Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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köste, kösten, f.

köste, kösten, f.
kastanie, s.kästen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1862, Z. 60.

kosten

kosten, pl.
aufwand, ausgabe, s. unterkost sp. 1854.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1862, Z. 67.

kosten

kosten,
tentare, gustare, nicht aus dem lat., sondern urverwandt ihm zur seite stehend, mhd. kosten, ahd. chostôn, alts. costôn, gicostôn, ags. costian, nd. kosten, dagegen im nl., engl., nord. fehlend; entlehnt slov. kóštati, böhm. koštováti, poln. kosztować, wend. khoštować gustare. Es geht zurück auf kiesen, goth. kiusan, prüfen, eig. kosten, s. oben das erste kost geschmack. wie neben diesem kost alem. kust geschmack steht, heiszt es alem. auch mit ungebrochnem stammvocal kusten gustare Dasyp., küsten Maaler 256ᵃ, Frisius 615ᵃ. 380ᵇ (wie es goth. kustjan heiszen würde), und so noch im 17. jahrh. bei einem elsässischen dichter:
khüst dises bärgeschänk. gilt es noch nicht für wein,
so mag doch mit der zeit der ablasz besser sein.
Rompler s. 2 der dedic.
schweiz. noch kusten, küsten, gusten, auch kustigen, küstigen, s. Stalder 2, 146. 147, schwäb. kustern Schmid 314.
1)
Geschichte der bedeutung.
a)
das ahd. wort ist vielmehr überliefert für versuchen, prüfen, auf die probe stellen (kostari der versucher, kostunga versuchung, im theol. sinne, gakostôt erprobt), und ebenso alts. kostôn, ags. costian, diesz selbst im kampfe, einen angreifen, seine kraft an ihm versuchen Beov. 2084, auch tribulare, sodasz altn. kosta einem zusetzen, verletzen, auch sich bestreben, sich in etwas versuchen (s. Egilsson 475ᵃ) doch gleichfalls hierher zu zählen sein wird. die bed. gustare dagegen fehlt diesen (ahd. chorôn kosten, mhd. korn, s. noch nhd. koren oben, daneben pichorôn, bekorn versuchen, auf die probe stellen), aber alts. gikostôn zeigt sie wol bildlich (Hel. 4766), und sie musz doch vorausgesetzt werden, selbst als die anfängliche, denn kiesen selbst gieng vom prüfen durch den geschmack aus, s. dort.
b)
auch für das mhd. wort ist die heutige bed. noch nicht aufgewiesen, und die 4 stellen im wb. geben nicht schlechtweg die bed. 'koste, untersuche', sondern merkwürdiger weise prüfend betrachten, besehen, dann sehen, erkennen, merken (Servat. 104. 2017), was sich auch in ahd. 'chostôn considerare' andeutet, d. h. eine abgeleitete bed., wie sie auch das mutterwort kiesen hatte, ganz als wäre man sich des urspr. zusammenhangs beider wörter noch bewuszt gewesen.
c)
auch im nhd. nun zeigt sich noch die ahd. bed.: eine neue hächel kosten, probieren, bair. Schm. 2, 340; der bergmann kostet einen stein, auf dem er noch nicht gearbeitet; der forstmann kostet einen baum, untersucht seine tauglichkeit, mit anhauen, ankosten (so auch in den sog. cimbr. gemeinden): es soll khain underthon für sich selbs khainen paum zu dach- zaun- und spanholz in den wälden nit costen, sonder sich des auszaigens der vorster betragen. salzb. forstordnung bei Schmeller. Da scheint übrigens das aussuchen mitgemeint, das dem prüfen folgt, wie im folg.: darnach sollen die vogtherrn .. das andere (fasz wein) auskiesen, welches ine anständig. wan es gekost ist, soll da sein der gerichtsbott u. s. w. weisth. 2, 318, in auskiesen ist unser 'kosten' mit gemeint, in kosten das auswählen (das eig. kosten heiszt vorher besteihen und beschmacken). so noch bei Ludwig 1060: die kaufleute brauchen ihn, wenn sie wollen wein 'kosten oder aussuchen'.
d)
auch das amtliche untersuchen und taxieren der getränke durch die wein- und bierkieser hiesz kosten, genauer verkosten, abschätzen: es sol auch ein iglicher schenke ... die weine nicht verandern oder vermengen .. sondern ein igliches fas weins in seinen wirden (werth), wie der aufgethan, gekost und gezeichnet ist, unverandert bleiben lassen. Leipz. stadtordn. 1544 J 1ᵃ, deutlich taxiert, güte und wert festgestellt; und sol kein weinschenke einichen wein aufthun .. er habe denn zuvor den wein aus dem fasse .. den bestimpten weinkiesern .. zu kosten zugeschickt, die als denn solchen wein versuchen und kosten .. nach seinem werte und leuften (marktpreis) setzen und unser gemerke .. darauf drucken. H 4ᵃ, das zweite kosten ist mehr schmecken, das erste aber bezeichnet die ganze amtshandlung, kosten gleich kiesen. Schmeller bringt aus Krenners bair. landtagsh. 12, 378 eine stelle, wonach die satzmeister und koster jedes fasz bier vorher zu kosten haben, dasz es dem ordnungsmäszigen masz und preis entspreche; dazu ebenda kost f., schau, schätzung, taxe, mhd. frônkost publica taxatio Schm. 2, 341.
2)
Kosten, gustare. voc. v. 1420 Dief. 271ᶜ, voc. inc. teut. n iiijᵇ.
a)
schmeckend prüfen, versuchen: der koch musz kosten (vorkosten); als aber der speisemeister kostet den wein. Joh. 2, 9; 'koste doch einmal die suppe, ob sie genug salz hat'; er gab mir sein bier zu kosten;
und hab ein guten wein erspecht,
den wil ich mit euch kosten hin.
fastn. 47, 10;
mir (wir) muestin kosten den wein.
