Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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jung, adj.

jung, adj.
juvenis. goth. juggs (compar. jûhiza); alts. altnfr. jung; niederl. jong; fries. jung, jong; ags. geong, altengl. yong, neuengl. young; altnord. ûngr, schwed. dän. ung; ahd. mhd. junc. die deutsche, schon seit den ältesten zeiten contrahierte form stimmt zu lat. juvencu - s und zu sanskr. yuvaka - s jüngling, welches von sanskr. yuvan, lat. juven (juven-i-s) abgeleitet ist, und zu sskr. yu wehren gestellt wird, so dasz das adjectiv von dem begriffe der blühenden vollen kraft den ausgang seiner bedeutung nimmt (vgl. Fick² s. 159. 387). jung wird gesagt
1)
von personen, die in der kindheit oder noch im blühenden alter stehen. man bestimmt wol die grenze dieses alters: juvenis ein junger man, juvencula ein junges wip, vir ein man drisigjerig. voc. opt. 15ᵃ, 17; doch ist dieselbe im gewöhnlichen sprachgebrauche flüssig: ein junges kind, ein junger knabe, ein junges mädchen, eine junge frau; wir haben einen vater der ist alt, und einen jungen knaben in seinem alter geboren. 1 Mos. 44, 20; du hast einen jungen sohn. 1 Sam. 4, 20; der hatte einen sohn mit namen Saul, der war ein junger feiner mann. 9, 2; David samlet abermal alle junge manschaft in Israel. 2 Sam. 6, 1; du wirst .. jre junge manschaft mit dem schwert erwürgen, und jre junge kinder tödten. 2 kön. 8, 12; man suche dem könige junge schöne jungfrawen. Esther 2, 2; der jungen witwen aber entschlahe dich. 1 Tim. 5, 11; als aber der junge Tobias seiner hochzeit halben lange auszen war. Tob. 10, 1; die junge gesellen und jungfrauen. Fischart bienk. 146ᵃ; ein junger man kan neunmal verderben, und dennoch wiederumb genesen. Schottel 1129ᵃ; o! das junge ding ist eben so unbedachtsam, als der alte vergeszlich ist. Lessing 2, 547, ein vortrefliches geschenk für ein junges mädchen. 455; eine unglückliche junge wittwe. 559; dieser junge mann, der sich Zahn nennt. Schiller an Göthe 1, 18; ein junger herr, junger mann von herrenmäszigem aussehen:
lobt ihren neuen latz, schielt öfters auf ihr mieder,
fast wie ein junger herr.
Gellert 1, 132;
ein junges herrchen, ein stutzer; der junge herr der sohn eines hauses im gegensatz zum vater, dem alten herrn;
zum andren gibt es diese lehr,
das junge leut sich söllen hüten
vor der lieb ungestümen wüten.
H. Sachs 1, 121ᵇ;
des (darum) soll ein junger man sich halten
zu den züchtigen weisen alten.
472ᵈ;
zum mädchen wünscht ich mir — und wollt es, ha! recht lieben —
ein junges, nettes, tolles ding.
Lessing 1, 17;
himmel, kann es sein,
dasz eines jungen mädchens witz so sterblich
als eines alten mannes leben ist?
Shakesp. Hamlet 4, 5;
Roland, sag an, du junger fant!
Uhland ged. 346;
kleine blumen, kleine blätter
streuen mir mit leichter hand
gute junge frühlings-götter
tändelnd auf ein luftig band.
Göthe 1, 82,
junges blut, vergl. th. 2, sp. 173 no. 8:
komm als dann ein junges blut,
so sei mir der reichtuhm guht
seine gunst zu kriegen.
Göring liebesmeyenblühmlein (1654) s. 69;
ihr sprecht wie junges blut,
in solchen fährlichkeiten unbewandert.
Shakesp. Hamlet 1, 3
(you speake like a green girl);
in alterthümelnder rede vor eigennamen ohne flexion und mit weglassung des artikels:
jung Siegfried war ein stolzer knab.
Uhland ged. 332;
jung Roland, sohn des Milon, sprach.
339;
jung Roland rief: wohlauf zum streit.
341;
jung sein; jung an jahren, alt an verstande, ingenio canus ante canos Steinbach 1, 818;
Daniel was ganz jung der jar.
Schwarzenberg 110ᵃ;
so jung, von solchem adeligen stamm.
Schiller Wilh. Tell 5, 2;
er ist noch zu jung; der zu etwas fast noch zu jung ist, cujus aetas vix matura est rei alicui. Steinbach 1, 818;
vermeint ihr mich zu jung und schwach,
dasz ich mit riesen stritte.
Uhland ged. 339.
2)
im comparativ und superlativ: der jüngere sohn; ein jüngeres kind; er ist jünger als er aussieht; sie hat aber eine jüngere schwester. richt. 15, 2; nu aber lachen mein die jünger sind denn ich. Hiob 30, 1; ich sage dir, da du jünger warest, gürtestu dich selbs, und wandelst, wohin du woltest, wenn du aber alt wirst, wirstu deine hende ausstrecken, und ein ander wird dich gürten und füren. Joh. 21, 18; nach ihrem gesichte hätte ich sie gewisz auch nicht für jünger (gehalten). Lessing 2, 387; dem jüngern Schlegel. Schiller an Göthe 1, 124
er ist ein jüngrer sohn nur seines hauses,
nichts nennt er sein als seinen rittermantel.
