Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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itz, itzo, itzt, itzund

itz, itzo, itzt, itzund,
u. ähnl. s. jetzt, jetzo, jetzund.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1877), Bd. IV,II (1877), Sp. 2184, Z. 19.

jetzund, adv.

jetzund, adv.
eine der heutigen sprache veraltete, verbreiterte nebenform zu jetzt, die hier nur noch der entwickelung ihrer form nach zu betrachten ist, da ein bedeutungsunterschied von jetzt nicht vorhanden.
1)
aus der form ietzet (vgl. unter jetzt no. 3) entsteht zunächst die nasalierte ietzent: unsern erbern botten die ietzent von unsern wegen gen Mollesheim gefaren sint. d. städtechron. 9, 1045, 17 (Straszb., von 1375); von des kriegs wegen, den wir ietzent hant. 1047, 14 (ebenda, von 1392);
iezent sô wirt si genant (die geliebte).
minnes. 1, 133ᵃ Hagen;
mit abfall des schlieszenden t ietzen:
ein schönes weibsbild musz da sein
und hie uber dem brunnen sitzen. (sieht sich um)
ja ich habs schon ersehen jetzen.
J. Ayrer 439ᵇ (2207, 20 Keller);
auch jetzen, in einem fliegenden blatte von 1631, doch darf das anlautende j zu dieser zeit nur als ganz vereinzelte erscheinung gelten (vgl. die bemerkung Schottels unter jetzo 3), wenn nicht gar unreiner reim vorliegt, der in diesem stücke sich mehrfach zeigt:
ihr wiszt nicht, ob sie jetzen
dem sieg wöllen nachsetzen.
Opel u. Cohn 296, 46;
mit vocalverdumpfung ietzün, ietzun:
da ist es jezün als umb sunst.
Schwarzenberg 115ᵃ;
umbs hör bestellen sy dj wart,
und als mans yetzün nennt dj scart.
152ᵈ;
wj ich dir jetzun hab erklert.
155ᵈ;
was sag ich sölch histori alt
seh wir nit jetzun manigfalt.
157ᵃ.
2)
die formen ietzunt, itzund, jetzund mit tieftoniger zweiter silbe entwickeln sich aus ietzent, wie ähnlich aus mhd. wîlent wîlunt hervorgeht (gramm. 3, 217), das in unserm weiland noch währt. ietzund dauert lange, freilich ohne dasz die diphthongische aussprache der ersten silbe überall, selbst für die ältern zeiten, sicher wäre, da oft in éinem denkmale ietzund mit itzund wechselt:
mit dienst man iezunt harte kûme guot erwirbet.
minnes. 2, 138ᵃ Hagen;
hab ich anders weil und zeit es yetzund zuͦ thun. Keisersberg sünd. d. m. 9ᵈ; auch uns yetzunt nit müglich ist, denselben (gottesdienst) ze verbringen, alsz unsz unsere consciencze heist. Basler chr. 455, 14 (ytzunt 451, 23. 454, 9. 475, 26); ietzund gedenke ich an meine hölzerne kanne. Schoch stud. leb. E 4;
freüdt euch der würdt yeczundt und imermere.
Püterich in Haupts zeitschr. 6, 37;
das ich es iezund nit volbringen mag.
fastn. sp. 363, 19;
ich wil iezund an die fart.
411, 18;
als ir iezund habt erfarn.
440, 1;
solt Christus yetzund kommen nieder.
H. Sachs 1, 60ᵃ;
es hat mir wol gethon so andt,
das sie yetzund drei ganze jar
im herzogthumb Capua war.
117ᵇ;
o himelischer vatter mein,
des sei dir lob, dank, preis und ehr
iezunt ewig und immermer.
3, 186 Tittmann;
got geb euch seinen segen
jezunt, forthin und alle wegen.
247;
im reime ist die zweite silbe hochtonig genommen (vgl. 3 und 4 am ende):
wolt reiten damit er erkundt,
wesz die welt ist gesint yetzund.
Wickram pilger S, bl. 65.
3)
in der form itzund scheint zunächst das anlautende i lang, nach der schreibung: denn es haben viel groszer trefflicher menner darin gefeilet, und auch jtzund viel groszer prediger. Luther 4, 487ᵃ; wir haben aber jtzund gott selber zu einem mittler. 489ᵃ; und haben jtzund fur, jr vieh zu schlachten. Jud. 11, 11; ich weis, das mein vater und mutter jtzund alle tag und stunde zelen. Tob. 10, 10; und ein solcher gebraucht sich ytzund hoher worte. Aimon bog. J; ytzund erkenne ich das. O; und wie sie ytzundt aufzusitzen gerüst waren. X 1; überwiegend wol aber kurz:
