Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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kunde, m.

kunde, m.
zeuge, vom folgenden unterschieden, bei Frisch 1, 556ᵃ aus der 'clevischen rechtsordnung p. 20': von beweisung der lebendigen kunden, obwol da kunde fem. gemeint sein kann, s. lebende kunde sp. 2624, lebendige kundschaft (s. d. II, 4). sicher aber als masc. eben auch aus Cleve im 15. jahrh.: tuych, konde, testis, arraba, arbiter. Teuthonista 278ᵃ. kundschaft gehört theilweis dazu. Die ahd. form ist chundeo (d. i. chundio) testis, unterschieden von chundo notus, kundmann, s. Graff 4, 426. 416; auch urchundo testis, für urchundio, mhd. der urkünde wb. 1, 815ᵃ. so wäre genau nhd. der künde zu erwarten (wie künden 3, a, zeugen), das aber auch mhd. nachzuweisen bleibt; eine spur bis jetzt nur in dem unklaren nâchkunde Barl. 327, 6, vgl. forachundo preco Graff 4, 427. bemerkenswert nrh. cunde wegweiser Teuth. 62ᵇ und cunde, conde späher, kundschafter 51ᵇ, zum folg.?
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2620, Z. 20.

kunde, m.

kunde, m.
notus, bekannter u. ä., ahd. chundo notus, socius Graff 4, 416, mhd. kunde, alts. cundo, ags. cûđa Ettm. 377; auszerdem nur entlehnt dän. kunde, schw. kund in der bed. 2. Es ist das adj. kund als subst. ausgeprägt, in ausschlieszlich schwacher form, d. h. sowol der kunde als ein kunde, während neben der bekannte starkes ein bekannter steht; doch auch von letzter form eine spur (ob auch mhd.?): kunder oder bekanter, agnotus. voc. th. 1482 r 6ᵇ. nebenform konde s. u. 2 und 3, c, kunne 2 a. e., wie nnd. kunn Danneil 120ᵇ.
1)
Eig. ist der kunde der bekannte, ahd. mîn chundo notus meus Notk. 54, 14, friunt unde chunneling unde chunden 87, 19, freunde, verwandte und bekannte. mhd. oft verbunden in zusammenfassender formel die fremden und die kunden, auch geste unde kunden u. a., und so noch nhd. anfangs:
nu höret ir fremden und ir kunden ...
fastn. sp. 740, 4;
nun wil ich den fremden und kunden
von euren hohen kunsten sagen.
744, 21;
hie zu (zur gemeinsamen vertilgung der vorräte) worden .. aufgemanet die .. wangenlanggeuͤbte kunden aus dem Trettacher, Iler, Irracher und Breitacherthal. Garg. 81ᵇ (Sch. 139). Noch landsch., z. b. bair. der kunt, auch die kuntin, bes. geliebter, liebhaber, geliebte, s. Schm. 2, 311; im (bair.) unterlande gehört es zum stolz des mädchens, viele kunden zu haben. Fromm. 4, 548, also wie der liebhaberhof einer sängerin. im alten sinne noch b. Aler 1252ᵇ er ist mein guter kund, utor eo familiariter, auch bei Denzler 2, 179ᵃ; kund, freund Schönsleder h 4ᶜ.
2)
daher kunde in geschäftlicher beziehung, eig. etwa unserm geschäftsfreund entsprechend. den übergang dazu vom vor. zeigt etwa, wenn Venus von ihren kunden spricht:
myn kunden niemans nennet all.
Brant 13, 5.
kunden von wirtshausgästen Wickram rollw. 83. besonders vom käufer, der sich zu einem kaufmanne gewöhnt, oder wer bei einem handwerksmann regelmäszig arbeiten läszt, überhaupt auf alles geschäftsleben erstreckt, im kleinen wie im groszen: führe und mache gute wahre, mache es reiniglich und sauber, so kompt der kondte wieder. Mathesius Syrach 2, 138ᵇ; wiltu arbeiten und kondten bekommen, .. so mache es fleiszig. das.; wie der schöne markknochen, den der fleischer, wenn er mit seinen kunden zufrieden ist, ihnen unentgeltlich in den korb schiebt. H. Heine romanzero 306; kunden bekommen, vertreiben, verlieren Frisch 1, 556ᵇ (er erklärte es aus dem 'kaufmannswort conto, rechnung'); ein guter, fester, stehender kunde; auch ein arzt, banquier, advocat spricht von seinen kunden; Deutschland war lange für manche artikel Englands bester kunde. s. auch 4. die rhein. form ist konne (s. 3, c), luxemb. konn Gangler 248, schon im 16. jh. kunne, im narrenschiff Straszb. 1545:
wann man solchs (die leichte arbeit) von dir wirt innen,
dein kunnen werden dir entrinnen.
Zarnckes Brant s. 52ᵃ.
3)
verallgemeinert, ungefähr wie kerl, kumpan, bruder u. ä. (s. sp. 591 unten), hervorgegangen vermutlich, wie diese, aus der freundschaftssprache der zechgenossen. s. unter kundschaft II, 3, auch kundmann 3.
a)
kunde schlechthin oder nicht im schlimmen sinne:
will dich dann jemand krumms ansehen (für die grobheit) ...
so sprich, ei ja mein lieber kund,
disz spil heiszt luͦg auf deinen mund.
Scheit grob. C 3ᵇ,
freilich spöttisch abweisend: 'kehr vor deiner thür, das geht dich nichts an', aber das mein lieber kund zeigt doch wol den ursprung dieser verwendung, etwa wie jetzt mein lieber freund in gleichem falle;
sitzt er dann übel, iszt auch schlecht,
so gschicht dem kunden eben recht.
das. Q 2ᵇ,
