kühlein, kühle n
Fundstelle: Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2564, Z. 42
kleine kuh. mhd. küelîn (Fickers spiegel deutscher leute s. 84), nhd. kuͤle vaccula, buccula, vitula Maaler 254ᵈ, kühlein junge kuh Aler 1249ᵇ, d. i. kalbe, s. u. kuh II, 1; ein spiel kuͤle, kuͤhele, gump nit Garg. 169ᵇ (Sch. 310ᵇ). Aber auch von einer melkenden kuh, kosend oder mitleidig o. ä.: da nam ich mein weib .. was ain frume arme fraw und gab mir nicht mer dan ain klain pettlin und ain küelin u. s. w. Burk. Zink, Augsb. chron. 2, 128;
gieng sie und fütterte und melkt' ihr kühlein.
Rückert ges. ged. 1, 161.
kühlein vom marienkäferchen, s.kuh II, 7, a.
kühle f. subst
Fundstelle: Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2563, Z. 38
zu kühl, mhd. küele, ahd. chuolî frigus, aura, refrigerium Graff 4, 379; älter md. kûle Frauenl. 343, 10, mit nebenform kûlde, später külde, wie nd. kœlde, kœlte (aber auch koile Schamb. 108ᵃ), nl. koelte amoenum frigus Kil., s. u.kühlde. ags. cêle m., altengl. cheele (s.kühl I, a). dän. köle entlehnt, während schwed. kyla f., vielmehr kälte, heimischen anhalt hat, s. u. kühl.
1)
kuͤle, ein kleine kelte, frigusculum Maaler 254ᵈ. kühle des morgens, des abends, schon ahd. âbantchuolî (abendkühle Göthe 27, 41), mhd. morgenküele. es heiszt kurz die kühle für früher morgen: frühe in der kühle (ausreiten). Götz von Berl. 75;
sie ritten in der kuͤl genuͦg.
Haupt 8, 493;
vgl. noch aus Luxemburg unter kühlde 2, a. e., nd. im kölen gegen abend Dähnert 246ᵇ;
(sie) scheuet nicht des tages schwüle,
achtet nicht des abends kühle.
Göthe 2, 26;
da ruh ich aus vom tagesfest
fromm in der rothen kühle.
Eichendorf ged. 10.
kühle der nacht, bei Göthe im 'nachtgesang':
bannst mich in diese kühle.
1, 98.
2)
selten für 'kühl sein', kühlheit, ohne förmliche vorstellung dessen was der träger der kühle ist (wie doch kälte, wärme gebraucht werden), z. b.: die hohen bäume, die den platz rings umher bedecken, die kühle des orts, das alles hat so was anzügliches. Göthe 16, 9, Werther 1775 s. 10, auch da wird doch der schatten und das wasser des brunnens zugleich mit vorgestellt. vgl.schattenkühle.
3)
der begriff weicht leicht aus.
a)
in den begriff kühlung, refrigeratio: kuͤle suͦchen, frigus captare. Maaler 254ᵈ. von einem erhitzten und ermüdeten kämpfer heiszt es:
dô wolte er eine küele vân (vgl. ↗kühlung 1, c)
und etslîche ruowe hân
und kêrte ûf eine plâne.
Lanzelet 3127,
refrigerium wird kurz mit ruwe glossiert Dief. 489ᶜ.
b)
in den begriff dessen was die kühlung bringt, trägt, z. b. wasser: gleich wie das eisen im fewerofen erweichet, in der kühle erhartet. Philander 2, 191 (1665 193);
sein freund stand
neben ihm, reicht' ihm kühle des quells in brennendem durste.
Klopstock Mess. 16, 144,
zugleich wieder für kühlung, wie u. a;
worunter die sichtbare kühl' in grünen wogen sich wälzet.
Kleist (1840) 1, 124,
der dichter schrieb aber besser das kühl, s. dort.
c)
besonders wehende, kühlende luft heiszt kurz kühle, wie sie schon u. 1 meist mit gemeint ist, vgl. schon ahd. 'chuolî aura' (Haupt 5, 203ᵃ):
in säuselnder kühle.
Schiller 9ᵃ (der flüchtling);
wie mir des abends dämmernde kühle
tief aus den fichten entgegen rauscht.
Körner 3, 16;
vom fels kam eine kühle
und gieng durch busch und blatt.
