Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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köter, m.

köter, m.
hund in gewissem sinne, auch köther, köder.
1)
jetzt gilt es für einen schlechten, besonders einen groszen hund, dann auch verächtlich oder derb für hund überhaupt (z. b. studentisch):
der köther knirscht in jeden stein.
Bürger 32ᵇ,
der hund aus der pfennigsch., in den ged. 1778 s. 207 köter;
laszt wählen die köther nach eigenem sinn.
82ᵃ, lied von treue;
still, ohne pracht, doch sicher, dasz mans merke,
so schreiten prinz und dogg' einher in ihrer stärke.
in seid' und schellen prunkt und bellt und flucht mit zeter
der junker und sein köter.
Voss (1825) 4, 176;
mein hund allein, mein treuer köter.
Kotzebue 1, 19;
ich hätte den infamen köter längst todt gemacht. Arnim 1, 34; sahst du wol eines bauern hund einen bettler anbellen? .. und der wicht lief vor dem köter. Shaksp. Lear 4, 4;
komm her, du köter, und sieh mich nicht an,
nur noch ein fusztritt, so ists gethan.
Chamisso ged. (1852) 255.
2)
etwas anders aber in älteren zeugnissen. Frisch 1, 540ᶜ kennt köter, ködder nur als bauernhund, vgl. bei Henisch bawrkoter (s. 1, 1179), s. auch bauernköter. und so lauten noch die nd. angaben, z. b. bei Richey 136 köter bauerhund von gemeiner art, bei Dähnert 247ᵇ bauer- und schäferhund. die meklenb. schäfer haben einen drîveköter und einen hahlumköter (zum treiben und zum 'herumholen' der schafe), s. K. Schiller zum mekl. thier- u. kräuterb. 3, 2ᵇ, s. auch fixköter hof- und schäferhund.
3)
aber auch von jagdhunden früher. Frisch bringt es aus einer hessischen jagdordn. von 1624, als kleinen untüchtigen hund (dort steht wol ködder?), und so hessisch schon im 16. jahrh., bei Vilmar hess. id. 221 (nach dem es doch nicht mehr hessisch ist) aus einer urfede der landgräflichen hundsjungen von 1566: das wir angegeben worden, als solten wir irer fürstl. gn. einen kotter oder kleinen hund zu tot gehezt haben. auch bei einem Hessen des 16. jh. kötterlein: kan ein kleines kötterlein den wolf also erschrecken, was werden die groszen molossi und schafröden thun, wenn die hinder in kommen? Nigrinus beschlag B 3ᵃ. auch die kleinen jagdköter sind vielleicht geringschätzig eben als bauernhunde bezeichnet.
4)
in dem geringschätzigen wird auch der anlasz des namens liegen. Vilmar erklärt ihn, dem brem. wb. 2, 859 folgend, als hofhund, bewacher der kote (sp. 1883); aber das ergäbe nur hofhund eines köters, und köter für den hund und den besitzer der kote zugleich ist doch innerhalb der kote unmöglich. nannten etwa die eigentlichen bauern die hofhunde der kotsassen oder köter geringschätzig selbst köter? und durften diese eben nur kleinere hunde halten? dasz das standesverhältnis zwischen bauern und kotsassen sich wirklich auch auf die hofthiere erstreckte, zeigt eine osnabr. redensart bei Strodtmann 113 he strüvet sik as een kötterhahn ('hahn der einem kötter gehört') von geringen leuten die grosz thun wollen. beide worte, kote und köter, sind nd. und md. (gerade auch hess.), auch die form kotter stimmt zu kotte kote. im brem. wb. steht freilich köter hund mit anderm ö als köter kotsasse, doch könnten beide erst nachträglich unterschieden worden sein, Danneil 114ᵃ, Schambach 110ᵇ geben beide gleich als köter. ein nd. sprichw. aber bringt noch beide begriffe in einen: köter sünd nich verwandt mit grâten hunnen (groszen hunden), deutlich aus stolzem bauernmunde.
5)
als erste bed. setzt übrigens Danneil männlicher hund, ebenso K. Schiller a. a. o., auch Dähnert 247ᵇ nennt sie als von einigen gebraucht. ist das alt?
6)
als schimpfwort, z. b. du bist 'n ganzen köt'r, du bist mir der rechte! Danneil, du bist een schönen k., an dir findet man nicht viel gutes Dähnert, Richey. meklenb. von unzüchtigen frauenzimmern Schiller a. a. o. 3, 4ᵃ. auch dänisch, wo köter hund entlehnt besteht, schimpfend du köter! s. auch kötern.
7)
meklenb. auch ein rechen zum nachsammeln der liegen gebliebenen ähren bei der ernde, eine s. g. hungerharke, aber nur die kleine die von menschen gezogen wird im unterschied der von pferden gezogenen (K. Schiller 3, 4ᵃ); darin steckt wieder der standesunterschied zwischen bauern und kotsassen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1887, Z. 7.

köter, köther, kötter, m.

