Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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kuchel, f.

kuchel, f.
küche, nebenform zu küche.
1)
belege, heimat.
a)
kuchel:
die weit gereiste würz und sonsten, was da selten
in unsre kuchel kummt.
Logau 1, 5, 3 s. 96;
wer wil einer fettin kuchel alle mücken abe treiben?
2, zug. 166;
wer ein groszes haus wil bauen, baw die kuchel erstlich klein,
sonsten musz des beutels fette (f.) nur der kuchel dienstbar sein.
3, 2, 5;
die kuchel ist sein haus, er ist daheim im keller.
3, s. 218;
ob die oder jene bei der cassen oder in der kuchel sitzen und mit dem Domitiano fliegen fangen. Schuppius 710; die Galateam, welche deiner kuchel .. vorsein kan. 737.
b)
selten mit umlaut, wol nur aus versehen:
was nun in der küchel stürbt, kan nicht leben in der kammer (als geld),
was in magen man vergräbt, macht im beutel schwarzes jammer.
Logau 2, 7, 3.
eine küchel, kleine küche Ludwig 1081. vgl. Aventinus unter kuchelratz.
c)
heimisch ist es, um mit Logau vom osten anzufangen, in Schlesien (kuchel culina, pl. kucheln Steinbach 1, 892 neben küche, s. auch Schwartz unter küche a. e.), doch jetzt zurücktretend vor küche Weinhold 48ᵇ; kuchelgatter n. das., eine halbe thür welche die küche von der hausflur abschlieszt. von dort geht es in weitem bogen durch Österreich, Baiern bis zur gränze Schwabens: östr. kuchl f. Castelli 184 (kuchltrabant spottname für köchin), kärnt. mit demin. küchl n. Lexer 168 (kuche f. ist da köchin, gleich lat. coqua, it. cuoca). bairisch kuchel f. mit zusammensetzungen und ableitungen, z. b. kucheln die mädchen in der küche besuchen Schm. 2, 278 fg.; tirol. z. b. kuchl und keller Schöpf 350, mit pl. kuchlen (18. jh.), wie bei Steinbach unter 1, c. noch in Augsburg kuchl Birlinger 295ᵃ, der aus dem 16. jh. augsburgisch kuchen und kuchl belegt. so schwankt Schönsleder g 7ᵈ und im 16. jahrh. östr. bair. schriftsteller, z. b.: khuchengeschierr in der künigin, auch der gesind (des gefolges) khuchel. font. rer. austr. I. 1, 354 als überschrift, nachher im texte khuchlgeschierr 355.
2)
die form erscheint schon mhd. als österreichisch, kuchel bei Enenkel (Haupt 5, 282, 529, oder ist urspr. kuchîn, kuchein geschrieben? s. unterküche 1, a), und spät ahd., in einem gloss. des 12. jahrh., chuchil popina vel culina sumerl. 36, 63, Graff 4, 360 (in einer schwäb. oder fränk. fassung des gl. vielmehr chuchin Haupt 14, 502), nach mǒs gleich mûs maus sum. 38, 11, Haupt 14, 503 östr. oder bair. Diesz fem. chuchil ist wie ahd. scuʒʒil neben scuʒʒila Graff 6, 564, 12. jh. sichel neben urspr. sichila 90, vergl. gramm. 2, 114. das fremde -n ist neben der tonsilbe zu -l geworden, wie in kümmel cuminum, man mochte das -în oder -in als die veraltende verkleinerungsform ansehen (s. küchlein II, 2, b) und darum durch -il ersetzen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2493, Z. 70.

küchel, m., n.

küchel, m. n.
genau küechel, kleiner kuchen, in demselben gebiete wie das vorige; mhd. chüechel tortillus Schmeller 3, 691, 'chuchel coliphia' sumerl. 26, 29, im voc. inc. teut. kuchel tortula n 8ᵃ.
1)
bair. der küechel (kiechl), aber nicht als unmittelbares dem. zu kuechen, es heiszt so eine in schmalz gebackene, erhobene und lockere masse von feinerem teige, s. Schmeller 2, 279, es gibt da apfelküechel, semmelküechel, haubete (Schönsleder g 8ᵃ) oder haubenküechel, nach der gelegenheit abdreschküechel, dem gesinde gespendet wenn abgedroschen ist, einheuküechel wenn das heu eingebracht ist, in Tegernsee 16. jahrh. milchküechl, prannte küechel, einzogen k. Germ. 9, 201, und viele andere, pl. küechel. ebenso als m. in Tirol Schöpf 350, Wolfs zeitschr. f. mythol. 1, 288 (pl. küchel);
wirstu dich nit von dann machen,
ich wirt dir kuͤchel auf dem nack bachen!
Pichler drama des ma. in Tirol 146, s. kücheln 2, c.
2)
als neutr. dagegen kärnt. bei Lexer 168 küechl, in schmalz gebackene mehlspeise, wie schles. küchel n. (auch brustküchel zuckerplätzchen u. ä.) Weinh. 48ᵇ. auch unteröstr. 'die kiachln, eine art kleiner kuchen' Castelli 132 ist wol n., nach östr. art mit schwachem pl., doch vgl. kiechel pl. bei Abr. a S. Clara unter kücheln 2, a.
3)
ein alem. pl. küecheln ist anders zu beurtheilen:
kuͤcheln reicht man in manchem hus,
do wäger wer, man blib darusz.
Brant narr. 110ᵇ, 21,
in dem cap. fasnachtnarren, es sind die fasnachtkuechlein oder krapfen, die man sich bei dem mummenschanz in den häusern holte, s. Zarnckes anm. s. 465, wo es das kuͤchle holen, krapfen holen heiszt. das steht für kuͤchelen oder kuͤchlen, sing. kuͤchle Maaler 254ᵈ (s. Weinhold al. gr. s. 236) und stimmt zu dem altrhein. cûchelen crispelle (küchlein pl.) gl. Jun. 285, wie rhein. krepfeln, kreppeln, das doch auch sg. ist, s. unterkräpfel, vgl.kübel 2, b. Schönsleder g 7ᵃ mischt die alem. form mit der bair.: küechle, placenta, collyra, aber küechel machen, placentam fingere, haubete küechel pileatae placentae. s. weiter küchlein, auch kücheln.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2494, Z. 41.

küchel, n.

küchel, n.
küchlein, junges hühnchen:
die hüner all mein eigen sein (sagt eine bäuerin).
die eir hab ich zusam gespart ...
hab sie probirt, im wasser gewogen,
die kluck gesatzt, die küchl erzogen.
froschm. Q 8ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2495, Z. 1.

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Zitationshilfe
„küchel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/k%C3%BCchel>, abgerufen am 18.05.2021.

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