köt
Fundstelle: Lfg. 8 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1882, Z. 5
s.kett 4, b; hier noch ein beleg:
im brachmonat huͤt dich vor med,
new bier zuͦ trinken oder köt.
kalenderreim vor 'salus animae' 1503.
der reim könnte für urspr. kett sprechen. oder entspricht es dem nl. keute bier? s. unterkeiterling.
kot, kote
Fundstelle: Lfg. 8 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1882, Z. 11
hütte, kleines schlechtes haus, ein altes bedeutsames wort.
I.
Die form ist reich entwickelt.
1)
alle drei geschlechter sind vertreten, wie oft bei alten worten (vgl.kohle I, a zuletzt).
a)
die wbb. zwar setzen nur n. und f. an, das koth und die kothe (Adelung und ff.), und allgemeiner bekannt ist nur das f., das z. b. Frisch ansetzt (kote 1, 540ᶜ) und welches Steinbach, Ludwig, Stieler 911 allein kennen. es ist nd. und md. (s. unter II, 1, a. 2, a), und aus alter zeit wenn auch nicht bei uns, doch bei den Angelsachsen bezeugt (s. 2, b). vom neutr. s. c.
b)
aber auch das masc. ist jetzt noch lebendig und alt bezeugt. Möser u. a. brauchen es: einen kotten. patr. phant. 3, 149 (die ganze stelle sp. 1883 β); ich habe frau und kind in meinem kotten. Grabbe Hermannsschlacht 4, also westfälisch. ebenso niederrh., im 14. jh. salzkotte m.: dat der burchvrede angeit an deme salzkotten, dae steit ein stein (grenzstein) ... weisth. 2, 707 (nachher werden dafür mehrere kotten genannt, ind geit widder up die salzkotten). aber auch md., z. b. hessisch im 16. jh., s. bei Vilmar 215 vom koden (s. mehr II, 1, b). und schon im 12. jh. im Pilatus:
ein mulin gestelle (mühlengestelle)
heten vonden die boten,
einen mosehten koten,
ein arm heimuote.
Mones anz. 4, 439.
s. auch kate m. unter 2, c.
c)
auch das n. ist alt bezeugt, aus dem 15. jh. auf md. boden (s. II, 2, b), und wie jetzt noch nd. und nl. kot n., so schon ags. und altn. (2, b). da ist denn ein wort wahrscheinlich von alters her in allen drei geschlechtern ausgeprägt, und zwar alle drei auf md. und nd. boden sich begegnend, zum theil wahrscheinlich auch in ganz gleicher anwendung.
2)
auch im vocal ist manigfaltigkeit.
a)
es zeigen sich formen mit umlaut.
α)
fem. salzköte Stieler 1676 (ob md.?), nd. köte f. in den fürst. Göttingen und Grubenhagen (s. II, 1, a); es wird also urspr. neben kota auch kotia gegeben haben. köte schrank (sp. 1884) ist dasselbe wort. ebenso steht neben kate (s. c) ostfries. käte, hütte für deicharbeiter Stürenburg 100ᵇ.
β)
aber auch köt n. im 16. jh.: treger tragen die sahl (soole) in groszen zübern in das köt. Mathesius Sar. 125ᵇ; man macht tag und nacht in eim köt vierzehen stück salz. 127ᵃ; die heuslein, darinn das ehrlich gut (die reine soole) versotten .. wird, heist man ein köt. 126ᵇ; wenn man inn (d. i. in'n) köten arbeit. 127ᵃ; die bornknecht tragen die sahl in die köt. 126ᵃ (doch auch: der meister im kot, der die stück salz machet. 127ᵃ). also urspr. koti?
b)
mit ungebrochnem vocal liegt das vielleicht vor in ahd. 'chuti caule' Graff 4, 366, d. i. caulae, schafstall. ebenso steht ags. neben cot n. und cote f. auch cyte f. hütte (z. b. wächterhütte Grein 1, 181), altn. neben kot n. kytja f. hüttchen Fritzner 380ᵇ. ob kutte hütte in dem namen des böhmischen bergortes Kuttenberg, früher der Kuttenberg (Math. Sar. 17ᵃ) enthalten ist? er wird im 14. jh. amtlich mit 'auf den chutten' bezeichnet (z. b. Gengler cod. jur. mun. 1, 376ᵃ), daher noch böhm. Kutna neben Kutná Hora; die kutten wären die kaue der bergleute.