449, 18;
doch siehe, man kostet: ein herrliches bier!
Göthe 1, 227;
den wein küsten Maaler 256ᵃ.
b)
zuweilen mehr schmecken oder geradezu gleich schmecken: das alter wuͤstet chosten und smecken. Vintler 7035 (Schöpf tir. id. 336); wie die zunge das wiltpret kostet, also merkt ein verstendig herz die falschen wort. Sir. 36, 21; die wein verderbend den rachen (schlund) das er nit mer küsten kan, vina exunaant palatum. Maaler 256ᵃ; palatum torpens, (gaumen) der nichts küsten kan. Frisius 940ᵃ;
die jugend verschlingt nur ...
ich kost und ich schmecke beim essen.
Göthe 1, 137.
c)
allgemeiner, ein weniges genieszen von speise oder trank (wie gustare und γεύεσθαι), eig. so wenig davon nehmen wie ein kostender thut: und (Esau) sprach zu Jacob, las mich kosten das rote gericht, denn ich bin müde. 1 Mos. 25, 30, nd. lat my 'schmecken' dat rode gericht; ich habe ein wenig honigs gekostet. 1 Sam. 14, 43, auch v. 29 (der gen. von wenig, nicht vom verb); gott thu mir dis und das, wo ich brot oder etwas koste ehe die sonne untergehet. 2 Sam. 3, 35;
ich sorg, wenn er den pfeffr (pfefferbrühe) mehr kost,
er wird ihn wenig kühlen (d. h. brennen).
Soltau 482, zugleich zu b, wie das folg.;
kostet' ich des stromes einen tropfen,
der am stuhle gottes fleuszt?
Hölty (oder zu b?);
kost' ich schon der götter mahle?
Bürger 28ᵇ.
d)
einzeln doch auch für genieszen überhaupt:
ihr solt sie (die töchter) nichtes kosten lan,
bisz sie zuvor das ihr gethan (mit hausarbeit).
Ringwald laut. w. (1621) 257;
kan einer kosten (sich nährend essen), welches den tod bringet? Schuppius 734, was doch lat. klingt, wie folg.:
denn auch Niobe, (obwol) dem schweren
zorn der himmlischen ein ziel,
kostete die frucht der ähren
und bezwang das schmerzgefühl.
Schiller 54ᵃ.
Ringwalds wendung aber ist gut deutsch, eig.: auch nicht das geringste genieszen, wie im folg. bei Luther, zur abwechselung mit essen: kan man auch essen das ungesalzen ist? oder wer mag kosten das weisze umb den totter? Hiob 6, 6.
e)
auffallend erscheint der acc. bei der bed. c auch in der älteren zeit, wo doch der gen. für theilverhältnisse noch lebendig war. erst neuere schriftsteller bringen den gen.:
jetzo kostet der speis' und freuet euch.
Voss Od. 4, 60,
γεύεσθαι hat den gen. bei sich (gustare aber auch nicht); ob auch wir der französischen küche kosten werden. Chamisso (1864) 5, 115, v. j. 1805, es ist wie franz. gedacht; koste seines linsengerichtes nicht mehr. Fichte 6, 161. Ebenso bildlich:
siehe, des pfeils zuerst war ihm zu kosten beschieden,
ἤτοι ὀιστοῦ γε πρῶτος γεύσεσθαι ἔμελλεν.
Voss Od. 21, 98;
herrscher neideten ihn, kosteten sie des glücks,
das dem liebenden ward.
Hölty 91 (die liebe 1773).
Gewöhnlich wird das theilverhältnis vielmehr wie sonst mit von ausgedrückt: wer einmal von dem wein gekostet hat, wird ihn lieber trinken als andern; s. Klopstock, Göthe unter 3, a. Im ags. ist übrigens der gen. bezeugt, in der abgeleiteten bed. 1, he mîn costode, versuchte mich, ahd. aber chostôta mih.
f)
dazu auskosten, durchkosten, erkosten, verkosten, vorkosten, herumkosten (s. Göthe unter 3, a).
3)
Vielfach bildlich, von allerlei 'genusz'.
a)
wie naschen, ein wenig genieszen:
wir kosteten mit stolzem zahn von der halle tanz.
Klopstock od. 1, 265,
tanzten ein wenig mit, nur vornehm naschend; ich habe ein paar nichten und einen gevatter schenkwirt. wenn sie von denen gekostet haben und werden dann nicht zahm, so sind sie (die span. soldaten) ausgepichte wölfe. Göthe 8, 247; wenn er mehr zurückhaltung bei einem mädchen antrifft, beklagt er sich bitterlich dasz er nur den handschuh ehrerbietig kosten, sie nicht beim kopf nehmen und weidlich abschmatzen darf. 33, 42; von allem muszte geschöpft, alles, wenn es auch nicht zu erschöpfen war, oberflächlich gekostet werden. 53, 136; dahingegen eine kältere nachkommenschaft mit eklem zahn an den werken ihrer meister und lehrer herumkostet. 37, 62; so hatte er auch kaum ein ding gekostet, als er desselben schon wieder herzlich überdrüszig war. Siegfr. von Lindenb. 1790 1, 174.
b)
wie schmecken (s. 2, b), von einem genusse den man durch eigne erfahrung kennen lernt:
ich habs gekost (die liebe), beisz nit mehr an,
ich wil eh hunger leiden.
