Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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junker, m.

junker, m.
puer, adolescens nobilis.
1)
es ist das mhd. junc-hêrre, junc-herre, das in dieser form auch noch ins nhd. reicht: den jungherren von fronfasten. Fischart bienk. 49ᵇ; o jungherrle! Garg. 136ᵃ. dem heutigen gekürzten junker, das sich schon im 16. jahrh. gewöhnlich findet, gehen zwischenformen vorauf: ain junkher. d. städtechr. 5, 124, 1;
endruwen, junkher, nein,
die jungfrau zu mir sprach.
Altswert 221, 10;
junkhr, es ist die ganz läppisch rott.
J. Ayrer fastn. 119ᵈ (2934, 7 Keller,
sonst steht in dem angezogenen Ayrerschen stück in der ersten hälfte regelmäszig junkherr, in der letzten ebenso regelmäszig junker). die flexion des wortes ist, so lange der zusammenhang mit herr noch gefühlt wird, die schwache: wenn denn morgens der arzt widerumb vom junkern gieng, da fragten in des junkern knecht. Pauli schimpf u. ernst (1522) 45; des junkern knecht. Simpl. 3, 302 Kurz;
bring dem junkherrn   den stumpf mit pirn!
J. Ayrer fastn. sp. 120ᶜ (2937, 27 Keller);
seit dem 17. aber die starke; Schuppius schreibt zu ihrem junker neben meinem junkern. 472; im Simpl. dem junker. 3, 300 Kurz, und dem junkern. 303.
2)
junker, junc-herre, der gegensatz zu mhd. altherre, bezeichnet zunächst den sohn aus adlichem geschlecht, gegenüber dem als senior des hauses fungierenden vater, den jungen edelmann; im mhd. wechselnd mit knabe und kneht:
Dieterich dô balde gie
aleine mit dem knehte
und hieʒ in sagen rehte
waʒ sîn wille möhte wesen.
'junkherre guot und ûʒ erlesen',
sprach er aber dâ zehant,
'diu herzogîn von Brâbant,
iuwer reiniu muoter,
hât mich, knabe guoter,
gesant her in daʒ rîche ...'
Engelhart 1330;
nhd. ihr seid immer mein bester, köstlicher junker ... so seid ihr ja wiedergekommen, und der alte herr ist unterm boden. Schiller räuber 4, 3;
ein niederträchtger bube,
ein höfling musz es sein, ein Spanier,
der junker irgend eines alten hauses.
Wallensteins tod 2, 6;
ich brings euch, junker! (Kuoni zu Rudenz mit dem becher).
Tell 2, 1.
unerwachsener sohn eines edelmanns: es thut freilich nichts, wenn unser junge ein biszchen älter ist als der ihrige; da kann er desto besser auf den junker acht haben (Görge zum edelmann). Göthe 14, 258.
3)
nach der gewohnheit, dasz junge söhne aus adlichem hause zu hofe gebracht wurden, um im fürstendienste sich auszubilden, bezeichnet junker auch einen adlichen diener, pagen, edelknaben: das ist auch eine anzeigung eines tapfern fürsten, wann seine diener wol mundiret sind. wo aber die junkern gehen, haben kragen und hembder an wie die schornsteinfeger, die federn sind nicht ausz den haaren gekemmet, die stiefel sehen als ob sie vor vier wochen geputzt sein, wo man dem page, so vor die tafel aufwartet, die posteriora analytica Aristotelis besehen kan, das ist die rechte höhe. Schuppius 107; sprichwörtlich: wenn der hund schon zu hoff ist gewest, so ist er doch kein junker. Lehmann 189. hier sind junker und junge herren ausdrücklich unterschieden: zum dritten, soll er (der hofmeister) auch so lang bei dem jungen herrn sein und bleiben, bisz er gebetet und sich zu bette geleget hat, damit er sehe, dasz die junkern oder edelknaben, so bei dem herrn sein, sich auch zur ruhe begeben. Löhneys regierkunst (1679) 6ᵃ. vergl. hofjunker, jagdjunker, kammerjunker; und rücksichtlich militärischer dienste fahnenjunker, standartenjunker.
4)
häufig heiszt junker auch der edelmann schlechthin, ohne rücksicht auf das altersverhältnis, der adliche gutsherr: bald darnach da kam sich Ulenspiegel uf ein burg zuͦ einem junkhern, und gab sich us für ein hofjungen. also muͦst er gleich mit seinem junkhern reiten uber feld. Ulensp. s. 11 Lappenb.; nun es begab sich auf ein zeit, das der edelman krank ward, der arzt kam alle tag zu im und besahe im und wenn er denn von im gieng, so fragt in die fraw und der knecht, wie im sein junker gfiel. Pauli schimpf u. ernst (1522) 45; da bückt sich der pöbel, da demütigen sich die junkern. Jes. 2, 9; ich sehe wol, eure cavallier, eure grandes bilden sich ein, gott müsse ihnen nothwendig ein sammetes küssen in himmel legen lassen, dasz sie dermaleins über ihren bauren sitzen können, und sich der bauer nicht über den junker im ewigen leben erhebe. Schuppius 87; es war schon nachmittag, als ich durch einen wald gieng, darinnen ich unweit der straszen einen edelmann samt seinem knecht sahe unter einem baum stehen ... der knecht stäupte dem junkern die stiefel ab, der junker aber kampelte seine paruque. Simpl. 3, 290 Kurz; was einer frauen vom adel in diesem stifte aus ihres sel. junkherrn gütern nach seinem absterben gebührt. Brem. ritterrecht von 1738 bei Kobbe Bremen u. Verden 1, 251; sprichwörtlich: so gehts, wan die junkeren wollen kaufleute und die kaufleute kriegsleute sein. Schottel 1118ᵃ;
