinen vorgen falten,
und bildet sich nicht minder und nicht mehr
auf eine gabe ein, die ihm so fremde sitzet
wie jener eselin die redeseligkeit.
Wieland 18, 159 (130);
lebten ohne religion und gott
und ordnung, wie jene Hottentott.
Göthe 13, 71;
ein wort, das sich vererbte,
sprach jener ehrenmann.
Uhland ged. 88;
sprichwörtlich zu etwas kommen wie jener zur ohrfeige: dasz ich nur nicht zur andern frau komme wie jener zur ohrfeige. Lessing 2, 407.
c)
auch sonst bei hervorhebung von etwas bekannten, wo jener fast nicht mehr sagt wie der blosze artikel: wie vermeinest du wol, dasz uns christen jener edle Römer, der doch nur ein heid war und den wahren gott nicht erkannte, an jenem groszen tag, daran alle werk offenbar werden sollen, beschämen wird. Simpl. 3, 401 Kurz;
(wir wollen streben) jenen perlenschaum des weins
nicht nur flach zu nippen,
nicht zu liebeln leis mit augen,
sondern fest uns anzusaugen
an geliebte lippen.
Göthe 1, 140;
ihr kennet jenes alte wort,
ihr wiszt: es findet hie und dort
ein schwein auch eine perle.
Uhland ged. 66;
wohl blühet jedem jahre
sein frühling mild und licht;
auch jener grosze, klare,
getrost! er fehlt dir nicht.
37.
9)
jener, in zeitbestimmungen, die vergangenheit im allgemeinen andeutend: unsere vorfaren haben vor jhen dreiszig und vierzig jaren in dem (preise der rohstoffe) beschribene und richtige ordnung gehabt. Leipz. stadtordn. 1544 E 4ᵃ; das si es (das leder) fast noch einsten so tewer als vor jhen xxx. jaren keufen müssen. E 4ᵇ;
ach, wer bringt die schönen tage,
jene tage der ersten liebe,
ach, wer bringt nur eine stunde
jener holden zeit zurück!
Göthe 1, 63.
eigenthümlich jener tag = der bevorstehende tag, in einem wächterliede:
merk auf, feins lieb, was ich dir sag!
es ist noch fern von jenem tag,
der mond scheint durch die wolkenstern,
der wechter betrübt uns beide gern;
das sag ich dir:
die mitternacht ist noch nit für.
Uhland volksl. 175.
10)
das pronomen dem artikel nachfolgend, wofür jetzt derjenige (vgl. auch theil 2, 987 no. 24 und unten jenig); in relativsätzen:
do quâmen si sô verre,
daʒ di jene gesâgen,
die der schiffe phlâgen,
verjen unde stûren,
eine hêrliche mûren.
Lamprechts Alex. 6696;
später tritt hier die schwache form von jener auf: so dem mehrer theil der jenen, die reimen machen, gemein ist. E. Alberus s. x; so kan sich auch die gunst der jhenen, so ihn erhaben haben, baldt umbwenden. Agr. spr. 117ᵃ; so sah ich den jenen, welchen ich mit einer kugel auf die hirnschale geschossen hatte. Zesen Roselieb (1646) 50;
ir lieben getreuen, euch frag wir drummen:
sein die jenen nicht wider kommen,
die den riesen theten nachjagen?
J. Ayrer 216ᵈ (1077, 18 Keller);
die krone trägt sie (Victoria) auch, die sie dem jenen giebt,
der ihren ruhm erhöht und deine tugend liebt.
Opitz 1, 103;
was mag das gold doch nützen,
dem jenen welcher stets darüber pflegt zu sitzen,
und suchet was er hat?
105.
diese verbindung dauert nicht über das 17. jahrh.
11)
anders jener mit dem artikel in rein indicativen sätzen, wo mhd. ebenfalls nur starke form des pronomens steht:
die jene zwêne nâmen
ir swert an die rehten hant.
Herbort 13582;
wo aber in dem einzigen bekannten beispiele des nhd. schwache form eingetreten ist:
zu diesem sprach der jene dann:
wie trocken ist mir der hals!
Göthe 47, 85.
12)
das pronomen als substantiv behandelt:
A. doch hat sie wohl auch zu guter stund
dem und jenem nichts abgeschlagen.
R. wer ist denn der der und der jener denn?
das sollst du mir bekennen!
Göthe 2, 274.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1877), Bd. IV,II (1877), Sp. 2304, Z. 40.

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„jener“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/jener>, abgerufen am 27.10.2021.

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