Tell 1, 2;
der jüngste sohn; die jüngste tochter heiszt Marie; es ist nicht sitte in unserm lande, das man die jüngste ausgebe vor der eltesten (tochter). 1 Mos. 29, 26; ist das ewer jüngster bruder? 43, 29; ihre jüngste tochter Göthe 27, 136.
3)
substantivisch, in mehrfacher verwendung.
a)
in starker oder schwacher form: es kam ein junger zuͦ einem heiligen vatter. Keisersberg baum d. sel. 10ᵃ; sollen die guͦten werk, die der jung als mit groszem fleisz thuͦt, all verloren sein. 11ᵇ; der jung nam es war an dem alten. ebenda; ein herzog von Baiern, Ludwig genant, der noch ein lediger junger was. d. städtechr. 3, 111, 25; aber er verlies der eltesten rat, den sie jm gegeben hatten, und hielt einen rat mit den jungen die mit jm aufgewachsen waren. 1 kön. 12, 8; da mich die jungen sahen und sich versteckten, und die alten fur mir aufstunden. Hiob 29, 8; einen alten schelte nicht, sondern ermane jn als einen vater, die jungen als die brüdere. 1 Tim. 5, 1; ir jungen, seid unterthan den eltesten. 1 Petr. 5, 5; der jüngere zeigt achtung vor dem älteren; sprichwörtlich: er ist der jüngste nicht, schon bejahrt;
sol ich in ir (der dame) dienste werden alt,
die wîle junget si niht vil.
so ist mîn hâr vil lîhte alsô gestalt,
daʒs einen jungen danne wil.
sô helfe iu got, hêr junger man,
sô rechet mich und gêt ir alten hût mit sumerlaten an.
Walther 75, 20;
er trat hin zuo dem jungen   nider ûf daʒ gras,
er sprach: kindischer recke,   dîn swert muoʒ ich hân.
Wolfdietrich D 4, 17, 2;
hör, junger! es steht in dem hausz
allenthalben wol überausz.
Ayrer fastn. sp. 2ᵈ (2346, 32 Keller);
der alte sprach zum jungen: nun sei bereit mein sohn!
Uhland ged. 390.
auch in der bedeutung kind: man sagt also von ainer, die het sollich baisen und waidwerk etliche jar und soviel getrieben, das es auch jungen gegeben. Zimm. chron. 3, 552, 15. vgl. dazu unten das subst. junge.
b)
absolut, jung, als ein junger, als eine junge, in jugendlichem alter: jung gewohnt, alt gethan; jung gefreit hat niemand gereut; wenn die dingerchen so jung heirathen, so werden auch die kinder darnach. Lessing 2, 386;
was man öfter jung gethan,
hängt auch noch dem alter an.
A. v. Abschatz verm. ged. 170.
c)
das neutrale jung wie jugend, jugendzeit: adolescentia junk Dief. 13ᵇ;
alte jungfern mögen buhlen, künnen dennoch jungfern sein,
dann, weil jung ist fern an jhnen, trifft es also richtig ein.
Logau 3, 12, 42;
namentlich in der formel von jung auf, vgl. dazu von klein auf th. 5, 1092:
alles was ich gelernt und was ich von jung auf gewohnt bin.
Göthe 40, 318.
in der rede des gemeinen lebens aber auch = kind (vgl. dazu unten 8): was junges, infans Stieler 903; sie hat etwas junges bekommen; es macht sich ein glater, junger edelman von Thurn zum frölin, der macht im ein jungs. Zimm. chron. 3, 549, 36.
4)
jung, in formelhaftem gegensatze zu alt (vgl. dazu th. 1, 263. 264), ebenfalls in verschiedenen verbindungen; adjectivisch: junger springer, alter stelzer. junger schlemmer, alter betler. Schottel 1144; ich bin hier seit dreiszig jahren todtengräber gewesen, in jungen und alten tagen. Shakesp. Hamlet 5, 1; substantivisch: fruntschaft, das da ein grosz guͦt ding ist, nützlich und not reichen und armen, jungen und alten, betrübten und volkuͦmen menschen. Keisersberg sünden d. m.; weh euch, die jr küssen machet den leuten unter die arme, und pföle zu den heupten, beide jungen und alten. Hes. 13, 18; wie jung und alten kund (ist). A. Gryphius (1663) 678;
der mich des tet bescheiden palt
den lob ich, wer alt oder junger.
fastn. sp. 225, 9;
dem alten das grab, dem jungen das weib,
so haben sie beide versorget den leib.
A. v. Abschatz verm. ged. 167
jungen buhlet selbst das glücke,
von den alten tritts zurücke.
ebenda;
im neutrum:
eʒ (das kind) truoc an sînem lîbe   die aller besten wât,
die jungeʒ oder alteʒ   in der werlde inder hât.
Ortnit 2, 93, 4;
sehr häufig in den formeln jung und alt, alt und jung, die unflectiert bleiben: kamen die leute der stadt Sodom, und umbgaben das haus, jung und alt. 1 Mos. 19, 4; wir wollen ziehen mit jung und alt. 2 Mos. 10, 9; da kam weib und man, jung und alt, zu Osia und den eltesten. Jud. 7, 13; da würgt man durch einander jung und alt, man und weib, kinder und jungfrawen. 2 Macc. 5, 13; ziemte bescheidenheit minder jung und alt, jung insonders. Klopstock 12, 76; die nachbarn welche jung und alt in erwartung wie gewöhnlich zusammengekommen waren, machten verdrieszliche gesichter. Göthe 23, 181;
und überall all überall,
auf wegen und auf stegen,
zog alt und jung dem jubelschall
der kommenden entgegen.