ein junker, herr, graff und monarch.
Weckherlin 593;
Wenzel von Schmurlach, herr auf Schmurlachsbüttel und Hunzau,
war als junker verliebt, und ein freund landhöfischer schalkheit.
Voss 2, 128;
Rechberger war ein junker keck,
der kaufleut und der wandrer schreck.
Uhland ged. 321;
in der anrede:
junker, ich habs gesagt erst,
er sol hinaus zun pawern gehn (bürger zum edelmann).
H. Sachs 1, 470ᶜ;
ei, junkherr, gott geb euch ein guten tag!
wir kommen zu euch umb ein raht.
wist, lieber junkherr, mein Hämpel hat
im willen und wolt ein doctor wern.
J. Ayrer fastn. sp. 119ᵇ (2931, 24 Keller).
mit betonung schlechter eigenschaften (vergl. unten junkerhaft, junkerthum): die bauern bitten nichts so sehr von gott, als dasz den junkern die rosse nicht sterben, sonst würden sie den bauern mit sporen reiten. Simrock sprichw. 283;
je kahler der junker,
je gröszer der prunker.
ebenda;
der die mädchen des dorfs misbraucht, und die knaben wie lastvieh
auferzöge, wenn nicht sich erbarmeten pfarrer und küster,
welche, gehaszt vom junker, vernunft uns lehren und rechtthun.
Voss 2, 30.
5)
junker, weniger den adlichen stand, als das gebahren als groszer herr hervorhebend (vgl. junkerei, junkerieren, junkernhandwerk): wir .. denken gar nichts zu leiden, sondern eitel junkern zu sein, die auf küssen sitzen. Luther 3, 147ᵇ; eitel junker und brasser sind es worden (die geistlichen). 4, 333ᵇ; wenn ein knecht von jugent auf zertlich gehalten wird, so wil er darnach ein junkherr sein. spr. Sal. 29, 21; nachdem die pennal aufkommen, wollen alle studenten junkern sein. Opel u. Cohn 377; den junkern spielen, in otio et in deliciis vivere. Frisch 2, 300ᶜ;
under den (bauern) ein junger was,
der hies Bertschi Triefnas,
ein degen säuberleich und stolz,
sam er gedrait wär aus holz.
an dem feirtag gieng er umb;
er wär schlecht oder chrumb,
er wär nahent oder verr,
der muost im sprechen junkherr.
ring 2ᵃ, 14.
6)
die bezeichnung geht so als titel auch auf unadliche kreise über, zunächst auf hervorragende städtische; junker, der sohn eines gewerbtreibenden bürgers: kam gen Memingen (von der schule) und vermaint nun, ich solt da bleiben bei meinem vater und ain junkher sein. d. städtechron. 5, 124, 1; als der obgemelt Lorenz Egen starb, da verliesz er ainen sun, genant Peter Egen, der .. was sicher ain wolgetaner junkherr. 197, 9; der bürger besseren standes, namentlich auch der kaufmann: denen renthenirern und stadtjunkern der löblichen brüderschaft der brauer. Schuppius 664; in den seestädten an der Ostsee nennt man auch die kaufleute junker, daher heiszt in Danzig der grosze versammlungssaal der kaufleute junkerhof. Jacobsson 2, 324ᵇ; zwar ist es zu Danzig nichts neues und würde einer übel anlaufen, wenn er nicht einen jeden schiffmann und kaufmann, und solte er auch nur schwefelhölzel feil haben, junkerum titulirte. Schuppius 552; schönen dank, junker! erwiderte ich (als bauer zum predigerssohn). Göthe 25, 362; in Halle ist salzjunker der pfänner, salinarum possessor. dann bezieht sich das wort selbst auf geringe handwerker- und baurenleute: junker bei den bäckern in Hamburg der jüngste bäckerknecht, in groszen backhäusern daselbst gibt es einen ober- und einen unterjunker. Jacobsson 2, 324ᵇ; im bisthum Verden heiszen junker eine art höriger bauern: schatzung zu geben, und vor gemeine hausleute gehalten zu werden, oder rossdienste zu thuende und junkern zu sein. Kobbe Bremen u. Verden 1, 84 (erzbisch. bescheid v. 1588). bair. jungkherr ledige mannsperson, die noch nicht vater geworden ist. Schm. 1, 1208 Fromm.
7)