ziemlich wie kerl, als kraftwort für mann überhaupt, und so denn oft: ein starker kund. das. O 4ᵃ; solche kunden dörften die alt weis wider anfangen und .. eicheln essen. Fischart Garg. 46ᵃ (Sch. 71); der euch kunden den hals .. rib. 192ᵃ (355). das alles ist freilich schon abweisend, von leuten die man sich fern hält oder fern stellt, d. h. das wort war in seinem eig. sinne damals schon abgebraucht. aber auch bei Fischart erinnert noch an die sprache der zechbrüder: ein alter erfahrener vom adel, ein rechter nasser kund und ein schnauzhan in kriegen. Garg. 224ᵇ (420), d. h. ausgepichter kerl, eig. lobend in zechermunde; hör mein hechelbartiger kund, kanst auch durch den knebelbart pfeifen? groszm. 74 (Sch. 604). sonst aber mehr abweisend: menschen mit krebsnasen, gesattelt hund ... kunden wie man hinder Job und Sanct Töngis (Antonius) malet, in spilen und mummereien brauchet u. s. w. Garg. 18ᵇ (19), also von unheimlichen gestalten, kunden scheint das unheimliche aber mehr launig zu fassen; auch wird der obgenandten kunden einer feldbischof werden. groszm. 73 (604), es sind aber landstreicher die vorhergehen (bei Rabelais nur un des susdits), gleichfalls launig gemeint. daher ironisch: nun ferner, das sibende glid dieses .. stammens wol zu stafieren, können wir keinen bequemeren kunden finden, dann Alexandrum den sechsten, der .. Borgia hiesz. bien. 1588 242ᵇ (kunde nicht bei Marnix 236ᵇ);
den seraphinischen kunden,
Franciscum mit dem seil gbunden.
ders. S. Domin. A 3ᵇ;
Planus ist ein tapfrer kunde, gegen abend in dem schaten.
Logau 3, 3, 72.
von wunderlichen menschen: es war vor zeiten ein fuhrmann Hans Pfriem genant, ein seltzam alter kunde, der seines kopfs war. Hayneccius Hans Pfriem vorr.; auf ein zeit ist ein wunderlicher kund gewesen, der viel und mancherlei kurzweil .. getrieben hat. wegkürzer 16.
b)
ausdrücklich tadelnd, stärker oder schwächer wie kerl eben auch: seh, seh, mein leidiger kund. Garg. 83ᵃ (142); solchen vergönstigen, eigennutzigen und vor kunst aufgeblasenen kunden. ehz. 408; mit unflätigen, gailen und unzüchtigen kunden. 418; sagt her, ihr nasweise kunden, welche das ehebett für heilig halten und es doch für kein sacrament wolt erkennen. bien. 7ᵇ; so musz man in Scoto oder Thoma von Aquino .. und andern dergleichen verromanisirten kunden suchen. 83ᵃ (1588 89ᵇ);
o ich bin ein leichtfertigr kundt.
Ayrer 45ᵈ (242, 20);
was für ein losen kunden.
160ᵈ (800, 23);
der schlimme kund. Simpl. 2, 125 (3, 19 Kz.);
welches höllenkindes fund,
welcher kund
hat das eisen lehren tödten.
Sig. v. Birken Margenis 153;
mir schaudert vor dem garstigen kunden (Mephistopheles).
Göthe 41, 280.
c)
noch jetzt landsch., z. b. im Rheinlande (daher bei Göthe): kunde, gewöhnlich kunne, konne pfiffiger kerl, loser schalk Kehrein Nass. 1, 251, in Coblenz konne 'durchtriebener gast' Wegeler 27, daher selbst für gauner (vgl. kundensprache); siebenb. z. b. e maschinês kont, ein sehr groszer kerl ('maschinöser') Fromm. 5, 31; die form mit o schon im 16. jh. md. (s. 2), im folg. wol rhein. (vgl. u. kündig I, b):
aber ein gottlosen knecht
und faulen konden will er nicht.
Episcopius (Bischoff) com. vom schalkh. knecht 32ᵇ.
auch im östl. mitteld., z. b. sächs. das ist mir der rechte kunde, d. h. dem ist nicht zu trauen. schweiz. mit gelehrter endung, wie pfifficus u. ä. (vgl. kühlität): er gieng zu einem vieharzt, der war ein schlauer kundius. Gotthelf 3, 192; seines gegners rechtskundius. 276, zugleich an rechtskundig angelehnt. ostfries. demin. kundje Stürenb. 128ᵇ.
4)
merkwürdig in bed. 2 als fem.: und um das getränk schärfer zu machen, mischte man thränen der huren darunter, die aus hunger so lange weinen, bis eine kunde kommt. Klinger Fausts leben, thaten u. höllenfahrt (1799) 26. so sächs., thür., z. b. er ist meine beste kunde sagt ein kaufmann, während umgekehrt auch frauen von sich sagen ich bin sein bester kunde. schon Ludwig teutsch-engl. lex. Lpz. 1716 sp. 1086 setzt es unter die kunde als 2. bed., in den beisp. nur im pl., wie ein laden der viele kunden hat, und Schmotther 2, 392 gibt es ausdrücklich als fem. Die häufige erscheinung, dasz man nhd. aus einem m. oder n. plur., wenn das gefühl des geschlechts verloren gieng, ein femin. sing. entnahm (selbst neuerdings noch eine studie!), will hier nicht ausreichen zur erklärung, da der sing. im masc. daneben fort besteht. es wird das abstractum die kunde (s. d. 3, b) gleich kundschaft sein, concret gebraucht wie bekanntschaft, gesellschaft, herschaft u. a. ähnlich heiszt franz. la pratique der kunde, eigentlich kundschaft, praxis.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2620, Z. 35.

