Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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köte, f.

köte, f.
schrank u. ä., ein ostmd. wort.
1)
für schrank im voc. opt. Lpz. 1501 theca, kiste ader koete Ee 1ᵃ, promptuarium keler oder speiskoete Y 3ᵃ;
wer mit allerhand spendaschen
der liebsten ihre köthe schmückt.
Chr. Weise überfl. ged. 1701 A 3ᵃ.
bei Adelung als sächsisch z. b. kleiderköthe, wäschköthe, silberköthe; das wort ist noch z. b. in Leipzig gültig, obwol aussterbend. Eigen ist die räumliche beschränkung des wortes, denn Stieler 1020 gibt es zwar (köde), aber es ist nicht eig. thüring., wie es scheint auch nicht schles., da Steinbach es falsch als schwäbisch angibt, mit demin. köthchen 1, 921. aber auffallend bei Aler (Cöln 1727) köte armarium, kötgen arcula.
2)
merkwürdig bei Stieler und Schottel 1349 auch als 'ort da man allerlei hinlegt', bei M. Kramer (1768. 1787) aber köthe schachtel für frauenputz. beides bedarf weiterer zeugnisse, die angaben sind vielleicht nur vermutungen.
3)
köte schrank wird nichts sein als eine einzelne anwendung des vor. kote, köte häuschen, die sich zufällig in einer gegend erhielt oder bildete. ebenso bedeutet gadem haus, kammer, auch schrank, und umgekehrt kasten auch haus.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1885, Z. 1.

köte, kote, f.

köte, kote, f.
gelenkknochen, besonders am pferdefusze, ahd. mhd. nicht vorhanden, es scheint nicht eigentlich hd., nur mitteld.; daher entsprechend nd. kote, nl. kote Kil., nnl. koot, schott. cute, altfries. kate f., knöchel. böhm. kot, kotnjk, kutek, knöchel scheint entlehnt. für ermittelung des stammes wiese eine schott. nebenform queet ancle den weg, wenn sie echt wäre und nicht blosz landschaftliche ausartung von cuit als aussprache von cute, wie Jamieson meint. dann wäre quëta, quëtia als urspr. form zu vermuten. die nebenform kutte 3, a stünde nicht im wege.
1)
in allgemeiner bedeutung im voc. opt. Lpz. 1501 C 4ᵇ: articulus, ein glid ader koete ader knochl. köte knöchel M. Kramer 1719. auch nl. bei Kilian z. b. leden (glieder) die uit de kote zijn, aus dem gelenke, ausgerenkte.
a)
vom menschlichen fuszknöchel einmal im fastnachtspiel vom Neidhart, als dem Engelmar sein linker fusz abgehauen ist:
wie grosz wunden der slahen kan!
er kan die leut wol schroten,
die füesze mit den koeten.
fastn. sp. 459, 16,
den fusz samt dem knöchel. noch nl. z. b. vast op zijne kooten staan, fest auf den füszen stehn, he is nog wakker op zijne kooten, gut zu fusze, demin. kootjes, an fingern und zehen.
b)
von den fingerknöcheln im folg.: ein klein haus und etwas drinnen ist viel besser denn wenn einer in einem groszen hause als in einer ledegen scheune sitzet und seuget die kothen, hat weder zu brocken noch zu beiszen. Colerus hausb. (1640) 5, wie die finger sugen (vor hunger) 3, 1657.
c)
in der Cölner gemma 1507 auch spondilia, koten Dief. 548ᵇ, d. i. rückgratknochen, vgl.knorre II, 4, knoten II, 1, a.
2)
an thieren: wir haben in disen landen .. unsere holzkütten (kitt) oder leime ausz den köthen, füszen und viehohren sieden .. müssen. Mathesius Sar. 57ᵇ; die köten oder knochen vom schweinfusz gebrannt und gepulvert dienen für das darmgicht. Hohberg 2, 314ᵇ. daher noch osterländ. kîde (î für œ) das horn, der hornschuh am fusze des schweines oder rindes, den der fleischer ausschûcht (Bech). nl. tali, koten in bubus, bickelen in ovibus. Junius nom. 213ᵃ (Dief. 572ᵇ), schon mit rücksichtnahme aufs folg.