c)
eine nd. nebenform ist kate, wieder f. und m. (s. sp. 274), und das a ist da vielleicht nicht blosz die nd. änderung wie in kamen für komen, gade für gode deo (vgl.kochen I, b), denn schwed. kätte m. verschlag im hause z. b. für vieh (auch kitte) Rietz 384ᵇ, altschw. kätti, altn. keta (das.), isl. kéta für kota Biörn 1, 451ᵃ, ags. cete cella Grein 1, 181, altengl. chete Stratm. 140 (?), nl. keete casa, keetken casula Kil. erklären sich auch nicht aus kot, leicht aber aus kat als stamme.
3)
der schlieszende consonant macht schwierigkeiten.
a)
das tt in kotte zwar (1, b) ist nicht echt, soll nur die bewahrte kürze bezeichnen, wie das th in kothe, koth die eingetretene länge; übrigens kommt schon ags. neben cot (gen. cotes) auch cott vor in den nordh. evangelien. wenn bei Schambach 110ᵇ kôthûs haus eines kotsaszen und kothûs hütte im salzwerke unterschieden werden, so ist das nur späteren ursprungs.
b)
aber auffallend erscheint das d in dem md. koden aus dem 16. jahrh. (s. II, 1, b), ist das blosze erweichung durch das n der endung nach der aussprache kodn? es könnte doch mit dem gleichfalls auffallenden hd. t in chuti u. a. (s. 2, b) zusammenhängen; vgl. III, 1, c. ebenso für köte sp. 1884 bei Stieler köde.
II.
Bedeutung. Die allgemeine bedeutung ist haus in geringem sinne, womit sich das wort als ein uraltes verrät, das schon in die geschichtliche zeit als ein heruntergekommenes eintrat.
1)
Am besten hat es sich in wert erhalten als geringeres wohnhaus. so
a)
haupts. in Norddeutschland.
α)
kote f., geringes bauernhaus Frisch 1, 540ᶜ, genauer bauernhaus ohne feld und hofstätte, gewöhnlich nur mit einem garten, das haus eines köters, kossaten, kotsassen, die eben davon benannt sind; mnd. kote Haltaus 1125. alts. ist das wort bezeugt in einem ortsnamen Getakoton (dat. pl.), s. Crecelius index bon. et red. Werd. s. 29, vgl. das. s. 23 duos cottos et mansionem. götting. köte f. Schamb. 110ᵇ, brandenb. kaot f. (Danneil 98ᵃ), d. i. kate, s. d
β)
wahrscheinlich auch kot n. (wie altn., s. d) nach der anführung Frischs aus einer urk. v. 1326, in der 'venditur monasterio in villa Ekhorst una domuncula, quae kot vulgariter nuncupatur'. und kote m. (kotte): der beamte sagte ganz eifrig zu mir, es sind hundert freie kotten durch die nachlässigkeit meiner vorfahren (im amte) verloren gegangen, weil sie leibeigene darauf gelassen haben, und wann man nicht gleich die leute als biesterfrei behandelt, so ist gar kein mittel einen kotten gegen dergleichen eingriffe zu retten. Möser phant. (1778) 3, 148 fg.
γ)
es gibt aber auch koten, die wirklich etwas bauland und darum hofgebäude und anspann besitzen, aber nicht bis zu einer vollen hufe; so ist aber doch auch von kötergütern die rede. vergl. erbkotte, markkotte (Möser osn. gesch. 1, 4 ff.), s. auch unter d aus Schottland und weiter unter köter.
b)
in gleicher bed. einzeln auch auf md. boden, aber nur im westen (im östl. Mitteldeutschland entspricht dem köter der häusler, gärtner), in der form kode. Vilmar 215 bringt aus hessischen urk. des 16. jh. bei: aus einem garten und koden; usz einem kodden; iiij hanen gibt (als zins) relicta Jordan Winthers vom koden, in lat. fassung de domo. auch Scherz 807 bringt einen md. beleg aus einer 'rechn. des dorfs Bell.': daselbsten fällt jahrs 2 alb. von 9 koden, von jeglichem koden 2 alb. 2 heller, ist das etwa aus der Pfalz?