köter, köther, kötter, m.
nordd., inhaber einer kote (s. sp. 1883), hindersasz, häusler. auch mlat. schon früh cotarius, coterellus, s. Ducange.
1)
der begriff zeigt starke schwankungen, d. h. er hat eine alte und reiche entwickelung, die ein gut stück des nordd. bäuerlichen gemeindelebens in sich schlieszt, aber hier nur anzudeuten ist.
a)
der name schon, der sicher von hohem alter ist (s. 3, b), zeigt den ursprünglichen begriff als inhaber einer bloszen kote, im gegensatze zum ackerbesitzenden bauer: wie bei dem voll- und halbhofe (vgl. vollbauer, halbbauer) die hufe, so ist beim köther offenbar die wohnstätte, die casa, der grundbestandtheil des besitzthums. Stüve wesen u. verf. der landgemeinden 37; aber besitzthum hat er meistens doch, und, wie es dort weiter heiszt, nicht selten mag mit dieser casa (schon in alter zeit) eine einzelne hufe vereinigt und so der 'köthner' (zugleich) als 'höfeling' zu betrachten sein, namentlich wird dies bei den 'groszköthnern' vielleicht eine art regel bilden; vergl. kleinköter, wonach der westf. köter selbst drei pferde besitzen kann. aus dem Bremischen heiszt es: köther werden diejenigen freien genannt, welche nicht ganze höfe, sondern nur einzelne morgen freieigen besitzen und gewöhnlich eine nebenhantierung treiben. v. Kobbe Bremen u. Verden 1, 305, also doch ein freier mann, nicht leibeigen oder hörig, und selbst grundbesitzer, populär zu reden ein kleiner bauer. und doch scheint der casatus servus in den tradit. Fuld. (RA. 318) der bezeichnung nach auch schon ein köter zu sein; im 17. jh. übersetzte man letzteres mit casatus (Stieler 911), obwol da auch verwechselung mit cossatus (s.kossate) mitwirken mochte.
b)
die den kötern gegenüberstehenden eigentlichen bauern werden bezeichnet als die 'vollberechtigten' hausleute, höfner (Stüve a. a. o. 10), und beide gegensätze dürften sehr alt sein; der erste knüpft an das haus an im gegensatz zur kote (hûs hiesz ja auch die burg der adelichen und herren), der zweite an den gegensatz der kote zum hofe, da die kote keinen eigentlichen hof bildet. ebenso hofluide und kottere weisth. 3, 60, aber auch kater und hûvener Lacomblet arch. 1, 203, wie 204 die katstede von den hûven (hufen) unterschieden. auch ackermann erscheint als gegensatz, den ackerbesitz hervorhebend, z. b. in einem nd. weisthum 4, 679. 680 aus dem 15. jh., s. auch unter c. d; und markgenôte, markgenosse 3, 177 (westf.). wiederum ist aber doch auch von kothöfen die rede, schon im 14. jh. höve und kothöve Haltaus 1125, bauern- und kötergüter.
c)
ein ungefähres bild von der geltung der köter geben ihre leistungen und rechte, wobei meist zwei köter für einen höfner gerechnet werden, z. b.: die hovener betalen eilftenhalven engels (d. i. englisch, wie es z. b. in der Limb. chr. heiszt), die kötter die halbscheid. weisth. 3, 61; sollen die gene, die op den hoeven wonnen, .. zu zins und pacht geven .. zweie schild (schildthaler) und veir honer, und die kottere half also vil, dat is einen schild ind zwei honer. 3, 60; dem ackermanne xiiij dage und dem koter veer weken (wochen). 4, 679, nur scheinbar umgekehrt im verhältnis, es handelt sich um eine gewisse vergünstigung, dem vermögen entsprechend. in einem weisthum 3, 253 musz zu einer gewissen leistung geben der ackermann das pferd nägst dem besten (das zweitbeste), der köhter die kuhe negst der besten. In folg. sind aber vier köter gleich einem bauern gerechnet: rühmlich ist, was herr Schottel in s. tract. de sing. et ant. in Germ. juribus § 8 schreibt, dasz in der fürstl. braunschw. landsordn. art. 37 befohlen sei, dasz ein jeder ackersmann jährlich müsse vier eichene und vier buchene stämme, ein köter oder hindersasz aber (wird ein häusler sein) einen eichenen und buchenen stamm .. pflanzen. Hohberg 2, 568ᵃ. oder auch drei für einen: wofern künftig ein ackermann über 30, ein halbspenner über 15 und ein köther über 10 häupter an schafvieh halten wird ... Haltaus 1125, braunschweigisch vom jahre 1699.
d)
die manigfaltigkeit des begriffes, wie sie sich im lauf der zeit entwickelte, erscheint in den verschiedenen namen der köter, wie vollköthner, halbköthner, handköthner (Stüve a. a. o. 10. 18), erbkötter, markkötter (s. unter erbkotte), brinkköter. dagegen erscheint der begriff auch über seine genaue rechtsgrenze hinaus erweitert, an der Diemel z. b. heiszt köter jeder dorfbewohner der nicht ackermann ist (Vilmar 215).
2)
die formen.
a)
