Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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koder

koder,
der nit geren sicht essen und trinken, Codrus proprie, tamen allogorice. voc. inc. teut. n 4ᵃ; vgl. im voc. th. 1482 r 1ᵃ kodrey, codria, hause der armen. Diefenbach 130ᵃ erinnert an Juvenals Codro pauperior, das sprichwörtlich gewesen sein müszte. bekannt war dieser Codrus wirklich, s. Dief. nov. gl. 99ᵃ; bei Trochus G 3ᵃ von schmutz: 'turpis, foedus etc. unlust, Codrus'. ein beleg für kodrei wahrsch. unter koderei.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1568, Z. 70.

koder, köder, m.

koder, köder, m.
unterkinn, kropf u. ä.
1)
koder östr., bair. Schm. 2, 283, doch gewöhnlich goder 2, 17, auch für schlund, gurgel.
2)
aber das k- herscht im nd.
a)
bei Schottel 1348 köder n., unterkinn und vormagen der wiederkäuer, in der Altmark kaodr und käödr, doppelkinn, bes. an dicken kindern Danneil 97ᵃ, ködder brem. wb., Schütze holst. id., kodder und koder Hupel livl. id.
b)
auch kader br. wb. 5, 401, Dähnert, mit dem nd. a für o in kurzen stammsilben. schon im 16. jh.: 'parasynanche, kader, utwendich halsgeswer' Chytraeus 328 (339), am hahn 'palea, hahnenbart, kader' 375 (386); von kröpfen oder kadern der schafe. Colerus hausb. (1640) 318; parasynanche ... der kader nennet mans am viehe. dess. hausapoth. 128.
c)
eigen aber auch koden m. (zusammengezogen kon) unterkinn, bei thieren wamme Schambach 108ᵃ.
3)
am nächsten liegt engl. cud, der innere schlund eines wiederkäuers, älter cudde rumen prompt. parv. 85ᵃ, auch cod, code Stratm. 128, das sich zumal dem gött. koden nähert. danach wäre dieses die ältere form, koder eine erweiterung (vgl. kotel gleich koder Schamb. 110ᵇ). Das engl. wort heiszt aber dial. auch quid, queed (Halliw.), altengl. quide, quede, und dazu stimmt fast genau goth. qviþus m. bauch, bauchhöhle, altn. kviđr. dann müszte koder (kader) aus älterem queder entstanden sein, dieses aber dem goth. gegenüber seine bed. verschoben haben auf vormagen, kropf der thiere, dann auf menschen übertragen. Von dem urspr. qu- müszten sich freilich auch noch hd. nd. spuren finden, wie bei kommen, keck und sonst. s. weiter goder, vgl.keutel 3 (gleich koder), kuttel.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1569, Z. 1.

koder, m., (n.)

