Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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kufe, f.

kufe, f.
schlittenkufe u. ä., schlittenbalken, die vorn aufwärts gekrümmten hölzer, balken, auf denen der schlitten ruht.
1)
zeugnisse seit dem 16. jh., Sigm. v. Herberstein erzählt aus seiner reise als gesandter nach Ruszland i. j. 1517: emphiengen mich des khunigs (von Polen) haubtleute und räte .. sezten mich in des khunigs schlitten ... vil erlicher ('hochgestellter') personen stunden an den khueffen, den schlitten zuhalten, als ob der khunig selbst darinn fuer. font. rer. austr. I. 1, 113; als ... die schlitten eilend vorbei rutschten, da denn die dunklen kufen weit hinter sich die klarsten lichtstreifen nachschleppten. Göthe 60, 40. schles. kuffe trabs trahae inferior Steinb. 1, 943, nach der dortigen neigung, die länge zu kürzen: die kuffen sind an dem schlitten entzwei. ders. auch sturmfässer werden auf kufen gefahren. dazu bildlich thür. einem die kufen lenken, ihn derb zurechtweisen, eig. in die rechte bahn bringen? s. Regel Ruhla 226, der es anders auslegt.
2)
jenes östr. khueffe, noch bair. kueffen f. Schm. 2, 286, tir. kueff, kuefn f. die schlittensohle, kufe Schöpf 351, sichert den vocal, den das md. û unsicher liesze: mhd. kuofe, ahd. chuofa war gewiss schon vorhanden. daneben mit auslautwandel bair. kuechen f., mnd. kôke, jenes schon ahd. bezeugt, s.kuche. wie kuechen schweiz. m. ist, so braucht Hebel 3, 293 kufe als schwaches m.: die stiefel sind mir .. angefroren am schlittenkufen. nd. scheint es nicht vorhanden oder erloschen, die schlittenkufen heiszen pomm. sliddern plur. Dähnert 430ᵃ, am Harze schlickern f. pl., man findet gebildete dort, die kufe gar nicht kennen; aber das sind spätere bildungen, zu sliddern, schlickern auf dem eise gleiten gehörig (s. unter kascheln).
3)
kufe mit seiner einsamen stellung musz sehr alt sein. nun heiszt dän. slädekjelke schlittenkufe, schwed. kälke m. schlitten oder schleife die man im winter dem wagen unterstellt statt der räder, altn. kjalki m. Fritzner 350ᵃ, isl. sledakiálki jugum rhedae, nonnunquam osseum e maxillis vel costis balaenarum, s. Biörn 1, 452ᵃ, vgl. Egilsson 463ᵇ (auch finn. kelkka, ehstn. kelk kleiner schlitten). kjalki ist aber eigentlich nichts als kiefer, kinnbacken (vgl.kelch 4 sp. 504), noch Biörn behandelt diesz und jenes als éin wort; und wie da im norden schlittenkufen aus walfischkiefern hergestellt werden, urspr. gewiss so allgemein dasz sie eben kurz kiefern genannt wurden, so noch bei uns aus pferdeknochen (s. u.kegel 3, d sp. 385), sicher aus der urzeit her. könnte da wol kufe eine ähnliche urspr. beziehung zu kiefe, kiefer maxilla haben? auch die nebenform kuche würde in ags. ceac maxilla, engl. cheek, schwed. käk, nl. kaak ihre anlehnung haben. freilich hatten unsere vorfahren im binnenlande keine thierbackenknochen grosz genug zu kufen; dennoch wäre die erscheinung bei ihnen nicht viel schwerer begreiflich als kjelke bei den Dänen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2530, Z. 19.

kufe, f.

