Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

jenig

jenig,
ille, eine weiterbildung von jener, wie einig von einer, selbig von selber; vor dem 16. jahrh. nicht nachzuweisen.
1)
es steht ohne artikel, in starker flexion, wie einfaches jener: keumpt er aber nicht, so sal der ander das gut brauchen, als sein eigen gut, so lang bisz jheniger keumpt mit heubtgeld und schaden. weisth. 2, 340 (Untermosel, abschrift von 1561); jenige kriegsleut aber (von denen vorher gesprochen) sollen .. treu sein. Schuppius 718; jenige politische gütigkeit kompt mit der theologischen tugend der lieb übereins. 754. in relativsätzen: seid bedacht, das mir in den sachen geholfen werde, mein bekentnis besichtigt werde, durch jenige, so mir hülflich, und in aller still trost widerumb geben mügen. L. Keiser bei Luther 3, 415ᵃ; ich .. verfluch alle jenige, die anderer meinung sein. Fischart bienk. 139ᵇ; das aufmerken eines jeden in jenigen sachen, welche schaden und deren, so helfen. Schuppius 768.
2)
jenig, im niederdeutschen sprachgebiete, auch aliquis, quidam. Brem. wb. 2, 692, vgl. oben jener 7: das ist gewisz, dasz die alten Teutones und Celten viele hundert jahr den wahren schöpfer himmels und der erden angebetet, und jhn ohn jeniges geschnitztes oder gehawenes, oder gegossenes bilde .. verehret haben. Micrälius alt. Pommern 1, 41; weil er in den predigten, ohne jenigen disputat, umb erhaltung gesunder lutherischen lehre, wider die Calvinisten zubeten, und seine zuhörer wider dieselbe zu warnen gewohnet. 3, 608.
3)
jenig in der bedeutung 1 und in relativsätzen wird zum artikel gestellt, wie jener no. 10, zunächst, seit dem 16. jahrh. unverbunden (vgl. theil 2, 1018) und in starker form: der jeniger, so dem gebrechen nit verziehet, machet, dasz andere sich für übeltuhn hüten. Schottel 543; alle die jenige, die da halten .. Fischart bienk. 102ᵃ; dasz der jenig, dem dieser autor selbst nicht unweiszlich das hermlin zum sinnbild gibt, seine reine haut so leicht beflecken und die jenige heirathen würde, deren vatter an ihm zu einem sodomiten .. werden wollen. Simpl. 3, 394 Kurz; die jenige, welche im pabstthum sich in ihrem gewissen gravirt befinden. Schuppius 54;
so seelig als der jenig
der der gotsforcht ergeben.
Weckherlin 285;
häufiger in schwacher: dasz Christus allein der jenige seie, der die pfenning gangbar und von würden machet. Fischart bienk. 102ᵃ; das elend desz menschlichen lebens, welches oft nicht nur die jenigen betrifft, welche einen leinen kittel anhaben, sondern auch die, welche seiden und kron tragen. Schuppius 49; das begegnet gemeiniglich den jenigen, die mit anderer leut oder ungerechtem gut bauen. 56; von dem jenigen, was er mit seinem schwert erworben. 70; allwo ich dem jenigen nachgedacht, was ich denselben tag gehöret und gesehen. Simpl. 3, 302 Kurz. Auch auszerhalb solcher relativsätze, in der stellung von jener 2 (vgl. auch jener 11): (Christus spricht) gebt denen (den vorhergenannten bettlern) und es wird euch gegeben werden. wer wolt sich wideren, ein wenig den jenigen zu geben, wann gott verspricht solches mit groszem gewinn zu erwidern? Schuppius 696; ich redete noch also, da brumleten etliche hirten, sprechende: ach wie unbillich redet der jenige von der armut, welche er vielleicht noch nit hat erfahren. 699; jetzo, wann du, lieber Bacone, mich deiner geselschaft würdigest, wil ich mein alte boszheit gewiszlich ganz umbkehren, und eben die jenige mein unfrommkeit wird ein rechte philosophia werden. 722; ja, sprach der jäger, woltest du dann dasz die jenigen schläfer, jene desz bauchs und ingeweids leibeigne wider eingeführt wurden? aber, sagte ich, welche die jenigen vertrieben haben, haben sie gesprochen, man solle hunden allein, oder dem gejaid oder vogelfang ort geben? 752; bei hervorhebung von etwas bekanntem, nach jener 8, c: die kaufmannschaft ist so frei und ehrlich, dasz sich auch ansehenliche leut vor alten zeiten nicht geschämt haben solcher nachzufolgen und zu üben, unter diesen .. ist der jenige grosze Solon gewesen, der den Atheniensern gar heilsame gesätz gegeben, und der Hippocrates ausz der insul Con, ein vater der medicin. 719; und der neue hochschüler redet nichts als das jenige hoffärtige plus ultra, mehr über das. 727.
4)
in der 2. hälfte des 17. jahrh. vollzieht sich die zusammenrückung beider elemente wahrscheinlich unter dem einflusz des betonungswechsels: getrennt ward jedenfalls der jénige betont, aber das verlangen nach scharfer hinweisung auf das folgende relativum rückte nach und nach den ton auf der und jenig galt dann nur noch als anhängsel, das auch der bedeutung nach nicht mehr hervortritt, insofern uns derjenige — welcher nichts anders sagt als einfaches der — welcher. die zusammenrückung zeigt sich vereinzelt schon im Simplicissimus: da sahe ich, dasz derjenig gottlosz zu nennen und gottlosz in werken wäre, der nicht immer gott vor augen hat. 3, 400 Kurz; und ist bei Stieler durchgeführt: das ist derjenige, worvon wir redeten. wir sind diejenige nicht, worfür ihr uns haltet. derjenige wird nicht seelig, der nicht glaubet. 632; auch auszerhalb des relativsatzes: dasjenige kan wol sein, istud impossibile non est, nempe quod tu commemorabas. 633.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1877), Bd. IV,II (1877), Sp. 2309, Z. 35.

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Zitationshilfe
„jenig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/jenig>, abgerufen am 19.10.2021.

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