Bürger 13ᵃ.
5)
jung, von eigenschaften, körpertheilen u. ä. junger personen: er kann schon springen, hat noch junge beine; der jungen herzen ergernis. weish. 14, 26; junge zän, fülezän, pullini dentes Maaler 238ᶜ; junge kraft, juvenile robur Steinbach 1, 818;
wie möcht ich fürbasz frölich sein,
so du hie hast dein junges leben
für dein junkfrewlich keuscheit geben.
H. Sachs 1, 115ᵈ;
darumb der ehrendieb die nacht
verlieren musz sein junges leben.
119ᶜ;
ich wolte
dasz ich solt bei dir sein,
zubringen meine jungen tage,
aber es kan nicht sein.
Weller lieder des 30 jähr. kr. 158;
wie glücklich, wem das knabenkleid
noch um die schultern fliegt,
wem lächelnde zufriedenheit
den jungen busen wiegt.
Hölty 121 Halm;
um deine jungen blicke schwebt
ein lächeln.
124;
allein, so rosenfarb die gute frau sich kleidte,
so dick sie sich mit schminke überzog,
so künstlich ihr gesicht bei licht und in die weite
sich dreiszig jahre jünger log, ...
so wenig half es ihr.
Wieland 17, 289 (Idris 5, 63);
bis du, von mir erwärmt, an meinem herzen,
das junge leben wieder freudig fühltest.
Schiller Wallenst. tod 3, 18;
dein junges blut erstarrte.
Shakesp. Hamlet 1, 5.
6)
jung auch jugendlich, der jugend gemäsz, die art eines jungen menschen habend: trotz seines alters ist der mann noch jung; sein fleisch grüne wider wie in der jugent, und las jn wider jung werden. Hiob 33, 25; auf alle fälle ist er jünger als seine jahre, man möchte beinahe etwas kindliches an ihm finden. Göthe 23, 213; jung herz und fräfen etwas ze thuͦn, animi virides ausis Maaler 238ᶜ;
heia he, wie gsunt, wie jung
bin ich an dem herczen mein!
ring 8ᵇ, 11;
sie hielten sich fest umfangen,
sie wurden jung und gesund.
Uhland ged. 214.
in der verbindung das junge Deutschland, eine litterarische, nach 1830 entstandene schule voll stürmischen strebens bezeichnend; ähnlich das junge Litthauen, eine fraction des preuszischen abgeordnetenhauses. übertragen:
alles wiederholt sich nur im leben,
ewig jung ist nur die phantasie.
Schiller an die freude;
und ich las das lied vom Odysseus,
das alte, das ewig junge lied.
H. Heine 15, 226.
7)
jung, parallel der bedeutung 1 von thieren: das volk wird aufstehen wie ein junger lewe. 4 Mos. 23, 24; sollen eine junge kue von den rindern nemen. 5 Mos. 21, 3; der dem vieh sein futter gibt, den jungen raben di jn anrufen. ps. 147, 9; das müssen .. die jungen adeler fressen. sprichw. Sal. 10, 17; in der bibel auch mit dem folgenden subst. zusammengeschrieben: so bringe er dem herrn .. zwo jungetauben. 3 Mos. 5, 7; nim zu dir ein jungkalb zum sündopfer. 9, 2; wie ein jungerlewe. Hos. 5, 14. Mich. 5, 7;
es liesz sich in der vögel chören
unlängst ein junger vogel hören.
Hagedorn 2, 46;
jung war er (der schwan) weder weisz, noch schön noch stark zu nennen;
itzt musz man ihn dafür erkennen.
124;
ein junger ziegenbock mit ellenlangem bart.
Gleim 3, 345.
bei verschiedenen hausthieren und jagdbarem wild ist das adjectiv in bezug auf eben oder kürzlich geborene ungebräuchlich, da für solche eigene bezeichnungen existieren, vgl. ferkel, fohlen, frischling, kalb, küchlein, lamm u. ähnl.
8)
häufig substantivisch im neutr., das junge, plur. die jungen: wenn du auf dem wege findest ein vogelnest, .. mit jungen oder mit eiern, und das die mutter auf den jungen oder auf den eiern sitzt, so soltu nicht die mutter mit den jungen nemen. 5 Mos. 22, 6; wie ein adeler ausfüret seine jungen. 32, 11; zorniges gemüts, wie ein beer dem die jungen auf einem felde geraubt sind. 2 Sam. 17, 8; der vogel hat ein haus funden, und die schwalbe jr nest, da sie jungen hecken. ps. 84, 4; die katzen gebärend in der zal der jungen gleich den hunden, zuͦ zeiten eins allein. Forer thierb. 99ᵃ; als ein elephant ein weiblein ersähen hatt, dasz sein junges in ein gruͦben sich gestürzt hette. 76ᵃ; was die alten sungen, das tschitzerten die jungen, a bove majori discit arare minor. Steinbach 1, 818; kein buchstabe steht gerade; sie hocken einer auf dem andern, als ob sie junge hecken wollten. Lessing 1, 295;
ich leg eyer und thu nisten,
zeuch ausz mein jungen in kurzen fristen.