3)
knöchel als würfel, man machte nämlich würfel aus thierknöcheln (s. darüber unter knöcheln).
a)
so nd. und md., nd. z. b. tali koten, jactus talorum kotenspil Chytraeus nom. sax. c. 53 (daneben besonders tessera wörpel, ludus tesserarius wörpelspil, in seiner oberd. vorlage, bei Golius, für beides nur würfel, würfelspiel). md., im 15. jh. in den Görlitzer stat. kotte (das tt zeugnis des kurzen vocals): ouch vorbeut man allerlei spil .. mit worfeln, karten, kotten. scr. rer. lus. 1, 385, also gleichfalls würfel und koten unterschieden. in Diefenbachs wb. von 1470 kutte in pickelkutte, os articuli quo ludunt puelle sp. 252, in andern md. vocc. pickelkote sordissa Dief. 543ᵇ (s. bickelspiel). köten tesserae Faber thes. (Dief. 581ᵃ). auch in mrh. quellen, z. b.: spiel mit den knoden oder kotten, vorher koten. Schaidenraiszer (s. sp. 1500 unten). und nrh., denn die Cölner gemma von 1507 hat davon ein zeitwort koten articulare, articulis ludere Dief. 51ᵇ: noch in Aachen kötche n., würfel aus schafsknöcheln, nl. kootje. Aachener mundart 123.
b)
aber auch oberd.: kotten, sorpes, os cum quo ludunt puelle. voc. inc. teut. n 5ᵃ, bickelkoten c 7ᵇ, pickelkot oder dechtel, sordisa, sorpes. voc. th. 1482 z 1ᵃ. es wird aus md., mrh. landen eingeführt sein mit dem spiele. am Oberrhein muszte es unbekannt sein, denn wo es bei Jac. Eysenberg von der papisten heiligthumb Pforzheim 1558 vorkommt: von den köten, mit welchen die landsknecht geloset haben ... das sie neben dem rock (Christi) auch haben die köten wollen haben, mit welchen die kriegsknecht das losz geworfen haben, von welchen eine köte zu Trier .. sein sol. 35ᵇ, als wenn man der köten spilet. 36ᵃ — da ändert es die ausg. bei Jobin (der heilig brotkorb) in würfel.
c)
es wird übrigens besonders als kinderspiel erwähnt, wie unter b als ein spiel der mädchen: (die nicht des gewinns halber spielen) gehören nur zu kleinen kindern, die umb koten und nuszschalen spilen. (Eust. Schildo) spielteufel Frkf. 1564 B 3ᵃ; das sie nu solten diesen Jhesum, mit dem sie der köten, wie man spricht, gespielet hatten (kinderspiele gespielt) .. für den rechten messia halten. Luther 8, 129ᵃ. also wie knöchel auch, als klicker, schusser, knippkügelchen.
d)
eigen mit hd. tz in der md. gemmula 'articulare mit den ketzen spilen' Dief. 51ᵇ; gab es also ein md. kötze gleich köte? das tz wäre wie in md. bitzer für bitter (sp. 1017 unten). im Osterlande besteht nach Bech in der 2. bed. kôtsche neben köte.
4)
in den sprachgebrauch übergegangen ist nur die köthe des pferdes, das unterste fuszgelenk, über dem fessel; das md. wort ist in diesem sinne allgemein geworden (oberd. heiszt es eigentlich knoten), entlehnt selbst dän. kode, ehstn. kood, böhm. kutek.
a)
urspr. galten auch hier beide formen, köte und kote: wenn ein pferd hinden am fusze die kothe vertreten hat und hinkend wird. Colerus hausb. (1640) 267. noch bei Frisch 1, 540ᵇ (der es zuerst aufführt) kote, auch bei M. Kramer 1768. 1787, wo es als m. steht. nach diesem kôte osnabr. kaute Strodtm. 100, ein pferd ist das. överkautsch, 'hängt hinten zu sehr über'.
b)
aber köte, köthe trug hier den sieg davon: wann ein gaul ein fusz oder köte verrenkt hat oder aber ime die füsz oder köte geschwollen weren. Tabernaem. (1588) 445; wann ein pferd einen fusz oder die köten verrenkt hat. Hohberg 2, 212ᵃ; verstauchung der köten. Flemming teutsch. jäger 205ᵇ; das gelenk in der köten. 203ᵇ;
es (das pferd) pflegte weder gras noch schnee nicht zu zertreten,
und auf dem wasser lief es hin mit trocknen köten.
Werder Ariost 15, 20, 6.
