Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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kuhlen

kuhlen,
kühl werden oder sein.
1,
a)
mhd. gab es kuolen, erkuolen wb. 1, 779ᵇ, z. b.:
mir kuolent sô die ringe (der ringpanzer), sô sprach Volkêr ...
ich kiuseʒ von dem lufte, eʒ ist vil schiere tac.
Nib. 1787, 1.
ahd. vermutlich chuolôn (nach 'algeo cuͦlon' sum. 1, 4) und gichuolên refrigerari, s. Graff 4, 380; das kualen Otfr. IV. 23, 14 wird hierher gehören, wie es schon Scherz, Schilter 3, 521ᵇ auffaszten. alts. côlôn, nl. koelen, ags. côlian, engl. cool, altn. kôlna, dän. kölne.
b)
von einem nhd. kuhlen finde ich nichts weder bei schriftstellern noch in den ältern wbb. (auch Frisch, Adelung kennen es gar nicht); nur Steinbach 1, 944 führt an, und zwar neben kühlen refrigescere: auskuhlen frigescere, z. b. das wasser kuhlt aus, auch erkuhlen refrigescere, angekuhlt refrigeratus, gewiss aus seiner schlesischen heimat (bei Weinh. 49ᵃ nur erkullen erkältet, s.kellen). auch in Sachsen im volksmunde auskuhlen, z. b. die milch ist noch nicht ausgekuhlt, die gemolken und in äsche gegossen ist. ebenso in südl. mundarten: schwäb. abkuhlen kalt werden (abkühlen kalt werden lassen) Schmid 332, schwäb. verkuelen kalt werden, sich abkühlen Schmeller 2, 291, auch tirol. bei Schöpf 351.
c)
aus der Schweiz gibt Stalder 2, 142 nebeneinander 'kuelen, küelen, kühl werden', mit beispiel es hat gekühlt, wenn nach einem gewitter die luft kälter geworden ist (s. u.kühlen 2, d); bei Tobler 126ᵇ chüela, öfter chuela. also mhd. kuolen und küelen gemischt, wie ja auch Steinbach kuhlen und kühlen hat.
2)
bei schriftstellern wirklich kühlen, kühl sein:
gleichwie der schöne stern, der 's morgens läszt beschauen
sein purpur angesicht und macht den himmel tauen
durch seinen güldnen schein, und wie, wann es noch kühlt,
mit ihrer schönen glut die morgensonne spielt.
Opitz 3, 235 (lobges. J. Christi),
es kühlt von der morgenkühle (s. u.kühle 1); s. ebenso erkühlen kühl werden oben 3, 882 unter erkuhlen und J. Grimms bemerkung dort. Schönsleder g 8ᶜ stellt förmlich zusammen: erküelen act., refrigerare und erküelen pass., refrigescere.
3)
diese doppelheit ist aber wahrsch. alt überliefert. mhd. küelen kühl sein kannte Lachmann als 'minder richtig' (zu Nib. 1787, 1), wie trüeben, müeden für truoben, muoden trübe, müde werden; beisp. s. u. kühlen 1. auch ahd. 'irchuolan frigescere' Schm. 2, 291, Graff 4, 381 scheint eig. irchuolian, auch ags. neben côlian, âcôlian frigescere, algere cêlan ebenso Ettm. 376, noch jetzt keel, s. unter kühlen 1.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2564, Z. 53.

kühlen, verb.

kühlen, verb.
zu kühl, mhd. küelen, ahd. chuolian, chuolan, auch chuollan, gichuollan (-ll aus -lj) Graff 4, 380; alts. côlian nicht bezeugt, mnd. kôlen oder kölen (s. 3, d), nd. kölen br. wb. 2, 839, koilen Schamb. 108ᵃ, nl. koelen; ags. cêlan in âcêlan refrigerare Grein 1, 14, vermutlich auch côlian, wie engl. cool, dem ersten entsprechend altengl. kele, keel (Halliw.). dän. köle, kjöle, schwed. kyla, s. u.kühle.