Ambr. lb. 29, 19;
der geist kostet den zustand (der glückseligkeit) mit süszer hoffnung voraus. Kant 8, 333; wenn du lust haben solltest die metafysische liebe zu kosten. Wieland 1, 185;
zu tief hat sie
den becher der liebe gekostet.
Bürger, lied von treue;
ich habe leben gekostet, kann mich mit der todten bildsäule nicht mehr zufrieden geben. Schiller 311ᵇ; endlich ... hatte sie angefangen die süszigkeiten der ruhe und einer unbestrittenen herschaft zu kosten. 856ᵃ; seit dem abzuge des ministers Granvella hatte sie den ganzen reiz der unabhängigkeit gekostet. das.; er wollte seine freude einem fremden herzen zum kosten entgegentragen. J. Paul Hesp. 1, 170.
c)
ebenso aber von bösem, 'bitterem', das man 'schmecken musz', 'zu schmecken bekommt', wider willen: ich habe viel unglück gekostet. Stieler 1017; er hat die bitterkeit der armut gekostet; kostet auch einmal wie das dienen schmecket. Ludwig 1060; das herz musz .. den vorschmack der hölle kosten. Göthe 19, 312. Wenn da überall kosten eine gewisse ironie an sich hat, weil man von selbst eben nur wolschmeckendes 'kostet', so steigert sie sich zu bitterem witze in folg.: die rute kosten. Stieler 1017; einem kinde die ruhte zu kosten geben. Ludwig 1060; doch solte ihm einer aus der ganzen compagnie im kriege begegnen, er wolte ihm den säbel zu kosten geben. Weise erznarren 201, cap. 19;
sie müssen dort auch unsern muth erfahren
und kosten unsern stahl und unsre bande.
Chamisso (1852) 4, 80.
vgl.des pfeils kosten, ὀϊστοῦ γεύεσθαι vorhin aus Vossens Homer (sp. 1864 mitte).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1862, Z. 68.

kosten

kosten,
constare, kosten machen, zu stehn kommen, aber früher auch aufwand machen (s. II, 1).
I.
Formen, herkunft, verbreitung.
a)
mhd. kosten, ahd. noch nicht bezeugt, nd. nl. kosten, dän. koste, schwed. isl. altn. kosta, engl. cost. es stammt aus dem romanischen: lat. constare, in späterer volksmäsziger aussprache und mlat. costare, frz. coûter, früher couster, coster, it. costare, span. costar. auch bei den Slaven (doch noch nicht altsl.), böhm. koštovati, slov. kóštáti, wend. khoštować, poln. kosztować, auch litt. kasztóti. ebenso kelt., kymr. costio, ir. gael. cost, cosd (cosg), bret. kousta.
b)
so ist das lateinische wort in seiner volksform, d. h. durch das leben hindurch, nicht wie vieles lateinische aus büchern und studierstuben heraus, ein europäisches geworden (auch bask. costua) und hat darin ein ganz neues eigenes leben begonnen und reich entwickelt; ist doch auch in gleicher verbreitung ein neues subst. daraus erwachsen, das nicht wie abgeleitet aussieht, sondern wie das mutterwort zum verbum, s.kost sp. 1850. die verpflanzung und wesentliche entwickelung wird durch kaufleute und handel geschehen sein. es ist aber bei uns längst so tief und breit ins leben verwachsen, dasz es die heimischen ausdrücke zurückgedrängt hat: solche sind gelten, kommen (s. sp. 1678), zu stehn kommen, besonders aber das blosze stehn oder gestehn (noch bair. z. b. selbstgestehungspreis, selbstkostenpreis Schm. 3, 599), mhd. stân, gestân wb. 2², 574ᵇ. 584ᵇ, beispiele s. unter II, 2, a, δ (sp. 1867) und unter kostung 1.
c)
in diesem gestân war aber merkwürdiger weise kosten zugleich rein deutsch vorhanden, beide sind wie einander unbekannte zwillinge jahrhunderte lang nebeneinander hergegangen. denn gestân ist von auszen und innen völlig gleich constare, und wie unser stân, so hiesz auch das einfache stare kosten. und doch scheinen unsere worte nicht übersetzung, sondern eine selbständige schöpfung; denn obwol sie ahd. noch nicht bezeugt sind, werden sie doch altgerm. besitz sein, da auch engl. stand kosten heiszt, gewiss schon ags. standan, wie altn. standa (z. b. gullhringr er stôđ mörk Möbius anal. 149, 15, goldring der eine mark kostete, wert war). zudem haben auch die Slaven diese bezeichnung des kostens, böhm. státi gelten, wert sein, poln. stać, südsl. stati kosten, und ebenso gr. καταστῆναι. diese merkwürdige übereinstimmung in dem merkwürdigen bilde musz einen ganz nahe liegenden anlasz haben, galt es zuerst von der waare die um so und so viel 'feil steht', 'prostat'?
d)
eigen eine genäselte oberd. form konsten:
rath, wie dem fürzukommen sei,
es konst uns sonst beiden das leben.
H. Sachs 3, 2, 65ᵈ (1588), kost 67ᵃ.
da dieses vor s eingeschobene n sonst bei langen vocalen eintritt (s. unter keusch), so verrät diesz konsten wol eine aussprache kôsten, die auch fürs 17. jh. bei kost speise bezeugt ist:
so heisze bringen auch melonen und arpusen,
die angenähme koost.
Fleming 1642 s. 92 (kost 90 u. ö.);
vgl. mnl. coest expensa Dief. 218ᵃ.
II.
Bedeutung und gebrauch.
