Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

journal, n.

journal, n.
tagebuch; zeitung.
1)
das fremde wort, in der fremden schreibung bei uns längst eingebürgert, ist adjectiv zu franz. jour und geht auf ein mittelat. diurnalis zurück; in der heutigen bedeutung ist es verstanden als livre journal, papier journal, wie im 16. 17. jahrh. noch gesagt wurde, erst seit dieser zeit wird in demselben sinne das franz. journal auch einfach gebraucht, vgl. Littré 2, 204ᵃ.
2)
aber ein mittellat. diurnale war als technischer ausdruck früher schon auch in Deutschland bekannt und wurde theils deutsch gegeben als tagzitbuͦch, ein tagczeitpuech (Dief. nov. gloss. 139ᵇ); theils als fremdwort belassen. diurnale diurnal, dyornal, en bok Dief. 188ᵃ; mit romanischem zischlaut: es kombt trauen ein deutschen pfarrer sehr schwer an, da er schon in sprachen zimlich erfaren, wenn er soll beim gemeinen mann gut deutsch reden. darumb ist es nicht ubel gerathen, als bald sich einer gedenkt zum kirchendienst zu geben, dasz er die deutsche biblia (Luthers) lasz sein zornal und teglich handbuch sein. Mathesius Luther (1583) 145ᵇ.
3)
seit dem 17. jahrh. ist das wort in der franz. schreibung für ein tagebuch gebräuchlich: journal, giornale, eintägliches hand- oder tagebuch, worinnen man täglich schreibet: bei den kauf leuten ist es ein auszug des memorials, oderein buch, worein alle baare gelder, vorhandene güter, schulden und gegenschulden und aus diesem ins huaptbuch getragen werden. Nehring hist.-polit. lex. (1736, zuerst 1684) 639; schiffer, geschäftsleute, ärzte, gerichtsbeamte führen ein journal; wir (schiffer) hatten uns unseres groszvaters journal warnen lassen. Fr. Müller 1, 311.
4)
dann auch für eine zeitung: das Frankfurter journal; und für eine zeitschrift, wobei der begriff des täglichen erscheinens oder auch des berichts über tägliche ereignisse zurücktritt oder sich verliert; das geschlecht ist selten, dem franz. folgend, masculin: hier ist der journal. lieber hätt ich nichts eingerückt. d. junge Göthe 3, 76; gewöhnlich neutral: die fortsetzung des ihnen bekannten journals und die übersetzung der römischen historie des Rollins besetzen meine zeit so schon mehr als mir lieb ist. Lessing 12, 16 (von 1750); indessen denke ich mir ein journal, das mehr als briefe, auszüge und urtheile zum zeit vertreibe enthielte. Herder z. litt. 1, 10; so dasz jeder theilnehmer am cirkel die woche hindurch in jeder der zwölf tagesstunden ein journal zu lesen bekam. Immermann Münchh. 1, 70; in der that gewannen seine vorstellungen durch das lesen der journale bald eine auszerordentliche bereicherung. 71;
wenn diesen langeweile treibt,
kommt jener satt vom übertischten mahle,
und, was das allerschlimmste bleibt,
gar mancher kommt vom lesen der journale.
Göthe 12, 12.
5)
ableitungen und zusammensetzungen. journälchen: dasz der Merkur noch manches journälchen überleben soll. Wieland bei Merck 1, 127; journalist, der auf einem gerichte das journal führt, ferner der vom zeitungsschreiben lebt: die journalisten. titel eines lustspiels von Freytag; journalismus, das zeitungswesen; journalschreiber; journalträger, der zeitschriften herumträgt; journalzirkel: da ihm der gute einfall wurde, in einen journalcirkel einzutreten, der alle wiszbegierige auf dem flächenraume der umliegenden vier quadratmeilen mit geistesnahrung versorgte. Immermann Münchh. 1, 70 (journal-lesecirkel s. 68).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1877), Bd. IV,II (1877), Sp. 2338, Z. 8.

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Zitationshilfe
„journal“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/journal>, abgerufen am 18.10.2021.

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