Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

jugendlich, adj.

jugendlich, adj.
juvenilis; schon ahd. und mhd. aufgewiesen (Lexer handwb. 1, 1487), aber dort gegen das gebräuchliche junglich ganz zurücktretend, und erst im letzten jahrhundert recht verbreitet.
1)
der jugend gleich, den eindruck des jungseins machen: ahd. juchundlîh jucunda, dulcia, jukuntlîchôsta jucundissima Graff 1, 608; nhd. es ist in diesem alten herrn noch etwas so wahrhaft jugendliches, das man beinahe ästhetisch nennen möchte. Schiller an Göthe 1, 379; der greis sah den jugendlichen jüngling je öfter je wärmer an; in unsern tagen ist jugend an jünglingen eine körperliche und geistige schönheit zugleich. J. Paul Tit. 2, 192;
schön war sie nicht, noch jung, doch jugendlich genug,
dasz sie an stirn und brust die heilsten farben trug.
Wieland 17, 289 (Idris 5, 62);
von dingen: hinaus in den freudigen tag, in den jugendlichen garten. J. Paul Tit. 3, 37;
frische jugendliche farben.
Gotter 1, 165;
aber jugendlich immer, in immer veränderter schöne
ehrst du, fromme natur, züchtig das alte gesetz!
Schiller spaziergang v. 193.
in den begriff jung übergreifend:
unbekanntes gefühl bebte zum erstenmal
durch mein jugendlich herz!
Hölty 108 Halm;
von dem eben erschaffenen ersten menschen: hier (im paradiese) zwischen vier benannten flüssen, war aus der ganzen zu bewohnenden erde ein kleiner, höchst anmuthiger raum dem jugendlichen menschen ausgesondert. Göthe 24, 205; von einem thiere:
muthig sprang er im gewühle der menschen,
wie auf gebirgen ein jugendlich reh.
Schiller leichenphantasie.
2)
der jugend angemessen, nach der jugend art und brauch. wo war ich? in dem wirbel der leichtsinnigen welt? jugendlichen zerstreuungen, verführerischen ergötzlichkeiten überlassen? Lessing 2, 563; (ich) schmeichle mir, dasz ich in diesem hitzigen fieber den letzten rest meiner jugendlichen thorheiten verraset habe. 12, 164;
weil ihr jugendlich sprödethun der jüngling
ernsthaft nahm und vom kuss erblödet abliesz.
Voss 3, 87;
mit heran in den tanz,
wer den jugendlichen kranz
ungefälscht auf der scheitel bewahret!
5, 73 (kranz den die jugend trägt);
o wie dem mai die natur sich verjüngt!
jugendliche lust und gesang erwachet!
79;
mein frischer sinn, die jugendliche lust,
die mich belebt, sie theilen sich dir mit.
Göthe 9, 272;
nicht weil ich jung bin und nicht viel erlebte,
verachtet meinen rath und meine rede;
nicht lüstern jugendliches blut, mich treibt
des höchsten jammers schmerzliche gewalt.
Schiller Wilh. Tell 1, 4;
die elfe hat gefallen
am jugendlichen spiel.
Uhland ged. 204.
die jugendzeit betreffend: Gellerts jugendliche gedichte (die er in seiner jugendzeit verfaszt hat). Adelung.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1877), Bd. IV,II (1877), Sp. 2365, Z. 64.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
judengott
Zitationshilfe
„jugendlich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/jugendlich>, abgerufen am 18.10.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)