H. Sachs 1, 484ᵇ;
die henne führt der jungen schar.
Gellert 1, 111;
ich geh und will den hahn zur sie in bauer stecken;
die jungen bring ich dir, so bald die alten hecken.
3, 461;
und wie die mutter (des zum schlachthaus geführten kalbes) brüllend läuft umher,
hinsehend, wo ihr junges von ihr ging.
Shakesp. Heinrich VI 2, 3, 1.
9)
die formel jung werden nasci gilt von menschen wie von thieren: ich bin itzt in seinem vaterlande, und, bei gott! er hat recht wohl daran gethan, dasz er in Schlesien jung geworden ist. Lessing 12, 144;
man soll dir die nativität, Tenebrio, auszrechen:
zu rechnen wer dein vater sei, das wil den kopf zerbrechen:
wann, wo, ausz wem, du wordest jung, das kan man noch wol sprechen.
Logau 3, 168, 82;
die ungebundne hand der obersten gewalt
miszt uns den lebensweg mit einer kurzen ruthe,
viel werden gar nicht jung, und viel ersticken bald
zur stunde der geburt in ihrer mutter blute.
Günther 643;
du aus norden,
im nebelalter jung geworden,
im wust von ritterthum und pfäfferei,
wo wäre da dein auge frei!
Göthe 41, 108;
thierlein .. welche des morgends jung werden und mit der sonnen untergange auch untergehen. Opitz 2, 303; ein lamm so erst jung geworden. pers. reisebeschr. 3, 2;
ein pferd, das in dem kalten norden,
nicht weit von Drontheim, jung geworden.
Brockes 1, 571.
10)
jung, von gewächsen: junges gras; junges grün; junge sträucher; junge pflanzen; junges gemüse; laszt uns krenze tragen von jungen rosen, ehe sie welk werden. weish. Sal. 2, 8; jung böum setzen, semina deponere Maaler 238ᶜ; junge fechser, semina vineatica Stieler 903; ein baum, dessen zweige von unten bis oben, die ältesten wie die jüngsten, gen himmel streben. Göthe 27, 76;
gebt uns junge saffranblumen.
Fleming 352;
zweige starker junger bäume.
Hagedorn 2, 14;
dir, o blendende brust, will ich den erstling weihn,
den der blüthemond zollt, will ich im blumentopf
junge rosen erziehen.
Hölty 71 Halm;
im jungen nachtigallenhain.
170;
milder wehen Zephyrs flügel,
augen treibt das junge reis.
Schiller klage der Ceres;
aus des frühlings jungen sprossen
redet mir der holde mund.
ebenda;
es schmückt mit zarter decke kaum
das junge, neue laub den baum.
Platen 86;
altes holz verbrauch am heerde
und das junge wirf in ofen.
56;
meine träume, die mich einst in euren (bäume sind angeredet) jungen schatten beschäftigten. Göthe 14, 229.
11)
jung, in dichterischer sprache von dingen, denen ein werden und wachsen beigelegt wird, namentlich vom morgen, frühling, jahr und dem was ihnen eigen ist: der junge tag. Klinger 2, 147;
das rege federvolk das sang mit süszen stimmen
den jungen tag laut an.
Fleming 52;
klar wie junger morgen.
Körner 2, 150;
purpurisch zuckt durch düstrer tannen ritzen
das junge licht.
Schiller der flüchtling;
in einem thal bei armen hirten
erschien mit jedem jungen jahr,
sobald die ersten lerchen schwirrten,
ein mädchen schön und wunderbar.
mädchen aus der fremde;
komm und brich des jungen jahres hyacinthen.
Platen 71;
der junge lenz bemale dein gestade
mit regenbögen, lieber bach.
Hölty 125 Halm;
wie Thestylis? auch du
verschmähst für jungen thau die süsze morgenruh?
Lessing 2, 451;
von gefühlen, empfindungen und deren anzeichen: tausend junge gefühle schossen aus meinem herzen wie die blumen aus dem erdreich, wenns frühling wird. Schiller kab. u. liebe 1, 3;
o dasz sie ewig grünen bliebe,
die schöne zeit der jungen liebe!
glocke v. 79;
junge glut auf den schamhaften wangen,
mischt ich mich in die kriegrischen reihn.
Iphig. in Aulis 1. act, zwischenhandlung;
von gegenständen, wenn sie personificiert erscheinen:
wind auf, was felsenklüfte
dir spenden, junger krahn.
Freiligrath dicht. 2, 170.
auch in der verbindung wieder jung werden (angelehnt an no. 9), wieder erwachen: nunmehr aber ward ihr erster kummer wieder jung. Lohenstein 2, 1321ᵇ; sich wieder erneuern:
die welt wird alt und wird wieder jung.
Schiller hoffnung.
12)
jung, von unlängst geschehenem oder ins werk gesetztem: ein junger anfänger, der sich erst vor kurzem etabliert hat; ein junger beamter, erst angestellt; ein junger ehemann, der kürzlich geheiratet; ein fürnemmer Römer hat eine schöne, reiche und ehrliche junge fraw von sich scheiden lassen (σώφρονα γυναῖκα καὶ πλουσίαν καὶ ὡραίαν). Fischart ehz. 29, vgl. unter jungfrau; junge schüler, tirones, tirunculi, rudes Stieler 903, vgl. dazu jünger; in Holstein jung wark, neu angehende, ungewohnte arbeit Schütze 2, 201;
bringet ihm (dem mai), in grünen schatten,
eure frühlingsopfer dar,
junge neuvermählte gatten.
