Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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koren, kören

koren, kören,
eine ableitung von kiesen (s. d.).
1)
in der urspr. sinnlichen bedeutung kosten, schmecken (ahd. chorôn und chorên gustare, ligurire Graff 4, 519, Haupt 3, 374ᵇ, mhd. korn wb. 1, 830ᵃ) ist es zwar der nhd. schriftsprache völlig verloren, hat sich aber überraschender weise in mundarten erhalten.
a)
hauptsächlich im westen. wie nl. koren (neben keuren) kosten noch bei Kilian, nrh. im Teuth. coeren sapere, gustare, libare 57ᵃ (cairen 46ᵇ), in einem rhein. voc. des 15. jh. koren saporare Diefenb. 511ᶜ, so noch jetzt niederrh. koren, kosten, schmecken (dazu selbst kor m. und kos, geschmack, geschmacksprobe) Aachener mundart 122, auf der Eifel Schmitz 227ᵇ, dann auch in der Zips Schröer 72ᵇ, und schweiz. aus dem Wallis bei Stalder 2, 122 koren, korren kosten, z. b. wein. so ist in der ableitung die älteste bed. des stammworts bewahrt bis jetzt.
b)
überaus merkwürdig aber in den deutschen gemeinden der venet. Alpen kosen kosten, geben zo kosen (vieh) füttern, dazu kos m. geschmack Schmeller cimbr. wb. 138ᵃ. das s ist der laut, aus dem das r entstand, und ist ebenso in dem nrh. kos unter a bewahrt, wie in gekosen für gekoren (s. sp. 696 unten, weisth. 2, 566 von der Eifel).
2)
prüfen überhaupt, eine erweiterung von 'kosten'.
a)
das ist nhd. sonst nur in bekoren erhalten, im 16. jahrh., s. 1, 1428, wo aber die beispiele vielmehr bekören, bekörung bieten (auch bei Waldis bekören 4, 21, 61); so heiszt es nd. noch kören 'beurtheilen, probieren' und als ergebnis der prüfung gôd kören gut heiszen (brem. wb. 2, 849), nl. goedkeuren, wie auch das stammwort kiesen 2, e; es musz ein altes korian neben korôn bestanden haben (vgl. 3, c). diesz nd. kören ist wol folg.: auf dem rittergut Batgendorf bei Kölleda decken jeden tag a) der geköhrte arabische schimmelhengst M. b) der geköhrte Ardennenhengst D. anz. im weimar. tagebl. dec. 1866; in Meklenburg sollen praemiierte thiere so heiszen.
b)
aber auch koren prüfen lebt noch in einem schweiz. koren, ankoren, einen baum anhauen, um zu sehen ob er gesund ist Stalder 2, 122 (was sonst kosten heiszt). mrh. koren untersuchen, probieren noch im 15. jh., s. Liliencron volksl. 1, 315ᵇ, 471. auch kuren musz bestanden haben nach kurer weinkieser, hess. 16. jh. weisth. 3, 387 fg.
3)
mit der bed. wählen, die dem heutigen sprachgefühl der gebildeten allein gegenwärtig ist, hat es eine eigne bewandtnis.
a)
wie man es nur aus büchern kennt, so ist es auch nur ein bücherwort, in gang gebracht durch grammatiker und lexicographen, die mit den zu kiesen gehörigen formen gekoren gewählt, kor wählte nichts anzufangen wuszten. zuerst hat es vielleicht Schottel 1349 angesetzt (Schönsleder weisz noch nichts davon, selbst Denzler und Kirsch nicht), dann Stieler 945 neben küren, auch M. Kramer 1719 2, 129ᶜ, während Rädlein, Ludwig nichts davon haben, auch Steinbach 1, 915 sich wieder davon fern hält (praes. kieren statt kiesen) und Frisch 1, 169ᵇ koren, kören deutlich nur der theorie halber ansetzt, um das praet. pl. koren unterzubringen (vgl. kiesen am ende). von schriftstellern brauchte es dann Klopstock, mit dem gefühl eines altwichtigen hohen ausdrucks:
an deren spröszling zweimal die weiherin
mit stolze stand und 'köhre kein ander land'
uns sang.
od. 2, 14, 'der denkstein';
s. weiter küren, das wegen kur den vorzug erhielt.
b)
ein mhd. koren, ahd. chorôn wählen ist nicht da, es hiesz kiesen; so verwirft denn auch 3, 879 J. Grimm erkoren, erkören. und doch finden sich spuren des ersteren: 40 guld. ungerisch haben wir geben J. L., da man in ze hauptman erkort het. Augsb. chron. 1, 87 anm. 7, aus dem ende des 14. jh.; ist das nur neubildung?
c)
als nd. wird übrigens kören angesetzt von Richey 135, im brem. wb. 2, 849, auch bei Danneil 98ᵃ, ostfries. Stürenb. 117ᵇ, doch auch da unsicher, theils als angeblich alt, theils zur erklärung von wörtern wie kör wahl, körisch, körtag, körherr, körkind, körrecht; Klopstock mag es daher haben, auch Schottels angabe wird eig. nd. gemeint sein. ist es mnd. zu belegen? entsprechend ist allerdings nl. keuren wählen, das schon Kilian hat, und das nd. kören, hd. bekören unter 2, a, vgl. norw. schwed. kora, utkora, dän. kaare, udkaare, die aber auch kein altn. wort hinter sich haben. s. weiter küren.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1808, Z. 25.

kören

kören,
in oberd. mundart für g'hören, gehören (schweiz. auch für hören); schon im 15. 16. jh. oft, z. b.
ich kör an tanz, da man tuͦt frölich springen.
Uhland volksl. 642;
ain alts teller kört auch darzuͦ.
723.
Übrigens findet sich kören auch für kehren, ein nd. kören aber bedeutet plaudern, s. unterköddern. merkwürdig ist ein niederrh. kören, streicheln, liebkosen. Aach. mundart 123. ebenso ein nd. kören speien, mnd. koren Dief. nov. gl. vomere, nrh. coeren Teuth. 57ᵃ, vgl. schweiz. körbeln in gleicher bedeutung.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1809, Z. 21.

korren

korren,
s.kerren.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1841, Z. 10.

körren

körren,
s. kirren.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1841, Z. 11.

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Zitationshilfe
„körren“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/k%C3%B6rren>, abgerufen am 10.05.2021.

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