Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

jope, joppe, juppe, jüppe, f.

jope, joppe, juppe, jüppe, f.
anliegendes kleidungsstück beider geschlechter, jacke. das wort ist zunächst aus den romanischen sprachen eingedrungen: ital. giubba, giuppa, span. al-juba, prov. jupa, franz. jupe (neben ital. gibba, churw. gippa, was in der mhd. form gippe, neben joppe, zu tage tritt), die span. form aber weist auf das arab. alg′ubbah, alg′obbah, baumwollenes unterkleid, vgl. Diez etym. wb. der rom. sprachen 1, 214. die mhd. form ist joppe und juppe, neben dem dim. juppel (s. unten jöpplein): juppel suppara Geaff 1, 579; bombasium jopp, joppen, joppe Dief. 78ᵇ; toga zwifach cleid vel jopp vel fride, jupp, joppe vel badhemet, gip 586ᵇ; bombasium ein untergoppen nov. gloss. 57ᵃ; wambosium wammes, jope ebenda; juppen oder jüppen, supparum Maaler 238ᵈ;
weiʒ er niht, daʒ Hiltebolt gelîch ist einer wannen
mit der joppen die der törper an sich hât geleit?
minnes. Hagen 3, 274ᵇ.
als tracht der männer: dy manne trugen (1470 als modisch) joppen forne uffene mittenander .. und breite priszen an den jopenermeln. Stolle in Haupts zeitschrift 8, 319; als tracht geringer leute, vornehmlich auch der bauern: aber Esopum umb das er so ungestalt war, stellet er schwischen (so) sie in einer groben jüppen. Steinhöwel (1555) 5; thet burenkleider an, und stund für das rathus, und hielt sein wilpred under der juppen verborgen. Ulensp. no. 55 s. 81 Lappenb.; leg ein juppen oder kittel an. S. Frank chronica 28ᵃ; aber dieses wol (weisz ich), dasz .. der alte meinen kopf in seinem schosz, und vorn meine juppe geöffnet gehabt. Simpl. 1, 27 Kurz; David du hast die bären erschlagen, die haut davon getragen, hast ein joppen daraus gemacht. Abr. a S. Clara 1, 244; in unserer zeit ist die joppe von der bairischen und tirolischen volkskleidung her als bequeme tracht in schützen- und künstlerkreise gedrungen;
(die bauern trugen) ain grabe kappen und ein pösen huot
und ein kittel hänfein
und ein joppen leinein.
fastn. sp. 440, 12;
als stück der rüstung oder als eine art uniform: (die söldner des fuszvolks) hetten dik jopen an und spisz und armbrust. d. städtechr. 1, 36, 5; die Osterreicher trugen all rot ermeln in röcken oder juppen, das was ir liberei. S. Frank chron. German. (1538) 223ᵇ; (die aus einem kriege heimgezogenen) zeigten da .. die filzhüt vol beulen, die nestel daran verloren, die juppen. und blatröck besudelt und zerrissen. Garg. 200ᵃ;
du hâst ein jopen, diu ist guot,
veste ist dîn îsenhuot.
Seifr. Helbling 15, 261.
sprichwörtliches und redensarten: man plätzt nicht neue flecke auf alte juppen; wan mir der bitzel aufsteigt, aften sol enk enker lausige joppen wider recht ausgstebert werdn. Schwabe tintenf. 50; vor einem jeglichen stolzen bauren und verzagter belzjupp das hütlein herumdrähen. Fischart groszm. 46; bei Maaler 238ᵃ heiszt der tod juppenlärer; im spielverzeichnis des Garg. steht Liendel lasz dir die juppen blacken 168ᵇ;
suppen machen schnuppen,
und füllt dem bauren nicht die juppen.
Garg. 44ᵃ.
als frauentracht: jopen oder brustleibe sollen die geschlechterstöchter von seiden-gewandt auszerhalb samit tragen dörfen, aber mit einer halben elle samit verbremt. Rostock. kleiderordn. v. 1585 bei Frisch 1, 490ᵇ; nachdem diese dame aus dem wasser gestiegen, legete sie keine bauern-juppe an, sondern ein ganz silbern stück mit guldenen blumen. Simpl. 3, 277 Kurz;
seidne jopen schön beschnürt.
B. Ringwald tr. Eck. J 3ᵃ;
so brann jr (der magd) auch die jupp am loch,
noch wolt sie nicht erwachen doch.
Fischart dicht. 2, 51, 1897 Kurz;
ihr (Hochdeutschen) drinket aus dem becher, wi drinken ut dem stope,
ewr magt ein leibchen hat, unse deeren drecht eine jope.
Lauremberg 72, 674 Lappenb.
oberhessisch ist joppe und juppe als jacke mit ermeln besonders dem weiblichen geschlechte eigen (Vilmar 186), bairisch wird sie von beiden geschlechtern gleich häufig getragen (Schm. 1, 1208 f. Fromm.).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1877), Bd. IV,II (1877), Sp. 2336, Z. 47.

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Zitationshilfe
„joppe“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/joppe>, abgerufen am 20.10.2021.

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