Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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kuh, f.

kuh, f.
vacca.
I.
Formen und verwandtschaft.
a)
mhd. kuo, ahd. chuo, chua; alts. kô, kuo, ags. cû, pl. cŷ, wie fries. kû, pl. kŷ, altn.im dat. acc. sg., kŷr nom. gen. sg. und nom. pl.; nnd.mit pl. koie brem. wb., köje Dähn.,Danneil, aber kau, pl. kæe, koie Schamb.; nnl. koe (koei), pl. koeien. engl. cow, norw. ku, kyr, schwed. ko, dän. koe, ko.
b)
der hd. pl.: nhd. kühe, 16. jh. küe Luther in d. bibel (sg. kue), mhd. aber küeje, ahd. chuowî nach Grimm gr. 3, 327, chuoî 1², 619. bezeugt ist ahd. cuawi, chuai, choi, chuoe Graff 4, 354 fg., cuogi Haupt 5, 358ᵃ, daneben flexionslos chuo pl., noch in der gen. 47, 25 H., 64, 11 D. u. ö., auch chuoe 141, 18 D., chuoge Diemer ged. 28, 2. also drei pl. formen: chuowi, chuoi oder chuoji (chuogi) und chuo. Der ersten entspricht noch der pl. der md. mundarten, küwe (hess. Grimm gr. 3, 327, thür., sächs.), kuewe Mainzer hof in Erf. 40, kûwe Morolf 2, 176, weisth. 1, 522; doch auch oberd. kuͤwen dat. Frank spr. 2, 174ᵃ neben kuͤ nom. 150ᵇ. der zweiten einmal der alts. pl. kôji, nnd. koie, anderseits mhd. küeje und noch im 16. jh. schweiz. kuͤyen Maaler 255ᵃ (sg. kuͦ 257ᵇ), kuͤg Brant 94, 15, Keisersb., Murner (s. oben 3, 18). am bedeutsamsten ist chuo als pl., mit verlust der flexion, wie auch der ganze sg. (gr. 1², 677), nach art vielgebrauchter wörter. Ohne endung auch, mit bloszem umlaut bair. küe (sg. kue) Schm. 2, 274, ihm entsprechend nd.u. a, luxemb. kê (sg. kô) Gangler 231, auch das ags. cŷ. anderseits doch auch im sg. noch mhd. spuren von flexion: einr küeje kint tuot als ein rint. Kolm. meist. 18, 53 (vgl. u. kuhfenster).
c)
das alem. kuͤyen bei Maaler zeigt aber schwache form, vergl. kuegen gen. pl. Weinhold al. gr. s. 428; und so nicht nur im pl. oder gen. pl. (s. u. kind I, g), auch ein dat. sg. kuͤen schwäb. bei Weinh. 427, und dazu schon ahd. als nom. sg. chuowa, chuoa Hatt. 1, 297ᵃ, Graff 4, 354, sodasz auch hier wol starke und schwache form neben einander giengen. Noch im 15. jh. kuͦwe, kuwe (kuͦw) vacca Dief. 604ᵃ, wie suwe, sauwe neben su, sau sus 569ᵃ, vgl. ein fale kuwe weisth. 1, 498. auch im 16. kuͦwe H. Sachs dial. 72, 10, kwe Trochus H 1ᵃ, Dief. 604ᵃ, kuhe M. Neander menschenspiegel 80ᵇ, obwol da solch ein -e auch ein blosz geschriebenes sein kann (s. z. b. aus Wolff u. II, 3, b); noch bei Stieler 1046 kuhe neben kuh, wie bei Schuppius 362. 634, vgl. 263, ja noch 1711 bei Rädlein nur kuhe, und noch in Luserna kuha (pl. küha) Zingerle 39ᵇ. Eigen md. koe juvenca voc. opt. Lpz. 1501 O 6ᵃ neben kw vacca Ff 4ᵇ, vgl. ostfries. köi gleich kökalv kuhkalb Stürenb. 118ᵃ, also hd. kühe f. kuhkalb? vgl. u. kuhkalb das kütsche.