Hölty 131 Halm.
in Schlesien sind namenübertragungen von ältern städten auf neuere gründungen durch jung- bezeichnet: Jung-Bunzlau (Jungbuntzel Steinbach 1, 227); Jung-Breslau (Inowraclaw).
13)
im comparativ: jüngere ereignisse verhinderten meine absicht; es existieren jüngere briefe, briefe jüngeren datums; der jüngere im felde, bergmännisch derjenige eigenlehner oder die gewerkschaft, vor der bereits eine ältere gewerkschaft in dem felde gemutet, bestättiget und gebauet hat. er ist dem älteren aus der vierung zu weichen schuldig. Jacobsson 2, 323ᵇ; und im superl.: die jüngsten weltgeschichtlichen ereignisse; die jüngste pateigruppierung im reichstage; jüngste briefe, ultimae, nuperae literae Stieler 903; von dem jüngsten (letzt gesehenen) cometen Schuppius 286; relation welche bei jüngster post Mercurius angebracht hat. 564;
ihr hört den jüngsten wunsch.
Lohenstein Cleop. 110, 239;
so weigre dem der stirbt, die jüngste bitte nicht.
A. Gryphius 1698 1, 36;
und frisch und laut und brausend
erhub sein lied sich gleich:
das war von vielen tausend
sein jüngster dummer streich!
Freiligrath dicht. 2, 146;
das jüngste gericht, der jüngste tag: wie das letzte kind seiner eltern jüngstes kind genannt wird, so hat unsere sprache beliebt, den letzten tag, den zeitpunct der alle zeit beschlieszt, den jüngsten tag zu nennen. Kant 6, 394; dem lande der Sodomer und Gomorrer wird es treglicher ergehen am jüngsten gericht, denn solcher stad. Matth. 10, 15; das ich nichts verliere von allem, das er mir gegeben hat, sondern das ichs auferwecke am jüngstentage. Joh. 6, 39; ich wisz wol, das er auferstehen wird in der auferstehung am jüngsten tage. Joh. 11, 24; das ist ja das leibhaft konterfei vom jüngsten tage. Schiller räuber 5, 1;
(die eine tochter verwünschte ich)
das sie niemmermehr erstürb
bisz hin wol an den jüngsten tag.
die ander verflucht ich darnach
auf ein berg in Armenia,
solt eines sperbers warten alda,
bisz sie erlöst das jüngst gericht.
J. Ayrer 342ᵃ (1713, 20 Keller);
wenn der jüngste tag soll werden,
falln die sternlein auf die erden.
bettlerlied;
am jüngsten tag, wenn die posaunen schallen
und alles aus ist mit dem erdenleben,
sind wir verpflichtet rechenschaft zu geben,
von jedem wort, das unnütz uns entfallen.
Göthe 2, 15.
in freiem sinne: ich glaube, dieses jüngste gericht über den gröszten theil der deutschen dichter wird am schlusz des jahrgangs eine gute wirkung thun. Schiller an Göthe 1, 111. — vgl. auch das adv. jüngst.
14)
aus dem begriff der jugend folgt der des gesellschaftlich zurückstehenden, dienenden: ahd. jungiron inferioribus Graff 1, 603; nhd. sondern der gröszest unter euch, sol sein wie der jüngste, und der furnemest wie ein diener. Luc. 22, 25, vgl. dazu das subst. junge 2. — In Holstein heiszt der zweite prediger jungpastor (Schütze 2, 201), der begriff der bloszen hilfsstellung entwickelt sich aus der späteren vocation; in der haushaltung ist die junge magd die zweite magd, vgl. jungemagd.
15)
jung, in technischer verwendung.
a)
von getränken die noch nicht ausgegohren haben: junger wein, vinum novitium Frisch 1, 493ᶜ; junges bier;
in den krummen büschen
des labyrinthes lag, in jungem most bezecht,
ein alter satyr.
Wieland 17, 313 (Idris 5, 108).
von hefen: die hefen, .. welche ja nicht alt noch sauer, sondern fein frisch, jung, rein und leicht sein sollen. öcon. lex. 291.
b)
bei dem bäcker heiszt junger sauer der sauerteig, dem man nicht zeit genug zum aufgehen gelassen hat. Jacobsson 6, 175ᵇ.
c)
im forstwesen junger aufschlag, bäume, insbesondere fichten, die erst jüngst oder seit ein paar jahren aufgeschlagen oder aufgewachsen sind. Jacobsson 1, 85ᵃ; junger anwuchs, junges dickicht in den hochwaldungen dasjenige, was 30 bis 40 jahr alt ist. 6, 175ᵇ.
d)
der landwirt nennt junge milch die milch, die von noch jungen thieren kommt; junges vieh, kleinvieh, kälber, schafe, ziegen, schweine; jung fleisch, das von solchen kommt. Schm. 1, 1207 Fromm.
e)
das junge von der gans heiszt in Östreich und Baiern das gänseklein, kopf, flügel, magen, leber und füsze. Jacobsson 6, 175ᵃ. Schm. a. a. o. im bair. walde und in Wien wird auch der ausdruck ein junger has in gleichem sinne verstanden. ebenda.
f)
junger grund, im deichbau, solcher der erst kürzlich dem wasser abgewonnen ist.
g)
die junge fastnacht, der letzte tag vor aschermittwoch. Frisch 1, 493ᶜ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1877), Bd. IV,II (1877), Sp. 2370, Z. 1.