kufe, f.
gefäsz.
I.
Form und verwandtschaft.
a)
mhd. kuofe wb. 1, 915ᵃ, ahd. chuofa tunna, cuppa, cuba, dolium Graff 4, 377, chôfon cupas Hatt. 1, 281ᵇ. altmd. cûphe tunna, demin. cûfelen gl. Jun. 287, mrh.; thür. 13. jh.: daʒ holz, dâ von man machet legiln, kûphin unde bodiche. Höfer ausw. d. urk. 42, aus Erfurt; noch bei Trochus S 3ᵇ cupa ein cuphen. Mit nd. vocal alts. côpa Freck., mnd. kôpe: van der kope bers ein lot (zoll) Magdeb. schöppenchr. 191, 14, vgl. 235, 2. 331, wo ketzer in einer kopen verbrannt werden, wie im brem. wb. 2, 844 aus Renner, cupa, cope Dief. 163ᵃ; daher noch im 17. jh. in nordd. hochdeutsch: das kloster hat in dem vorrath gehabt sechs grosze fässer .. voll altes bier, dazu fünf kopen frisch bier. P. Wigand denkw. beitr. 52.
b)
mit anderm vocal nrh. kuyp dolium Dief. 189ᵃ, wie nl. kuype cupa, tina, dolium Kil., mnl. cûpe, jetzt kuip f., ui gleich û. auch nd. in der nähe des Rheinlands cûpe cupa Dief. 163ᵃ, und dem nrh. entsprechend auch mrh. küffe cupa Dief. 163ᵃ: so thut man sy in ein grosze küfen und pressent dann das öl darusz. hist. de sanctis b. Scherz 838, falls das ü nichtist. vgl.küpe. diesz kûpe, kuipe steht neben hd. kufe, kuofe wie nd. krûke neben hd. kruoc, krug, s. d. I, 5, a.
c)
auch isl. kúpa f. cuba, vas rotundum (heilakúpa hirnschale) Biörn 1, 482ᵇ, norw. kupa kleines rundes gefäsz, schale, altn. kûpa Rietz 365ᵇ, in schwed. dial. aber kleines elendes haus und kleine fischreuse ders., schwed. bikupa bienenkorb. Endlich altengl. cowpe crater, cuppa prompt. parv. 99ᵃ, Halliw. 274ᵃ, und coop ciphus (scyphus, becher) Wright vocc. 178, worin sich bedeutsam wieder die doppelform vom festlande zeigt, nd. kûpe und kôpe. neuengl. coop kufe, fasz, auch hühnerkorb, schafhürde, dial. fischreuse Hall. 269ᵃ. zu dem isl. heilakúpa hirnschale stimmt merkw. mhd. hirngupfe dass. Neidh. 229, 70.
d)
endlich auch koffe dolium Dief. 189ᵇ, aus einem mrh. voc., dems. das küffe cupa hat; dazu ebend. koffenschilt doleoteca, tectura dolei, vgl. putichschilt n. gl. 140ᵃ, badeschilt mhd. wb. (nicht badewanne, sondern deren deckel); vgl. chofa, chopha Graff 4, 377, und kuffel als masz für nüsse: mensurae nucum, quae vulg. kuffeln nuncupantur. Baurs hess. urk. 2, nr. 710, vgl. mrh. cûfelen unter a. das ist wie neben krug, kruke auch krucke, ags. crocca sp. 2431, es nähert sich kopf becher, nord. kopp gefäsz (s. sp. 1746), vgl. besonders das gupfe f. in hirngupfe vorhin, s. hirnkopf hirnschale sp. 1747 (c).
e)
herkunft.
α)
dasz das alles mit seiner reichen eigenen entwickelung einfach aus lat. cupa geworden sein sollte, ist zu bezweifeln, wie schon bei kopf, s. das weitere dort sp. 1747. unmittelbar aus cupa wäre nur nrh. kuipe, nd. cûpe, nnd. kûpa zu begreifen, aber hd. kuofe nicht; aus prūnum z. b. ward hd. pfrûme, pflûme, pflaume, kein pfluome. Überhaupt ist bei unserer böttcherei kein röm. einflusz sichtbar, wol aber eine reiche selbständige alte entwickelung; nur im weinwesen gerade ist er am Rhein glaubhaft, und so wird dort cupa wirklich eingewirkt haben, vgl.küfer, lat. cuparius.
β)
aber unser wort weist in seiner inneren entwicklung weit über cupa fasz hinaus: die engl. bed. korb, hürde, reuse, letztere auch schwed., ist von der andern nicht zu trennen, weist aber auf flechtwerk als ursprüngliche herstellungsart hin und damit in die allerälteste vorzeit zurück, s.kötze II, 3, b, korb II, 3, c. so ist z. b. kar sp. 202 ff. zugleich gefäsz, schüssel, kelch, dann kasten und kiste, auch reuse, korb (bîkar, wie bikupa u. c, bienenkorb), und schiff, vgl. unter kuff mit kufe, koben.
γ)
wie natürlich stellen sich nun auch sachlich, nicht blosz lautlich zusammen nicht nur kufe, kübel, kopf gefäsz, sondern auch kiepe, nd. küpe korb, ferner kober korb und koben stall, verschlag, kasten, hütte, kobel hütte, schlechtes haus (wie schw. kupa u. c), endlich kiffe, küffe, kuffe elendes kleines haus, vielleicht auch koffer. bei solcher in raum und zeit weitgreifender entwicklung konnte freilich ein verflechten mit rom. anklängen nicht ausbleiben, aber in der form von wechselwirkung.