1)
Eine uns fremd gewordene bedeutung galt mhd. und länger: aufwand machen, kosten anlegen.
a)
im allgemeinen sinne in verschiedenen wendungen, wie 'geld kosten', aufwenden, verthun, kosten schlechthin (s. mhd. wb.), etwas kosten, die kosten davon bestreiten (Wernher Mar. 1952 Feif.), sodasz es sehr entwickelt sein muszte. davon ist nhd. kostung (s. d.) geblieben, aber auch das zeitwort findet sich noch im 16. jahrh.:
fraw Venus und das kartenspiel,
gut gesellen (d. i. lebemänner) kosten in sehr viel.
Ambr. lb. 128, 17,
wenden viel an sie, machen für sie viel aufwand. gewiss weit öfter, wie noch heute im nd., wenigstens ditm.:
awer se harr (hatte) ok wat kost an all dat papier un de böker.
Groth quickb. 46.
es ist noch dänisch und überhaupt nordisch, wie einst altn. kosta; auch dän. bekoste, schw. bekosta, die aber deutlich auf deutschem bekosten beruhen, das mhd. bestand (MSH. 3, 58ᵃ) wie das gleichbedeutende verkosten (wb. 1, 866ᵃ) und das erweiterte bekostigen: wer bescholden ortel bekostigen sal. Magdeburger fragen s. 72 (1, 1, 3), wer die kosten einer appellation bestreiten soll, es steht schon im Ssp. I, 9, 3. II, 58, 3.
b)
im engern sinne gleich beköstigen, eig. den unterhalt bestreiten: wolte sie der bischof lenger haben (im felddienste), so ist er si schuldig ze kosten. Wackern. Basler bischofs- u. d. recht s. 25 (8, 24); vgl.kostung 3. ebenso wieder verkosten, bekosten (s. d.), bekostigen Magdeb. fr. s. 167, auch im Ssp.
c)
das geht denn freilich nicht auf constare zurück, es musz eine eigene fortbildung sein von dem subst. koste aufwand, geldmittel, das doch selbst erst von kosten constare rückwärtsgebildet war, sodasz da in der entwickelung eine zickzackbewegung vorliegt und kosten 1 und kosten 2 eigentlich zwei wörter für sich sind; das erstere erscheint denn auch in eigner form, kösten (s. d.). bemerkenswert ist übrigens dasz auch die kelt. wörter (I, a) diese bed. haben.
2)
Kosten constare.
a)
der älteste gebrauch wird der im handels- und marktleben sein, wo zwischen käufer und kaufmann die frage ist, wie viel oder was eine waare koste, für welchen preis sie käuflich sei, feil stehe, quanti constet, und vielleicht ist das wort unmittelbar aus solcher rede römischer kaufleute zuerst in den mund unserer vorfahren gekommen. zu bemerken ist dabei
α)
ein ausgedehnter gebrauch des praesens: wann man einen kaufmann oder krämer fraget, was dises oder jenes koste? alsdann schweren sie bei haut und bein, dasz sie es selbst so und so viel koste und dasz sie durchaus keinen gewinn darvon haben. Albertinus narrenhatz 334 auch der kaufmann braucht da das praes., für den das bezahlen doch schon der vergangenheit angehört, d. h. kosten drückt den kaufpreis aus, der an der waare gleichsam haftet (daher kost preis sp. 1855 2, a), sei er schon längst bezahlt oder noch zu bezahlen. auch der käufer sagt dann lange nach dem kaufe das kostet mich so und so viel: das mich Burtenbach (sein gut) meines aignen bar dargebenen gelts ob 40000 fl. costet. Schertlin briefe 225. diesz praes. stimmt aber genau zu der angenommenen entstehung im marktleben.
β)
doch ist auch das perf. gebräuchlich. so wenn man von einem vorlängst gekauften gegenstande spricht, das hat mich damals so und so viel gekostet; aber nur, wenn sich der marktpreis davon inzwischen geändert hat, oder wenn man einen hohen preis nun längst verschmerzt hat und ihn nicht mehr mit rechnet, d. h. also wenn der preis von dem dinge gleichsam gewichen ist.
γ)
der preis, der beim lat. constare mit abl. oder adverbialem gen. bezeichnet wurde, steht bei uns im acc.: es kost das halb minder (die hälfte weniger). Maaler 249ᵈ; das buch kostet mich einen thaler. früher galten aber auch adverbia, z. b.
ir sullet sie (die büchse) nicht von danne tran,
sie kost mich alzu teuer.
osterspiel leseb. 1021, 14,
wie mhd. hôhe, ringe, sêre, gewiss auch schon tiure kosten. jetzt ist das auszer gebrauch, denn auch viel, wenig fühlen wir als acc.; doch findet sich noch:
wenn er das kind ansah, das ihn so theuer gekostet (die gattin nämlich).
Kosegarten dicht. (1824) 2, 21,
sie werden dich grausam kosten .. und ziehst mit lauter langen nasen ab. J. Paul komet 3, 203, aber da liegt wol franz. einflusz vor, wie unter 3, c. d (sp. 1870).
δ)
die person, für die bei constat der dat. galt, hat bei uns vielmehr wechselnd dat. und acc., und letzterer erscheint urspr. vorwiegend (s. mehr am ende). doch ist auch der dat. schon mhd.:
swelch edel kneht daʒ lîthûs (weinhaus) minnet ...
der hât darumbe der werden haʒ ...
dicke kostet eʒ im mêre,
sêle, lîp, guot und êre
gêt mit der unfuore hin.
Konrad v. Haslau b. Haupt 8, 564,
freilich nicht im kaufmännischen sinne, es ist überdiesz leicht zu denken als 'macht ihm kosten'. auch bei dem stehn kosten (I, c) ist der acc. vorherschend, Alberus z. b. setzt ihn neben den lat. dat.: es stehet mich viel, magno mihi constat. V 1ᵃ; doch auch da galt der dat. schon mhd. neben dem acc., z. b. Nib. 329, 3 haben BCJh daʒ eʒ im hôhe stât, D dem, nur A in. auch mnd. dat. und acc.:
mî efte em schal dit kosten dat lîf.
