Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

kühreigen, kühreihen, m.

kühreigen, kühreihen, m.
schweiz.: was ist der kühreigen? die weise der musik, mit welcher die hirten in der Schweiz das vieh im juni aus den thalweiden auf die hohen alpen treiben. F. L. Stolberg 3, 242. bildlich: sich durch den neuen theologischen kühreih'n nicht irren lassen. Claudius 8, 154; die frühern stunden .. die ihm so schön mit diesem kuhreigen der jugend aus der sennenhütte nachklingen. J. Paul Tit. 1, 78 (1800 125). diesz weglassen des umlautes (s. u.kuhfenster) auch bei Schiller: noch ehe der vorhang aufgeht, hört man den kuhreihen. W. Tell Tüb. 1804 s. 1;
nichts als den kuhreih'n und der heerdeglocken
einförmiges geläut vernehm' ich hier.
s. 61;
es ist eine bekannte erfahrung, dasz nichts so sehr das heimweh der Schweizer weckt, als die ganz eigenthümliche und nur dort übliche reihe von modulationen, welche den sogenannten kuhreigen bildet, der von worten ganz getrennt und auf keine melodie oder musik beschränkt ist. W. v. Humboldt br. an eine freundin 1, 315. Die schweiz. form ist kühreihen Stalder 2, 141, appenz. chüereiha Tobler 124ᵇ, wo genaue angaben folgen über die ersten erwähnungen des kühreihens u. a., auch der Appenzeller text, den schon Stolberg mit melodie mittheilte (reise in Deutschland, der Schweiz u. s. w. 1794 1, 141), berichtigt, s. auch Krünitz 54, 687 ff. aber Toblers ableitung ist zu berichtigen: 'der gegenstand, der im chüereiha besungen wird, sind die kühe und zwar dem reihen nach' (vgl. Humboldt vorhin); aber es ist urspr. nichts als mhd. reie, tanz, doch vom fremden tanz unterschieden, in einer 'reihe' bestehend in der die tanzenden dahin zogen oder sprangen, traten (s. mhd. wb. 2¹, 655ᵃ). hier bilden die kühe mit küher, senner u. s. w. den reien, der sich unter gesang den berg hinauf zieht, und an fröhlichem springen fehlt es wol auch nicht, bei vieh und menschen. Die bed. ist aber verallgemeinert, gesang der küher überhaupt, zum herbeirufen der kühe (Stalder), besonders bei festlichen anlässen (s. Tobler): zwei mädchen, die uns ein gatter öffneten, sangen in tönen des kühreihens ein langes lebhaftes lied. Hegner berg- land- u. seereise (1818) 42.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2581, Z. 28.

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Zitationshilfe
„kühreigen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/k%C3%BChreigen>, abgerufen am 15.08.2020.

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