Hohberg 2, 119ᵇ schreibt kötte, Pinter 393 geschwollene köhde, über köhde geschossen (eine verstauchung der köthe heiszt überkot schieszen). vgl. überköten, ausköten.
c)
auch der fessel selbst wird so genannt (Nemnich u. a.), so wol bei Hohberg 2, 119ᵇ wärzen inwendig an den kötten. und das starke haar an der köte (vgl.kötenzopf): zwischen den langen dicken und hart in einander gewachsenen haarn, so man die keete zu nennen pflegt. Uffenbach 2, 276.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1885, Z. 22.

köte, f.

köte, f.
geschwür, scheint nirgends verzeichnet
1)
ein beleg in einer oberd. quelle des 16. jh.: wann einem gaul an einem schenkel oder sonst an einem ort ein geschwulst auflief, dasz man müst besorgen, es werde aiter darunder wachsen, welche geschwulsten man pflegt die köt zu nennen. Seuter rossarzn. 403. dasselbe scheint zwar nicht chöt, chot, bulla Dief. 84ᵇ. nov. gl. 62ᵃ (s. dazu das zweite koch 3), aber niederrh. köt f. blütchen im gesicht Aachener mundart 123, und nd. küt (lang ü) weiches geschwür, das wenigstens Danneil 121ᵇ aus der Altmark bringt, freilich in vermischung mit küt gedärme, während er 231ᵇ zur erklärung von unnerkötig (s. 2) küt eiter ansetzt.
2)
von diesem köte kommt denn und gibt ihm seinerseits stütze das bisher unerklärte unterkötig (-ködig, kettig, kittig, kütig u. a.) unterschworen, ὕπουλος. auch hier ist das t sowol oberd. wie nd., fränk. unterküttig, meklenb. unnerkütig (s. Fromm. 2, 228).
3)
auf weiteres führt vielleicht schott. kitter eitern, schwären. engl. aber quitter eiter und geschwulst an der krone des pferdehufes, altengl. qwytur putredo Halliw. 660ᵃ. dazu aber stimmt im wesentlichen ags. cviđele, ahd. quedilla pustula, varix, nnd. quaddel, quadel, quiddel, nrh. quêt schwiele; vergl. auch nd. quader, quatter sp. 1569 unten, die wieder oberd. koder garstiger schleim nach sich ziehen könnten; wie ähnlich sind sich nicht schleim und eiter, ein geschwür aber nach dem eiter zu benennen liegt nahe. vgl. kothblatter
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1886, Z. 50.

kot, kote

kot, kote,
hütte, kleines schlechtes haus, ein altes bedeutsames wort.
I.
Die form ist reich entwickelt.
1)
alle drei geschlechter sind vertreten, wie oft bei alten worten (vgl.kohle I, a zuletzt).
a)
die wbb. zwar setzen nur n. und f. an, das koth und die kothe (Adelung und ff.), und allgemeiner bekannt ist nur das f., das z. b. Frisch ansetzt (kote 1, 540ᶜ) und welches Steinbach, Ludwig, Stieler 911 allein kennen. es ist nd. und md. (s. unter II, 1, a. 2, a), und aus alter zeit wenn auch nicht bei uns, doch bei den Angelsachsen bezeugt (s. 2, b). vom neutr. s. c.
b)
aber auch das masc. ist jetzt noch lebendig und alt bezeugt. Möser u. a. brauchen es: einen kotten. patr. phant. 3, 149 (die ganze stelle sp. 1883 β); ich habe frau und kind in meinem kotten. Grabbe Hermannsschlacht 4, also westfälisch. ebenso niederrh., im 14. jh. salzkotte m.: dat der burchvrede angeit an deme salzkotten, dae steit ein stein (grenzstein) ... weisth. 2, 707 (nachher werden dafür mehrere kotten genannt, ind geit widder up die salzkotten). aber auch md., z. b. hessisch im 16. jh., s. bei Vilmar 215 vom koden (s. mehr II, 1, b). und schon im 12. jh. im Pilatus:
ein mulin gestelle (mühlengestelle)
heten vonden die boten,
einen mosehten koten,
ein arm heimuote.
Mones anz. 4, 439.
s. auch kate m. unter 2, c.
c)
auch das n. ist alt bezeugt, aus dem 15. jh. auf md. boden (s. II, 2, b), und wie jetzt noch nd. und nl. kot n., so schon ags. und altn. (2, b). da ist denn ein wort wahrscheinlich von alters her in allen drei geschlechtern ausgeprägt, und zwar alle drei auf md. und nd. boden sich begegnend, zum theil wahrscheinlich auch in ganz gleicher anwendung.