d)
urverwandt skr. gâus (stamm gav und gô), m. oder f., als rind überhaupt, ochs oder kuh. ebenso zend. gâus m. f. Justi 103ᵇ, noch pers. gâv, buchar. gâo, afghan. ghuâ u. s. f. (s. Justi 104ᵃ), armen. gov, jetzt kov. auch gr. βοῦς, lat. bos, gleichfalls m. oder f., rind überhaupt; altir.vacca, bos Zeusz² 272, vgl. 294 fg. ferner lettisch guͦws f. kuh, altsl. govędo n. rind, noch sloven. govedo, böhm. hovado, litt. gowẽdà rindvieh, rinderherde. auch alban. ka rind, das Diefenbach orig. eur. 296 zu dem ceva kuh der Veneter stellt (Colum. 6, 24, 5). es ist also als ein voller strom vom urheimatlichen osten ausgegangen, der bei uns und ganz gleich bei den Letten nur noch in verdünnter form flieszt. s. auch kusel kalb.
e)
und doch finden sich auch bei uns vielleicht noch reste der urspr. allgemeinen bed. in ahd. 'bos chuo' wie mehrmals glossiert wird, vgl. b. Notk. 143, 14 chuoe für boves (crassae) von der ganzen herde (umgekehrt ags. oxan boves von der herde Wright vocc. 2. 3); die bed. müszte eben damals im vergehen begriffen gewesen sein, wo freilich ohso und hrind längst daneben standen, die in die lücken eintraten, die sie wol selbst erst gerissen. noch heute sind ja zwar nicht in kuhfleisch, aber in kuhstall, kuhlager, kuhfladen, kuhhorn, kuhvieh, kühwurst u. ä. (s. bes. kuhleder) die ochsen mit inbegriffen, und in schwed. dial. ko-okse und ko-bonde ochse Rietz 361ᵃ (bonde männchen von thieren) erscheint wol noch deutlicher kuh als rind überhaupt. vgl. 'kue, vacca, oder rind' voc. 1482 r 8ᵃ, und den schwarzen stier als wappenthier als schwarze kuh bezeichnet bei Birl. Augsb. wb. 295ᵇ, was sich freilich aus II, 6 erklären wird.
II.
Gebrauch und bedeutung.
1)
kuh heiszt das weibliche rind, nachdem es geboren hat; im ersten jahre heiszt es kuhkalb, färsenkalb (vitula), im zweiten kalbe, färse (juvenca), erst im dritten, nachdem sie gekalbt, wird sie zur kuh, und auch das noch nicht überall, aus dem Göttingischen z. b. gibt Schambach 98ᵃ: 'hat die kuh noch nicht gekalbt, so heiszt sie rind, hat sie einmal gekalbt, êstling (vgl. erstling 2), hat sie aber zweimal gekalbt, so ist es eine kau'. der erstling ist gemeint mit junge kuͦ bucula Maaler 256ᵇ, auch zeitkuͦ Dasyp. 369ᵃ, vgl.bucula in vocc. als jung rind, 'kuelin oder kelblin', auch kalbe Dief. 83ᶜ. tragende kuͦ forda Dasyp. 369ᵃ, s. auch kälberkuh, melkende oder milchkuh, gelte oder galtkuh. ferner sommerkuh, winterkuh, stallkuh, mastkuh, Schweizerkuh, gotteskuh, büffelkuh.
2)
übertragen auf andere ähnliche weibliche thiere, vgl. kalb 3. bes. hirschkuh, auch kamelkuh (kamelstute): ein hirschkalb, das an seiner kuh sauget. Ludwig;
der hirsch hat seine kühe
zum waldrand schon gebracht.
Freiligrath.
s. auch seekuh, meerkuh.