mnd. erscheint zuerst koter, z. b. weisth. 4, 679. 680 ('nach 1410', eine stelle s. unter 1, c), es war aber sicher schon alts. und älter (s. 3, b). ohne den umlaut auch koder (wie kode sp. 1883): da ein mann binnen dem lande feuer und rauch hat, und kein lehengut hat, der heiszt ein koder. Selterser weisth. bei Grimm RA. 318. und kotter, z. b. weisth. 3, 768. 60 ff., doch in letzterm wechselnd mit kötter, vermutlich in folge der älteren und jüngeren fassung die sich mischen.
b)
die form mit tt ist wesentlich westfälisch (wie kotte für kote), schon im 14. jh. weisth. 3, 177, und noch z. b. bei Möser, Immermann: dasz ich den halbhüfner, den kötter .. jeden bei seiner gebühr nennen musz. Münchhausen 3, 56; dasz so ein hofschulte es wie eine gnade ansah, wenn er mit einem kötter trank. 4, 29; endlich erbarmte sich doch noch ein armer kötter über mich ... und überliesz uns sein backhäusgen. patr. phant. (1778) 3, 148, diesz backhäuschen ist das backs bei Strodtmann 18 (d. i. eig. backhaus), 'ein nebenhaus vom zweiten range', das ein erb- und markkötter 'unter sich hat auszer seinem kotten, den er bewohnet' (das. 113); kötter ist auch osnabr., vgl. kötterhahn oben unter köter 4 sp. 1887. aber auch nrh. kotter im 16. jh.: der huyn (zehndener) sal haben von einem iederen kotter, der in unsers herrn hocheit gesessen ist, dri rader albus. weisth. 4, 768, zwischen Bonn und Zülpich; erfen, anerfen, waltseisz ind cotter. 2, 686, in der gr. Jülich, auch coitter das., wie ein koytere Lacomblet urk. 3, 288.
c)
zu kate für kote (sp. 274) gehört kater, z. b.: die kater to Lutingen, die wonen up des hoefs guede. Lacomblet arch. f. gesch. d. Niederrh. 1, 198; die kater soillen oir rechte behalden mit den huvenern, mar (aber) die kater sullen gein rechte wisen sonder (ohne) dei huvener. 203. Weiland bringt auch aus Overijssel katersplaats, katersstede gleich köterei, kotstätte. auch käter, in einem voc. des 15. jh. ketter achinus Dief. n. gl. 8ᵃ (das. achinus ein köter). auch kätener kommt vor, s. unter 3, a; s. auch kötnerei.
d)
die schwache bildung von kote wirkt nach in köthner (s. Stüve unter 1, d), früher kötener, hessisch um 1600 mit d: a. 1606 seind an einläuftigen personen oder ködenern im ampt Rauschenberg gewesen 120. Vilmar 215, und ohne umlaut: ij alb. den kodenern vor brot, bier und keis, haben den scheürnehrn (die scheunentenne) umbgehackt. das., d. h. dafür dasz sie u. s. w.
e)
sie heiszen übrigens auch kotsitter achinus Dief. 11ᶜ, d. i. kotsitzer (vgl. brinksitzer), und kotsâte, kotsête, d. i. kotsasse (s. d.), daraus kossate und kotze (s. d.). auch koster (d. i. kotsitter) Danneil 98ᵃ.
3)
die verbreitung des wortes.
a)
als mittelpunkt seines bereiches stellt sich bei uns Westfalen dar, es reicht von da südlich bis nach Hessen hinein, bis ins md. gebiet, südöstlich bis an den Harz (weisth. 4, 679 fg.), östlich auch über die Elbe in die Altmark (kätner, früher käter, köter nach Danneil 98ᵃ). sonst gilt im osten vielmehr kotsate (das aber auch am Harz mit koter sich kreuzt, s. weisth. 4, 679 fg. die var.); auch in Holstein ist es fremd. aber westlich greift es ins nrh., über den Rhein hinüber (s. unter 2, b), selbst ins flämische, denn Schuermans 239ᵃ gibt von heute keuter bauer mit nur einem pferde u. ä., landschaftlich auch kaoter, kutter (dazu selbst keuteren, ein kleinen bauernhof bewirtschaften, in Drenthe), vgl. 283ᵇ. 282ᵇ; auch nl. ein rest davon in koterboer (keuterboer) aus Gröningen bei Weiland unter kater, vgl. auch unter 2, c; aber auch kossaat ist fläm., s. unterkotsasz.
b)
aber merkwürdig auch auszer dem deutschen bereiche, schwedisch, wenigstens in Finnland kaͦtur, kutur, kyttar armer häusler, hindersasz, s. Rietz 381ᵃ (finnisch koturi, der in einer hütte wohnt), und schottisch cottar, cotter, one who inhabits a cot or cottage, dependant on a farm, s. Jamieson suppl. 1, 255ᵃ, sie stehn noch über den bloszen handwerkern; s. dazu u. kote II, 1, d. es wird danach, wie dieses, in vorgeschichtliche zeit zurückgehn. und wie engl. cot zu den Gaelen kam, so haben sie auch coiteir a cottager, cotter.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1888, Z. 1.

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j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
körperreich
Zitationshilfe
„köter“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/k%C3%B6ter>, abgerufen am 09.08.2020.

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