junker, in derselben abgeblaszten bedeutung, wie herr 3, f sp. 1129, häufig mit etwas ironischem nebensinne: da hastu alle hut, schutz, und schirm unter dem herrn, und frölich gewissen und gnedigen gott dazu, der dirs hundertfeltig vergelten wil, und bist gar ein junker, wenn du nur from und gehorsam bist. Luther 4, 397ᵇ; wider solche junkern ist dieser psalm gemacht. 5, 148ᵇ; du wilt ein christ sein, und weiszest, das Christus befelh und ordenung ist, dis sacrament zu brauchen, aber du leszt es anstehen ein halb jar, ganz jar, drei jar und wol lenger, hörestu es, lieber junker? wie reimet sich das mit einem christen? 189ᵃ; da pröbste, dechand, und thumherrn auch faule junkern worden. 4, 333ᵇ;
also sol man strafen ainn solchen junkern.
fastn. sp. 707, 27,
vorher 21:
ein man, der übel spricht von weiben.
8)
ironische verwendung von junker als titel, vor appellativen und eigennamen, vgl. herr 9, c sp. 1134: endlich bleib junker official auch daheim in warmer stuben. Luther 4, 333ᵇ; junker bapst und sein hauf. 32ᵇ; was meinestu aber, wird gott auf seinem richtstuel sagen, lieber junker bapst, bischove und fürsten, und wer jr seid, wusztet jr, das mein wort war? 453ᵇ; das wir aber nicht all herausfaren mit der that und stelen, das wehret junker henker mit dem strick. 528ᵇ. vor ersonnenen eigennamen: man solt nicht einen jglichen buben oder landsleufer zulassen, die kein not haben, und sich selbs wol kündten neeren. denn desselben junker Unrahts gehet jtzt uberal viel im land jrre. 5, 390ᵇ; darnach junker Geiz, der da hindert am guten leben. 410ᵇ; wie junker Filz und Knebel auf dem mark thut, ... wenn man sie durch gottes wort strafet und drawet, so geben sie ein lachen und spotten dran, und sterken sich nur in jrer bosheit. 439ᵃ.
9)
junker, vom teufel, der sonst gern in edelmännischer kleidung beschrieben wird (bei den hexensabbathen sei der teufel häufig in grünen kleidern, rothen und blauen hutfedern erschienen. hexenprocessacten in dem anz. des germ. mus. 1876, 265):
dir die grillen zu verjagen,
bin ich (Mephistopheles), als edler junker hier,
in rothem, goldverbrämten kleide,
das mäntelchen von starrer seide,
die hahnenfeder auf dem hut,
mit einem langen, spitzen degen.
Göthe 12, 79;
es sihet mich an, als wolt junker teufel gern unter uns inwendig eine zwitracht anrichten. Luther 6, 359ᵃ; mein junker teufel. Garg. 229ᵃ;
thut man denn unrecht dran,
dasz man den herren lobet,
weil junker sathan tobet,
und solchs nicht leiden kan?
Opel u. Cohn 48, 25;
sinn und verstand verlier ich schier,
seh ich den junker satan wieder hier!
Göthe 12, 127;
platz! junker Voland kommt.
210.
10)
im tockadille junker der, welcher beim spiele müszig zusehen musz. Adelung.
11)
junker werden heiszt bei den jägern von den wachtelmännchen, davon fliegen, wann sie das locken nicht achten und sich nicht treiben lassen. Fleming t. jäger bei Frisch 1, 494ᵇ.
12)
junker, im herzogthum Bremen, die kornähren, welche keine frucht angesetzt haben, daher nicht nicken, sondern den kopf hoch tragen. vgl. junkern, junkerkorn.
13)
junker, in Marburg, das daselbst gebraute bier. anderswo auch der covent von weiszbier.
14)
junker, eine sorte des weinstockes, gutedel. junker Hansens birne, eine birnenart, franz. messire Jean.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1877), Bd. IV,II (1877), Sp. 2399, Z. 47.

junkern, verb.

junkern, verb.
sich wie ein junker zeigen; in bezug auf aufwand: er hat das seine bald aufgejunkert, hat bei nahe ausgejunkert, omnia pene sua decoxit lasciviendo. Stieler 906; in bezug auf junkerhaftes gebahren:
was, ob fern ein blaffer blaft,
ob ein flunkrer flunkert?
was, ob fern ein pfaffe pfaft,
und ein junker junkert?
Voss 5, 24;
wie viel sie auch flittern und flunkern,
wie viel sie auch gaukeln und junkern,
doch sieget das ewige recht.
Arndt ged. (1840) 363.
der landmann im westlichen Mitteldeutschland sagt das korn junkert (in Oberhessen jünkert), wenn es fruchtleere, gerade aufstehende ähren hat. Vilmar 188; der acker junkert, sagt der bauer, wenn das land nur noch halme und ähren erzeugt, aber keine samenkörner darin. Riehl die familie (1861) s. 14.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1877), Bd. IV,II (1877), Sp. 2402, Z. 78.

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Zitationshilfe
„junkern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/junkern>, abgerufen am 16.10.2021.

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