Geibel ged. (1850) 298.
so nl. koelte, koel windeken, lenis aura Kil., s. oben die kühlte in der schiffersprache, nd. auch kœle, z. b. im Kieler hafen.
4)
innerlich, gegensatz zur hitze der leidenschaft, der schmerzen u. ä., s.kühl sp. 2561:
du gibst meinem herzen kuͤle.
Hätzl. 282ᵇ,
nach dem darauf genannten weihkessel ist zugleich an einen kühlkessel gedacht; in gefahren hatte er (Cook) beides vorsicht und muth, nur will man oft nicht genug entschlossene kühle an ihm bemerkt haben. Lichtenberg 4, 106, die kühle ruhe des entschlossenen.
5)
in brauereien für kühlschiff (s. d.) Adelung, eig. wol kühlung, engl. cooler.
kuhl, kuhle f
Fundstelle: Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2557, Z. 61
grube, s.kaule sp. 348; bergm. für schacht, dazu kuhlenbau, kuhlenwand, s. Veith 303; im schiffe der ungedeckte theil des obersten decks zwischen back und schanze. vgl.kuhlengräber.
kühl, kühle adj
Fundstelle: Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2558, Z. 16
frigidulus.
I.
Formen und verwandtschaft.
a)
mhd. küele, ahd. chuoli; alts. cuoli, côli nicht bezeugt (vgl. unter kuhlen, kühlde), mnd. köle, nnd. köl Dähnert 246ᵇ, koil adj., koile adv. Schamb. 108ᵃ, häufiger kölig, kühlig; nl. koel. ags. mit und ohne umlaut cêle (cŷle) und côl Ettm. 376; engl. nur noch cool, denn chill ist nicht das ags. cêle (s.kellen 3 und Grein 1, 182), das altengl. noch als subst. bestand, chele, cheele Halliw. 244ᵃ, Stratm. 138, jetzt noch als verbum keel (s.kühlen). entlehnt dän. köl, kölig mit nd. vocal, mit hd. schwed. kylig, wie kyla kühlen u. a. (vgl. unter kühn I, a), die doch zugleich heimische anlehnung haben in altschw. kyld kälte, altn. kylr m. u. a.; vgl. norw. kjölen kühl, kjöl m. kühlung Aasen 217ᵇ, worin dän. und altnorw. gemischt scheint.
b)
formell ist zu bemerken einmal ein adv. kule, wie mhd. kuole (Lexer 1, 1787), in einem liede des 16. jh.:
der wind der wät so kule (: bule).
Uhland volksl. 259.
in andern fällen ist der umlaut nur nicht bezeichnet, z. b.: kul machen, erkulen .. refrigerare. voc. 1482 r 7ᵃ, vgl. unter dem vor. 2. Anders älter md. kûle, z. b. pass. H. 149, 22, auch im subst. kûle f. Frauenl. 343, 10 (: stûle), pass. K. 401, 81, mit md. û für uo und ausbleiben des umlautes. diesz kûle ist in md. mundarten noch nicht ausgestorben, daher in scherzendem stile, z. b. in dem liede von der groszen seestadt Leipzig: ach das grab das ist so kuhle (: gefuhle). regelmäszig kuhl z. b. noch im Kuhländchen, s. Meinert volksl. 405. aber auch tirol. 'kuel neben küel' Frommann 6, 304, das wäre wie mhd. kuon neben küene (s.kühn I, e).
c)
das volle alte kühle, das sonst die form der md. mundarten ist, wenigstens im osten (wie schöne, grüne, süsze, kleine), brauchen auch dichter noch, besonders im adv.:
da rühren die blumen ihm kühle ans herz.
Eichendorf ged. 318
drauszen ist die nacht so kühle.
449;
und kühle quoll der sprudel.
Geibel ged. (1850) 298;
im gletscherabstrom stund mein jagdwein kühle.
Scheffel frau Aventiure 201.
schon Stieler hat nur kül, Rädlein, Aler, Frisch, Adelung nur kühl, doch Steinbach 1, 944 nur kühle, auch Ludwig: der wind gehet kühle, es wird allgemach kühle.
d)
den ursprung klärt das altn. auf, wo ein starkes verbum kala, kôl, kalinn frieren bestand (Möbius 224, Fritzner 337ᵃ, Egilsson 454ᵃ), das urspr. gemein germ. gewesen sein musz. von dessen praet. ist chuoli gebildet, 'das, was kalt war, also neue wärme gewonnen hat' Grimm gramm. 2, 80. s. weiter kalt, auch kellen frieren.
