Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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jenerseits, adv.

jenerseits, adv.
der gegensatz von dieserseits th. 2, 1142; in bezug auf zwei gegenüberstehende parteien: jenerseits geschah nichts in der sache, dieserseits that man alles.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1877), Bd. IV,II (1877), Sp. 2309, Z. 8.

jenseit, adv.

jenseit, adv.
und praep. nach jener seite hin, auf jener seite, wie jenhalb oben sp. 2309 eine accusative die richtung anzeigende verbindung, mhd. in vollster form jenesîte: jenesîte Rînes. d. städtechron. 8, 38, 22; häufiger jensît, und nachher in mehrfach geschwächter form: jenset der Pegnitz. Tucher baumeisterb. 166, 14; all orden munch und pfaffen, die von sant Sebalts her desset, und die dort geset. d. städtechr. 2, 24, 19; iessend der Pegnitz, jenset der Pegnitz. 3, 113, 5 als variante zu jenhalb der Pegnitz im texte; sie besorgen das sprichwort .. jensid des berges, sind auch leute. Luther 6, 16ᵃ; was wir gern haben, da mus uns keine fehrligkeit hindern, wo man aber gott gehorsam sein sol, da hindert uns eine fliege jenst dem Rein. 322ᵃ. jenseit steht
1)
als adverb: jenseit ultra Dasyp.; es waren aber an dem wege, da Jonathan sucht hinüber zu gehen zu der Philister lager, zween spitzen felsen, einer disseid, der ander jenseid. 1 Sam. 14, 4;
ein fischer thet nach vischen fahrn,
und durch das wasser zoh sein garn,
das ers jenseit zum ufer brecht.
B. Waldis Esop 4, 79, 3.
2)
als praeposition, und zwar
a)
mit dem genitiv: es ist auch nicht jenseid des meers. 5 Mos. 30, 13; da nam ich ewrn vater Abraham jenseid des wassers, und lies jn wandern im ganzen land Canaan. Jos. 24, 3; hies er hinüber jenseid des meers faren. Matth. 8, 18; jenseit des wassers. Frey garteng. 13; die schöne lilie wohnt leider jenseit des wassers. 15, 215; das französische ungewitter streift noch immer jenseit des Thüringer waldes hin. an Schiller 1, 200; ohne artikel (vgl. der III, 35 th. 2, 993 fg.): jhenseit hages. H. Sachs 1, 483ᵃ;
er kan dir doch nit geben mut (spricht ein junges weib von ihrem alten mann),
wie man jensit des wassers thut.
B. Waldis Esop 4, 81, 10;
jenseit des meers gewann der dauphin feld.
Shakesp. Heinrich VI 2, 1, 3;
beschimpfte den vater
jenseit der grube (nach dem tode).
Göthe 40, 75.
b)
mit dem dativ: da sie nu an die tennen Atad kamen, die jenseid dem Jordan ligt. 1 Mos. 50, 10; ewer veter woneten vor zeiten jenseid dem wasser. Jos. 24, 2; jenseid dem Jordan. v. 8 (variante iensyt des Jordans); die menner Israel, die jenseid dem grunde und jenseid dem Jordan waren. 1 Sam. 31, 7; (dasz wir wollen) das evangelium auch predigen, denen, die jenseid euch wonen. 2 Cor. 10, 16; da näherte sich jenseit dem wasser eine schönheit an das gestad. Simpl. 2, 32 Kurz; was er jenseit dem grabe zu hoffen habe. Lessing 7, 7; alles was uns von jenseit dem Rheine kommt. 452; jenseit den bergen wohnen auch leute. 9, 461. bei vergleichungen, im sinne von gegenüber: sein (Winckelmanns) ausspruch, dasz die neueren dichter jenseit den alten mehr bilder haben, und weniger bilder geben. 11, 126.
c)
in der verbindung auf jenseit: wir wurden auf jenseith der stadt im hackelwerk eingeleget. pers. reisebeschr. 1, 4;
und sahe von fern ein schöne kuhe
auf jenseit einer kleinen hecken.
B. Waldis Esop 4, 3, 39.
3)
jenseit als subst. neutr., in bezug auf jene welt (sp. 2306): vom diesseit ins jenseit schauen. Tiedge (vergl. theil 2, 1144). s. jenseits.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1877), Bd. IV,II (1877), Sp. 2310, Z. 64.

jenseits

jenseits,
wie jenseit, aber mit angetretenem genitiven s; seit dem 16. jahrh. sich ausbreitend.
1)
als adv.: jenseits ultra Stieler 2002; und die Philister stunden auf einem berge jenseids, und die Israeliter auf einem berge disseids. 1 Sam. 17, 3; übertragen: der irrthum jenseits (von anderer seite) bestand darin .. Göthe 31, 184.
2)
als praeposition,
a)
mit dem gen.: jenseits der berge, trans montes Stieler 632;
wir wollen jenseits der Loire uns ziehn
und der gewaltgen hand des himmels weichen.
Schiller jungfrau 1, 5;
auch jenseits der Loire liegt noch ein Frankreich.
1, 7;
eine welt des ruhms
bewegt sich glänzend jenseits dieser berge.
Tell 2, 1.
in übertragener bedeutung, über etwas hinaus: mithin ganz jenseits der tragödie fällt. Schiller an Göthe 1, 386;
nun er (der bruder) das ewige mir abgewann,
und jenseits alles wettstreits wie ein gott
in der erinnerung der menschen wandelt.
braut von Messina v. 2745.
b)
mit dem dativ: jenseits dem flusse, trans fluvium Stieler 632; schon rufe ich die zwietracht aus ihrer finstern höhle, noch jenseits dem reiche der verdammten, hervor. Lessing 4, 227;
mit ernster kraft, im letzten fernen,
sucht jene, jenseits allen sternen,
der gottheit unerschöpfte see.
Haller schweiz. ged. (1768) 171;
ohne artikel:
zuerst er seinen dienst verhiesz
dem kaiser jenseits Mohrenland.
Arndt ged. (1840) 307.
3)
jenseits, als subst. neutr., vgl. oben jenseit 3: unser guter vater ist zu einem bessern jenseits abgerufen, in todesanzeigen; nein, über das dann des jenseits hat dieses kleine jetzt keine stimme. J. Paul Titan 2, 74; seine (des menschen) herrlichen empfindungen verzieren das ewige unendliche jenseits. Bettine briefe 2, 221;
ein bruchstück ist mein lied, ein bruchstück das der erde,
das auf ein jenseits hofft, dasz es vollständig werde.
Rückert 37.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1877), Bd. IV,II (1877), Sp. 2311, Z. 62.

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Zitationshilfe
„jenseits“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/jenseits>, abgerufen am 18.10.2021.

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