koder, m. (n.),
pituita, zäher schleim, auswurf u. ä.
1)
vor der nhd. zeit nicht belegt (s. kodern 15. jh.), und auch da fast nur im südwesten, wie noch heute nur dort.
a)
pituita, phlegma Dasyp., Frisius, Maaler, Denzler: an dem morgen früh, ee das du dich hast errüspert und der koder noch in dir ligt. Keisersb. brös. 1, 42ᵇ; der grobianus wird (satirisch) angewiesen:
im (beim) huͦsten nimm auch eben (genau) war:
den hals reck gleich dem nechsten dar,
dasz er ein theil deins koders fang
und im das gsprütz ins angsicht gang.
Scheit grob. B ijᵃ;
koder und zeher schleim in der brust. Ryff spieg. d. ges. 99ᵃ; der andorn reinigt die lung und die brust, macht den koder auswerfen. Sebiz 247; wirfet vil koders aus. Parac. 1, 649ᵃ; so erweicht und führet es den koder ausz der brust. Bock kräut. 8. 32; fenchelwasser reiniget die brust und lungen vom koder. Hohberg 3, 1, 400ᵇ. 419ᵇ; zertheilet den zähen groben koder. 551ᵇ, also doch wol auch fränkisch damals, wie nach Scheits gebrauch am Mittelrhein bekannt; das (aussätzige) pferd hat in der nasen und mund einen schaum und blutechten koder und unrath. Uffenbach 2, 24; warf .. unflath und koder aus. Philander 1, 262;
denen der koder hengt im bart.
Eyring 3, 478.
Angeführt wird es zwar auch bei Hulsius Frkf. 1616 (als feuchtigkeit in des menschen leib, medic.), bei Schottel, Stieler, Rädlein, M. Kramer (1719. 1787), sodasz mans auch im übrigen Deutschland kennen mochte; aber es ist nur noch schweiz., schwäb. vgl.koderer, ↗koderig, ↗kodern.
b)
auch gleich schnupfen mit auswurf, katarrh, wie es scheint: koder und huͦst. Kaisersberg bilg. 70ᵈ;
ob zwischen essen dich anstosz
der husten oder koder grosz.
Brant s. 149ᵇ Z.
c)
auch für eiter (schwäb. Schmid 322), für geifer (M. Kramer): die zunge, die im (dem bären) von süszem koder ganz feucht ist. Forer thierb. 1583 15ᵇ. für speichel, doch höhnisch: darnach wird des pfaffen speichel auf nasen und ohren geschmieret, welcher koder ein wunderliche grosze kraft mitpringt. Fischart bienenk. 1588 108ᵃ.
d)
eigen und wichtig auch köder: wann einem der köder auf der brust ligt Aler 1218ᵇ (nrh.), schon bei Keisersberg, als n.: so das köder in der kelen rühelet (Scherz (807).
2,
a)
da ko- oft auf urspr. qu- zurückgeht, könnte ein nd. wort die quelle andeuten: quader m. herabtröpfelnde schmutzige flüssigkeit Schambach 162ᵃ, ostfries. quatter thierischer fauler schleim Stürenburg 190ᵃ; damit käme es wol zu quâd böse (s. u. koth).
b)
eigen aber auch westf. querder (kwiärder) schleim Kuhns zeitschr. 2, 95, auch quedder 4, 133. diesz aber nähert sich dem köder, eig. schleimiger wurm und urspr. eben auch querder, köder aber mit umlaut wie hier 1, d. der bed. wegen liesze sich vergleichen lat. lumbrīcus regenwurm mit lubrĭcus schlüpfrig (schleimig?). noch besser qualster (und kolster, s. d.) in der doppelbedeutung schleim, koder und blattlaus, buprestis, vgl.quatte engerling mit quatter vorhin. man könnte wol gar einen ausgeworfenen schleimbatzen einst als einen solchen wurm bezeichnet haben, scherzhaft beschönigend. s. weiter sp. 1571 (3).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1569, Z. 30.

koder, m.

koder, m.
lumpen, fetzen.
1)
die eigentlichen wbb. vom fach zwar nennen das wort nicht. doch
a)
koder in M. Kramers deutsch-holl. wb. (Nürnb. 1768. 1787), mit alten kodern behängt, lumpig bekleidet, dazu koderig kleid, und (1787) köderei f. lumpen, lumperei. auch in Reislers deutsch-dän. wb. Kopenh. 1804 koder und koderig, zu jenem gibt er als pl. koder und auch die bed. geiferläppchen. es musz noch im nordosten heimisch sein, aus Livland bei Bergmann koder lappen, verködert zerlumpt, abgekodert abgerissen.
b)
bei Gutjahr aber ebendaher abgekoddert 1, 9ᵇ, ein ausgekodderter bettler 77ᵃ. so auch kodder wischlappen, koddern pl. lappen überhaupt, läppchen Hennig ostpreusz. wb. 129, aufwaschkodder B. Goltz jug. 1, 107, verkoddert und verludert 1, 361, koddriges gewissen 3, 75 ('wie ein waschlappen', schlaff). auch in Halle koddrig schmutzig, lüderlich Kindleben studentenlex. 123.
2)
das wort ist aber alt und echt, auch hd., obwol auch da nur beiläufig und zufällig bezeugt.
a)
durch part. verködert, schon im 16. jh. wie vorhin livl., aber mitten in Deutschland und als modewort, in einer Leipziger schneidertaxe: so einer aber wolte alle obernente kleidunge haben verbremet, verködert, verwülstet, zerschnitten ... Leipz. stadtordn. v. 1544 A 4ᵃ; seiden schleplin (studentenkragen) verködert. B 1ᵃ. auch geködert: zerschnitten, vorbremte, geköderte .. hosen und wammes. A 4ᵇ. es meint die 'zerschnittene' oder 'zerhauene' modekleidung jener zeit, die eben auch lumpecht gescholten ward (sp. 1071).
b)
auch das subst. selbst taucht wol da in folg. dem. auf: das si von einem ieden mann ein kederlin von belz umb ir kleid zuͦ lon begert. Frank weltb. 12ᵇ. es musz ein schneiderwort gewesen sein, auch oberd., und steckt auch in 'Ködersdorf', wohin die schneider statt in den himmel kommen:
Sant Peter sprach: o in vil jarn
ist kein schneider gen himel gfarn,
sonder all zu Ködersdorf bleiben,
ir zeit mit den schustern vertreiben.
H. Sachs 5, 381ᵃ,
weil sie lappen, fetzen für sich in die hölle werfen; der name wird volkswitz sein.
3)
ähnlich und doch unsicher in folg. reimformel: was ist das niedlichste gesicht, das jemals ein mann angesehen hat! ... was ist es als koder und moder? Bode Tristram Sch. 5, 60 (bei Sterne nur corruption). ebenso in verbalform, aber auch mit moder reimend, schon bei Fischart: vermoderte, verkoderte, verschloderte .. käszinnen. Garg. 55ᵃ (90 Sch.), von sehr altem faulen käse. koder ein verfallener, verfaulter lappen? Franks kederlin kann aber auch das folg. köder (queder) 2, c sein, das aber diesem hier überhaupt nicht fremd ist, s. sp. 1570.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1570, Z. 7.