2)
auch im vocal ist manigfaltigkeit.
a)
es zeigen sich formen mit umlaut.
α)
fem. salzköte Stieler 1676 (ob md.?), nd. köte f. in den fürst. Göttingen und Grubenhagen (s. II, 1, a); es wird also urspr. neben kota auch kotia gegeben haben. köte schrank (sp. 1884) ist dasselbe wort. ebenso steht neben kate (s. c) ostfries. käte, hütte für deicharbeiter Stürenburg 100ᵇ.
β)
aber auch köt n. im 16. jh.: treger tragen die sahl (soole) in groszen zübern in das köt. Mathesius Sar. 125ᵇ; man macht tag und nacht in eim köt vierzehen stück salz. 127ᵃ; die heuslein, darinn das ehrlich gut (die reine soole) versotten .. wird, heist man ein köt. 126ᵇ; wenn man inn (d. i. in'n) köten arbeit. 127ᵃ; die bornknecht tragen die sahl in die köt. 126ᵃ (doch auch: der meister im kot, der die stück salz machet. 127ᵃ). also urspr. koti?
b)
mit ungebrochnem vocal liegt das vielleicht vor in ahd. 'chuti caule' Graff 4, 366, d. i. caulae, schafstall. ebenso steht ags. neben cot n. und cote f. auch cyte f. hütte (z. b. wächterhütte Grein 1, 181), altn. neben kot n. kytja f. hüttchen Fritzner 380ᵇ. ob kutte hütte in dem namen des böhmischen bergortes Kuttenberg, früher der Kuttenberg (Math. Sar. 17ᵃ) enthalten ist? er wird im 14. jh. amtlich mit 'auf den chutten' bezeichnet (z. b. Gengler cod. jur. mun. 1, 376ᵃ), daher noch böhm. Kutna neben Kutná Hora; die kutten wären die kaue der bergleute.
c)
eine nd. nebenform ist kate, wieder f. und m. (s. sp. 274), und das a ist da vielleicht nicht blosz die nd. änderung wie in kamen für komen, gade für gode deo (vgl.kochen I, b), denn schwed. kätte m. verschlag im hause z. b. für vieh (auch kitte) Rietz 384ᵇ, altschw. kätti, altn. keta (das.), isl. kéta für kota Biörn 1, 451ᵃ, ags. cete cella Grein 1, 181, altengl. chete Stratm. 140 (?), nl. keete casa, keetken casula Kil. erklären sich auch nicht aus kot, leicht aber aus kat als stamme.
3)
der schlieszende consonant macht schwierigkeiten.
a)
das tt in kotte zwar (1, b) ist nicht echt, soll nur die bewahrte kürze bezeichnen, wie das th in kothe, koth die eingetretene länge; übrigens kommt schon ags. neben cot (gen. cotes) auch cott vor in den nordh. evangelien. wenn bei Schambach 110ᵇ kôthûs haus eines kotsaszen und kothûs hütte im salzwerke unterschieden werden, so ist das nur späteren ursprungs.
b)
aber auffallend erscheint das d in dem md. koden aus dem 16. jahrh. (s. II, 1, b), ist das blosze erweichung durch das n der endung nach der aussprache kodn? es könnte doch mit dem gleichfalls auffallenden hd. t in chuti u. a. (s. 2, b) zusammenhängen; vgl. III, 1, c. ebenso für köte sp. 1884 bei Stieler köde.
II.
Bedeutung. Die allgemeine bedeutung ist haus in geringem sinne, womit sich das wort als ein uraltes verrät, das schon in die geschichtliche zeit als ein heruntergekommenes eintrat.
1)
Am besten hat es sich in wert erhalten als geringeres wohnhaus. so
a)
haupts. in Norddeutschland.
α)
kote f., geringes bauernhaus Frisch 1, 540ᶜ, genauer bauernhaus ohne feld und hofstätte, gewöhnlich nur mit einem garten, das haus eines köters, kossaten, kotsassen, die eben davon benannt sind; mnd. kote Haltaus 1125. alts. ist das wort bezeugt in einem ortsnamen Getakoton (dat. pl.), s. Crecelius index bon. et red. Werd. s. 29, vgl. das. s. 23 duos cottos et mansionem. götting. köte f. Schamb. 110ᵇ, brandenb. kaot f. (Danneil 98ᵃ), d. i. kate, s. d
β)
wahrscheinlich auch kot n. (wie altn., s. d) nach der anführung Frischs aus einer urk. v. 1326, in der 'venditur monasterio in villa Ekhorst una domuncula, quae kot vulgariter nuncupatur'. und kote m. (kotte): der beamte sagte ganz eifrig zu mir, es sind hundert freie kotten durch die nachlässigkeit meiner vorfahren (im amte) verloren gegangen, weil sie leibeigene darauf gelassen haben, und wann man nicht gleich die leute als biesterfrei behandelt, so ist gar kein mittel einen kotten gegen dergleichen eingriffe zu retten. Möser phant. (1778) 3, 148 fg.