1)
kühlen kühl sein oder werden, schon mhd. küelen z. b. im buch von guter speise: und lâʒ eʒ sieden .. und lâʒ eʒ denne küeln. § 47; sô schüt sie ûʒ und lâʒ sie küeln. 84; lâʒ sie derküeln 85, erküeln 71, daneben lâʒ sie 'kuln' 45; lâʒ eʒ 'erkuln', womit kuolen gemeint sein wird, s. u. kuhlen 3;
der luft der kuͤlet gen dem tag.
Hätzl. 8ᵃ;
es kühlt, von der morgenkühle. Opitz, s. u.kuhlen 2, vgl. Steinbach das. 1, b;
feuer hab ich, und geschwind'
steht ein fisch gebraten in der mitte ....
und darnach, indem die fische kühlen (: spielen),
hohl' ich trauben.
J. B. Michaelis poet. w. Wien 1791 2, 161 (Paros u. Hyla);
ich sah 'nen schmid mit seinem hammer, so,
indesz sein eisen auf dem ambos kühlte ... (did cool).
Schlegel Shaksp. 1825 1, 53 (k. Joh. 4, 2).
ebenso auskühlen, erkühlen, verkühlen. wahrscheinlich schon älter als mhd., s. u. kuhlen 3; auch ags. mit der umlautform cêlan, noch engl. keel, 'erkalten, den mut verlieren', schott. queel kühl werden.
2)
kühl machen.
a)
man kühlt allerlei heiszes, z. b. das glas im kühlofen, die würze im kühlschiff, das (geschmolzene) silber abe külen Mathes. Sar. 150ᵃ, das geschütz kühlen, abkühlen, to cool the cannon Ludwig 1084, eine wunde mit nassen umschlägen; er umfaszte einen baum, kühlte seine heisze wange an der rinde. Göthe 18, 110. oder was lau ist und kälter werden soll: küel wol den win. Ruff Ad. u. Heva 5763; im sommer trinken sie ausz gekuͤlten fläschen. Garg. 253ᵃ (477);
drum lauf, jung, zu dem brunnen hin,
ein frisch kühlwasser bring,
darmit der wein sich kühle drin.
Hoffmann gesellschaftsl. 157,
man nahm aber auch schon eis dazu, s. u. eisgekühlt (16. jh.). auch den durst kühlen Klinger th. 3, 322, vergl. brennender durst; küle meine zungen, denn ich leide pein in dieser flammen (der hölle). Luc. 16, 24. das korn kühlen, auf schiffen u. ä., umwenden, dasz es nicht warm wird, s. Frisch.
b)
in der behandlung kranker; vom sterbenden Luther erzählt Mathesius: da beginnt er still zu sein. man rüttelt, rib, kület, und rief im, aber er thet die augen zu. Luthers leben 1583 166ᵇ, es ist das begieszen bewusztloser mit wasser, das sonst laben heiszt, s.kühlwasser 2; aus Luthers schwerer krankheit i. j. 1527, als er schier tod war, wird erzählt: wir rieben und kületen in, gaben im labsal, und theten was wir kunden, bis der arzt kame. Jonas bei Luther 3, 404ᵃ. dazu einen aufkühlen, durch kühlen zu sich oder auf bringen: einen ohnmächtigen bauer kan man mit einem frischen pferdeskoth, wenn man ihm den vor die nasen hält, aufkühlen. Coler hausapoth. 2, kühlen ganz zu erquicken (d. h. eigentlich lebendig machen) geworden, vergl. 2 am ende. die bäder zu Plumbers (Plombières) rühmt H. Folz:
kuͤln wol, wer (wenn einer) hitzig krankheit hat.
fastn. p. 1257,
beide verwendungen haben zusammenhang mit der alten temperamentslehre, s.kalt sp. 80 und kühl II, 2. dazu kühlende kraft, z. b. eines krautes Steinbach 1, 944, kühlende sachen gebrauchen, refrigeratives Ludwig, agrest kühlet stark. ders.; kühlende mittel, vergl.kühlsalbe, ↗kühlpflaster, ↗kühlmittel. ähnlich 'die natur kühlen':
die weiche lunge weisz die rede zu versehen,
zu kühlen die natur.