köder, koder, m., n.

köder, koder, m. n.
ein schusterwort.
1,
a)
der köder heiszt ein schmaler abgeschärfter streif sohlleder, der in die kappe eingestochen wird, um den absatz daran zu befestigen (Weigand): vor ein geschnüret einfach par frawenschuch, one köder .. fünfthalben groschen (macherlohn). Leipz. stadtordn. 1544 F 2ᵃ, tanzschuhe werden ohne köder gemacht. in Kärnten keder n., fleck von altem leder, der zwischen die brandsohle und die eigentliche sohle der schuhe eingefügt wird Lexer 156.
b)
dasselbe ist aber nach 2, a 'koder vel flasir, intercudium, pictacium, liripipium' im voc. inc. teut. n 4ᵃ (zu flaser vgl. Dief. 324ᶜ, es fehlt oben in dieser bed.), wol auch 'koder im schuch, bota' voc. 1482 r 1ᵃ, leripipium, köder, choder Dief. 324ᶜ aus dem anfang des 15. jh. leripipium ist ein underleger an eim schuch Dief. nov. gl. 232ᵃ, in einem alem. voc. chãder, in einem tirol. chöder das., in demselben intercudium choder 219ᵃ.
c)
diesz koder (köder) nun kann mit dem vorigen koder, lappen eins sein. denn wie der schusterkoder ein 'fleck von altem leder' ist (1, a), so heiszt er nach Adelung auch fleck, mlat. nach 2, a auch pictacium, d. i. eben fleck, läppchen, streif, von pergament, tuch u. a. (Dief. 433ᵃ, vgl.klebetuch), gewiss auch von leder. darum hausen auch die schuster samt den schneidern in Ködersdorf (s. hier oben H. Sachs).
2)
aber koder, köder ist nicht die ursprüngliche form.
a)
Diefenbachs md. voc. von 1470 erklärt mit ein korder gleichmäszig liripipium sp. 170, pictacium, illa corei particula quae soleae repeciatae insuta est 212, und intercudium, coreum durum quod sutor interponit in consucione calciorum 158. korder mit der letzten erklärung auch voc. 1482 r ijᵃ, in einem voc. ex quo cörder, id quod sutor ponit inter soleam vel (et?) coopertorium calcej Dief. 324ᶜ. und so noch im 17. jh.:
(manche ärzte sind) schuhflicker der natur, die böse drähte drehn;
denn wenn sie lang geflickt, so macht der tod das körder,
bis sie das meisterstück in einen sarg vernehn.
Wiedeman mai 63.
b)
aber auch das ist noch nicht das ursprüngliche. andere vocc. geben querder für liripipium, s. mhd. wb. 1, 862ᵃ aus einem Breslauer voc., Schmeller 2, 404, Dief. 325ᵃ, nov. gl. 232ᵃ; bei Trochus M 3ᵃ antes, dy querder (pl.), zwischen solen und schulappe genannt. daraus ist denn korder, körder entstanden, wie kommen aus altem quëman u. a. (zum umlaut s. u. köder I, d), und aus diesen wieder koder, köder durch die unbequemheit der zwei r (wie beim folg. köder). aus derselben ursache stammt wol die form querdel und quirdel Dief. 325ᵃ, wie nl. bei Kilian querdel, dazu querdelen suppingere soleas, querdelsnijder certo. aber auch 'querde oder korder an schuhen' voc. 1482 aa iijᵃ.
c)
daran aber schlieszt sich nd. quarder band- oder bortenartiger saum, z. b. vorn am hemdermel, der hosenbund Richey 199, Dähnert 367ᵃ, auch quadder br. wb. 3, 390, queder Fromm. 5, 160; einfacher auch schwed. qvard m. (vgl.querde unter b), norw. kvare m. (schwed. dial. kval u. a., s. Rietz 370ᵃ). der begriffskern ist hier wie dort schmaler streif von zeug beim nähen, im schwed. qvard scheint die mutterform erhalten, aber mit ablaut, denn für querder ist ursprünglich quird wahrscheinlicher.
3)
so laufen nun aber drei oder vier koder, köder auf einem punkte zusammen: koder schleim, westf. querder; köder lockspeise, eig. querder regenwurm u. ä.; koder, köder schusterfleck, urspr. querder; und damit vielleicht koder lappen, fleck, dem freilich die qu- form fehlt. In der bed. ist aber die einheit der letzten beiden am leichtesten glaublich, die der ersten beiden doch denkbar (sp. 1570), nur für die mittelsten beiden und für alle vier fehlt der einigende punkt. Weigand 1, 616 meint, der schmale gebogene sohllederstreifen sei einem regenwurme verglichen worden, und ähnlich wird der grund sein. das ahd. wort bezeichnete auch den dacht (den man sich im hause selbst machte, sp. 615, 'dächt spinnen' als bauernarbeit Reiser Hechinger programm 1865 6ᵃ): querdar, lichni, lincinos. Graff 4, 680, das nähert sich dem 'saum' unter 2, c, ist aber doch gleichfalls einem wurme ähnlich. es sind weitere fünde nötig.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1570, Z. 53.