γ)
es gibt aber auch koten, die wirklich etwas bauland und darum hofgebäude und anspann besitzen, aber nicht bis zu einer vollen hufe; so ist aber doch auch von kötergütern die rede. vergl. erbkotte, markkotte (Möser osn. gesch. 1, 4 ff.), s. auch unter d aus Schottland und weiter unter köter.
b)
in gleicher bed. einzeln auch auf md. boden, aber nur im westen (im östl. Mitteldeutschland entspricht dem köter der häusler, gärtner), in der form kode. Vilmar 215 bringt aus hessischen urk. des 16. jh. bei: aus einem garten und koden; usz einem kodden; iiij hanen gibt (als zins) relicta Jordan Winthers vom koden, in lat. fassung de domo. auch Scherz 807 bringt einen md. beleg aus einer 'rechn. des dorfs Bell.': daselbsten fällt jahrs 2 alb. von 9 koden, von jeglichem koden 2 alb. 2 heller, ist das etwa aus der Pfalz?
c)
merkw. aber ganz ähnlich auch in Schwaben: kott, kotten f., kotthäusle n., nebenwohnung bei einem bauernhause, die sich der erbpachter von dem, welchem er das baurengut übergiebt, auf seine lebenszeit ausbedingt, ausdinghäusle. Schmid 321.
d)
auch in Norwegen lebte kot n. in dem nordd. sinne, dazu kotkarl häusler (Möbius 239), letzteres auch altschwed. und dän.; und bei den Angelsachsen cot n., dazu cotsæta kotsasse, sodasz das wort wie das daran geknüpfte rechtsverhältnis in die germ. urzeit weit zurückreichen müssen. aus Schottland gibt Jamieson unter cottar (d. i. köter, kotsasz) dessen lage an ganz gleich der unserer nordd. köter, sein cot ist ein haus mit oder ohne gärtchen und einem stückchen ackerland, wofür sie einem herrn oder pächter dienen müssen. auch noch engl. cot, erweitert cottage (gleichs. cotagium), schwed. dial. kaͦta f. Rietz 381ᵃ, dän. dial. kodde, kaad, doch diesz wol nicht ohne nd. einflusz.
2)
Hütte, nicht zum wohnen, nur zum arbeiten darin oder zu zeitweiligem aufenthalte.
a)
z. b. 'fischerkote am ufer des meeres' Ludwig 1061, nd. köte hirtenhütte, jägerhütte, köhlerhütte Schamb. 110ᵇ. aber auch in md. gebiete: auf dem Thüringer walde heiszen schleifmühlen kothen, leichte holzhäuser über den bächen stehend (Völker das Thüringer waldgebirge 1836 s. 100), und selbst im nördl. Franken gibt es solche schleifkothen.
b)
besonders in salzwerken, hütte worin das salz gesotten wird, nd. kot n. (pl. köte), kothûs Schamb. 110ᵇ, in der sog. thalordnung von Halle a. S. v. j. 1424 koth n.: beschege ouch eine noth adir eine heimsuchunge in eime kothe, darumb darf man sin koth ufhauwen, wenn (denn) alle salzwerke sin fri. neue mitth. d. thür.-sächs. v. 11, 441 (1867); ouch sal man das bluth, dar man die sole mitte stellit, bi tages schine in die kothe (pl.) obir die straszen mit nichte tragen. 440. auch aus Halle sind die angaben des Mathesius u. I, 2, a, β, er gibt 126ᵇ an: der (köte) sind 100 besatzt, etlich grosz, mittel, klein, die sind von leim (lehm) gemacht und mit erden ausgeschütt. noch jetzt heiszt es in Halle das koth (pl. kothe und kothen), aber nur noch in der bed. unter d, denn die alten kote sind längst durch grosze siedehäuser ersetzt. aus Salzungen im westlichen Thüringen gibt Reinwald 2, 75 salzkothe f., sie heiszen aber da eig. nappen, wie in Frankenhausen sölden, in Lüneburg solder (Keferstein die Halloren 62 fg.). in Westfalen aber wieder kotte (wie 1, a, β), salzkotte, daher das salzwerk Salzkotten dort, im 13. jh. Saltcotten Höfer ausw. d. urk. 5 (vgl. das Getakoton 1, a). auch oberdeutsch in diesem sinne bekannt: das salzfasz, so ein groszer bottich und an dem kothe in die erde hineingesetzet ist. Abr. a S. Clara etwas für alle (Würzb. 1711) 2, 561; sowol in die königliche kothe als der sog. pfänner oder salzjunker ihre. 2, 562, es ist wol aber von nordd. salzwerken die rede.