Rein. vos 5652.
ju, juwe kinder unde juwe wîf
wert it kosten gût unde lîf.
1300.
b)
es wird früh vom marktleben auf das gesammte geschäftsleben übergegangen sein.
α)
auch zwischen dem handwerksmann und seinem kunden ist die rede, was die und die arbeit koste oder kosten solle:
mein swert ist mir verrost.
wasz (= mhd. swaʒ) mich das gen euch kost,
dasz solt ir mir vegen.
fastn. sp. 427, 7,
was mich auch das fegen bei euch kosten mag;
ich wil dir buwen ain isne hus,
das kost (koste) recht was es welle.
Uhland volkl. 303.
dabei tritt wieder das unter a, α besprochne praes. ein: was kostet sie ihr hausbau? fragt man einen der gebaut hat, auch wol lange nachher, wie dort. aber anders als dort, in gleichem sinne auch das perf.: was hat sie der bau gekostet? und zwar gleich nachdem er fertig ist; man denkt dabei an die reihe der einzelnen posten die nach und nach zu bezahlen waren, vergl. Lessing 2, 532 fg. unter γ am ende.
β)
dann von allerlei ausgaben für irgend einen zweck:
daʒ man (nun) die gotes vart lât
über mer, wan swer dar wil (ins heilige land)
varn, eʒ muoʒ in kosten vil.
welscher gast 11318;
Laelius kundte rechtschaffen mit saufen, wan es ihn nichts kostete. Philander 2, 211; hat doch dem vorigen könige von Pohlen seine oper in wenigen jahren mehr gekostet als diese unterstützung der wissenschaften in vielen kosten würde. Klopstock 12, 418; der park kostet ihm jahr aus jahr ein seine baaren zweitausend thaler. Schiller 310ᵃ; das nachsetzen hat mir gewaltiges geld gekostet. 313ᵃ.
γ)
auch mit persönlichem subject: seine kinder kosten ihn viel geld, er läszt sich ihre erziehung was kosten, oder auch: er hat sie sich was kosten lassen (s. unter α von dem praes.); hiesze ihn (seinen sohn) einen ungeschickten esel, der ihn viel gekostet und nichts gelernet hette. Zinkgref 1653 2, 66; neunzehn groschen sieben pfennige — 'und die kostest du mich baares geld. was kostest du mich nicht sonst!' Lessing 2, 533, vorher s. 532 in demselben sinne wie viel du mir seit funfzehn jahren gekostet hast (s. unter α), von kosten aller art, die er ihm gemacht hat.
δ)
aber auch von ausgaben ohne zweck, die uns wider willen kommen (vgl. 3, b); z. b. wenn Courage überschlag und rechnung macht, 'was mich denselbigen winter der krieg gekostet' (sie nennt es nachher ihre kriegskosten). Simpl. 3, 121 Kz., was sie bei dem kriege für kosten gehabt; im letzten kriege haben sie (die Franzosen) mich was schönes gekostet. Klinger 1, 100.
c)
der begriff erweiterte sich überhaupt nach mehreren seiten, wesentlich an der hand des geschäftslebens.
α)
nicht blosz von geld, auch von allem andern was für einen zweck aufgewendet, verbraucht wird, z. b. der mantel hat viel tuch gekostet, es war mehr dazu nötig als man dachte; der bau wird viel steine kosten; es kost viel holz. Schönsleder f 8ᵇ; dieser ofen kostet viel holz. dann ins unsinnliche übergehend, arbeit, fleisz, zeit, mühe kosten u. dgl., s. 3.
β)
oft bezeichnet es grosze, schwere kosten (wie das subst., s. sp. 1856 δ): wann ihm (Moritz von Oranien) vorkame dasz viel übels von ihm .. geredet würde, lachte er und sagte: laszt sie was reden, es kostet sie genug (steuern). Zinkgref 1653 2, 16; er vertraute mir seine ganze lage, was ihn sein americanischer feldzug gekostet, welche schulden er auf seine güter geladen. Göthe 20, 61.
γ)
daher die wendung mit lassen, die eben diesen begriff des schweren hervorhebt:
so lass ichs mir kosten ein gutes stück geld.
Bürger des pfarrers tochter v. T., str. 29;
er hat sichs was (ordentliches, ehrliches u. dergl.) kosten lassen, z. b. eine hochzeit, die erreichung eines amtes; (das wort) das er auch sich seines liebsten kinds pluot hat loszen kosten. Luther in Wack. leseb. 3, 1, 157. schon im 15. jh., und zwar eigner weise mit bloszem kosten (vgl. u. 3, d): kam ain zimmermann her von Ulm ... und hueb (hielt) ainem rat für, wolt man sich kosten laszen, so wölt er ander rörbrunnen machen, die kostlich, nutz und guet weren. Augsb. chron. 2, 154.
δ)
daher auch die beliebte wendung es koste was es wolle, coûte que coûte (oder was es auch koste, quoi qu'il coûte), gleich 'um jeden preis': ich musz das haben, es koste was es wolle. oft bildlich, z. b. ich gehe diesem engel nach .. es koste was es immer wolle. Philander 1, 91, anstrengung, verdrusz, enttäuschung u. s. w., ebenso wieder 'um jeden preis'; drauf (auf die feinde)! es koste was es wolle, moriamur et in media arma ruamus. Stieler 1018.