II.
Gebrauch und bedeutung.
1)
kufe ein oben offenes, stehendes gefäsz von holz, unten etwas breiter und weiter als oben.
a)
die bottiche oder zuber, worin der wein von den trottknechten getreten wird Krünitz 54, 538, ahd. wînchuofa cuba vinaria Hatt. 1, 280ᵇ (vgl.kübel 2, a):
körbe knarren, eimer klappern, tragebutten ächzen hin (voll trauben),
alles nach der groszen kufe zu der keltrer kräftigem tanz (d. h. treten).
Göthe 41, 249;
wagen .. die grosze kufen hin nnd wieder führen, in welchen die weintrauben aus den gärten geholt und gestampft werden. 27, 77 (ital. reise). bildl., von der gährung der revolution:
was, ob annoch die kufe gähret!
der most verbrauset einst u. s. w.
Voss ged. 1802 2, 249, 1825 3, 186.
b)
braukufe, bierkufe Frisch 1, 553ᵇ, auch bottich, worin das bier gebraut wird, vgl. die beisp. I, a, wo nach der kufe versteuert wird, nach dem einzelnen gebräude. aber auch meischkufe, weichkufe, stellkufe, gärkufe Popowitsch vers. 305, vgl.kübel 2, d, α. auch zum verführen: die .. kärner mit denen kufen und fassen, darinnen sie sonst den kofent und bier aus denen brauhäusern zu schaffen pflegen. Leipz. stadtordn. 1701 s. 513, zum feuerlöschen gebraucht.
c)
wasserkufe, z. b. zum löschen bei feuersbrünsten, auch feuerkufe, sturmfasz: dem ersten, der mit einer schleifen (kommt) und darauf ein kuffen mit wasser zu dem fewer prengt .. gibt man im vier pfund. Nürnb. polizeiordn. 295. bei brunnen: der neuerrichtete springbrunnen mit zwei groszen kufen rechts und links, in welche der doppeladler auf dem ständer weiszen wein hüben und rothen wein drüben .. ausgieszen sollte. Göthe 24, 315. badekufe, badekübel, vgl. unter I, d, mhd. Parz. 166, 29, nl. badkuype Kil. 266ᵃ.
d)
beizkufe Frisch 1, 553ᵇ, bei gerbern, kürschnern, gerberkufe Ludwig 1081. waschkufe ders., auch krautkufe (zum sauerkraute), peckelfleischkufe das. 1082.
e)
allgemein: summa wer ritter will werden, muͦsz under den feinden wonen .. und under kein kuͦff kriechen. Frank chron. 465ᵇ, sich unter eine umgestürzte kufe verstecken;
herr apt, herr apt, nu ratent an,
wie vil wassers ist in dem mer? ...
'das mer ist neur drei kufen vol .....
wenn grosz genuc weren die zuber,
so belieb des mers nit ein tropf uber'.
fastn. sp. 207 fg.
2)
aber auch als geschlossenes fasz: kufe, ein groszes bierfasz mit zwei böden. Frisch 1, 553ᵇ, vgl. kufenbier. so für wein:
der keller ists. hier prangten einst die kufen
des malvasiers in endlos langen reihen.
J. Fr. Kind ged.
zugleich als masz: das merseburgische bier wird in kufen verführt und nach kufen gemessen, und da hält eine kufe 2 fasz, 4 viertel oder 10 schock, d. i. 600 kannen. Krünitz 54, 538. bair. 'kueffen, worin das salz von den salinen aus verführt wird', s. Schm. 2, 286, Frisch 1, 553ᵇ, untersch. von küefel das., 'deren ohngefähr 8 auf die kueffen gehen', östr. saͦlzkiafl Castelli 182, im voc. inc. teut. kueffel zu dem saltz, cupula n 8ᵃ.
3)
auffallend auch als trinkgeschirr (Frisch), so in Schlesien, von thon oder glas, mit henkel und deckel, etwa eine halbe flasche fassend, auch oberlaus. u. a., s. Weinh. 49ᵃ. nach schles. ausspr. kuffe: eine kuffe bier. Holtei Lammfell 1, 14. ob schon mhd. nach dem namen Chuofnaig (s. fastn. sp. 1527), neige der kufe? vgl.kupen diota (zweihenkelige kanne) Dief. 183ᵃ, nl. kuypken cupella Kilian. s. dazu kumme am ende. eigen kuͦf schlauch, s.küferkar.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2530, Z. 65.

küfe, f.

küfe, f.
1) parvae et lacerae aedes Stieler 911, s. kiffe. 2) küfe der weber, s.kübe, ↗kiffel. 3) kinnbacken, s. kiefe maxilla 1 und 3, d. 4) erbsenschote, s. kiefe siliqua.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2532, Z. 41.

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„küfe“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/k%C3%BCfe>, abgerufen am 05.05.2021.

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