kunde, f.

kunde, f.
notitia, scientia.
1)
mhd. hiesz es künde f., kenntnis, wissen, bekanntschaft mit etwas oder mit einem, d. h. ganz geläufiges subst. zu kunt bekannt; ahd. chundî, zu entnehmen aus unchundî Graff 4, 419 (ags. cŷđ f. Ettm. 377). daneben mhd. ohne ausgedrückten umlaut kunde. ebenso mnd. kunde, bekanntschaft (Hoffm. Theoph. s. 67ᵃ):
darna so sette dinen mot,
dat du alle lude to vrunde
holdest, der du hebbest kunde.
Zarnckes deutscher Cato s. 159,
mit denen du etwa bekannt bist. nl. konde notitia Kil., jetzt kunde. Auch nd. noch in resten wie mhd., haupts. in der wendung he is mi ût der kunde kamen, ich kenne ihn nicht mehr Brem. wb. 2, 896, Dähnert 262ᵃ, götting. ût der kunne komen, wassen (wachsen), auch in de kunne nömen (nehmen) im gedächtnis behalten Schambach 116ᵇ. merkw. auch dän. kynde neben kyndighed kenntnis, also dem mhd. künde entsprechend, wie kynd adj. gleich mhd. künde adj. (s. kund I, c). altschwed. kunna Rietz 365ᵃ.
2)
das nhd. wort hat eine eigene geschichte.
a)
dasz es nicht die unmittelbare fortsetzung des mhd. wortes ist, zeigt der mangelnde umlaut, künde musz ganz ausgestorben gewesen sein (ist das dän. u. 1 eine spur davon?); es fehlt im 16. jh., verdrängt und vertreten haupts. durch kundschaft. auch ist es der oberd. und md. volkssprache durchaus fremd. Erst am ende des 17. jh. bei Stieler 951. 1233 taucht auf kunde notitia, geschichtkunde historia, erden- sive weltkunde geographia, gesichtkunde physiognomia, naturkunde physica, sternkunde astronomia, weltweisheitkunde philosophia (noch bei Schottel 446 ff. nur sternkunst, sittenkunst ethica, u. dgl.); man sieht dem die gelehrte mache an, es musz die schöpfung einer sprachgesellschaft sein zum ersatz der lat. wörter, wahrsch. der fruchtbringenden gesellschaft, deren mitglied Stieler war (vgl. Steinbach 1, vorr. **3ᵇ). den anhalt bot das erhaltene nd. kunde, das auch in md. mundarten sich noch finden mochte, wie es auch die gerichtssprache bewahrt hatte (sp. 2624). Es fehlt denn auch wieder bei Rädlein, M. Kramer 1719, Ludwig, Aler, Kirsch, Schmotther, selbst bei Steinbach, der den Stieler benutzte. erst bei Frisch 1, 556ᵃ wieder „kunde, f. im Niderteutschen notitia (belg. konde), wird von andern auch im Hochteutschen gebraucht, als geschichtskunde, historia, von einigen aber nicht ohne nachafferey unmäszig“ (er bringt auch mnd. unkunde bei). es war also inzwischen eingenistet, und nun wimmelt es von bezeichnungen der wissenschaften, wie bei Stieler, z. b. alterthumskunde archäologie, wappenkunde heraldik, völkerkunde ethnographie, geschlechtskunde genealogie ( Adelung), pflanzen- oder kräuterkunde botanik, heilkunde, arzneikunde, rechtskunde, bücherkunde (Less. 11, 529), himmelskunde, die zwar an keiner stelle die lat. namen verdrängen konnten, aber doch im höheren wie im volksmäszigen stil eingebürgert und unentbehrlich sind, zumal für bezeichnung neuer fächer der wissenschaft wie sagenkunde, volkskunde, heimatskunde, und da sie zum theil hand in hand gehn mit -kundig, z. b. rechtskundig, s. auch kündiger, z. b. kräuterkündiger. nach hd. einflusse auch nl., z. b. geschiedkunde, geneeskunde, bouwkunde, während die Dänen und Schweden z. b. bogkundskab, bokkundskap bücherkunde, oldkyndighed, naturkunnighet fortführen.