junge, m.

junge, m.
adolescentulus, puer.
1)
es ist die schwache form des adj. jung in substantivem gebrauche (vgl. junge 3, a), ahd. jungo: jungo, ih quidu thir, arstant! (adolescens, tibi dico, surge). Tatian 49, 4; mhd. junge;
ir geilent iuch jungen,
die bluomen sint entsprungen,
ir singent den reigen.
MS. 1, 25ᵇ Hagen;
nhd. junge, obschon in ältern quellen öfters auch die starke form junger unterläuft: das ich folgends als ein junger wol zwei jahr mit ihnen ritt. Götz v. Berl. 47;
hola, junger, geh und frage,
wo der beste trunk mag sein.
Opitz 2, 207;
so schicke denn nach weine.
geh, junger, hol uns her den wehrtesten vom Rheine.
Fleming 37.
der plur. jungens, von Niederdeutschland her verbreiteit, ist auch bei Wieland, Schiller, Göthe, aber nur in vertraulicher rede, zu finden: er kritisirte die armen jungens scharf. Hippel lebensl. 3, 238; dasz der gröszte theil des jungen volkes, das über uns abspricht, hundevolk und dumme jungens sind, weisz ich nur zu wohl. Wieland in Mercks briefs. 2, 135; Werner hat am anfang des achten buchs schon mehrere jungens, die schreiben und rechnen. Schiller an Göthe 1, 170; arme jungens, ich darf euch keine rast gönnen. Göthe 42, 130 (jungen steht 8, 101); 'guter junge!' und habt ihr nicht gehört, dasz alle braven leute in ihrer jugend gute jungens waren. 57, 214;
sich und die jungens ennuyieren.
12, 92;
die kleinen jungens in der pfützen.
13, 53.
2)
junge heiszt im nhd. zunächst ein junger mensch in dienender oder in einem handwerk lernender stellung (vgl. jung 14): jung, dem dienst nach, famulus, servulus, puer, jung der lehre nach, discipulus, tyro Frisch 1, 493ᶜ, mit den compositis gänsejung, küchenjung, hundsjung, stalljung, troszjung; dasz im hauszstand selten eine köchin oder ein jung sei, die nicht ihre sonderbare rationes status haben. Schuppius 8; eines würzkramers jung (lehrling). 203; eines seidenkramers jung. ebenda; vgl. die kramerjungen. ebenda; eines jeden armen handwerksjungen. 218; die kramjungen. 512; der erste meister, der es in einer groszen stadt so hoch brachte, dasz er dreiszig, vierzig und mehr gesellen halten konnte, verfiel ganz natürlicher weise auf den gedanken, jedem jungen oder gesellen sein geschäft anzuweisen. Möser patr. phant. 1, 184; in Holstein heiszt junge (auszer der bedeutung 3) der bursche der dem knecht in der landwirtschaft zur hand geht. Schütze 2, 200; ochsen- und pferdejungen. Holtei Lammfell 50; junge im bergwerk, ein bei der förderung oder aufbereitung beschäftigter jugendlicher arbeiter. Veith bergwörterb. 282 mit manigfachen compositen;
santend bäidenthalben einen jungen,
daʒ er scholt die gloggen leuten.
ring 8ᵃ, 19;
namentlich ein jugendlicher diener im kriege, troszbube: das war das erste banzer und harnisch, das ich anthet, sonst war ich für einen jungen zimlich versucht und gebraucht worden in kriegen und anders, doch in knaben weisz. Götz v. Berl. 46; huren und jungen nicht in zugordnung leiden. Reuter v. Speir kriegsordn. 30; jugendlicher diener bei einem edelmann, page: meinem herrn vater .. aufgewartet, mit ihm geritten und gefahren, und sonst, wie es sich einem jungen gebühret, bezeigt. Schweinichen 1, 47; ich war ein jung bei dem edelmann. darnach zog ich in krieg. Schuppius 118; aber ich ward also des gubernators page und ein solcher kerl, den leute, sonderlich die bauren, wann ich sie bei meinem herrn anmelden solte, bereits herr jung nanten, wiewol man selten einen jungen sihet, der ein herr gewesen, aber wol herren, die zuvor jungen waren. Simpl. 1, 80 Kurz; diener eines studenten: wann mein jung, der mich zuvor Philander genant hatte, hernach nicht sagte, herr m. (magister) Philander, so bekam er ohrfeigen. Schuppius 240.