3)
von der eigentlichen kuh viel redensarten und sprichwörter, die von der bedeutung des thieres kunde geben.
a)
sprichw. z. b. wenig kuͤ wenig muͤh Frank 2, 150ᵇ, Neander sprichw. 28 Latend. (ausgeführt bei Lehm. flor. 1, 403, Hoffm. spenden 1, 56), tröstender gegensatz zu andern, wie: dâ vil kûwe ist, dâ ist kêse vil. Morolf 2, 176. wer wil haben ruͦw, bleib bei seiner kuͦw. Frank spr. 2, 84ᵃ (Lehm. 1, 132, Less. 11, 673), hier eine kuh als unentbehrlich im hause, ja als hauptbesitz behandelt (s. z. b. Zink u. kühlein), vgl. ein mantel und ein kuh deckt viel armut zu Vilmar hess. id. 230. es ist vergebens den stall zuthuͦn, so die kuͦw hinausz ist Frank 2, 153ᵃ, vgl. Schöpf 349. besondere rechte vor anderen hat, wie der schulze selber oder eine andere dorfgrösze, auch seine kuh: sie ist des glockners khu, die darf auch auf dem kirchhof grasen gehn. Fischart bien. 1588 192ᵇ (diese kuh heiszt auch kurz die kirchkuh); man bemerke den sg.;
abr es geht in der welt (nun einmal) so zu,
ein anders ist des schulzen khue.
froschm. J 4ᵃ (I, 2, 5).
Die kühe erhalten ihre hausnamen, kosenamen, besonders nach ihrer farbe (vgl. Schm. 2, 274, Fromm. 3, 463. 4, 160 und u. blümlein), und sind danach im dorfe bekannt, aber in der nacht sind alle kühe schwarz Lehm. 1, 125, angewandt auf schönheit, die nicht allzeit lieb macht, sondern freundligkeit;
wer kennt den schelm in tiefer nacht genau?
schwarz sind (da) die kühe, so die katzen grau.
Göthe 41, 21.
des müszte eine kuh lachen, mirum fuerit u. ä. Aler 1250ᵃ, von unmöglichem, es möchte wol eine kuh lachen, risum teneatis amici Steinb. 1, 944. schlafen bis die kuh einen batzen gilt, als wollte man nie wieder erwachen, hess. Vilmar 230, auch thür., sächs. was nutzen der kuh muscaten? Aler 1249ᵇ, was soll der kuh die muscat Frisch, wie perlen vor die säue werfen u. ä. die kuh schlägt den kübel um, s. kübel 2, c, α.
b)
von ihrer plumpen grösze folg.: als wan ein kuh an eim kirsenbaum hieng. Fischart bien. 86ᵇ (93ᵇ); wens an der grösze gelegen, so köndte die kuh einen hasen erjagen. Schottel 1141ᵃ; Annemile spitzte das mäule wie die kuh auf eine erdbeere. lebensgesch. eines badischen soldaten 8;
wer .. ein kuh will jagen durch ein nadelsör ...
der arbeit gern das unnütz ist.
Lessing 11, 668.
dan führ er stracks in himmel hoch
wie eine kuh ins mäuseloch (so leicht und sicher).
Scheible flieg. bll. 26,
d. h. in die hölle, es wird im folg. klarer;
so wird der teufel mit ihm geberen (gebahren),
das über die wangen laufen die zehren,
und fehrt mit ihm zum himmel zu
gleich wie ins meusloch die kuhe.
Wolffs hist. volksl. 311.
dagegen von einer groszen wunde:
mit der flitschen fletschen heten sie in getroschen ...
ein kuͦ wär durch die wunden ausz gekrochen.
Uhland volksl. 649,
von einer bauernfasnacht, in spät neidhartischem tone; der fürchterliche witz mit seiner übertreibung, die in lächerliche unmöglichkeit umschlägt, war landläufig etwa seit d. 15. jh.:
wann ich einem ein schlag tu,
durch die wunden schluf (mhd. slüffe) ein ku.