b)
auch kunde allein, seit dem 18. jh. als alt und voll klingendes wort gepflegt: ich habe keine kunde davon, kenntnis. Adelung;
ihre (der barden) lieder, die auf allen zungen
damals schwebten, hat die zeit verschlungen,
ihre namen — einst in jedem munde —
täuschen die kunde.
Gökingk 3, 106,
entgehen dem wissen der gegenwart, sind der wissenschaft verloren, denn die begriffe wissen des einzelnen und wissenschaft als ganzes für sich verflieszen darin;
die kunde der vorzeit lehrt es.
ders. 2, 128;
die kunde der vergangenheit.
Gotter 1, 240, kenntnis;
Chromis führte die Myser, und Ennomos, kundig der vögel.
aber die kunde der vögel entrisz ihn dem schwarzen geschick nicht.
Bürger Il. 2, 859;
solche unschätzbare erweiterungen erhielt die kunde der alten denkmale durch unsers Winckelmanns bemühungen. Göthe 37, 75; kunde der alterthümer. 67;
und wie der erfindende sohn des Zeus
auf des schildes einfachem runde
die erde, das meer und den sternenkreis
gebildet mit göttlicher kunde.
Schiller 51ᵃ (vier weltalter).
auch zusammens., wie liederkunde Bürger Il. 2, 595.
c)
ferner sichere nachricht (s. kund II, 2, a) von einem einzelnen geschehen, veranlaszt durch die nähe von verkünden und kund bekannt, wie es scheint später als die vorige bed. von schriftstellern aufgebracht:
wanderer, kommst du nach Sparta, gib kunde dorten, du habest
uns hier liegen gesehn, wie das gesetz es befahl.
Schiller spazierg., nach urspr. lesart, später verkündige;
noch fehlt uns kunde, was in Unterwalden
und Schwytz geschehen.
547ᵇ (Tell 5, 1);
wie bringen wir uns sichre kunde zu?
524ᵇ (1, 4);
zu deinem ohr die freudenkunde tragen.
das.;
des boten harr ich stündlich,
der mir die kunde bringt von ihrem anzug.
490ᵃ;
drei worte nenn ich euch inhaltsschwer ...
das herz nur gibt davon kunde.
88ᵃ, zugleich zu b.
so weit ist das wort nun auch der höhern prosa eigen.
d)
folgendes sind versuche, den gebrauch weiter zu bilden, die keinen eingang gefunden haben. kunde nachricht mit gen. für über oder von (s. kundschaft II, 2 mit gen.):
dasz er ... um kund' ihn fragte des langabwesenden vaters.
Voss Odyssee 1, 135,
in der ursprünglichen fassung mit kundschaft von ...:
und er um kundschaft ihn von seinem vater befragte.
auch mit gen. des subjects, kunde als kenntnis:
rückten mich so aus der kunde der welt die olympischen götter.
Voss Odyssee 20, 79,
urspr. führten aus der kunde der menschen (ἀϊστώσειαν). Auch für fertigkeit, kunst, erfahrung:
oder feigheit der männer und mangel an kunde des krieges?
Bürger Il. 2, 368 (Voss kriegserfahrung);
ha, du prahltest ja sonst, den kriegesheld Menelaos
übertreffest du weit an kraft und kunde der lanze.
3, 431,
wie die lanzenkundigen Troer 2, 152, rossekundig 3, 185, vgl. lanzenvermögen 2, 530.
e)