3)
junge, unerwachsener mensch, knabe, nicht in rücksicht auf ein dienstverhältnis, wenn auch das wort, sofern es namentlich im 17. jahrh. von einem schüler gebraucht wird, noch an die vorige bedeutung rührt: Fabius, der nicht ein schlechter meister ist die knaben zu informiren, befilcht, dasz das studiren der jungen nicht mit härtigkeit zu schrecken. Schuppius 743; ein schuljung musz erstlich das studiren lieben, alsdann dich wegen des studirens, letzlich beede wegen desselben. ebenda; seit dem 18. jahrh. nur in rücksicht auf das lebensalter, auszerhalb der schriftsprache aber allein in Nord- und Mitteldeutschland, während im süden dafür bube gilt: ich seh ihn noch, wie er sich im dorf mit den jungens herum jagte. Schiller parasit 2, 7; besonders da der junge auch einen Wilhelm unter seinen namen hat. an Göthe 1, 191; gab einem jungen, der gerade dazu kam und sagte der vater wolle das schulgeld nicht zahlen, zwei derbe maulschellen. Immermann Münchh. 1, 74; die jungen fanden, dasz noch nie so lustig schule gehalten worden sei. 77; er hätte in den ersten augenblicken den jungen (Friedrichen) bei den haaren rückwärts die treppe herunterreiszen mögen. Göthe 18, 214;
die kleinen jungens in der pfützen,
laszt sie mit ihren schussern sitzen!
13, 55;
auf meine knie! machts euch bequem, ihr jungen!
Freiligrath dicht. 2, 178;
heute wurde uns ein kräftiger junge geboren. in zeitungsanzeigen; es thut freilich nichts, wenn unser junge ein biszchen älter ist als der ihrige. Göthe 14, 258; ein vater spricht von seinem selbst erwachsenen sohne vertraulich als von seinem jungen:
was der junge doch fährt! und wie er bändigt die hengste! (der vater von Hermann).
40, 234;
wie denn auch sonst der ältere mann, der bei einem jüngeren in väterlichem ansehen steht, diesen gleicherweise so nennen kann:
hofft
sie zu besitzen — ist der junge toll? (Wallenstein von Max).
Schiller Wallenst. tod 3, 4.
im Nassauischen ist jung, junge ein bursche vom 15. jahr bis zur verheiratung; auch der älteste sohn in der familie, ohne rücksicht auf das alter. Kehrein 212.
4)
häufig ist das scheltwort dummer junge: was würde man von einem schuster denken, welcher seinem lehrjungen alle handgriffe aus dem grundsatze seines handwerks herleiten wollte: jeder schuh musz dem fusze passen, für den er gemacht ist? der dümste junge würde ihm antworten: das versteht sich. Lessing 3, 386; er sieht aus wie ein mann und ist doch nur ein dummer junge; er benimmt sich wie ein dummer junge; einem einen dummen jungen aufbrummen, ein studentischer ausdruck;
und sie nähte sich ein hochzeitkleid,
und hat mit zärtlichen armen umschlungen
als bräutgam den dümmsten der dummen jungen.
H. Heine 15, 103;
da kam den rain entlang gesungen
so eine art von dummen jungen,
der Friedrich, meines schreibers sohn.
A. v. Droste-Hülshoff ged. (1873) 154;
auch grüner junge: er ist nur ein grüner junge.
5)
bisweilen hat auch junge allein den übeln beisinn des flegelhaften oder doch eckigen im betragen: er führt sich wie ein junge auf; er steht da, sitzt, räkelt sich wie ein junge; wortspielend mit dem adj. jung 1:
schnell wird ein dichter alt, dann hat er ausgesungen.
doch manche critici! die bleiben immer jungen.
Kästner verm. schrift. (1783) 2, 493.
vgl. jungenhaft.
6)
junge mit entsprechenden adjectiven, in wolwollend-vertraulichem sinne von einem halberwachsenen oder selbst einem jungen manne: wenn Fabrice oder sonst ein guter junge einen kuss nehmen dürfte. Göthe 7, 121; Georg! der goldne junge! 8, 163; er war der beste junge unter der sonne und tapfer. 165; einen offnen jungen, mit einer gar glücklichen gesichtsbildung. er kommt erst von academien. 16, 13; soll sie ... erst mit ihrem eigensinne manchen armen jungen .. gequält haben. 97; mein sohn, sagte der stallmeister zu Friedrichen, du bist ein braver junge. 18, 225; er (Laertes) sei zu bedauern, weil er übrigens der bravste junge sei, den gottes erdboden trüge. 19, 30;
vor allen, die um das fräulein sich
bewarben, war der giftige stich
des liebeswurms dem armen jungen
am tiefsten in die leber gedrungen.
Wieland 21, 15;
welten schliefen im herrlichen jungen,
ha! wenn er einst zum manne gereift.
Schiller leichenphantasie z. 49;
und ich sagte: blase wieder,
und der gute junge blies.
Göthe 1, 22;
war ich guter junge nicht so selig
in der öden nacht?
79;
so recht, ihr luftgen zarten jungen (Mephistopheles zu den geistern).
12, 77;
er wär ein narr! ein flinker jung
hat anderwärts noch luft genung.
187;
Unstern, diesem guten jungen,
hat es seltsam sich geschickt.
Uhland ged. 292;
selbst zu einem thier aus dem munde des reiters:
der knapp gieszt seinem thier (maulthier) mitleidig etwas wein
aus Oberons becher auf die zunge:
da, spricht er, trink, du guter treuer junge.
Wieland 22, 164 (Oberon 4, 34).
7)
junge, penis (vergl. dazu der kleine in demselben sinne theil 5, 1102):
ich arbaitet heur in der hitz so grosz,
das ich mich muszt auszziehen nacket plosz;
do sach sie mir do an mein jungen.
fastn. sp. 99, 24.
8)
jungen heiszen an einigen orten die merkzeichen, die man unter die marksteine legt. Frisch 1, 493ᶜ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1877), Bd. IV,II (1877), Sp. 2375, Z. 61.

