just m
Fundstelle: Lfg. 11 (1877), Bd. IV,II (1877), Sp. 2404, Z. 7
der nu, der hui, in der festen formel mit oder in einem just; nachklang des alten turnierwortes mhd. tjoste, tjuste, joste, juste, just, das den ritterlichen zweikampf mit dem speere, dann auch den anprall in solchem und den einzelnen speerstosz bezeichnet, findet sich dieses just bis ins 16. jahrh.: der berg ist hoch und der weg schlipfrig, es mag mit einem just nit ergahent werden. Suso briefe 29 Preger; in einem just. Keisersberg irrig schaf 15; was aber der stroff (strafen) seind, die do in eim just oder unbedocht här gond, das hat auch sein gefert. post. 4, 58ᵇ;
ich will dich nemmen by dem schopf
desz hars, so ist uff dinem kopff,
will dich führen in einem just
desz winds .. (engel zu Abacuck).
Daniel 1545 Y 2.
dafür jusch: in eim jusch. Keisersberg xv staffeln; und der jutsch, momentum, impulsio, impulsus, schnäller jutsch, rapidus actus Maaler 238ᵈ.
just adv., auch als adj. entwickelt
Fundstelle: Lfg. 11 (1877), Bd. IV,II (1877), Sp. 2404, Z. 24
gerade, eben. ein lehnwort aus dem franz. juste, das über die Niederlande her, wo es als juist schon im 16. jh. sehr gewöhnlich ist, und über Niederdeutschland, wo es als just in der ersten hälfte des 17. jh. nachgewiesen werden kann, sich ausbreitet, zunächst nur in der volkssprache und als wort des gemeinen lebens (vgl. unten 5); erst seit der zweiten hälfte des 18. jh., wo selbst die gehobene schriftsprache gern derbe und trauliche volksausdrücke aufnimmt, darf es auch als dieser eigentlich angehörig betrachtet werden. bei Göthe begegnet einmal die form juste:
und so fand ichs denn auch juste
in gewissen antichambern,
wo man nicht zu sondern wuszte
mäusedreck von koriandern.
5, 95.
just steht
1)
bei raum-, masz- und zahlenverhältnissen: niederl. juyst een dozijne hebben, justum habere duodenarium. Kilian; juyst op de maete, examussim. ebenda; juyst op't hooft gheraecken, rem acu tangere, rem ipsam divinare, nihilque aberrare (als sprichwort). ebenda; juyst soo veel, tantundem. ebenda; nhd.
ein hüttchen nur, im land der gesznerischen hirten,
just grosz genug, um uns und unsre schäferin,
die grazien und Amorn zu bewirthen.
Wieland 9, 209 (180);
was zwischen schlangenglatter sitte
des einen (Aristipps) und dem Charonsbart
des andern (Diogenes) just steht in der mitte,
das nur ist wahre lebensart.
Gökingk 2, 117;
da fuhr mir eine kugel, just
hier oben, durch die linke brust,
kaum fingerbreit vom leben.
3, 128;
ich musz die art erdenken,
um ihr gleich morgen früh was baares geld zu schenken ..
ich hab just noch so viel. lasz sehn! ja, es wird reichen.
Göthe 7, 75;
zähl nach! just dreiszig namen müssens sein.
Schiller Piccol. 4, 5.
2)
bei vergleichungen: (er sieht aus) just so wie die Nürnberger männchen in meinem putzschranke. Gotter 3, 135; worinne bestände denn dein glück? es gemahnt mich just, wie die reform in deinem haushalte. glänzende zimmer und leere kornböden. 244; er war just so ein zeisig, als du. 487; just als wäre diese treffliche seele eine verdächtige waare. Göthe 10, 85;
just so wie wir hat Paris einst gedacht.
Wieland 10, 164 (153);
doch reue nach der that
hilft just so viel, als, nach der entschlieszung, guter rath.
4, 92 (n. Amadis 4, 13);
bravo! just so ergeht es mir.
Schiller Wallenst. lager, 11. auftr.;
uns .. um nichts,
just wie Terenzens thor zu quälen.
Gökingk 1, 155.