c)
eigen ist engl. 'cote a salt-pit' Halliwell 272ᵇ, doch wol eig. das haus über der grube? wie weit rückt aber damit diesz wort für das salzhaus ins alterthum zurück, da hier an entlehnung wol nicht zu denken ist. aber eigner weise gibt auch Stieler 1676 salzköte vielmehr als salzgrube, salzquelle, Steinbach 1, 921 stellt salzkothe salina unter angenommenes kothe fovea, und Frisch 1, 540ᶜ bringt aus Fritsch var. tract. 266 eine angabe aus lüneburg. salzwerken, dasz die soole 'in die gruben oder koten' geleitet wird. ist das nur verwechselung mit kaute grube?
d)
koth n. heiszt auch der antheil an einem salzwerke (wie kux beim bergwerke), so in Halle, auch götting., z. b. ein werk ist in vöftein köte delt Schamb. 110ᵇ; der antheil nach der einzelnen siedehütte benannt.
3)
Endlich blosz als schuppen, stall u. ä.
a)
das schwäb. kott, kotthäusle unter 1, c ist auch ein behälter für holz, gerätschaften u. dgl. beim bauernhause. Schmid 321, und dieser begriff sieht doch nicht entlehnt aus.
b)
für stall besteht es nd., hamb. kott 'keficht, gehäuse, worin man geflügel mästet', z. b. kapûnenkott, dûvenkott Richey 136. auch nl. verkenskot schweinestall, hondekot u. ä., engl. dial. cot viehstall Hall. 272ᵇ, vgl. die nord. wörter unter I, 2, c. das verächtliche tritt recht hervor in nl. hoerekot bordell, schon mnl. horenkot Dief. 466ᵇ; vgl. schott. kitt bordell, das auch Jamieson auf ags. cyte zurückführt.
c)
westf. auch lager von wild, wie hasenkott, eichhornkott. so ist das wort von den menschen heruntergekommen zu den thieren, erst im hause, dann im walde. in den nordhumbr. evang. steht cott noch von der kammer, in der man z. b. beten soll: ingâ in đînum cotte and .. gebidda đînne fäder. Matth. 6, 6.
III.
Verbreitung und verwandtschaft.
1)
die verbreitung über das germ. gebiet ist schon aus obigem ersichtlich.
a)
wichtig aber ist das spurweise auftreten auf hd. gebiete mit demselbem t wie in den sprachen niederdeutscher lautstufe. wenn das ahd. chuti I, 2, b nicht sicher ist, ist es doch das schwäb. kotte f. II, 1, c, und der stamm erscheint, in erweiterung, auch in bair. kotter m. (s. d.), haus in verächtlichem gebrauch; die erweiterung liesze sich nord. wiederfinden in isl. kytra f. winkel im hause, eine bedeutung die auch kota isl. hat.
b)
das rätsel der mangelnden verschiebung wiederholt sich in hütte, das aus ahd. zeit her gut hd. ist (östr., alem.), aber mit gleicher lautstufe bis in den norden geht in nd. nl. hutte (br. wb., Kil.), engl. hut, dän. hytte, norw. hytta; das trifft aber in der bed. ganz, in den lauten mehr als halb mit kote überein.
c)
das md. kode II, 1, b reicht kaum aus, um in dem hd. kotte, kotter eine nebenform mit eigner lautstufe zu begründen, wie z. b. in hd. kittele zicklein neben kitz (sp. 870), umgekehrt klatze neben klate kralle (sp. 1008).