II.
Bedeutung und gebrauch.
1)
kühl ist ein gelinderes kalt, wie lau ein gelinderes warm, nicht alle sprachen haben diese abstufung von kalt, z. b. die lat., wo beides in frigidus zusammenfällt: in ainer küelen zwischen haiʒ und kalt. Megenberg 166, 24; mit eiern, welche sich .. in derselben (höhle) übers jahr halten, weil das ort mehr kühl als kalt ist. Simpl. 2, 262 Kurz. Übrigens wird der unterschied auch bei uns manchmal übersprungen. wie ahd. chuoli auch für gelidus eintritt (Graff 4, 379), mhd. auch der winter küele heiszt Neidh. 24, 13, und vorhin im voc. inc. teut. kul frigus, gelu ist, so bedeutet noch nd. in der Altmark verkölen vielmehr erkälten Danneil 238ᵃ, köl auch kälte 112ᵇ, wie dän. forköle erkälten, schwedisch förkyla erkälten, erfrieren. und umgekehrt erscheint auch kalt gleich kühl, s. sp. 75 (e), besonders am ende, kühl dagegen als nächste stufe bei heisz: 'Dol, leg den braten morgens bald zuͦ (am bratspiesz zum feuer) und lasz in küel und langsam abbraten, das er nit verbrin'. Eulensp. cap. 64 (ebenso in Ayrers singspiel vom Eulensp., s. u. kühlung 1, b); Eulenspiegel, der sich als kuchenknab verdungen hatte, versteht freilich den küchenausdruck falsch und legt den braten in den keller; vgl. unter k.
a)
kühle luft, tageszeit, jahreszeit u. dgl.: da der tag nu kuel ward und schier fur uber war. Luther 4, 30ᵇ, als die abendkühle kam, in der bibel von 1545 da der tag küle worden war 1 Mos. 3, 8, vgl. hohel. 4, 6; der morgen war kühl und frisch; küle nächte, kül wetter, küler wind Stieler; jetzt, beim eintritt der kühleren witterung, nach dem sommer, während man nach dem winter dieselbe luftwärme lau oder wärmer nennt;
bei kühlem purpurschein.
Spee trutzn. 132, beim morgenrote;
du kühle morgenstunde.
Voss (1825) 4, 37.
kühler wind, im volksliede formelhaft (wie der grüne wald u. ä.), wie schon mhd.:
wer weisz, wo mich der wind,
der kühle wind hin treibet.
Hoffmann schles. volksl. 259.
scherzhaft auch von voller kälte, über die man sich mit dem scherze hinaushebt, besonders es ist maikühle, in dem sinne wie man die ersten schneeflocken den spielenden mücken vergleicht, vergl. Fischart unter c. der kühle mai s. z. b. sp. 75 unten. kühler thau:
gen diser sumerzeite
do fallen die kuͤlen tawe.
Uhland volksl. 577.
b)
dazu das kühle (vgl.das kühl oben), kühle luft, kühler schatten, kühler ort u. dergl., doch im nom. kaum vorkommend: im külen sein, sub arboribus recubare, umbra frui, refrigerari Stieler;
nach mittage saszen wir
junges volk im kühlen.
Göthe 1, 15;
wie ergötz ich mich im kühlen
dieser schönen sommernacht.
1, 46;
ringsum nahmen ihn palmen ins kühle.
Klopstock Mess. 1, 53;
lasz uns hineingehn, frau, ins kühlere. gebe der himmel
uns die nacht ein gewitter.
Voss abendschmaus v. 15.
nd. im kölen, gegen abend Dähnert 246ᵇ. vgl.das kalte sp. 86.
c)
wasser, quell, wein u. dgl.:
lebt wohl, ihr grotten und ihr kühlen brunnen.
Schiller 452ᵃ,
mhd. trefflich kisküele von einer quelle, der kies als die kühlung erzeugend oder bewahrend gedacht:
der brunne ûf dringet âne mies (moos, ganz rein)
ûʒ dem felsen durch daʒ gries (kiessand)
kisküele, stæte, reine.