Pichler drama d. m. in Tirol 46,
vgl. kühwunde und zur entstehung das cap. wundenmessung in J. Grimms rechtsalt. 95, wo ähnliches, z. b. dasz a chuo hed usz der wunda sufa chönna, schweiz.
c)
ihre geistigen fähigkeiten reichen nicht weit (vgl. kalb 2, e). ir ist vil under uns meistern, die die geschrift .. verstênt .. alse wênig als ein kuo oder ein ros. Eckhart 353, 28; das wol ein kue oder sawe mit iren klawen an der wand greifen (begreifen) möchte. Luther 6, 9ᵃ; so viel verstehn von etwas als die kuh vom kalender. Schöpf tir. id. 349. aber ihr hofthor, das scheunenthor u. ä. kennt sie genau und ihr staunen über ein neues thor ist sprichw. viel gebraucht:
und laufen gleich dem wirtshaus zu,
dann sein thor kent ein jede kuh.
Garg. 50ᵇ, Sch. 80;
denn wir haben solche augen wie die kue, wenn sie ein new thor ansihet. Luther 6, 128ᵃ; mit kalbsaugen anschauen oder ansehen, wie ein kuh ein new thor ansiht. tischr. 155ᵃ. 295ᵇ;
denn wie ein kuh ein thor ansicht ...
Ringwald tr. E. B 7ᵃ;
und sehen uns selbst und die schöpfung gottes an wie eine kuhe ein new scheunthor. J. Böhme drei princ. 5; gewiss stehe er noch mitten in der stube und glotze die thür an (unschlüssig verblüfft) wie eine kuh das neue tennsthor. Gotthelf 3, 287. auch vom kalbe: sicht er die sachen an als ain kalp ain nüw dor. Keisersb. granatapf. k 6ᵈ; die nichts sihet dann das eüszer an, wie ein kalb ein stadelthor. Frank parad. 1558 309ᵃ, von der welt.
d)
vom fassen und halten der kuh:
wes die ku sei, der halts beim schwanz,
das im kein nachrew daraus wachs.
H. Sachs 1, 514ᶜ,
man halte sein glück (eheglück) fest mit allen mitteln, vgl. die kuw bedarf des schwanz(s) Schertlin br. 43, aus dem munde des landgr. Philipp v. Hessen, in dem sinne: man musz das äuszerste thun, alles dran setzen, will man nicht alles verlieren; wens zu thun were umb die kue, wer die solt beim schwanz nemen, das ist wenns zeitlich und weltlich gut betrefe. Luther 8, 6ᵇ.
gott gibt dir wol beim horn die khu,
du must aber selb auch greifen zu.
Waldis Es. 2, 14, 25,
vgl. den ochsen durch die hörner geben Frank par. 105ᵃ.
S. Niclaus beschert die kuh,
gibt aber nicht das seil darzu.
Lehman flor. 1, 47, vgl. kuhstrick.
was darfs vil wort in allen gferden?
hat er alln gwalt auf diser erden,
sein gleich man in der welt nit find,
da steht die khu, wo ers hin bind.
Waldis päpst. reich B 4ᵃ,
von der allgewalt des papstes, wie im folg.: wie solt unser röm. fegfeurkönig .. nit können den nagenden wurm nemmen .. so doch allezeit die kuh steht, wo er sie hin bindt. Fischart bien. 118ᵃ, 1588 128ᵃ (nicht bei Marnix).
e)
und noch manche andere weniger klare redensarten: halt den mann, die kuh will beiszen. Simr. spr. 4240, vielleicht von einem feigling, wie ähnlich in der sächs. redensart mutter, setz den vater auf den tisch, der hahn hackt ihn;
ich hab oft ghört, die letste ku
brings als mit hauf wider harzu.
Wickram spil von d. verl. sun,
wol als trost des verschwenders: lebt nur drauf los, es ist beim letzten groschen noch zeit einzulenken und daran wieder reich zu werden; wie das sprichwort saget, ihr sollet nicht ehe reden, denn wenn die kuh ich weisz nicht was thue. Mathesius Syrach 1, 25ᵇ, mit reim;
er danne man den brif (fehdebrief) gelesin had,
so ist von en geʒʒin di ku.