2)
Das wort greift aber über Deutschland hinaus, und immer ohne lautverschiebung.
a)
gael. cot m. a cottage wird zwar ausdrücklich als englisches lehnwort angegeben (coiteir a cotter, cottager, s. u. II, 1, d), und kymr. cwtt m. a cottage mag es also auch sein, allenfalls auch cwtt moch schweinestall (s. II, 3, b). ebenso könnte ehstn. koddo haus, finn. kota haus, hütte germ. einflusz sein. vgl. Diefenbach goth. wb. 2, 546 fg.
b)
aber slav. wörter bei Miklosich 306ᵇ sind als entlehnt kaum vorstellbar, altsl. kotĭcĭ cella, mansiuncula, bulg. kotec, serb. kotac, kot und noch weiter verbreitet. und selbst ein altind. wort stimmt ohne verschiebung, kuṭi hütte, das Bopp mit hütte zusammenstellt, vgl. zend. kata haus Justi 77ᵃ. da drängt sich denn wieder der gedanke auf an ein urverwandtes entsprechen zugleich mit und ohne verschiebung, wie sp. 14. 349. 306 (kauchen am ende). übrigens s. auchkötze korb am ende.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1882, Z. 11.

köte, kote, f.

köte, kote, f.
gelenkknochen, besonders am pferdefusze, ahd. mhd. nicht vorhanden, es scheint nicht eigentlich hd., nur mitteld.; daher entsprechend nd. kote, nl. kote Kil., nnl. koot, schott. cute, altfries. kate f., knöchel. böhm. kot, kotnjk, kutek, knöchel scheint entlehnt. für ermittelung des stammes wiese eine schott. nebenform queet ancle den weg, wenn sie echt wäre und nicht blosz landschaftliche ausartung von cuit als aussprache von cute, wie Jamieson meint. dann wäre quëta, quëtia als urspr. form zu vermuten. die nebenform kutte 3, a stünde nicht im wege.
1)
in allgemeiner bedeutung im voc. opt. Lpz. 1501 C 4ᵇ: articulus, ein glid ader koete ader knochl. köte knöchel M. Kramer 1719. auch nl. bei Kilian z. b. leden (glieder) die uit de kote zijn, aus dem gelenke, ausgerenkte.
a)
vom menschlichen fuszknöchel einmal im fastnachtspiel vom Neidhart, als dem Engelmar sein linker fusz abgehauen ist:
wie grosz wunden der slahen kan!
er kan die leut wol schroten,
die füesze mit den koeten.
fastn. sp. 459, 16,
den fusz samt dem knöchel. noch nl. z. b. vast op zijne kooten staan, fest auf den füszen stehn, he is nog wakker op zijne kooten, gut zu fusze, demin. kootjes, an fingern und zehen.
b)
von den fingerknöcheln im folg.: ein klein haus und etwas drinnen ist viel besser denn wenn einer in einem groszen hause als in einer ledegen scheune sitzet und seuget die kothen, hat weder zu brocken noch zu beiszen. Colerus hausb. (1640) 5, wie die finger sugen (vor hunger) 3, 1657.
c)
in der Cölner gemma 1507 auch spondilia, koten Dief. 548ᵇ, d. i. rückgratknochen, vgl.knorre II, 4, knoten II, 1, a.
2)
an thieren: wir haben in disen landen .. unsere holzkütten (kitt) oder leime ausz den köthen, füszen und viehohren sieden .. müssen. Mathesius Sar. 57ᵇ; die köten oder knochen vom schweinfusz gebrannt und gepulvert dienen für das darmgicht. Hohberg 2, 314ᵇ. daher noch osterländ. kîde (î für œ) das horn, der hornschuh am fusze des schweines oder rindes, den der fleischer ausschûcht (Bech). nl. tali, koten in bubus, bickelen in ovibus. Junius nom. 213ᵃ (Dief. 572ᵇ), schon mit rücksichtnahme aufs folg.
3)
knöchel als würfel, man machte nämlich würfel aus thierknöcheln (s. darüber unter knöcheln).
a)
so nd. und md., nd. z. b. tali koten, jactus talorum kotenspil Chytraeus nom. sax. c. 53 (daneben besonders tessera wörpel, ludus tesserarius wörpelspil, in seiner oberd. vorlage, bei Golius, für beides nur würfel, würfelspiel). md., im 15. jh. in den Görlitzer stat. kotte (das tt zeugnis des kurzen vocals): ouch vorbeut man allerlei spil .. mit worfeln, karten, kotten. scr. rer. lus. 1, 385, also gleichfalls würfel und koten unterschieden. in Diefenbachs wb. von 1470 kutte in pickelkutte, os articuli quo ludunt puelle sp. 252, in andern md. vocc. pickelkote sordissa Dief. 543ᵇ (s. bickelspiel). köten tesserae Faber thes. (Dief. 581ᵃ). auch in mrh. quellen, z. b.: spiel mit den knoden oder kotten, vorher koten. Schaidenraiszer (s. sp. 1500 unten). und nrh., denn die Cölner gemma von 1507 hat davon ein zeitwort koten articulare, articulis ludere Dief. 51ᵇ: noch in Aachen kötche n., würfel aus schafsknöcheln, nl. kootje. Aachener mundart 123.