ε)
selbst schaden, verlust, gebrachte opfer werden damit bezeichnet, wie schon vorhin öfter, z. b. in Klingers stelle unter b, δ: die mühle, welche ich hier angelegt habe, kostet mir mein ganzes vermögen. Möser phant. 2, 276 (das praes. wie u. a, α); der abfall von dem papstthum konnte ihn dieses königreich kosten. Schiller 880ᵇ, seinen verlust nach sich ziehen; (das) hätte dem minister seinen ganzen einflusz gekostet. 798ᵇ; sobald sie dem, der sie (die rache) ausübt, ein schmerzliches opfer kostet. 1133ᵃ. so spricht auch der geschäftsmann von opfern die er einem zwecke bringe, von geldopfern, kosten die ihm nichts oder nicht genug einbringen.
3)
Dasselbe dann vielfach bildlich; diesz bild von einem preise den man für einen erstrebten gewinn zahlt, mit oder ohne willen, dient für viele schwierige unsinnliche verhältnisse, um sie uns in faszbare klarheit umzusetzen, wie andere bilder aus dem geschäftsleben gleichfalls, z. b. preis, kaufen, bezahlen, einbüszen, dransetzen, gewinn, verlust. das was drangegeben wird, wird auch ausdrücklich als preis bezeichnet:
prinz. Eboli. es (die entlarvung der königin) kostet
mir einen ungeheuren preis (die ehre) ... doch ihr
noch einen gröszern.
Schiller 267ᵃ, don Carl. 2, 11.
a)
besonders von dingen hohen wertes als preis.
α)
z. b. von der seele, von leib und leben: das wolleben, das mich die seel kosten müste. Zinkgref 1653 1, 255;
den wil ich nicht ungerochen lan,
solt es kosten mein leben.
Uhland volksl. 437;
mich kostet es mein leben oder ich räche mich an ihm. Schiller 1088ᵃ, man gibt sein leben als preis dran, oder da hier das unternehmen mehr im bilde eines gewagten spieles erscheint, man setzt es als einsatz ein;
es kost dich heut dein leib und leben.
Alberus Es. 79ᵇ.
β)
von krieg und schlacht dient diesz bild schon lange:
wo er (Winkelried) das nit het gthan,
so würds deidgnoszen han kostet
noch mengen biderman.
siegslied v. Sempach Wackern. leseb. 925, 34, Liliencron 1, 131ᵇ, 30;
da gieng es an ein fechten,
es kostet mengen mann.
Körners hist. volksl. 157;
hat kost gar mengen knecht.
170;
der grün wald wirt kosten manchen man.
Uhland volksl. 457;
das blut, das er (der sieg) dem überwinder wie dem überwundenen kosten muszte. Schiller 963ᵇ. Der begriff gewinnt übrigens je nach seiner anwendung mehrere seiten: vor der entscheidung bezeichnet das kosten den einsatz beider theile im glücksspiele des kampfes (vergl. unter α), nach der entscheidung bezeichnet es für den sieger den preis des gewinnes, für den besiegten aber bloszen verlust.
γ)
und bloszen verlust, ohne gewinn, bezeichnet kosten auch sonst oft (vgl. schon 2 a. e., die sprache der spieler hat es gewiss mit ausbilden helfen): fast alle streich (haben den feind) ein mann gekostet. Fronsperger 3, 103ᵇ; wenn er zu seinem herrn Saul fiele, so möchts uns unsern hals kosten. 1 chron. 13, 19; es hatte ihm einen guten theil seiner haare gekostet. Wieland 14, 113, d. h. er hatte sie dabei 'eingebüszt'; ich muszte sie (Friederiken) in einem augenblick verlassen, wo es ihr fast das leben kostete. Göthe an frau v. Stein 1, 245; der harmloseste spaziergang kostet tausend armen würmchen das leben. Werther 1775 s. 95, sie müssen gleichsam die kosten unsers vergnügens bezahlen.
δ)
zuweilen ist dabei an eine strafe gedacht: schwur Josua und sprach: verflucht sei der man .. der diese stad Jeriho aufrichtet und bawet. wenn er iren grund legt, das koste in seinen ersten son, und wenn er ir thor setzt, das koste in seinen jungsten son. Jos. 6, 26; triffst du in (den apfel) nit des ersten schutzes, so kost es dich din leben. Tschudi chron. 1, 238; so sprecht nur, es wird ja den kopf nicht kosten. Göthe 25, 279, ein volksmäsziges kraftwort um einem mut zu machen, eig.: es steht ja keine todesstrafe drauf (vergl. sp. 1752). mit kosten ist aber da die strafe eig. zu einer geldstrafe gemacht, wie in lat. poenam solvere u. dgl., weil in alter zeit die geldstrafen vorherschten. die sprache vor gericht hat gewiss das wort auch mit ausbilden helfen. auch in folg. wendung ist wol urspr. an strafe gedacht:
nimt dáʒ (minneleid) nicht ein énde,
daʒ kóstet ein stérben
mich víl senden mán.
Winli MS. 2, 21ᵇ. MSH. 2, 28ᵇ.
b)
aber auch von geringern, ja den geringsten opfern die man einem zwecke bringt oder bringen musz, von allen überhaupt.
α)
arbeit, kraftaufwand, mühe, fleisz, zeit u. dgl.:
es ist der müh doch allzuvil,
die mich das römisch reich kosten wil.
Alberus Es. 75ᵇ;
was mich blosz der anfang dieses schreibens vor mühe gekostet hat. Liscov 50. 58; was wird es mich nicht vor mühe und nachdenken kosten. 59; verzeihen sie mir den verlust der zeit, die es sie gekostet. Gellert 1784 8, 28; ich habe eben den fleisz auf meine neuen fabeln gewandt, den mich die ersten gekostet haben. dess. fab. 1767 2, iv; seine nachherigen gedichte .. haben ihn zeit und mühe gekostet. Lessing 11, 298; je mehr es ihm mühe und aufmerksamkeit kostete. Wieland 15, 132; da ich am besten weisz, was für anstrengung es mir gekostet. Göthe 26, 218;
hat seiner majestät
schon manche sorgenvolle nacht gekostet.