3)
bei darlegungen und hinweisungen verschiedenster art: sie werden selbst in der bürgerlichen weisheit nur einzele beziehungen gewahr, wenn sie just in unserm gesichtskreise liegen. Sturz 1, 179; ich, wie alle donnerwetter, reiszaus und davon — tausend schwerenoth! da ist dir just der vermaledeite graben dazwischen. Schiller räuber 1, 2; mancher zu sehr gepriesene originalgeist ist just in dem, was ein fehler ist, am meisten original. Ramler dichtk. des Hor. 129; so mahnt mich seine gegenwart just doppelt. Göthe 7, 119; just möcht ich ihn in guter laune erhalten. 123; und heirathen! heirathen just zur zeit, da das leben erst recht in schwung kommen soll! 10, 53; die männer machen oft gesichter, ohne just was auf dem herzen zu haben. 111; in den schönsten .. mondnächten sind die mücken just am unerträglichsten. 14, 19; ach wir haben auch zärtliche herzen, das ist just recht unsere sache. 25; warum denn mich, Werther? just mich, das eigenthum eines andern? just das? 16, 158; da sind die vornehmsten leute just die artigsten. 42, 4; ich hab just noch ein hübsches kleid. 30; das kostet ihn so viel, als einen fürsten ein kopfnicken, und ging vielleicht just so von herzen. 83; es geht just noch einmal herum. 143; so ein wunderbares ding, dasz just die leute, die es besitzen, meist keinen gebrauch davon machen können. 44, 3;
ach! dasz es mich just trifft der unglücksbote zu sein!
Wieland 4, 54 (n. Amadis 2, 44);
und ihre tugend ist just was den wenigsten kummer macht.
197 (9, 1);
weisz nicht, woher er worte nehmen soll,
und giebt just nichts, weil er, des danks zu voll,
gleich alles geben möcht.
9, 338;
und just an dieser sonne, freund,
erkennt man doch den ächten weisen.
Gökingk 1, 23;
verlangst du ..
just in den kreisz gestellt zu werden,
den deine sonn erhellen kann?
33;
sie binden sich nicht sclavisch an die regel
der lebensart, und fahren auf gut glück,
so wie der wind der laun in ihre segel
just stoszen mag, bald vorwärts, bald zurück.
Bürger 31ᵇ;
wiszt ihr, wie auch der kleine was ist? er mache das kleine
recht; der grosze begehrt just so das grosze zu thun.
Göthe 1, 403;
M. so musz denn doch die hexe dran.
F. warum denn just das alte weib!
kannst du den trank nicht selber brauen?
12, 120;
nicht dasz sie just so sehr sich einzuschränken hat.
162;
das ist so just der rechte ton!
er will noch dank, dasz er mich ennüyirt.
172;
mein tochter die ist in büchern belesen,
das ist dem herrn pater just sein wesen.
13, 62;
sind einheimische, geborne Böhmen, ...
unter allen die schlimmsten just,
spreizen sich, werfen sich in die brust.
Schiller Wallenst. lager, 1. auftr.;
ihr besonders dauert mich,
arme mädchen, inniglich,
dasz ihr just in zeiten fielet,
wo man wenig tanzt und spielet.
Uhland ged. 79.
in der mehr einschränkenden als verneinenden verbindung nicht just, gleich mit nicht eben, nicht gerade (vgl. theil 3 sp. 11 no. 6): kaum ein paar hat er .. leben lassen, und just nicht die besten. Göthe 14, 84;
es brauchts nicht eben just, dasz einer tapfer ist;
man kommt auch durch die welt mit schleichen und mit list.
7, 62;
du brauchst, verlangt er etwa mehr
zu wissen, just nicht auszuweichen.
Gökingk 2, 156;
komm, o frühling, aber doch
nicht just meinetwillen,
denn zum glücke fang ich noch
keinen schwarm von grillen.
lied. zweier lieb. (1779) 69;
ähnlich: frühling ists, ich lass es gelten,
und mich freuts, ich musz gestehen,
dasz man kann spazieren gehen,
ohne just sich zu erkälten.
Uhland ged. 38.