Mones anz. 8, 489.
kühler trunk, vom januar sagt Fischart: wann es in diesem monat gefroren ist, so wird es kühl, trocken und frisch, und wird der arm gleich so wol ein kuͤlen trunk haben, als der reich, wiewol die tränk sind ungleich. groszm. 624 Sch., mit anspielung auf den kühlen wein, der in den lustigen kreisen ein wichtig ding war, in volks- und schlemmerliedern formelhaft:
bei suͤszem most und kuͤlem wein.
Uhland 571, vgl. 578;
trag einher kuͤlen wein
und schenk uns tapfer ein.
583;
was trag ich auf der hende?
ein gleslein mit kuͤlem wein.
587, vgl. 589. 593;
man singt nicht viel vom warmen wein,
der kühl uns lustig macht ....
ein warmer ghört den weibern zu,
dem mann der kühle wein.
Hoffmann gesellschaftsl. 157,
vgl. unter kühlwasser. auch im gegensatz zum brannten wein, brantwein: der eheteufel ... treibet den mann ... aus dem haus, frü morgen zum brannten wein, von dem zum külen wein. Musculus eheteufel 1564 F 4ᵇ. noch im volksliede, aber neuerdings auch in gebildetem munde, mit halb scherzender halb gelehrter alterthümelei, vgl. Scheffels kühl stehender jagdwein unter I, b (kalt stellen, kalt stehen ist das gewöhnliche), so ein kühler trunk, in Berlin eine kühle blonde (2, 143).
d)
kühler ort u. ä.: kuͤl und lustig ort, aestiva. Maaler 254ᵈ, eine sommerfrische;
die gegend, wo ich ietzund dichte,
ist einsam, schatticht, kühl und grün.
Günther 269;
ein kühles thal mit leichten büschen.
Göthe 3, 40;
noch ist die laube kühl und grün.
Hölty 251.
kühler keller, mit gedanken an den kühlen wein:
im kühlen keller sitz ich hier
auf einem fasz voll reben.
K. Müchler (s. weim. jahrb. 6, 160).
ferner kühler schatten (vgl.schattenkühl Göthe 13, 84):
daʒ diu linde mære
mir küelen schaten bære.
Walther 93, 13 Wack.-Rieger.
und die bäume und büsche, die ihn bringen:
unter schatticht kühlen linden.
Lessing 1, 53;
wo über Eckhofs grab
geheime schauer wehn und kühle bäume grünen.
Gotter 1, 271.
kühles zimmer, kühle wohnung, auch im adv.:
prächtger wald, wos kühl zu wohnen.
Eichendorf 140.
e)
übertragungen des begriffes:
der wälder kühle lust.
Hagedorn 1, 34,
statt der kühlen wälder lust, mit übertragung des kühl vom äuszern ins innere. mit einer andern übertragung spricht Brockes von kühler klarheit, gedämpftem lichte:
durch allgemeine (vorherschende) schatten bricht
ein sanftes licht,
in welchem dunkelheit mit küler klarheit scherzet.
ird. vergn. in gott 1, 48 (1728),
was von der wärme gilt, auf das verwandte licht übertragen; vgl. übrigens kalte farbe sp. 80 unten. kühler mondschein (des alters) J. Paul herbstbl. 3, 181.
f)
besonders springt, wie natürlich, der begriff leicht in kühl machend über, kühlung gebend, kühlend, wie Stieler küler schatten mit umbra refrigerans erklärt:
doch mir umschwebt ein zarter lichter nebelstreif
noch brust und stirn, erheiternd, kühl und schmeichelhaft.
Göthe 41, 252.
ein kühles bad, ein kühlendes. von kühlenden früchten:
erdbeeren kühl und duftig (walderdbeeren).
Uhland ged. (1847) 450.
g)
auch vom menschen selber, oder von vieh, wie kalt und gegensätzlich heisz, warm:
und spielt' ihr mit dem flügelein
die rothe wange kühl.
Hölty 47 (der traum);
das wasser rauscht', das wasser schwoll,
ein fischer sasz daran,
sah nach dem angel ruhevoll,
kühl bis ans herz hinan.
Göthe 1, 185,
allerdings nicht blosz sinnlich gemeint, s. 3, a;
führe den schecken zum stall, und futter' ihn, Jürgen, mit haber.
doch erst trockne den schaum, dasz er kühl werd', ehe du tränkest.