c)
merkw. aber ganz ähnlich auch in Schwaben: kott, kotten f., kotthäusle n., nebenwohnung bei einem bauernhause, die sich der erbpachter von dem, welchem er das baurengut übergiebt, auf seine lebenszeit ausbedingt, ausdinghäusle. Schmid 321.
d)
auch in Norwegen lebte kot n. in dem nordd. sinne, dazu kotkarl häusler (Möbius 239), letzteres auch altschwed. und dän.; und bei den Angelsachsen cot n., dazu cotsæta kotsasse, sodasz das wort wie das daran geknüpfte rechtsverhältnis in die germ. urzeit weit zurückreichen müssen. aus Schottland gibt Jamieson unter cottar (d. i. köter, kotsasz) dessen lage an ganz gleich der unserer nordd. köter, sein cot ist ein haus mit oder ohne gärtchen und einem stückchen ackerland, wofür sie einem herrn oder pächter dienen müssen. auch noch engl. cot, erweitert cottage (gleichs. cotagium), schwed. dial. kaͦta f. Rietz 381ᵃ, dän. dial. kodde, kaad, doch diesz wol nicht ohne nd. einflusz.
2)
Hütte, nicht zum wohnen, nur zum arbeiten darin oder zu zeitweiligem aufenthalte.
a)
z. b. 'fischerkote am ufer des meeres' Ludwig 1061, nd. köte hirtenhütte, jägerhütte, köhlerhütte Schamb. 110ᵇ. aber auch in md. gebiete: auf dem Thüringer walde heiszen schleifmühlen kothen, leichte holzhäuser über den bächen stehend (Völker das Thüringer waldgebirge 1836 s. 100), und selbst im nördl. Franken gibt es solche schleifkothen.
b)
besonders in salzwerken, hütte worin das salz gesotten wird, nd. kot n. (pl. köte), kothûs Schamb. 110ᵇ, in der sog. thalordnung von Halle a. S. v. j. 1424 koth n.: beschege ouch eine noth adir eine heimsuchunge in eime kothe, darumb darf man sin koth ufhauwen, wenn (denn) alle salzwerke sin fri. neue mitth. d. thür.-sächs. v. 11, 441 (1867); ouch sal man das bluth, dar man die sole mitte stellit, bi tages schine in die kothe (pl.) obir die straszen mit nichte tragen. 440. auch aus Halle sind die angaben des Mathesius u. I, 2, a, β, er gibt 126ᵇ an: der (köte) sind 100 besatzt, etlich grosz, mittel, klein, die sind von leim (lehm) gemacht und mit erden ausgeschütt. noch jetzt heiszt es in Halle das koth (pl. kothe und kothen), aber nur noch in der bed. unter d, denn die alten kote sind längst durch grosze siedehäuser ersetzt. aus Salzungen im westlichen Thüringen gibt Reinwald 2, 75 salzkothe f., sie heiszen aber da eig. nappen, wie in Frankenhausen sölden, in Lüneburg solder (Keferstein die Halloren 62 fg.). in Westfalen aber wieder kotte (wie 1, a, β), salzkotte, daher das salzwerk Salzkotten dort, im 13. jh. Saltcotten Höfer ausw. d. urk. 5 (vgl. das Getakoton 1, a). auch oberdeutsch in diesem sinne bekannt: das salzfasz, so ein groszer bottich und an dem kothe in die erde hineingesetzet ist. Abr. a S. Clara etwas für alle (Würzb. 1711) 2, 561; sowol in die königliche kothe als der sog. pfänner oder salzjunker ihre. 2, 562, es ist wol aber von nordd. salzwerken die rede.
c)
eigen ist engl. 'cote a salt-pit' Halliwell 272ᵇ, doch wol eig. das haus über der grube? wie weit rückt aber damit diesz wort für das salzhaus ins alterthum zurück, da hier an entlehnung wol nicht zu denken ist. aber eigner weise gibt auch Stieler 1676 salzköte vielmehr als salzgrube, salzquelle, Steinbach 1, 921 stellt salzkothe salina unter angenommenes kothe fovea, und Frisch 1, 540ᶜ bringt aus Fritsch var. tract. 266 eine angabe aus lüneburg. salzwerken, dasz die soole 'in die gruben oder koten' geleitet wird. ist das nur verwechselung mit kaute grube?
d)
koth n. heiszt auch der antheil an einem salzwerke (wie kux beim bergwerke), so in Halle, auch götting., z. b. ein werk ist in vöftein köte delt Schamb. 110ᵇ; der antheil nach der einzelnen siedehütte benannt.