Rothe ritterspiegel 1024,
vgl. Fischart: das ist nur alls von der sau, die ku ist aufgessen. bien. 1588 37ᵇ (1, 3). finster wie in einer kuh, s. kuhfinster. Aus der verkehrten welt stammt: die kuh geht auf stelzen, camelus saltat Aler 1249ᵇ;
ach vater bapst, sih darein ....
denn die kuh geht auf stelzen.
Soltau 463,
die welt kehrt sich um, klage der pfaffen;
die kuhe wird auf seilen danzen,
der ochse wird latein verstehn.
neuverm. bergliederbüchl. 3;
ein kuh gieng auf eim seil über ein grabe.
Ambr. lb. 141, 41. Haupt 2, 564.
4)
menschliches thun und sein mit dem der kuh unmittelbar verglichen.
a)
brüllen wie eine kuh u. ä.:
ich schlach dich das du prülst sam ein ku.
fastn. sp. 88, 11;
er lut und heulet sam ein ku.
nun grein du aller teufel namen!
538, 10,
lut zu luen mugire Schm. 2, 407, ahd. luon, mhd. lüejen brüllen, der küeje lüen MSH. 2, 384ᵃ, noch schweiz. lüen, nl. loeien vom rindvieh. laufen als ein tolle kuͦ Uhland volksl. 638, von fasnachtsnarren (vgl. u. bisen), bibl.: Israel leuft wie eine tolle kue. Hos. 4, 16. eigen ein tanz von kuh und ochsen:
hinter schulzes schuppen da gehts lustig zu,
da tanzt der polsche ochse mit der deutschen kuh.
schles. lied bei Weinhold 49ᵃ,
auch in Sachsen bekannt, und schon im 16. jh. in einem spottliede auf den franz. Polenkönig Heinrich III., der bei nacht und nebel aus Krakau entfloh:
nun tanz, du polnischer ochse
mit der französischen kuh.
Ambr. liederb. s. 197.
b)
besonders saufen wie eine kuh u. ä.: trink nit den wyn, wie eine kuͦ und esel wasser. Frank sprichw. Zürich 1545 2, 159ᵃ;
wer sich gern fült, der ist ein kuͦ.
Brant 110ᵃ, 118;
Metz sprach, du volle kuͦ u. s. w.
Hätzl. 260ᵇ;
sauf aus, mir zu als einer ku, ich wart sein als ein schwein, halb als ein kalb u. s. w. de gener. ebrios. 125, 3 Zarncke, als proben der reden beim zutrinken, wörtlich aufgenommen von Fischart Garg. 96ᵃ (Sch. 168); mehr trinken denn eine kuh. Chryseus hofteufel;
ist das dein grosze freud, das du
dich füllest wie ein treberkw,
den wein unmeszig in dich schüttest.
H. Sachs 1, 228ᶜ,
kuh die trebern friszt. vgl. kühisch, kühsuff, kuhschluck, kuhzug. Von schlemmerei überhaupt: und viel schon gar epicurisch worden ... und also zu letzt lauter kuͤe und sew werden. Luther 5, 368ᵇ. das kalb legen u. ä., vomere (sp. 53) begriffe sich so, dasz der volle trinker selber zur kuh wird, also kälbert, ein kalb wirft, es wäre schon ein rechter trinkerwitz.
