Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

küchenmeister, m.

küchenmeister, m.
vorgesetzter einer gröszeren küche, oberkoch, meisterkoch (vgl. Dief. 46ᵃ), vgl. kuchelmeister.
1)
formen, verbreitung.
a)
mhd. kuchenmeister wb. 2¹, 121ᵃ, im 15. jh. massarius kuchenmeister, nd. kokenmeister Dief. 350ᶜ, archicoquus 46ᵃ, nl. kokenmeester archimagirus Kil.; auch kuchemeister architriclinus voc. 1482 r 6ᵃ.ᵇ, kuchimeister archimagirus Dief. 46ᵃ, Maaler 254ᵈ, küchimaister Dief. n. gl. 32ᵇ, s. küche 1, c, γ.
b)
entlehnt dänisch kjökkenmester, schwed. kökmästare, isl. kæmeistari promus condus, cellarius Biörn 1, 488ᵃ; der norweg. kjökmeister Aasen 217ᵇ, schwed. dial. kökemästare Rietz 342ᵇ ist der wirt oder auch der freiwerber bei bauernhochzeiten, vgl. bei Dief. 46ᵇ kochenmeister, brutloufmeister, schaffner uf der hochzyt neben einander für architriclinus, wonach jener scand. gebrauch des wortes mit dem worte von Deutschland aus gewandert sein wird. aus der Straszburger polizeiordn. s. 25 gibt Frisch 1, 552ᶜ küchenmeister coquus qui in nuptiis splendidioribus cibos coquit, vgl. c am ende.
2)
bedeutung, gebrauch.
a)
sprichw.: wo man holz umb weinachten, korn um pfingsten .. kauft, da wird Schmalhans endlich küchenmeister. Schuppius 121;
bei uns war Schmalhans küchenmeister,
seitdem uns haus und hof verbrannt.
Kotzebue dram. sp. 1, 289,
wo denn küchenmeister und koch sachlich zusammenfallen, wie mhd. in Wolframs Wh. 286, 1. 7 küchenmeister und koch von éinem gesagt sind, vgl. Parz. 637, 2. der koch ist ja der meister in der küche, z. b. auch dem küchenknaben gegenüber. s. auch Logau unter küchenmeisterei.
b)
meist aber bezeichnet es ein wichtigeres küchenamt. von einer schiffsgesellschaft, die auf dem Rhein gen Frankfurt fährt, heiszt es (vgl. unter kalthans aus Pantaleon):
nu müssen wir ein schultheiszen hon,
ein schreiber, zwen kuchenmeister schon,
zwen käller, henker und sein knecht u. s. w.
Zarnckes Brant s. 51ᵃ.
als i. j. 1449 in kriegszeiten der Nürnberger rat eine öffentliche stadtküche errichtete, wählte er zu ihrer leitung aus seiner mitte einen öbersten kuchenmaister und zwen kuchenmaister, die auch unterkuchenmaister heiszen, s. Nürnb. chron. 2, 310 ff. so gibt es bei hofküchen küchenmeister und oberküchenmeister ( Adelung). küchenmeister und küchenschreiber s. u.küchenjunge aus Döpler. mit dem kellermeister zusammen: kochenmeister, kalnermeister unter dem hofgesinde Joh. v. Guben 52, 24. von der stellung und thätigkeit eines küchenmeisters als obersten wirtschaftsbeamten eines groszen hofes um 1500 s. besonders Michelsen der Mainzer hof zu Erfurt s. 11 ff., wo dem trefflichen Nic. Engelmann aus Eltville, küchenmeister jenes erzbischöfl. hofes zu Erfurt, ein denkmal gesetzt ist; die benennung des amtes, das weit über die küche hinausgreift, erklärt sich daraus, dasz dieser Mainzer besitz in Erfurt urspr. als der küche des erzbischofs dienend gedacht ist, s.küchendorf, ↗küchengut, ↗küchenlehen.
c)
selbst in hoher würde erscheint der küchenmeister in älterer zeit (vgl. Zarncke im mhd. wb. 2¹, 121ᵃ); des reiches erztruchsesz heiszt so im 15. jh.:
vier weltlich (kurfürsten) auch erwelet sein:
kuchenmeister pfalzgraf bei Rein,
marschalk ist der von Sachsen heer u. s. w.
H. Folz vom röm. reich, Kellers fastn. sp. 1317.
dem entsprechend bei weltlichen und geistlichen fürsten ein dienstmann von adel als küchenmeister, z. b. am hofe des bischofs von Basel ein dominus Hennemannus de Ufhein miles, magister coquine, aber auszer dem dapifer, s. Wackernagel das bischofs- u. dienstmannenrecht von Basel s. 14, wo mehr beispiele. so in den Nib. 10, 1 Rûmolt der kuchenmeister neben Ortwîn von Metzen als truhsæʒe des küniges 11, 2. aber nach der stelle bei Folz müssen beide ämter auch als eins vorgekommen sein, der küchenmeister auszer der küche auch die tafel besorgt haben, vergl. bei Maaler kuchimeister als instructor convivii, im voc. inc. teut. procurator epularum; der küchenmeister bei hochzeiten unter 1, b ist wol nur nachklang und nachahmung dieses hofamtes.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2506, Z. 24.

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Zitationshilfe
„küchenmeister“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/k%C3%BCchenmeister>, abgerufen am 15.08.2020.

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