3)
Endlich blosz als schuppen, stall u. ä.
a)
das schwäb. kott, kotthäusle unter 1, c ist auch ein behälter für holz, gerätschaften u. dgl. beim bauernhause. Schmid 321, und dieser begriff sieht doch nicht entlehnt aus.
b)
für stall besteht es nd., hamb. kott 'keficht, gehäuse, worin man geflügel mästet', z. b. kapûnenkott, dûvenkott Richey 136. auch nl. verkenskot schweinestall, hondekot u. ä., engl. dial. cot viehstall Hall. 272ᵇ, vgl. die nord. wörter unter I, 2, c. das verächtliche tritt recht hervor in nl. hoerekot bordell, schon mnl. horenkot Dief. 466ᵇ; vgl. schott. kitt bordell, das auch Jamieson auf ags. cyte zurückführt.
c)
westf. auch lager von wild, wie hasenkott, eichhornkott. so ist das wort von den menschen heruntergekommen zu den thieren, erst im hause, dann im walde. in den nordhumbr. evang. steht cott noch von der kammer, in der man z. b. beten soll: ingâ in đînum cotte and .. gebidda đînne fäder. Matth. 6, 6.
III.
Verbreitung und verwandtschaft.
1)
die verbreitung über das germ. gebiet ist schon aus obigem ersichtlich.
a)
wichtig aber ist das spurweise auftreten auf hd. gebiete mit demselbem t wie in den sprachen niederdeutscher lautstufe. wenn das ahd. chuti I, 2, b nicht sicher ist, ist es doch das schwäb. kotte f. II, 1, c, und der stamm erscheint, in erweiterung, auch in bair. kotter m. (s. d.), haus in verächtlichem gebrauch; die erweiterung liesze sich nord. wiederfinden in isl. kytra f. winkel im hause, eine bedeutung die auch kota isl. hat.
b)
das rätsel der mangelnden verschiebung wiederholt sich in hütte, das aus ahd. zeit her gut hd. ist (östr., alem.), aber mit gleicher lautstufe bis in den norden geht in nd. nl. hutte (br. wb., Kil.), engl. hut, dän. hytte, norw. hytta; das trifft aber in der bed. ganz, in den lauten mehr als halb mit kote überein.
c)
das md. kode II, 1, b reicht kaum aus, um in dem hd. kotte, kotter eine nebenform mit eigner lautstufe zu begründen, wie z. b. in hd. kittele zicklein neben kitz (sp. 870), umgekehrt klatze neben klate kralle (sp. 1008).
2)
Das wort greift aber über Deutschland hinaus, und immer ohne lautverschiebung.
a)
gael. cot m. a cottage wird zwar ausdrücklich als englisches lehnwort angegeben (coiteir a cotter, cottager, s. u. II, 1, d), und kymr. cwtt m. a cottage mag es also auch sein, allenfalls auch cwtt moch schweinestall (s. II, 3, b). ebenso könnte ehstn. koddo haus, finn. kota haus, hütte germ. einflusz sein. vgl. Diefenbach goth. wb. 2, 546 fg.
b)
aber slav. wörter bei Miklosich 306ᵇ sind als entlehnt kaum vorstellbar, altsl. kotĭcĭ cella, mansiuncula, bulg. kotec, serb. kotac, kot und noch weiter verbreitet. und selbst ein altind. wort stimmt ohne verschiebung, kuṭi hütte, das Bopp mit hütte zusammenstellt, vgl. zend. kata haus Justi 77ᵃ. da drängt sich denn wieder der gedanke auf an ein urverwandtes entsprechen zugleich mit und ohne verschiebung, wie sp. 14. 349. 306 (kauchen am ende). übrigens s. auchkötze korb am ende.
Zitationshilfe
„köt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/k%C3%B6t>, abgerufen am 14.12.2019.

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