c)
besonders weiber werden unter umständen mit kühen verglichen, z. b.: die alt kuͦw biset oder spielt. Frank spr. 2, 117ᵃ unter dem stichworte anus bachatur, eine alte tanzt und springt übermütig geworden. Schweizerkuh mulier mammosa Stieler 1046. schweiz. chue dummes weib Tobler 124ᵇ, z. b. Gotth. 3, 268. nd. dicke, grove kô von weibern Strodtmann 109. Besonders kalb und kuh zusammen: als ihr sie (die muhme) gesehen habt, war sie noch im wuchse ... Thomas (pachter). ja, das kann sein! freilich werden aus kälbern kühe, verzeihen sie mir die vergleichung. Weisze kom. op. 3, 271, ärntekr. 3, 11. die kuh mit dem kalbe nehmen, prendre la vache avec le veau, eine geschwängerte nehmen Rädlein 569ᵇ; daher erklärt sich Ringwalds warnung an junggesellen sp. 2049 unten. ein rechtssprichw. es ist niemand schuldig die kuh mit dem kalbe zu behalten. Krünitz 54, 680. s. mehr u. kalb 2, a, auch von männern und knaben, vater und sohn u. ä., s. auch u. kälberhäute.
5)
blinde kuh als spiel, jetzt und wol längst zusammengesprochen blíndekùh: also spielt auch die vernunft der blinden kue mit gott. Luther 3, 204ᵇ;
da nichts mehr lindrung gab,
sank man von spiel zu spiel zur blinden kuh herab.
Wieland 5, 211. 10, 209.
schon im 16. jh. auch der blinde kue spielen Joh. Wigandus, ob die newen Wittenberger u. s. w. 2ᵇ. s. mehr 2, 122. auch blinzelkuh Steinbach 1, 944. die kuh könnte mit dem rufe kuckuk! zusammenhängen, womit der blinzelnde, der die blinde kuh spielt, geneckt wird, s. unter kucken 3, b das östr. ku ku! es heiszt auch blinde mäuslein fangen Schm. 2, 628, blinde kätzel fangen Bacchusia 415.
6)
eigen die schwarze kuh:
do in so trat die schwarze kuh,
kam der alt reul und bisz mit zu.
do fieng er an und schlug in sich,
seufzet und weinet bitterlich.
Ph. Wackernagels kirchenl. 3, 1210,
vom verlornen sohne, zu reul vgl. rüler zuchtstier Schm. 3, 81 (vgl. keil sp. 448, das sonach entstellt scheint); wissens auch nicht, weil ihre augen gut und gesund sein, und keine augengebrechen gehabt noch versucht haben, oder wie man zu sagen pfleget, welche die schwarze kue noch nicht getreten hat. Bartisch 3; auf die letzt trat mich zwar die schwarze kuh, aber zu spät. Weise erzn. 78 (cap. 6), es ist derselbe fall wie beim verlornen sohne, s. auch Ettner in Grimms myth. 631. Der tritt ist die ankündigung eines nahenden unheils oder kommender strafe, daher innerlich gefaszt von gewissensbissen, reue. noch aus Schlesien b. Weinhold 100ᵃ: den hat die schwarze kuh schon getreten! er ist dem unglück verfallen, aus Livland b. Hupel 131: die schwarze kuh drückt ihn, von mangel und sorgen. ähnliches aus dem ungrischen s. zeitschr. f. myth. 1, 271. Eine schwarze kuh gilt für koboldisch (Weinh. a. a. o.), ein zauberer sagt: da müst ihr nun wissen, dasz ich mit der schwarzen kuh kan umgehen, dasz sie weisze milch gibt. engl. komöd. II, 2. eine schwarze kuh zu schlachten bringt gefahr Grimm myth. 631 (abergl. 887), d. h. sie steht unter höherm schutze. die schwarze kuh kurzweg für zauberkunst, teufelskunst bei Fischart: als er (pabst Alexander VI.) sich lang umb seltzame mittel umbgesehen, hat er letstlich kein gelegenere gefunden, dann dasz er sich gänzlich auf die schwarze kuhe begabe. bien. 1588 242ᵇ, am rande pact des papsts mit dem teufel, bei Marnix entspricht: dat hy sick .. tot de nigromancie of swerte conste soude begeven. endlich kuh für teufel selber, Astaroth sagt zu Beelzebub:
wie schreist so, du hellische kuh?
Heros ird. pilger 11ᵃ.