Voss abendschmaus 2;
im blanken hemde gehn
wir bursche kühl und mähn.
die heumad 73.
dazu sich kühl kleiden, kühle kleidung:
das jüngferchen kleidet sich immer
luftig und kühl.
Luise 1795 1, 453 (später zefyrlich 1, 554).
h)
das kühle grab, die kühle erde:
üb' immer treu und redlichkeit
bis an dein kühles grab.
Hölty 48 (der alte landmann);
nun schläft sie dort im kühlen. es schneit auf sie,
und thaut auf sie.
Kosegarten dicht. (1825) 6, 153;
er liegt in Padua begraben ...
zum ewig kühlen ruhebette.
Göthe 12, 151.
es heiszt einen in die kühle erde betten, er liegt da kühl gebettet, und in diesem kühl sammeln sich trostgefühle, während man vom kalten grabe, der kalten erde mit schmerzlicher abwendung spricht, vgl. das folg. kühner die kühle verwesung J. Paul 4, 218.
i)
ins jenseits wird nämlich kühle, kühlung versetzt als gegensatz zu der hitze oder kälte, unter deren bilde uns das suchen, leiden, schmerzen hienieden erscheint, schon Göthes 'ewig kühles' ruhebette vorhin ist bestimmt zugleich so gemeint, vgl.kühlen 3, a: droben im paradiese, wo kühle bäche flieszen zwischen palmbäumen, und früchte drüber hängen wie gold. Göthe an Lotte 9. oct. 1772 (G. u. Werther s. 58);
bleibt, sel'ge, bleibt in eurem Eden!
des lebens hauch bläst schwer und schwül
durch stumme leichenvolle öden.
Elisium ist mild und kühl.
Kosegarten poes. 1798 2, 358.
schon im erdenleben kühlt uns hoffnung, trost u. ä.:
vom hauch der hofnung kühl umweht
vergiszt er gram und schmerz.
die erde rings um ihn vergeht,
er schwingt sich himmelwärts.
Salis 42 (das abendroth).
k)
selten von speisen im gegensatz zu dem heiszen zustande in dem sie aufgesetzt werden: die speis wird kühl, cibus infrigescit Aler 1250ᵇ, man nennt das sonst kalt, mit der übertreibung des verdrusses. vgl. das kühl braten im Eulensp. oben, Michaelis unter kühlen 1, von brote unter kühlen 2, d.
2)
eine art mittelstellung zwischen dem vorigen und folgenden nimmt ein älteres kühl ein, in der alten mystischen naturlehre, wie kalt 3, das nachzusehen ist; von einem throne von elefàndes beine heiszt es:
daʒ rîche gestûle (mhd. gestüele)
ist von natûre kûle.
pass. H. 149, 22;
das elfenbein war von natûre kalt (sp. 81 unten), vgl. Megenberg 135, 27 von der natürleichen kelten des helfenpains. noch im 16. jahrh.: wenn das silber erhitzt ist, so eilet und begert es des külen bleyes, wie ein gejagter und hitziger hirsch des külen wassers begert. Mathesius Sar. 159ᵃ, 13. pred., vom schmelzen und silberbrennen, auch das blei war nämlich kalter natur 149ᵃ (auch frisch nennt er es ebend.), s. Megenberg 481, 9 vergl. mit 480, 1. 479, 15. s. auch kühlen 2, b.
3)
ins innere übertragen.
a)
auf der schwelle zum innerm steht z. b. Göthes kühl bis ans herz hinan (1, g), von leiblich- seelischem gesamtgefühl, mit vorwiegen des erstern. mehr ins innere tritt folg.:
schon will die freche hand das heilige berühren.
da zuckt es heisz und kühl durch sein gebein
und stöszt ihn weg mit unsichtbarem arme.
Schiller 71ᵃ (bild zu Sais),
hier von einer unheimlichen, geisterhaften kühle, nicht wie sonst einer wolthuenden;
nicht jeder log, wer dir die wahrheit vorenthielt ...
er will das herz mit fleisz dir machen kühl, nicht heisz.
gott sagt dir auch zum glück nicht alles was er weisz.
