Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

kücheln

kücheln,
küchel backen, in Süddeutschland viel gebraucht und reich entwickelt. s.küchel. mnd. entspricht kôken tortas facere Dief. 589ᶜ, nrh. coicken tortare Teuth. 53ᵃ. vgl.küchler.
1)
eig.: wo nun ausz? sprach der fuchs in der fallen ... wär kan kuͤchlen on feür und anken (butter) oder on fäderen fliegen? N. Manuel von d. messkrankheit, kloster 10, 372, sprichw., jetzt ist mein lustig leben aus; und kuͤchlet (wegen der hungersnot) des kirchherren (pfarrers) jungfraw nit halb als vil als vor vier jaren. 371; des glöckners hausfrau kuͤchlet nit halb so vil als vor vier jaren. Schades sat. u. pasqu. 2, 261; schmeck (d. i. riech) wenn ich kuͤchle, und isz wenn ich dir gieb. Simrock spr. 9117ᵃ, warte mit dem appetit bis die küchel fertig sind, bis dahin riech dich am küchengeruch satt; wenn man in einem hause kuͤchelt und man giebt der katze nicht das erste kuͤchlein davon, so ist kein segen in der speise. Rochholz Schweizersagen 1, 156. s. auch küchler, küchlerei.
2)
von dem ausgedehnten und alten gebrauche des küchelns zeugen die erweiterungen des begriffes (vgl. küchlein 2, e ff.).
a)
überhaupt nach geschmack zurichten, schwäb. Schmid 330: sie küchelte dann später einen (kaffee) für sich allein und bröselte etwas dazu. Auerbach dorfg. 2, 378 (1846 420, 1851 1, 381). 'es einem küecheln', etwas nach dessen laune einrichten Schmeller 2, 279, mit beleg aus Abr. a S. Clara: ein musz (wortspiel zwischen mus und musz) setzt gott auf, aber mit kiechel tractirt er niemand, denn er kiechelts keinem menschen auf erden, vgl. aus demselben bei Schöpf tir. id. 351. s. auch Regel Ruhlaer mundart 226. einem küchlen, alicui coquere ad palatum Aler 1248ᵇ, bildlich man küchelts ihm nicht, quae tamen odit, habet 1249ᵃ. vgl. köcheln.
b)
selbst kücheln kurz für hätscheln, verhätscheln (vgl. küchlein 2, g): sterben müssen alle menschen, man wirds éuch wol nicht küechlen. Abr. a S. Cl. reim dich 1691 s. 75. auch für schmeicheln, nach dem munde reden: loquimini nobis placentia, ist alle worte kuͤcheln, einem jeden was er gern hat aufs teller reden. Rochholz in Pfeiffers Germ. 4, 101 aus einer predigt; er weist dort aus der Schweiz nach, dasz das kuͤchli schicken zu einer form der bestechung ausgeartet war, ein Züricher ratserlasz von 1696 verfügt daher, dasz an den sonntagen ab constaffel und zünften (adels- und zunftstuben, s. unterkonstabel) keine kuͤchli umbhin geschickt, auch keine bis nach vollendeter abendpredig gemachet werden sollen ... ist das umbhintragen der kuͤchlenen bei geltbuͦsz und gefangenschaft des gänzlichen abgestrickt. vgl. helküchlein.
c)
aber auch spöttisch abweisend, verhöhnend, ja drohend: wart, ich werd dirs küecheln! werde dir besonders aufwarten Schm. 2, 279; dem hab ichs küechelt! den hab ich in die enge getrieben, gequält, das. 2. ausg. 1, 1222. schweiz. ich will dir eins küecheln, abweisung einer widerlichen oder eigensinnigen forderung Stalder 2, 139 fg., vgl. Tobler 126ᵃ. aus Unteröstreich bei Castelli 182 sogar ganz derb: 'jemanden etwas kiachln, ihm etwas sch —'. entsprechend nordd. ja kuchen! s. dort 2, c, ε.
d)
besonders im wochenbette musz das kücheln eine grosze rolle gespielt haben, mit dem man der wöchnerin oder der kindtaufsvater den paten ein gütchen that; s.küchelbad. in der krain. sprachinsel Gottschee heiszt die wöchnerin geradezu küchlarin Schröer ausflug nach G. 148, bei Aler 1248ᵇ ist küchleinmutter obstetrix, wie bademutter. aus Appenzell gibt Tobler 126ᵃ die chüechleta, kuchenback, besonders auch ein hausfest am ersten sonntage nach der taufe, wo die paten in das haus des täuflings gehn, der wöchnerin ein geschenk bringen und alle zusammen ein köstliches mahl halten.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2495, Z. 61.

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Zitationshilfe
„kücheln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/k%C3%BCcheln>, abgerufen am 06.05.2021.

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