waʒ roubes vor genomen was
den Samen, als ich itzunt las,
der wart in gentzlich wider.
livl. chron. 4062;
sie wâren alle gemanet wol,
als ich itzunt sagen sol.
6040;
ir frewnt, die iczunt niht anheim weren. d. städtechr. 1, 75, 8; als sie itzunt den von Windsheim tun. 148, 6; ich hett mich ewer itzunt nit versehen. Alberus widder Witzeln K 8ᵃ; wie die leut nie erger und böser seien gewest, als itzund. L 8ᵇ;
ir fursten herren hochgeporen,
die itzund hie sein auszerkorn
zu dinst dem edeln konig Soldan.
fastn. sp. 139, 4;
die leuf, die itzund her und dar
sich in der werlt nu uben thun.
170, 4;
das musz eur frau wol von mir horen,
der wil ichsz itzund sagen zwar.
480, 32;
zwar wenn ich nur itzund wüste,
wo ichs etwo suchen müste.
P. Rebhun in Tittmanns schausp. 1, 43, 45;
neulich war die erde braut.
itzund liegt sie in den wochen.
P. Fleming 355;
ich fall itzund als knecht zu deinen zarten füszen.
Hoffmannswaldau heldenbr. s. 6;
wie? oder giebt dein schmerz,
was nur zum sterben räth, dir itzund in das herz?
J. E. Schlegel I 46;
in der betonung itzúnd (vgl. 1 a. e.):
drum hoff ich unser herr könig
der werd itzund angreifen sich.
A. Gryphius 1698 1, 743;
mein schöpfer, gib, dasz, was itzund
gesungen hat mein schwacher mund,
in meinem herzen mag bekleiben.
Caniz 15.
4)
die schreibung jetzund findet sich schon im 16. 17. jahrh.: dann jetzund musz es jhnen (das hemd in bezug auf den kragen) spannen lang auf den achsseln liegen. Garg. 113ᵇ; mich drücket jetzund die noth. pers. rosenth. 3, 20; reuter habe ich jetzund vonnöthen. Schuppius 35; in der verbindung jetzund dieser zeit (vgl. jetzt II, 1 am ende): wo wirdt jetzund dieser zeit vernommen .. Fronsperger kriegsb. 1, 70ᵇ; der jetzund dieser zeit allhie .. hofmaler ist. Kirchhof wendunm. 138ᵃ; wir haben jetzund zu unserer zeit sechs geschlecht, die wahre chamillen sind. Tabernaemont. 58;
noch ist mir jetzund nichts des basz.
H. Sachs 1, 467ᵃ;
aber wenigstens noch für das ende des 16. jh. beweist Ayrers reim sitzen: jetzen (oben no. 1), dasz die schreibung der aussprache nicht entsprach. über die zeit, zu der consonantischer anlaut sich verbreitet, kann nur dasselbe gesagt werden, wie bei jetzo und jetzt; wie bei diesen, ist eine lange periode des schwankens anzunehmen, die sich erst gegen ende des 18. jahrh. zu gunsten von jetzund verliert. Caniz (1727) hat nur einmal s. 162 jetzund gegen sonstiges itzund; sollten sie jetzund noch leben. Liscov 517; jetzund marsch an die arbeit! Holtei Lammf. 67;
sah jetzund hoch herab auf eines laufers spasz.
Zachariä 1, 175;
sie weint wohl jetzund auch wie du.
Göthe 3, 31.
manigfach, und schon früh, mit hochbetonter zweiter silbe (vergl. oben 2 und 3 a. e.):
gar tief müssen wir uns jetzund,
für manchen ketzer biegen:
und wie die frembden bawers hund
untern fleischbänken schmiegen.
Soltau volksl. 466 (von 1622);
wer nach dem land jetzund wil auf dem lande fragen,
der jrrt: Mars hat das land längst in die stadt getragen.
Logau 1, 17, 50;
es wolln jetzund nicht mehr aus helden götter werden.
37, 37;
da gab es böse engel,
die hielten mir zu den mund;
und ach! durch böse engel
bin ich so elend jetzund.
H. Heine 15, 150;
der thurm der kathedrale
verkündet die zwölfte stund;
mit ihren reizen und küssen
erwartet mich liebchen jetzund.
s. 171.
in der form jitzund: denke wie mirs ist, wenn ich jitzund dieses buch vor meinen augen habe. Holtei Lammfell 130.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1877), Bd. IV,II (1877), Sp. 2322, Z. 79.