köder, m., n.

köder, m. n.
esca, lockspeise.
I.
Form und nebenformen.
a)
die urspr. form ist ahd. querdar esca Graff 4, 680, mhd. querder wb. 1, 894ᵇ, noch im 15. jh. Dief. 195ᵇ (edulium), ja noch im 17.: damit die fische desto leichter in die körbe gehen mögen, leget man ihnen ahs oder querder in die körbe. Colerus hausb. (oec. univ. Frkf. 1640) 496; bei Hohberg anquerdern anködern. aber die beiden r waren den sprechenden unbequem und führten das auswerfen des unbequemsten ersten herbei, wie in fodern für fordern, mader für marder u. a. (während doch auch umgekehrt kicher zu kircher ward Haupt 14, 175, s. kicher 2, d): alle queder und einwerfung derselben (gleichartiger) geköre soll allen bei der fischerei verbotten sein. Frisch 1, 540ᵇ aus Hohberg 2, 23, 3, zum locken der fische ins netz; noch Adelung nennt queder, quedder als landsch. (wie quedder für querder schleim sp. 1569 unten). queder und querder auch noch im öcon. lex. Lpz. 1731 neben köder.
b)
im anlaut erleichtert kerder, schon mhd. und noch nhd. anfangs, besonders alem., s. II, 1, b, Zwingli, Frank, Paracelsus u. a. unter 2, a. 3, nach Frisch 1, 540ᵇ auch von Luther gebraucht; die schreibung kärder bei Zwingli spricht für gebrochnes e in quërdar (wie beim vorigen worte). und wieder auch keder esca piscium (ankedern) Schönsleder c 3ᵈ, Steinbach 1, 840, oft in dem fischbüchlein aus Tegernsee Haupt 14, 177 ff. (köder 169); selbst ketter Abele sp. 1573.
c)
ferner korder mhd. Servat. 629, Barl. 79, 11 var. Pf., 12. jh. chorder, chordir mhd. wb. 1, 894ᵇ; das o einwirkung des u von qu-, wie in kommen. auch koder wird sich finden.
d)
am merkwürdigsten aber ist die form, die über alle den sieg davontrug, köder. es war doch auch schon mhd. (mit kurzem ö):
dîn sun was ein (hs. im) köder und angel,
des noch hât diu helle mangel.
Mariengrüsze Haupt 8, 288,
hat so viele gewonnen, gefangen, wie die hölle nie. Das merkwürdige ist der umlaut, auch in chörder 13. jh.: er leite im (gott dem teufel) der mensheit chörder, dâ der gotheit angel inne verporgen was. Leyser pred. 15, 4 (wol schon mit 'chôrder' fundgr. 1, 177 gemeint); noch bei Mathesius körder (II, 3), ankördern Christ. 1, 83. diesz ö liegt unter gleichen umständen vor in kömen kommen, köck keck, köden sp. 381 mitte, überall ohne ein endungs-i, musz also in dem urspr. quë- selbst seinen anlasz haben, als wäre das ö ein durchschnitt oder mittlerer klang von u und ë, brechung und umlaut in éinem punkte.
e)
endlich mit -el für -er ködel (gewiss auch kördel):
der krebs gar oft geht aus zu nacht
zum ködel, das ihm ist gemacht,
darob er denn oft wird gefangen.
H. Sachs 2, 4, 57ᶜ.
es ist wie rudel für ruder, martel für marter (umgekehrt kesser für kessel 1, g). ebenso auch querdel, schon mhd.: alsô manig unreine qwerdel bindet der tiuvel an iuwern angel. Berthold 480, 4; lorbern und anisquerdeln zum vorellenfangen. hessisch, 16. jh., Vilmar 309, nach dem quirdel, kirdel, kerdel noch bei menschengedenken die hess. fischer brauchten.
f)
im geschlecht scheinen m. und n. mhd. gleichmäszig gegolten zu haben. auch nhd. gibt noch Schottel 1348 n. neben dem m., das jetzt gilt; doch z. b. kärntisch noch keder n. Lexer 156. von der verwandtschaft s. das vorige 3 und hier II, 1.
II.
Bedeutung und gebrauch.
1)
kerder, kerdel, querder von gewissen würmern.
a)
als eig. bed. bezeichnete J. Grimm gr. 3, 467 regenwurm, 'den die fischer an die angel stecken', weil in der Schweiz für regenwurm sich kärder, kerder m. findet (Berner oberland, Stalder 2, 88). aber die bedeutung war allgemeiner.
b)
kerdel von andern würmern, gleichfalls schweiz.: die wasseramsel .. iszt wasserwürmlein, füraus die so kerdel genennt werden. Heuslin Gesners vogelbuch Zür. 1557 19ᵃ; in der umarbeitung von Horscht Frankf. 1669 kerderlein, also auch dort bekannt. was für würmer sind das? auch bei Gesner steht nur quos kerderle nostri vocant.
c)