junger, m.

junger, m.
vgl. unter dem subst. junge 1.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1877), Bd. IV,II (1877), Sp. 2379, Z. 72.

jünger, m.

jünger, m.
puer, discipulus.
1)
der comparativ von jung war in der kirchlichen sprache seit dem 8. jh. in ausgedehnte substantive verwendung gekommen, indem man dadurch zunächst die schüler Christi bezeichnete, das discipulus der vulgata übersetzend (der Gothe hatte das μαθητής des griech. textes durch sipôneis wiedergegeben), ahd. jungiro, alts. jungaro, jungro, ags. geongra, fries. jongera; in den nord. sprachen fehlt das wort. mhd. lebt es als junger fort, doch macht die in den früheren dialecten ausschlieszlich herschende schwache form, die sich nur noch selten findet: sanctus Dionysius jungern vrâgeten Dionysium, warumbe sie Timotheus alle vürliefe an vollekomenheit? Meister Eckhart 16, 1, gemeiniglich der starken form platz. auch im nhd. findet sich unumgelautetes junger noch:
so Christus seinen jungern hat befolcht
das ausz zuͦ teilen umb keinen solt.
Schade sat. u. pasqu. 1, 13, 17;
lernet wie Christus junger beten!
34, 270.
bei Luther und nach ihm ist das umgelautete jünger durchgeführt: und er rief seine zwelf jüngere zu sich. Matth. 10, 1; da redete Jhesus zu dem volke, und zu seinen jüngern. 23, 1; sandte Jhesus seine jünger zween. 21, 1; es war aber einer unter seinen jüngern, der zu tische sasz an der brust Jhesu. Joh. 13, 23; und trat auf einen platz im felde, und der hauf seiner jünger, und eine grosze menge des volks. Luc. 6, 17; da aber Saulus gen Jerusalem kam, versuchte er sich bei die jünger zu machen, und sie furchten sich alle fur jm, gleubeten nicht, das er ein jünger were. ap. gesch. 9, 26;
als noch, verkannt und sehr gering,
unser herr auf der erde ging,
und viele jünger sich zu ihm fanden,
die sehr sehr selten sein wort verstanden.
Göthe 13, 119;
von den schülern Johannis: da aber Johannes im gefengnis die werk Christi hörete, sandte er seiner jünger zween. Matth. 11, 2; und allgemein, im gegensatz zum meister: der jünger ist nicht uber seinen meister, wenn der jünger ist wie sein meister, so ist er volkommen. Luc. 6, 40; vgl. jüngerin.
2)
in freierer anwendung, aber von der bibelsprache ausgehend, als schüler, lernender: mhd.
ir (der pfaffen) junger habent ouch wol erchant
wie in ir mäister hant
vor gitragen daʒ bilde:
bîchte und bivilde,
misse unt salmen
daʒ bringent si allenthalben
ze etlîchem choufe.
H. v. Melk erinnerg. 71;
Hagene dolte kûme den kunstlôsen man,
daʒ er als ein begoʒʒen brant riechen began
der meister vor dem junger.
Gudr. 364, 3;
nhd. da was abt Carus, des gemelten Marianus junger. deutsche städtechr. 3, 92, 9; Johann Viccleph von Engellant, und der machet vil pucher und schul het zu Prag .. und liesz (hinterliesz) etlich jungeren: Johannem Husz, Jeronimum und Petrum von Tresen. 295, 32; eine universitet .. hette fünf geschmeid: gute ordnung: das liecht reiner lehr: gute disciplin oder zucht: einigkeit der lehrer und jünger: freundlich- und gutthätigkeit der obrigkeit. Zinkgref apophth. 1, 280; in der neuen schule, die er (Winkelmann) betrat, horchte er nicht nur als ein gelehriger, sondern als ein gelehrter jünger seinen meistern zu. Göthe 37, 48;
nun lag kaum einen büchsenschusz
davon (vom kloster) ein stift voll wohl genährter jünger
des heilgen abts Antonius.
Wieland 22, 73 (Oberon 2, 32).
3)
jünger, jüngling (gegensatz zu dem plur. eltern majores; vgl. fries. alle frîa Fresa .. alsa fir sâre frî and ful beren wêre, and fon alderon tô jungeron nêna hôronga nêre. Richthofen 539ᵃ, 17): gab dem jüngling Uriasbrief an die keiserin, des innhalts, das die keiserin zu handt zeiger disz briefs solt lassen erwürgen. der jünger ritt frölich sein weg. S. Frank germ. chron. 1538 106ᵇ.
4)
jünger, bei einigen handwerkern, z. b. bei den bäckern in einigen städten, einer der zwischen einem jungen und einem gesellen steht, indem er sich, ehe er gesell werden kann, zum jünger erklären lassen musz. Jacobsson 2, 323ᵇ (vgl. dazu unter junker). aber auch wol geradezu = lehrling:
bist auch ein helwanger meins mans (sagt die frau zum gesellen),
und dunkest dich ein groszer Hans.
ja, auf der gassen spat und fruͤ,
aber in der werkstat ists muͤh,
da vertrittst du noch kaum ein (einen) junger.
H. Sachs 1, 481ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1877), Bd. IV,II (1877), Sp. 2379, Z. 73.

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Zitationshilfe
„jung“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/jung>, abgerufen am 22.10.2021.

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