4)
häufig namentlich auch bei temporalen darlegungen: (ein mensch) der, wenn er mir auch sonst nie gefälligkeiten erzeugt hätte, mir sie doch gewisz jezo erzeugt, da sie mir just am nöthigsten sind. Lessing 12, 7 (von 1749); da wir just auf den punct gekommen sind. Siegfr. v. Lindenb. 3, 7; in wahrheit, schlimme nachricht; in der brautnacht just. Fr. Müller 3, 339; just zur gelegenen zeit bin ich hier. Göthe 8, 86 (gerade 42, 333); es ist fatal, dasz Göpferdt just auf der messe ist, wo er noch zehn tage bleibt. Schiller an Göthe 1, 220; ich hab in meinem leben nie daran gedacht, was ich just sagen will. Arnim schaub. 1, 42;
alle, die
hier just beisammen sind.
Gökingk 1, 152;
verzeih den sprung von dieser frage
auf eine grille, die mir just durchs köpfchen fliegt.
Gotter 1, 290;
Lukas. möcht mich in dem costüme sehn!
Bahrdt. da braucht ihr gar nicht weit zu gehn,
hab just noch einen ganzen ornat.
Göthe 13, 111;
denn was ist überflusz? sprich selbst. ein name!
just haben, was er braucht, genügt dem weisen.
Schiller Phöniz. v. 577;
bringt aber blumen
ein frommer knabe,
die ich zum kranze
just nöthig habe.
Rückert 24;
ich sitz an meiner arbeit, und summe just einen französischen psalm. Göthe 8, 176;
bis, da er nicht mehr kann und just
sein letztes 'in manus' spricht, ein boot zu hülf ihm flieget.
Wieland 4, 250 (n. Amadis 11, 4);
da ruft er an aus banger brust
das bild, das er vollendet just.
Platen 60;
es war just pferdemarkt in der stadt gewesen. Göthe 11, 51; dasz auch das unglück just diese nacht geschehen muszte! 15, 15; einem .. mädchen stockte das schiffchen in der hand, das just durch den zettel durchfahren sollte. 23, 62; dasz er uns entgangen ist, just da wir glaubten, wir hätten ihn schon. 42, 4;
von ungefähr (wie meistens alles gute)
kam, da es just am schlimmsten stand,
ein fremdling an.
Wieland 10, 332;
sie kamen just zurück, als, nah am klosterbühl ..
der rest des sturms sie überfiel.
22, 75 (Ober. 2, 33);
ich wandte just dahin den rücken.
Göthe 1, 23;
F. hör, du muszt mir die dirne schaffen!
M. nun, welche? F. sie gieng just vorbei.
12, 134;
ich stolpert über grabes thür,
warum stand sie just offen!
41, 319;
es (das gespenst) war am reden, als der hahn just krähte.
Shakesp. Hamlet 1, 1;
it was about to speak, when the cock crew;
in den himmel sonder zweifel
würd er gleich gekommen sein,
liefe nicht ein dummer teufel
just ihm in den weg hinein.
Uhland ged. 293.
5)
just, als adjectiv in attributiver stellung, ist nicht häufig und nur in der rede des gemeinen lebens entwickelt: ein mann von juster läng. polit. stockf. 127; in der formel es ist nicht just, nicht richtig, nicht geheuer: schon in Frankfurt, und als wir in der kälte an den höfen herumzogen, war mirs nicht just. Göthe in Mercks briefs. 1, 227; die masse der unzulänglichen menschen, die einwirken und ihre nichtigkeit an einander auferbauen, ist gar zu grosz; selbst mit bedeutenden ists mitunter nicht ganz just. an Zelter 416; ich habe doch manchmal auch wundersame geschichten gehört, und oft geschieht einem auch so was, wo es nicht just ist. werke 11, 103;
beim abzug wars nicht just; doch musz ich stille sein.
7, 61;
im norden ists nicht just!
89;
die nordischen hexen wuszt ich wohl zu meistern,
mir wirds nicht just mit diesen fremden geistern.
41, 142.
selten auszer dieser verbindung, wo just dann wie recht, richtig gebraucht wird: er meinte, es sei nicht mehr als just, zwischen hund und diener einen unterschied zu machen. Siegfried v. Lindenb. 3, 127; vgl. niederd.
gi hebt noch nicht gelehrt ut den nien poeten,
wo men de versche schal in rechte forme geten.
dat rechte meister sin, de holden't just und even:
ein jeder distichon moet also sin gedreven,
dat in dem einen vers nicht kamen silben mehr
als in dem andern sind.
Lauremberg 4, 439, s. 65 Lappenb.
Zitationshilfe
„just“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/just>, abgerufen am 18.09.2019.

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