Opitz 3, 214;
wie das ursprünglich gemeint ist, zeigt Megenbergs bemerkung, dasz man mittelst der lunge den luft in sich zeucht zuo ainer küelung des herzen. 29, 30.
c)
sich kühlen, im bade, an der luft, im schatten:
die wolten sich dâ küelen unde badeten iren lîp.
Nib. 1473, 4;
her Wîgâlois der küene
kuolte sich und ruote dâ (unter einer linde).
Wig. 107, 3;
erstach in der grimmig Hagen
dort auf dem Ottenwald ...
do er sich kuͤlt im prunnen.
hürn. Seifr. 178, 3;
da gieng Ptolemeus allein zum könige in seinen saal, da er sich innen kület. 2 Macc. 4, 46, vulg. refrigerandi gratia;
so sprach der Zebedäide,
ging dann wieder hinaus und kühlte sich unter den palmen.
Klopstock Mess. 12, 289;
Agata stand, um sich zu kühlen, mit einer schlange in der hand am ufer. J. Paul Tit. 1800 4, 206. statt sich auch seine hitze u. ä.: das ist die ander ursach des sabbats, das sich dein gesinde und arbeitsame thyrer erquicken und die hitze irer arbeit külen und die glidmas erfrischen. Carlstad vom sabbat B 1ᵇ.
d)
auch von dingen sich kühlen, kühl werden, z. b. der wein kühlt sich im kühlwasser (s. unter a); gewöhnlich verstärkt sich abkühlen. z. b. von der luft: kühle werden, sich külen, to cool, das wetter hat sich gekület Ludwig 1084;
bis sich kühle der tag und die schatten sich senkten.
Kosegarten dicht. (1824) 3, 92.
dazu gehört folg. gekühlt:
warte nur, lieb kindelein,
bis das brot gekühlt wird sein.
als das brot gekühlet war,
lag das kind schon auf der bahr.
volksl. bei Peter, volksth. aus österr. Schlesien 1, 214;
ergraut ist schon die welt,
die luft gekühlt, der nebel fällt.
Göthe 12, 62.
Vom wetter hat sich kühlen noch eine besondere bedeutung: das wetter kühlt sich, wenn es wetterleuchtet Steinbach 1, 944, es ist die volksmäszige bezeichnung des wetterleuchtens, daher auchwetterkühlen genannt (Göthe Werther 1775 s. 40); kühlen, blitzen ohne donnern Aler 1251ᵃ, vgl. Stalder u. kühlen 2, c:
und die wolke steht umzogen
von des friedens hellem bogen,
unter dem der bliz noch spielt,
der des tages glut gekühlt.
Voss (1825) 3, 100.
e)
thau, moos, schatten, luft u. a. kühlen:
wenn der thau das erdreich kühlt.
Günther 175;
legte das glühende haupt ... in den thau des morgens zu einer kühlenden ruhe nieder. J. Paul Hesp. 1, 276;
Cneus sasz allein auf kühlendem moose.
Klopstock Mess. 17, 618;
ein blumengurt, ein myrthenhuth
kühlt liebchen vor des sommers gluth.
Bürger 48ᵃ.
So auch bloszes kühlen, kühlung geben:
wie schmeichelhaft und mit verjüngten flügeln
der zephir kühlt.
Hagedorn 1, 68;
als die büsche lieblich kühlten,
lichter in dem schatten spielten.
Göthe 47, 159 (gartenhaus am untern park).
in kühnerer verwendung:
euch (trauben) brütet der mutter sonne
scheideblick ....
euch kühlet des mondes
freundlicher zauberhauch.
Göthe 1, 92 (herbstgefühl).
f)
vom äuszeren schon ins innere übertretend:
sieht kleine wasserbäche flieszen,
die, da sie fast recht wie fontainen spielen,
den blick so gar von weiten lieblich kühlen.
Brockes 2 (1739), 395;
hier springt die silberfluth
in einem alabast und kühlet lust und muth.
asiat. Banise (1738) 688,
kühlen zugleich wie wir noch laben brauchen, ohne dabei mehr an das labende wasser zu denken, von dem es herrührt, vergl. laben und külen Luther unter 3, b, γ und unter kühlung 2, a. auch wie erquicken überhaupt (so mhd. erküelen z. b. Nib. 1876, 3); in einem streitliede gegen Wallenstein vor Stralsund:
von frembder speise hat er lust
seinn dicken bauch zufüllen.
ich sorg, wenn er den pfeffr mehr kost,
er wird ihn wenig kühlen.