jetzunder

jetzunder,
wol entstanden aus jetzund und dem eine zeiterstreckung anzeigenden her, wie ähnlich hernacher (sp. 1117) aus hernach und her sich zusammensetzt, mit der betonung jetzúnder, seit dem 15. jh. nachzuweisen als ietzunder, itzunder, in der form jetzunder namentlich bei dichtern bis in unsere zeiten reichend, gegenwärtig veraltet: itzunder, etzunder Lexer mhd. handwörterb. 1, 1418 (15. jahrh.); darum gilt jetzunder .. nicht mehr der prauch, dasz man vil schriften oder concilien anzihe. Fischart bienk. 59ᵇ; aber diese responsa, die jhr da singt, schicken sich bei dem sackerleiden jetzunder nicht. Garg. 204ᵃ (auf derselben seite zweimal jetzund); so sihe ich wol, es musz sein, das ich jetzunder mein schwache matte schultern mit dem last des harnischpleches musz beschweren. 208ᵇ; wie die welt jetzunder glaubt. Kirchhof wendunm. 154ᵇ; darumb versehe ich mich auch jetzunder zu euch, jhr werdet mich der trewe wieder genieszen lassen. H. Jul. v. Braunschweig 92; dasz er jetzunder güldene (trinkgeschirre) machte, der zuvor erdine gemacht hätte. Schuppius 700; vor zeiten, wo es euch doch im grunde besser ging, als jetzunder. Immermann Münchh. 1, 80;
nun sicht die welt iezunder wol,
dasz alle lant seint walfart vol.
Schade sat. u. pasqu. 1, 29, 63;
jetzunder so tut hin reiten!
S. Wild in Tittmanns schausp. 1, 232, 135;
jetzunder seind wir beid geritten.
233, 165;
er sprach: ich hab sein (des goldes) nit jetzunder (: wunder).
B. Waldis Esop 4, 63, 39;
hör nur jtzunder auf!
J. Ayrer fastn. sp. 140ᵇ (3036, 35 Keller);
so traurig du warst vor, so froh sei nun itzunder,
und achte dieses werk vor nicht ein schlechtes wunder.
Fleming 592;
ochse kanstu künftig heiszen, bleib jetzunder noch ein kalb.
Logau 3, 64, 42;
ich musz mich einer list itzunder unterwinden.
Hoffmannswaldau getr. schäfer 89;
viel wunderkuren gibts jetzunder (: wunder).
Göthe 4, 356;
kehrt eben alles drüber und drunter,
ging weg und sprach: so besteh's jetzunder!
13, 60;
du alte einsame thräne,
zerfliesze jetzunder auch!
H. Heine 15, 147;
blasz ist er etwas, doch ist es kein wunder,
sanskrit und Hegel studiert er jetzunder.
151.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1877), Bd. IV,II (1877), Sp. 2325, Z. 1.

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Zitationshilfe
„jetzund“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/jetzund>, abgerufen am 18.10.2021.

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