querder m. heiszt noch jetzt ein kleiner regenwurmartiger fisch (den man urspr. gewiss für einen wurm hielt), das kleine neunauge, kiefenpricke, petromyzon branchialis; so z. b. in Schlesien (Schweinkfeld theriotroph. Siles. 423), auch schlammquerder lampreta minima coenosa, und quarder Fromm. 4, 181 (a wol nur für ë, s. unter kellnermeister). er ist schlüpfrig, mit schleim überzogen, 6 bis 7 zoll lang, und dient zum angelköder (Nemnich).
d)
die formen stimmen völlig zu denen unter I, dasz aber die würmer erst vom gebrauch als köder benannt seien, ist darum weniger glaubhaft als das umgekehrte, weil die würmer die älteren formen für sich haben, köder aber da fehlt. die urspr. bed. scheint demnach schleimiger wurm, die denn zu der oben sp. 1571 (3) angenommenen weiteren entwickelung zum theil trefflich stimmt.
2)
lockspeise.
a)
beim fischfang, von dem aus das ganze wort seine entwickelung erhalten haben musz: mit einer vedersnuͦr .. ân als (alles) kerder und feimer vischen. weisth. 1, 156, schwz.; ein fischer gieng usz an das meer mit einem angel, fisch zu fahen. er stecket an sein kernder und warf ein sein schnur. Steinhöwel (1555) 86ᵇ, wol blosze vermischung mit kernder beinhaus, das auch als kerder vorkommt (sp. 606); wie ein angler einen fisch (fängt), der steckt im einen kleinen kärder an den angel, damit er in in sein rüschen ziehe. S. Frank ... 2, 51ᵇ. 83ᵃ; ölkuchen, lein, hanf, rüben, mahn und alle andere fischköder oder etzen zu gebrauchen soll verbotten sein. churf. sächs. fischordn. n. 26 bei Frisch, hier im allgemeinsten sinne; freundlich wies er mich an .. wie der köder am angel zu befestigen sei. Göthe 22, 194;
kleineren fischen des meers zum betrug auswerfend den köder.
Voss Odyss. 12, 252.
auch für den angel samt dem köder in folgendem: werden von etlichen gebraucht an die kerder oder angel (pl.) als ein fischaasz. Forer fischb. 163ᵃ, was bei Schönsleder c 3ᵈ angekederte angl, opertus hamus heiszt.
b)
aber auch im 16. jh. schon in anderm gebrauch: also fahet mann die thörechten meus, so man in ein specklin auf die fallen legt, zu den gescheiden ratzen und katzen muͦsz man ein ander köder haben. Frank spr. 1, 122ᵇ (neutr.). doch wird das nur erweiterung des vorigen begriffs sein, da in dem häufigen mhd. bildlichen gebrauch immer der köder am angel erscheint.
3)
bildlich in allerlei wendungen, wo es sich um ein locken und fangen handelt, meist von der fischerei entnommen (vgl. anbeiszen): du weist noch das alt kerder, den alten schleck, daran du selbst .. gefangen. Dulichius vom alten und newen got, glauben und ler Wittenb. 1522 B 1ᵇ; den kerder des unglaubens. B 2ᵃ. 2ᵇ; verschluckt das kerder mit dem verborgen angel. 3ᵇ; Lucifer schmiret sein altes kerder und warfs dem ... vor. C 3ᵇ, und so wechselnd n. und m.; als die fürsten gsehen, dasz gott so stark uf üwer syten .. hand sy üch .. mit dem kärder der gaben gelöcket, dasz sy üch in den eignen nutz brächtind (als söldner). Zwingli vermahnung an die eidgen. (Wack. leseb. 3, 1, 253); denn der teufel ist ein lügner und ködert oft einem ein hellisch körder an, dran mancher ersticket. Mathesius Sar. 30ᵇ (die volle und verkürzte form nebeneinander); der teufel dem müszigen David ein fürlasz oder köder leget mit der schönen frawen. 114ᵇ; so ist die arznei (das curieren, der quacksalber) nichts als .. ein kerder damit man den pfennig richtet (geld fängt). Paracelsus 1, 545ᶜ (1589 4, 198); vil schwetzen bei einem arzet ist ein kärder den seckel auszuleeren. opus chir. 394; es kommt mir vor, als wie ein ketter einer ausforderung. Abele unordn. 3, 148, reizung zu einer duellforderung;
es wird für war das beste sin,
das ihm solch köder sei gelegt.
Chrysaeus hofteufel E ij;
man warf ihm die aussicht auf ein höheres amt als köder hin; er liesz sich an diesem plumpen köder fangen; menschen .. ohne den gewöhnlichen hunger nach dem irdischen köder. J. Paul teuf. pap. 2, 161; ein schauder vor den schmutzigen ködern der zukunft. Titan 1, 30. selten in gutem sinne:
ein köder ist im wort, dem süszen,
der mich zum sprechen lockt.
Streckfusz Dantes hölle 13, 55.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1571, Z. 44.