Soltau 482, Weller 192,
pfeffer ist brühe, z. b. bratenbrühe (gepfefferte), der pfeffer erhitzt aber, und so ist das treffliche hohnwort wol klar.
3)
dasselbe innerlich, seelisch.
a)
die seele erhält labende kühlung vom heiligen geiste, wie im himmel (s. dazu kühl II, 1, i):
wasche das da unrein ist,
küle das da erhitzt ist.
Hoffmanns kirchenl. s. 365. 366, veni sancte spiritus deutsch.
die sich in gott versenken,
se kolen sick van all eres herten leet.
Hölscher nd. geistl. lieder s. 134.
b)
denn alles leiden wie alle leidenschaft ist hitze, und ihre linderung ein kühlen, zugleich ein laben wie unter 2, f.
α)
von leid, sorge, schmerz, gram u. ä., schon ahd.: erchuolta mit sînemo tôde demo chuninge sîn zorn, 'satiavit'. Graff 4, 381;
sô welt ir sanfte küelen iuwer herzenleit.
Alphart 156, 1;
hier hast du aufgesetzet
ohn hoffart, nicht ohn lust, ein haus das dich ergetzet
und deine sorge kühlt, so durch dein hohes ampt ...
dir stets wird aufgelegt.
Opitz 1, 60;
schlaf soll meine sehnsucht kühlen.
Gotter 3, 448;
nichts liegt mir am leben,
wenn ich den heiszen ungeheuren schmerz
in seinem lebensblute kühle.
Schiller 523ᵇ (Tell 1, 4);
o all ihr elisiumsscenen meiner kindheit! werdet ihr nimmer ... mit köstlichem säuseln meinen brennenden busen kühlen. räuber 3, 2 (kr. ausg. 2, 118); vielleicht welkt sie an einem gram, den ein vertrauter kühlt und nimmt. J. Paul Hesp. 2, 203; er sehnte sich ... im strome der natur das herz zu kühlen. Titan 1, 13.
β)
besonders auch von liebe, gröberer wie reinerer:
dein täuber ladet dich auf eine schnabelweide,
und kühlt den heiszen brand, der dir ums herze lauft.
Günther;
nachdem er durch sattsame ergötzungen seine regungen ziemlich gekühlet. Hofmannswaldau;
den brand gemeiner liebe,
den nach dem tod ein kurzes seufzen kühlt.
Haller (1777) 268;
ach die erde kühlt die liebe nicht.
Göthe 1, 249 (br. von Cor.).
γ)
natürlich auch persönlich einen kühlen: ward er zu rath, darinn mit seim volk zu übernachten, es von seinem streiterhitztem zorn zukuͤlen. Garg. 208ᵃ (Sch. 386), zugleich leiblich, und zorn mehr nach mhd. weise noch als aufregung überhaupt. man hat an einem zu kühlen, hat viel mühe damit: ein fürst und herr .. reitet grosze thewre hengste, die wollen .. den zaum frei und lang haben, die sporn nicht leiden ... zu letzt wenn sie die laun und das kollern ankompt, den herrn aufs pflaster legen, das land und leute an im zu laben und zu külen haben. Luther 6, 145ᵃ (ausl. des 101. ps., v. 2), von fürstlichem übermute, der sie selbst endlich schädigt und den dann die unterthanen 'büszen' müssen, es ist leiblicher schade und leidenschaft des zorns u. ä. zugleich gedacht, echt dichterisch, im anschlusz an das kühlen 2, b.
δ)
auch der grimm, zorn kühlt sich (vergl. 2, d): darumb kanstu fort nicht wider rein werden, bis mein grim sich an dir gekület habe. Ezech. 24, 13;
dasz endlich sich der zorn der schönen kühlte.