Schiller 243ᵇ;
er verunglückte zwei meilen von hier mit seinem wagen, und wollte durchaus nicht dasz mich dieser zufall eine nacht mehr (aufenthalt) kosten sollte. Lessing 1, 531.
β)
ebenso thränen, schmerzen, seufzer u. dgl.: dasz mich dieser misbrauch mehr als einmal die bittersten thränen gekostet hat. Rabener sat. 1759 s. 282; ich weisz aber, wie viele tausend thränen es mich gekostet hat. Göthe 25, 284 (288); sie (die rührenden stücke) kosten einer empfindsamen seele ströme von thränen. Lessing 7, 36, wo freilich der begriff des preises oder opfers bis zum verschwinden abgeschwächt ist, wie frisch dagegen ist er noch im folg.:
der himmel kostet leiden hier.
Lenz bei Voss musenalm. 1778 s. 46;
denk einmal, das kostet mir
nur ein wenig schmerz.
Gökingk;
ach, sir, es hat mir qualen gnug gekostet.
Schiller 422ᵇ.
Ebenso kampf, überwindung (d. h. selbstüberwindung), zwang (den man sich anthun musz) u. dgl.:
larve,
die mir zu tragen kampf genug gekostet.
Schiller 409ᵃ;
was für eine überwindung wird es mich noch kosten, sie um ein stück brot zu bitten! Möser phant. 1, 335; es hat mir nicht wenig überwindung gekostet, diesz zu schreiben. Klopstock 12, 419.
γ)
die mühe u. dgl. wird auch bestimmter bezeichnet, wobei sich denn das kosten oft eigen genug ausnimmt, schon im 16. jh.: es kostet (gott) nur ein winken mit dem auge, so hat er die ganze welt erschlagen. Luther 4, 202ᵇ (1556); derhalben kostets den propheten viel lockens und viel guter süszer wort, ehe er sie wider zusamen bringe. 4, 250ᵇ (1556); nu zeigt er ja die leichteste kunst dazu (zum selig werden), das keiner kost (ausgaben) noch mühe darf, kostet nicht mehr denn éin wort. 6, 215ᵇ, das kosten hat da eine gewisse ironie oder witzigkeit, die recht deutlich in folg. hervortritt: dieses kostet ihm fünf finger und einen griff, er hats gestohlen. Rädlein 559ᵃ, der griff ist der ganze preis den er daran wandte;
das nur ein wort dich kosten wird.
Wieland 12, 40;
auch sie haben verstand, und es kostet mich ein wort — so haben sie keinen. Lessing 2, 173; es wird ihr einen blick kosten, und sie liegen wieder zu ihren füszen. 2, 15; jede dieser abänderungen, die dem künstler ein ganzes stück kosten würde, kostet ihm einen einzigen zug. 6, 392;
die groszmuht ungehofter gaben,
die auch die bitte nicht gekostet haben.
Haller 1777 s. 241.
c)
oft wird der preis oder das opfer absichtlich unbestimmt ausgesprochen.
α)
mit viel, wenig, nichts u. dgl.: es hat viel gekostet, ihn zu dem schritte zu bringen, d. i. viel mühe, zureden u. ä.; gott du weist, wie vieles mir dieser schritt kostet! Möser phant. 2, 58; seine erfahrungen, so viel sie ihm auch gekostet hatten, schienen ihm itzt nicht zu theuer erkauft. Wieland 2, 229; meine unterwerfung (unter den willen der vorsehung) hat mich viel gekostet. Heyne an Gellert in dessen schr. 8, 248; ich wollte .. dich fest ansehen, das einen furchtsamen, wie ich bin, viel kostet. Klinger 1, 5, hier schon ziemlich verblaszt, eine aufopferung, die mir so wenig kostet. Lessing 1, 456 (s. 426 ebenso wenig mühe);
freund Muffel schwört bei gott und ehre,
ich kost' ihn schon so manche zähre.
nun, frommer mann, wenn das auch wäre,
was kostet dich denn deine zähre?
1, 25;
setzte er geschmackvoll scherzend ein Poussinsches vordertheil daran, welches ihm nichts kostete. Göthe 28, 185, keine mühe machte; solche darstellungen, die mich gar nichts kosteten. 25, 365 (371), mir ohne mühe zufielen. es liegt da übrigens einflusz des franz. coûter vor, das vielfach so gebraucht ist; ebenso im folg.
β)
daraus entwickelte sich eine art unpersönlicher verwendung, es kostet mit folg. inf.: es kostet unendlich mehr, das böse dessen man sich gegen einen abwesenden feind wol getrauen mag, ihm ins angesicht zu sagen. Schiller 777ᵇ; es kostet dem Nero etwas, seine mutter umzubringen. dessen dram. entwürfe (1867) 4;
fürwahr! dér ruhm war wolfeil zu erlangen:
es kostet nichts, die allgemeine schönheit
zu sein, als die gemeine sein für alle.
428ᵇ,
wie es gehört weiter nichts dazu, keine weitere mühe oder kunst; leute, denen es nichts kostete, von einer extremität zur andern überzugehn. Wieland 20, 166, denen es ein kinderspiel war; was es ihm kostet, sich von ihr loszureiszen. Zimmermann eins. 2, 254; ich fühle lebhaft, dasz es mich nichts kosten sollte, für Raphaels rettung zu sterben. Schiller 756ᵃ;
wenn es ihm
nichts als den umsturz der gesetze kostet.
