Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

kühlung, f., subst. verb.

kühlung, f. subst. verb.
zu kühlen, mhd. küelunge (s.kühlen 2, b am ende), im 15. jahrh. md. kulunge, kuelinge refrigerium (auch erkulung, virkulunge) Dief. 489ᶜ, nd. kölinge n. gl. 315ᵇ, nl. koeling; ags. cêling refrigerium Ettm. 376, engl. cooling. hd. nebenformen kühling s. 1, b, kuͤlumb s. 1, c.
1)
sinnlich, kühlung durch luft, schatten, wasser u. ä.
a)
trans.: wenn man es (das landschaftsgemälde) .. wie einen park behandelt, in dem man spazieren geht, so findet man plätzchen und wege und beleuchtung und kühlung, die unaussprechlich schön sind. Carl Aug. in Mercks br. 2, 188; mein kopf brennt so fieberisch. ich brauche kühlung. willst du mir ein glas limonade zurecht machen? Schiller 209ᵃ (cab. u. liebe 5, 2);
und von morgen wehet der wind mit lieblicher kühlung.
Göthe 40, 235.
b)
auch passivisch, gekühltheit, gekühlter zustand:
und brats fein kühl und langsam ab.
stecks nicht geh (jäh) in die hitz,
sonder das es gut kühling hab.
Ayrer fastn. 163ᵇ (3143, 10),
die form ist nürnb., oberpf., s. Frommanns Grübel 3, 236, Weinhold bair. gr. s. 36, zur sache s. unterkühl II, 1.
c)
der begriff der erquickung (eigentlich wiederbelebung), der unter a von selbst mit darin liegt, tritt zuweilen für sich hervor, z. b. (s. auch 2, a):
wann do er eines tages gieng
für sein zelle und enpfieng
ein natürliche kuͤlumb (: herwiderumb).
Vintler, Haupt 9, 100,
mit -umb für -ung nach bair. art, s. Weinhold bair. gr. s. 143. eine kuͤlung empfahen (in der 'natur', eine natürliche) gleich mhd. eine küele vâhen unter kühle 3, a, eig. fassen, nehmen.
d)
wie kühle 3, a gleich kühlung, so auch umgekehrt, z. b. von der abendkühle, morgenkühle:
und als nun des morgens
mich die kühlung erweckte, die vor der sonne herabfällt.
Göthe 40, 250;
bis die kühlung kam.
Hölty 199, abendkühle;
durch deine kühlung, duftende frühlingsnacht.
81;
in duftende kühlung
nimmt ein prächtiges dach schattender buchen mich ein.
Schiller 75ᵃ.
e)
gleich kühlendes mittel: eine blutkülung, arzenei für ein hitziges geblüt. Ludwig 1084.
2)
seelisch und geistig, s.kühlen 3.
a)
wieder als erquickung (1, c):
ein jedes landgesicht erquicket sein gemüthe,
und gieszt ihm frische kraft und kühlung ins geblüte.
Bodmer char. der deutschen ged. (Gödeke deutsche dichtung 1, 542ᵃ),
das letzte malt nur die erste wendung sinnlicher aus, vgl.kühl 3, a; mystik ward aber auch bedürfnis, kühlung und labsal für viele gute menschen. Zimmermann eins. 2, 144, vgl.laben und külen sp. 2567.
b)
kühlung von heiszer liebe, schmerz, gram:
wann werd ich kühlung meiner flamme fühlen
bei seinem wiedersehn.
Karschin, Vossens mus. alm. 1798 s. 79;
gleich dem grame, den nie des trostes
kühlung umwehte.
F. L. Stolberg 1, 25.
c)
himmlische kühlung (s.kühl 1, i):
dasz mir (in der todesstunde) deine palme kühlung wehe,
kühlung wie von lebensbäumen träuft.
Hölty 236 (elegie bei dem grabe meines vaters).
anklingend daran folgendes:
Leonore. es schützet dieser zweig (lorbeer) vielmehr das haupt
des manns, der in den heiszen regionen
des ruhms zu wandeln hat, und kühlt die stirne.
Tasso. ich bin nicht werth die kühlung zu empfinden,
die nur um heldenstirnen wehen soll.
Göthe 9, 121.
3)
seemännisch für wind, segelwind: hier erwartete er eine frische kühlung, und lief vor dieser mit vollen segeln auf den hafen zu. Niebuhr 3, 711, wie eine frische kühlte, s.kühlde 3. nd. köling, auch dän. kuling, schwed. kul m., die aber nicht zu kühl gehören, s. darüber kühlen 4. Auch bei nordd. dichtern für wind, besonders frisch wolthuender:
wenn der schimmer von dem monde nun herab
in die wälder sich ergieszt, und gerüche
mit den düften von der linde
in den kühlungen wehn.
Klopstock 1, 200 (die sommernacht);
wie erfrischend
über den see die kühlung heraufweht.
Voss Luise 1795 1, 125 (142).
Auch kuhlung, wie dän. kuling: um drei uhr nachmittag stieg endlich eine sogenannte moye kuhlung auf. ganz leise leise begann die glatte oberfläche sich zu kräuseln .... eh wirs uns versahn, war die moye kuhlung angewachsen zum reiszenden sturm. Kosegarten rhapsodien 2, 62.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2571, Z. 36.

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Zitationshilfe
„kühlung“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/k%C3%BChlung>, abgerufen am 12.08.2020.

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