Wieland.
c)
man kühlt seinen schmerz, seinen zorn, hasz, rachedurst u. dergl. durch thätliche befriedigung: aber herzog George ist solch ein verboste seele, das er auch seinen hasz am todten külen musz. Luther 6, 31ᵇ; geh und kühle deine wuth in den armen seiner tochter. Klinger 3, 232, zugleich nach b, β;
dennoch hegt er beständig den heimlichen groll in dem busen,
bis er ihn endlich gekühlt.
Voss Il. 1, 83, ὄφρα τελέσση;
eh dieser arm ...
den rachedurst der welt in deinem blute kühlt.
Gotter 2, 410.
Sinnlicher gefaszt das herz kühlen (mhd. sîn herze erküelen Gudr. 125, 4), in dem ja alle leidenschaft brennt (vgl.das herz entbrennt 3, 504, brinnet 2, 391):
und der noch gelust, der küel sin herz.
Lenz Schwabenkr. 157ᵇ, Liliencr. 2, 424ᵇ,
trotzige aufforderung an den geschlagenen gegner: sättige sich in kampf und rache, wir sind auf dem platze;
solt ich mein herz nit an dir külen,
und dir dein böses maul erknüllen?
H. Sachs 1, 479ᵈ (1590 360ᵇ).
Auch die leber kühlen, in der man gleichfalls die hitze der leidenschaft suchte, auch den mut u. a.: dieser dreckichte knecht (d. i. kerl) der allezeit trachtete die leber zu kühlen, lenkete sich zu einem mägdlein. Happel acad. roman 38.
d)
gewöhnlich mit einem zusammenfassenden worte
α)
den mut kühlen, denn mut ist urspr. unser inneres in bewegung, welcher art sie sei (wie gr. θυμός):
al is sîn môt noch nicht gekôlet (: vôlet).
Rein. vos 6141, gekölet Hoffm.;
und wenn er selbst nicht ist der mann
oder zur rach nicht kommen kan,
so kült er doch sein muth mit drawen (drohen).
Wolgemut 2, 440;
dich hat gedürst nach menschen blut,
sauf sein nu satt, kühl deinen muth.
froschm. Tt 4ᵃ;
so oft es taget nur, so tritt mein feind vor mich,
kühlt seinen muth an mir, und lästert trotziglich.
Fleming 23 (Lapp. 9);
es (das schwert) friszt und hört nicht auf, bis die rebellen fühlen
und völlig meinen muth an warmen leichen kühlen.
Günther 707, danklied Mosis;
(der königslieutenant) der ... das dringendste geschäft lieber einen augenblick stocken liesz (um erst ruhig zu werden), als dasz er den einmal in ihm erregten bösen muth an einem unschuldigen gekühlt .. hätte. Göthe 24, 158, seinen 'unmut ausgelassen', seine verstimmung befriedigt. auch nl. zijnen moed koelen. mhd. auch der muot erkuolet einem Gudr. 1460, 4, wird gesättigt in rache u. ä.
β)
auch sein mütlein kühlen: er wölle in angreifen und das mütlin an im külen. Luther 4, 171ᵇ; das er (herz. Georg) verhofft, mein gnedigster herr der kurfürst würde mir angesichts seiner schrift flugs alles (böse) thun .. damit er sein mütlin külen möchte 6, 6ᵃ; konnte sein müthlein an mir nicht kühlen. Schweinichen 3, 172;
obs gleich die armen bilder nit fühlen,
wird er doch dran sein müthchen kühlen.
engl. pickelhäring, Scheibles fl. bll. 88,
und so noch jetzt allgemein, seinen unmut, übermut, besonders aber schadenfreude an etwas sättigen.
γ)
auch mutwillen: aber nu sichs rad (glücksrad) gewendet hat und die oberherrn obligen .. die bawren aber erschlagen ('niedergeschlagen') sind, da ist abermal kein masze .. auf beiden seiten. die oberherrn wissen nicht wie sie iren mutwillen gnugsam külen sollen .. Luther 3, 235ᵇ, v. j. 1526. auch sein gemüthe kühlen, alterius damno gaudere. Steinb. 1, 944, mhd. sîn gemüete erküelen an einem Gudr. 125, 4, von rache.
e)
alter, schicksale, weisheit kühlen einen, dämpfen die hitze der jugendlichen leidenschaften zu einer mittleren temperatur:
vom alter und vom unglück glaubt ich mich
gekühlt, dasz nichts mich überraschen könne.