251ᵃ;
es kostete weiter nichts, als die dämme zu schleifen, so war die ganze ebene meer. 875ᵃ, dabei ist wirklich gar nicht mehr an kosten des unternehmens gedacht, nur an die mühe, und kaum daran noch klar, es ist da schon zur redensart geworden, für: es war nichts weiter nötig.
γ)
aber noch weiter gieng das verblassen der wendung:
so tief, als man die königin bezichtigt,
herab zu sinken, kostet viel. so leicht,
als man mich überreden möchte, reiszen
der ehe heilge bande nicht.
Schiller 280ᵇ.
nimmt man da die wendung nur im vorigen sinne, so entstünde der schein, als ob sich die königin bemühte zu sinken, und doch ist es nur gemeint wie 'es gehört viel dazu, es hält schwer', wendungen die freilich selbst jenen schein des bemühens noch an sich haben und doch nur sagen: es kommt nicht leicht so weit.
d)
ganz französisch aber ist eine kürzung dieser wendung.
α)
ohne preisangabe es kostet mir (mich) für: es wird mir schwer, wie unter c. man sagt franz. nicht nur z. b. cette démarche me coûte beaucoup oder un peu, auch blosz me coûte. und so auch bei uns etwa seit Wieland, vielleicht von ihm aufgebracht: Danae konnte nun nicht zweifeln, dasz sie geliebt werde, und es kostete ihr, die entzückung zurück zu halten worein sie durch diese gewissheit versetzt wurde. Wieland 3, 234 (Agath. 13, 6);
es kostet ihr, den wunsch sich zu gestehn.
9, 143 (Diana u. End.);
wol mags euch kosten, königin, ich glaub es,
von eurer stolzen höh herabzusteigen.
Schiller 594ᵃ;
ich sollte den prinzen schritte thun sehen, die ihm kosten, die unter seiner würde sind? 741ᵃ, auf kosten seiner ehre; Bernardo: immer noch in deiner klause, immer noch fest entschlossen, der welt abzusagen? Erwin. der welt? wie lieb ist mirs, dasz ich mich heraus gerettet habe. es hat mich gekostet, nun bin ich geborgen. Göthe 57, 125; adieu, denn es ist mitternacht, es kostet mich aber allezeit, von dir zu scheiden. J. v. Müller (1812) 14, 56, briefl. an Bonstetten 27. märz 1779; ich bitte um bestimmte instruktionen über diese sachen, so sehr es dir auch kosten mag, um solcher ursachen willen in schreibenden zustand dich zu versetzen. Chamisso (1852) 5, 46. doch ist dieser gallicismus jetzt wieder ausgeschieden.
β)
noch französischer aber bei Fichte auch mit weglassung der person: nur der erste schritt ists, der da kostet. 7, 57, d. i. ce n'est que le premier pas qui coûte. aber auch unpersönlich il coûte de renoncer à ses habitudes u. ä.
γ)
aber eigner weise findet sich schon im 15. jh. gut deutsch bloszes kosten, doch in eigentlicher bed., s. sp. 1868 oben aus Augsburg, und das wird sich mehr finden.
e)
die ursprüngliche wendung (b. c) hat übrigens auch in der eigentlicheren und eigentlichen bed. statt: es hat etwas gekostet, den bau zu stande zu bringen; wolle man nicht meinen, dasz es dazumal nur menschen gekostet, es hat ganze grosze und herrliche stätte gekostet. Schuppius 781 fg.; was es ihm kostet, verbindlichkeiten zu haben. Wieland 15, 202;
liesz ich mirs so viel kosten, in die höh
zu kommen u. s. w.
Schiller 376ᵇ.
4)
Endlich noch kurz von der schwankenden fügung des nhd. kosten in 2. 3. bed.
a)
dasz das schwanken alt ist, davon s. 2, a, δ; auch Stieler gibt beides: es kostet mich viel, und es kostet dir deinen hals 1018, und so andere. auch die schriftsteller haben gewöhnlich beides wechselnd, wie Göthe, Schiller, Wieland, Lessing; z. b.: ein wort nur kostets mich Schiller 671ᵇ, und es kostet dir ein einzig wort 439ᵃ.
b)
doch ist hie und da bevorzugung des einen zu bemerken. wie bei Steinbach nur der acc. angesetzt ist, so bei Frisch wenigstens als regel, und er mag im ganzen vorwiegen. in den mundarten findet sich aber auch der dat. bevorzugt, z. b. in meiner heimat, und wie er schon mhd. sich findet (sp. 1867), so im 16. jh., obwol seltner: wo er nicht gewichen wer, solt es ihm sein leben kost haben. buch der liebe 191ᵃ; dasz es im bald den kopf kostet haben würde. Amadis 387. Wieland bevorzugt den dativ auffallend.
c)
ganz ungewöhnlich mit gen. des preises: wie es so unsäglicher mühsal gekostet. Scheffel Ekkehard (1855) 84.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1865, Z. 27.

kösten

kösten,
beköstigen, bewirten, s. das zweite kost, es kann aber auch zu köste gehören: mittags köstete sie ihr haus mit semmelbutter. colica 45;
jetzt mit speis und trank zu kösten
unsern heilgen boten geht.
Z. Werner werke 7, 48 (das kreuz an d. Ostsee).
es ist noch vorarlb. Fromm. 6, 256, gewiss schon mhd. kösten neben dem kosten sp. 1866 (b). schweiz. verkösten, s. d. und bekösten, auch köstung.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1871, Z. 40.

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Zitationshilfe
„kösten“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/k%C3%B6sten>, abgerufen am 16.05.2021.

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