b)
aber auch oberd.: kotten, sorpes, os cum quo ludunt puelle. voc. inc. teut. n 5ᵃ, bickelkoten c 7ᵇ, pickelkot oder dechtel, sordisa, sorpes. voc. th. 1482 z 1ᵃ. es wird aus md., mrh. landen eingeführt sein mit dem spiele. am Oberrhein muszte es unbekannt sein, denn wo es bei Jac. Eysenberg von der papisten heiligthumb Pforzheim 1558 vorkommt: von den köten, mit welchen die landsknecht geloset haben ... das sie neben dem rock (Christi) auch haben die köten wollen haben, mit welchen die kriegsknecht das losz geworfen haben, von welchen eine köte zu Trier .. sein sol. 35ᵇ, als wenn man der köten spilet. 36ᵃ — da ändert es die ausg. bei Jobin (der heilig brotkorb) in würfel.
c)
es wird übrigens besonders als kinderspiel erwähnt, wie unter b als ein spiel der mädchen: (die nicht des gewinns halber spielen) gehören nur zu kleinen kindern, die umb koten und nuszschalen spilen. (Eust. Schildo) spielteufel Frkf. 1564 B 3ᵃ; das sie nu solten diesen Jhesum, mit dem sie der köten, wie man spricht, gespielet hatten (kinderspiele gespielt) .. für den rechten messia halten. Luther 8, 129ᵃ. also wie knöchel auch, als klicker, schusser, knippkügelchen.
d)
eigen mit hd. tz in der md. gemmula 'articulare mit den ketzen spilen' Dief. 51ᵇ; gab es also ein md. kötze gleich köte? das tz wäre wie in md. bitzer für bitter (sp. 1017 unten). im Osterlande besteht nach Bech in der 2. bed. kôtsche neben köte.
4)
in den sprachgebrauch übergegangen ist nur die köthe des pferdes, das unterste fuszgelenk, über dem fessel; das md. wort ist in diesem sinne allgemein geworden (oberd. heiszt es eigentlich knoten), entlehnt selbst dän. kode, ehstn. kood, böhm. kutek.
a)
urspr. galten auch hier beide formen, köte und kote: wenn ein pferd hinden am fusze die kothe vertreten hat und hinkend wird. Colerus hausb. (1640) 267. noch bei Frisch 1, 540ᵇ (der es zuerst aufführt) kote, auch bei M. Kramer 1768. 1787, wo es als m. steht. nach diesem kôte osnabr. kaute Strodtm. 100, ein pferd ist das. överkautsch, 'hängt hinten zu sehr über'.
b)
aber köte, köthe trug hier den sieg davon: wann ein gaul ein fusz oder köte verrenkt hat oder aber ime die füsz oder köte geschwollen weren. Tabernaem. (1588) 445; wann ein pferd einen fusz oder die köten verrenkt hat. Hohberg 2, 212ᵃ; verstauchung der köten. Flemming teutsch. jäger 205ᵇ; das gelenk in der köten. 203ᵇ;
es (das pferd) pflegte weder gras noch schnee nicht zu zertreten,
und auf dem wasser lief es hin mit trocknen köten.
Werder Ariost 15, 20, 6.
Hohberg 2, 119ᵇ schreibt kötte, Pinter 393 geschwollene köhde, über köhde geschossen (eine verstauchung der köthe heiszt überkot schieszen). vgl. überköten, ausköten.
c)
auch der fessel selbst wird so genannt (Nemnich u. a.), so wol bei Hohberg 2, 119ᵇ wärzen inwendig an den kötten. und das starke haar an der köte (vgl.kötenzopf): zwischen den langen dicken und hart in einander gewachsenen haarn, so man die keete zu nennen pflegt. Uffenbach 2, 276.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1885, Z. 22.

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Zitationshilfe
„köte“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/k%C3%B6te>, abgerufen am 14.08.2020.

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