Göthe 7, 205 (Mah. 3, 11);
ihr saszet damals so recht in der hitze,
jetzt seid ihr gekühlt und kalt sogar.
Heine buch d. l. 233.
ähnlich von einem trotzigen, starren sinne:
ein sinn, dem nichts gefällt, den keine sanftmuht kühlt.
Haller (1777) 108.
4)
endlich seemännisch
a)
kühlen, es kühlt, vom winde: dann (weil) es ein weit offen porto (hafen) ist, küelt und wehet der wind so stark, das es ein gommena oder ancrseil abreiszt. Kiechel reisen 250; ward der wind ponente garbin, küelt gegen abent zimlich frisch. 246 (frische kühlte sp. 2563); also küelt der wind gegen nacht noch frischer. 15; küelt es frisch uf, hatten halben wind. 17 u. ö.; weil es diesen tag anfänglich etwas gelinde kühlete. Olearius pers. reis. 2, 2; gegen abend begunte der wind hart hinter uns her zu kühlen. 1, 2; wenn durch hartes kühlen, wie sie es nennen, das schiff beweget wird. das. es ist das wort der nordd. seeleute, und Kiechel, der Ulmer, musz es auf seiner nordischen fahrt gelernt haben. dazu kühlung (s. d. 3) und kühlte wind, s.kühlde 3.
b)
aber die form ist fraglich. nl. zwar heiszt es koelen, mit koelen kühlen eins, doch nd. vielmehr kulen, während kühlen kölen heiszt: die ungeduld der matrosen war unbeschreiblich. kuhl up, oll fader! riefen sie von zeit zu zeit, possirlich andächtig ihre mützen lüpfend und halb flehend halb pochend gen himmel blickend. kuhl up, kuhl up, oll fader! riefen sie. aber der alte vater blieb unerbittlich. nur geduld, jungens, sagte der schiffer .. mögt leichtlich der kühlung noch so viele kriegen, dasz ihr vor abend noch vor top und takel jaget. Kosegarten rhapsodien 2, 59, doch ebend. nachher auch kuhlung (s.kühlung 3), kühlung ist eine falsche hd. auffassung; der 'alte vater' beiläufig, der 'aufkulen', kulung machen soll, ist vermutlich in seemannsmunde älter als der christliche gott (vgl. sp. 725 von der windsbraut u. a.).
c)
diesz nd. kulen stimmt zur nord. form: schwed. kula, dän. kule, norw. kula und kylja, dazu dän. kuling, von dän. köle verschieden wie im nd.; vor allem mit urspr. kurzem vocal: isl. kula wehen (und kalt sein), kula f. und kul n. kalter wind Biörn 1, 481ᵇ, und dasz es auch seemännisch ist, zeigt das. kulbord n., die dem winde zugewandte seite des schiffes, schwed. kul m., auch kulare m. ('kuler') frischer segelwind Rietz 303ᵃ, altn. kul n. Fritzner 371ᵃ, s. darüber kellen 5. In der norddeutschen und nordischen schiffersprache besteht aber eine alte gemeinsamkeit der entwickelung. dem harten kühlen u. a entspricht z. b. dän. kule hardt, det kuler hardt (engl. a hard gale), der labberen kühlte, nl. een labber koelen dän. en laber kuling, seewind in bestimmter stärke. Die frage ist also, ob unser kühlen echt und alt ist, wozu ein anhalt nicht fehlt (s.kühlde 3), oder blosze falsche umdeutung von kulen, und ob dieses ein nord. einflusz ist oder nicht. übrigens gibt es auch norw. neben kula ein kjöla wehen, neben kul f. auch kjöla f. schwacher wind (Aasen 217ᵇ. 242ᵇ), sodasz die vermischung in die nord. sprache reicht.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2565, Z. 18.

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„kühlen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/k%C3%BChlen>, abgerufen am 18.05.2021.

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