Rückert brahm. 281,
nach dem sprichwort was ich nicht weisz, macht mich nicht heisz. noch mehr innerlich:
die silbenstechenden ausleger der poeten
erwecken mir halb kühl im busen und halb schwül
aus stolz und trauer ein gemischtes mitgefühl.
das. 652,
reimend kühl und schwül, wie sonst kalt und heisz.
b)
kühler kopf, mut, kühles blut, kühle seele u. dgl., im gegensatz zur hitze der aufgeregten leidenschaft:
hitzig köpf und gehe dat
die hören warlich in kein rat (kriegsrat).
es ghört ein kuͤler kopf darzu,
das recht ein hauptman kriegen thu.
Murner luth. narr 126 Sch.;
bei kühlem muth.
Gryphius 1, 115;
denn in der blutgen affair' bei Lützen
ritt er euch unter des feuers blitzen
auf und nieder mit kühlem blut.
Schiller 323ᵃ;
den herzog selbst sah man, mitten unter dem feindlichen kugelregen, mit kühlor seele seine truppen durchreiten. 964ᵇ. auch hier, wie im folg., nicht eins mit kalt, das vielmehr jede empfindung leugnet, die bei kühl noch vorhanden ist, nur unbeherscht durch die dinge.
c)
auch der mann selber heiszt in diesem sinne kühl, wenn z. b. Keisersberg fürs strafen der kinder den rat gibt, nicht im frischen zorne zu strafen und dabei bemerkt: wenn du kuͤl bist und du es strofen soltest, so thuͦst du im nüt (nichts). post. 2, 61ᵇ, genauer kühl von sinnen, nl. koel van sinnen, sedatus, tranquillus Kil. (vgl. kühlsinnig); nur gegen ende ihres lebens, nach tausendfachem kampf, ward Eloise etwas kühler. Zimmermann einsamk. (1784) 2, 262;
o schande Roms! dasz Nero kühl
das blut der bürger zapft' und zechte.
Gökingk 2, 35;
er sah ruhig und kühl die äuszeren schneestürme um sich fliegen. J. Paul Fibel 17, doch unsicher ob adj. oder adv., die da ineinander flieszen.
d)
von allerlei verwandtem thun, z. b. kühl berechnen, überlegen, kühle berechnung. ein kunstwerk, das nicht 'zündet', findet kühle aufnahme, wird kühl aufgenommen, was doch auch wärmer ist als kalt. kühl beten u. ä., ohne die nötige wärme: nicht küel, sondern eifrig und andächtig beten. Albertinus bei Schm. 2, 290, das trifft denn mit lau ziemlich zusammen, s. dazu unter kalt 3, d. 4, a. kühle arbeit, die leidenschaftslose ruhe und milde wärme braucht:
(der jüngling) oft scherzhaft, selten klug, voll sprünge wie sein gaul,
auf tanz und jagd erhitzt, zu kühler arbeit faul.
Hagedorn 1, 120.
e)
endlich von äuszerungen des geistes oder der seele, worin sich ihre temperatur spiegeit und auf andere wirkt: e küele ausred, eine schale a., bair. Schm. 2, 291, auch hd. ein kühler spasz u. ä., ein schaler, kahler, eig. gehaltloser, denn aller gehalt erwärmt irgendwie; wäre ich der elendeste schmierer und hätte ... die schalsten romänchen und kühlsten empfindeleien oder possen und fratzen aufs papier gekleckt .. Wieland in Merks briefs. 1, 194, vgl.kalte bossen (frigidi joci Suet. Claud. 21) u. kalt 4, a. Daher wird etwas, das uns erkältet, im verdrusz kühl, kalt genannt: muszte Judas solches geld wegen des abgeschmachen und kuͤhlen 'meum et tuum' der gemain übergeben. Abr. a. S. Clara bei Schm.; trefflich mit rückkehr zum sinnlichen kühl in einem kath. rätsel bei Schmeller: 'warum beten die klosterfrauen lateinisch?' weil es den armen seelen wol tuet; nämlich lateinisch beten und nichts davon verstehn ist küel, und was küel ist, tuet den armen seelen wol (die ja in der höllenglut sind, wie man das dort bildlich an wegen täglich sieht). s. auch kühlheit.
kuhle f
Fundstelle: Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2563, Z. 37
grube, s.kuhl.
Zitationshilfe
„kühle“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/k%C3%BChle>, abgerufen am 11.12.2019.

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