Aber wieder ist der teufel nur die christliche umkleidung eines älteren glaubens, und wie die tretende schwarze kuh deutlich als götterbote erscheint, so ist sie ohne zweifel ein nachkomme der heiligen kühe, götterkühe, an die unsere vorzeit glaubte, s. Grimm myth. 630 fg., vgl. dens. b. Haupt 4, 504 fg., wo in schwed. sagen eine schwarze kuh als götterthier auftritt. s. auch Simrock myth.² 224 und Pictet orig. indo-europ.
7)
endlich einige andere verwendungen.
a)
gottes kuh, meist im demin. gotteskühchen, frauenkühlein, muttergottesküele, himmelküele, kornkühlein (s. d.) u. ä., das marienkäferchen, wie gotteskalb (s. kalb 3); auch engl. lady-cow, frz. vache à Dieu, s. Gradls sammlung in Kuhns zeitschr. 19, 57, Pott das. 4, 174. offenbar eine übertragung der heiligen kuh, götterkuh vorhin auf das niedliche thierchen, das jetzt noch die kinder mit einer art heiliger scheu betrachten und behandeln, vgl. Grimms myth. 658. das thierchen erinnert wol mit seiner roten farbe und seinen flecken von fern an eine kuh (fleckige, scheckige kühe heilig s. zeitschr. f. myth. 1, 272), und seine unmittelbare beziehung zur kuh zeigt sich z. b. noch in dem glauben in Kärnten, wer das himmelkühle tödte, dem gäben seine kühe rote milch Lexer 168. In Sonneberg gilt aber kuh von allen käfern (käfer ist da nur der maikäfer), z. b. hirschkuh hirschkäfer, goldkühle goldkäfer, s. Schleicher 68. da scheint der begriff käfer von jenem vorzugsweis heiligen käferchen aus entwickelt.
b)
eigen von den tann- und fichtenzapfen, kurz kuh in Sonneberg Schleicher 68, thür. kühchen (küwichen, Weimar), tannenkuh Rückert 11, 427 (26. mak.). so auch schweiz. Stald. 1, 264, thür. Regel Ruhla 174, bair. buttelkue, butzkue Schm. 1, 226. 230, Schönwerth Oberpfalz 2, 352, md. mutsche kieferzapfen (osterl.), henneb. kuhmutsche Fromm. wie md. in der kinderspr. môtschekuh die kuh, bair. motsche das kalb heiszt Schm. 2, 658, vgl. kühfichte kiefer, kühtanne. s. auch Gradls sammlung in Kuhns zeitschr. 19, 58, ähnlich kätzchen 2. es mag auch hier eine uralte religiöse beziehung verborgen sein.
c)
wunderlich ein gerüst bei den goldwäschern am Rheine, ungehobelte breter, drei zusammen, mit einer leiste an den seiten, auf denen der sand ausgewaschen wird, das heiszt die kuh oder goldtragende kuh, s. Krünitz 54, 678, Frisch 1, 553ᶜ. vielleicht das dunkle alte köche sp. 1553 in einer umdeutung (vgl. kücher). vgl. übrigens unter kühkamm und kuhbrücke.
d)
die kuh, bischöfliches gefängnis, strafort für geistliche, s. Schmeller 2, 274 fg., vgl. kühloch 2.
e)
beim rebhühnerfange eine künstliche kuh, aus leinwand genäht oder gemalt, s. Krünitz 54, 679.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2546, Z. 44.

kühen, adj.

kühen, adj.
zu kuh: vaccinus, kuͤen Dasyp. 369ᵃ, kuͤwen 253ᵈ; kuͤyn, das von der kuͦ ist, vaccinus Maaler 255ᵃ, wäre mhd. küejîn, küewîn. ohne umlaut chuogîne milch Pfeiffers arzneib. 14, 27. nrh. coeyen Teuth. 53ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2553, Z. 41.

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Zitationshilfe
„kühen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/k%C3%BChen>, abgerufen am 25.07.2021.

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