Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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jubel, m.

jubel, m.
laute schallende freude.
1)
das mittellatein hatte das vulgär-lat. substantiv jubilum und jubilus, welches offenbar von einer der deutschen gleichen interj. ju ausgehend, das jauchzende geschrei der hirten und soldaten ausdrückte, in die kirchensprache übernommen, wo es das wortlose langgezogene musicalische frohlocken am ende eines kirchengesanges bezeichnete (jubilum, jubilus mit neuma identisch, vgl. Du Cange v. Henschel 3, 907ᵇ; jubilus, frohlockung mit gesang Dief. nov. gloss. 223ᵃ). schon früh im mittellatein war auch ein jubilæus verwendet, das Isidor als remissionis munus mit ausdrücklicher betonung seines hebräischen ursprungs (jôbêl horn zum blasen im halljahr, vgl. sp. 235) interpretirt und das in der verbindung jubilæus annus seit 1300 grosze verbreitung erlangte, auch sonst in anderer bedeutung umlief: jubilæus hiesz possessio, seu praescriptio 50 annorum, auch homo grandaevus, centenarius, und an das andere bildungen anlehnten, wie jubilarius, qui quinquaginta annos in eodem statu perseveravit, jubilarus, clarus, illustris (Du Cange 3, 905—907). dasz man dieses jubilæus mit bezug auf das vorgenannte jubilus umdeutete, ergibt sich aus den mittelalterlichen erklärungen: jubileus annus, annus requietionis, gaudii, leticie, remissionis, gult-jâr, guldenjâr, gnaden-, jubel-, barmherzig jar Dief. 311ᵃ; freudenrich jar annus jubileus, annus remissionis. voc. inc. theut. f 1ᵃ;
jubileus hieʒ daʒ wunnejâr,
iʒ zaicte die wunne die wir hân
in gedinge nâh der gotes urstente,
in hente nâh disses lîbes ente.
Müllenhoff u. Scherer denkm. 44, 7.
2)
der kirchliche gesangesausdruck jubilus war von den mystikern angewendet worden um das jauchzen der seele bei der versenkung in gott zu bezeichnen (gerade wie das dazu gehörige verbum jubilieren, s. unten): man sol solichen jubilus underwîlen lâʒen durch ein beʒʒerʒ von minne und underwîlen durch ein minnewerc ze würken. Meister Eckhart 553, 35; und dringt auch in andere kreise, immer mit anklang an den kirchengesang:
in dulci jubilo
nun singet und seit fro!
aller unser wunne
leit in praesepio.
Wackernagels leseb. (1873) 1357;
es fragt sich ob das auch im 15. jahrh. nachgewiesene das jubilo aus dem ablativ von jubilus oder nicht vielmehr aus der 1. pers. praes. des angeführten lat. verbums hervorgegangen ist (so findet sich das jubilate singen B. Ringwald tr. Eck. K 6ᵇ):
das jubilo
suln wir mit freuden singen,
seit das die meit
got und menscheit
geboren hat.
Muscatblut ebenda sp. 1345,
eine form die noch viel später sich erhalten hat (vgl. unten jubilo). seit dem 16. jahrh. erscheint jubel in deutschem gewande, und vom kirchlichen hintergrunde vollständig losgelöst: die heiden treibent jubel und freud. Aimon bog. X 2; jubel, jubelgeschrei, soviel wie jauchzen Schottel 1341; jubel, jubilum, exclamatio hilara, tripudium cum clangore Stieler 901:
wer ein holdes weib errungen,
mische seinen jubel ein!
Schiller an die freude;
und eh er noch das wort gesprochen,
hat ihn der jubel unterbrochen,
der von der rhede jauchzend schallt.
ring des Polykrates;
alle kommen, alle legen
hände an, der jubel schallt.
eleus. fest. v. 150;
die rechte (des ritters) läszt den grusz ergehn,
sein helmgefieder wankt;
da neigen sich die damen schön,
des volkes jubel dankt.
Uhland ged. 205;
Pascal Vivas wehrt vergebens
ihrem jubel und gesang.
259;
der jubel schweigt, der glanz erlischt.
320.
im 18. jahrh. kommt in poetischer sprache der plural auf, im sinne von jubeltöne, jubellieder: Adams thränen sollen keine wehmuth in eure jubel mischen. Klopstock 11, 163;
der seraph stammelt ...
dein hohes lob, o sohn! wer bin ich,
dasz ich mich auch in die jubel dränge?
1, 86;
Bethlehems kind! du weintest, wir sangen dir jubel!
4, 103
wo keine klage,
keines jammers geschrei den dank der jubel entweihet.
5, 143;
ihrer jubel triumphlied
wird mit jener posaune, der todtenerweckerin, streiten.
203;
und er kam zum versöhnenden, ruft ihm die ersten jubel.
6, 16;
und indem die musik des belebten waldes erwachet,
wirst du (morgen) von fröhlichen jubeln in lauten concerten bewillkommt.
Zachariä tageszeiten (1757) s. 3;
bis liebliche jubel den saiten,
zum grusze des lenzes, entgleiten.
Gotter 1, 336;
horch! es tönen
wie vom himmel, laute jubel.
Overbeck verm. ged. 3;
aber bange
wehmuthvolle schauer beben
in die jubel meiner saite.
4;
freue dich, o seelenvogel,
lasse deine jubel schallen!
Daumer Hafis 16.
3)
in compositen wie jubelfest, jubelfeier, jubelgreis, jubeljahr u. a. geht jubel- von der bedeutung des lat. jubilæus (oben 1) aus, doch so, dasz jetzt nur noch die vorstellung der bei einer solchen feierlichkeit herschenden freude lebendig ist. vgl. auch jubiläum, jubilar.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1877), Bd. IV,II (1877), Sp. 2339, Z. 22.

jubel, n.

jubel, n.
s. juwel.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1877), Bd. IV,II (1877), Sp. 2340, Z. 35.

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Zitationshilfe
„jubel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/jubel>, abgerufen am 20.10.2021.

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