köder

köder,
bauernhund, s.köter.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1573, Z. 27.

kaudern, kudern, adj.

kaudern, kudern, adj.
zu kauder, stuppeus: die kinder spannen ein grob kudernes garn zu sackdaffent. Simpl. vogelnest 359, in der ausg. 1685 (2, 284) mit umlaut küdernes. in reinerer form bei Denzler kauderin, bei Maaler eigen 'küdery, abwerchin'. jetzt schweiz. küderig, aus kuder gearbeitet, dann rauh im antasten, von grobem linnen. Stalder 2, 140.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1865), Bd. V (1873), Sp. 307, Z. 65.

kudern, küdern, adj.

kudern, küdern, adj.
zu kuder stuppa, s.kaudern.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2530, Z. 5.

kudern

kudern,
1) weidm. vom geschrei des birkhahns, wenn er balzt (Heppe wolred. jäger 197), sonst vom geschrei des puterhahns, s.kaudern. 2) bair. östr. kichern, s. Schm. 2, 283: und da lachen und kudern d' frauenzimmer, dasz s'einen kropf kriegn möchten. Eipeld. br. 5, 11. schwäbisch plappern, s.kaudern 2, besonders kittern 3, a. 3) bair. auch kolkern wie wasser u. ä., das aus dem engen halse einer flasche dringt, auch guttern, gutteln Schm. 2, 87. vgl. kutrolf.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2530, Z. 6.

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„küdern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/k%C3%BCdern>, abgerufen am 10.05.2021.

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