auch den plur. hat man versucht, ohne ihn gangbar zu machen: von nun an wurden die fränkischen kunden von den unterrichteten der zeit .. zu gröszeren compositionen vereinigt. Uhland schr. 4, 358 (über das altfranz. epos); durch bildung eines umfassenden kreises vaterländischer kunden. 329; Richard Ohnefurcht .. erinnert an die deutschen kunden von Heinrich dem Löwen. 370; zwei solcher kunden aus dieser reimchronik stehen .. von mir übersetzt u. s. w. 368 anm. 2, also kunde als einzelne epische überlieferung, heldenlied dem inhalt nach. ähnlich folg.:
sie sind nicht gestorben,
als sie den tod gefunden:
sie haben im tod erworben
des ruhmes ewige kunden.
Rückert poet. werke 1, 214 (die neuen Schweizer);
so neigt euch meinen kunden zu
und kehrt zum besten meine mähren.
11, 310 (12. mak.).
3)
ununterbrochene überlieferung liegt doch auch vor im folg., nach dem mangelnden umlaut aus nd. oder md. quelle.
a)
kunde, kennzeichen woran man das alter der pferde erkennt, z. b. am hufe, bes. an den zähnen der sog. kern, s. z. b. Wentz das pferd und seine äuszern theile Carlsr. 1865; falsche kunden, von betrüglichen rosshändlern an den zähnen gemacht Krünitz 55, 65. so nd.: dat pêrd is ût der kunde, wenn man an den zähnen nicht mehr sehen kann wie alt es ist Brem. wb. 2, 896, also die begriffe erkennung (genauer erkennbarkeit) und kennzeichen verflieszend. mhd. künde, kunde kennzeichen s. wb. 1, 813ᵇ.
b)
gleich kundschaft, bekanntschaft gibt Stieler 951 kunde, usus, consuetudo, commercium; auch Ludwig 1086, mit beisp.: ehe ich in die kunde gerathe, before I get acquainted; s. kunde m. 1 und 2, besonders aber 4 (die kunde gleich der kunde). mhd. künde galt auch von dem lebenskreise, in dem einer erwachsen ist, heimat, und noch enger von der verwandtschaft; das zeigt ze künde sagen, rechenen u. ä. von zweien die ihre verwandtschaft ausrechnen (s. Bech Germ. 8, 471), was sich denn mit künne geschlecht berührt (chunnizalari genealogus Haupt 10, 369, vgl. Graff 4, 443), s. weiter davon kundschaft II, 1.
c)
endlich rechtlich gleich zeugnis: kunde, ex certa notitia prolatum testimonium Haltaus 1142, mit belegen aus dem 15. 16 jh., wissentliche kunde, ware kond sagen (md.), bericht und kund geben, wechselnd mit kundschaft, auch scheffenkunde 1644; Scherz 842 belegt in die kund gehen, sich in die kund fügen (verfügen), se conferre ad testes audiendos, ganz wie in die kundschaft. dazu kundleute, kundbriefe, bekunden bezeugen, auch urkunde gehört dazu. Aber darin steckt nachwirkung eines anderen wortes: kunde m. zeuge, eig. künde, s. sp. 2620; doch musz es früh mit kunde kenntnis verflossen sein, wie das begriff und form an die hand gaben. auch von den zeugen selber lebende kunde, im gegensatz zu schriftlichem zeugnisse: wenn einer einen lehrknecht wil aufnemen, derselbige knecht (lehrling) sol ... lebende kunde in der meilen (bannmeile) brengen, das er elich und redlich geboren sei. Haltaus 1147, 16. jh., aus Penig in Sachsen. vgl. unter kunde zeuge sp. 2620 und kundschaft II, 4.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2622, Z. 28.

kunde, künde

kunde, künde,
neutr., kundschaft, zeugnis, s. unterkundmann 5, d.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2624, Z. 36.

kunden

kunden,
1) kund machen, wie künden, s. d. 1, vgl. kunder. 2) kund werden, verlauten, bei Campe als neugebildet, mit einem gemachten beispiele von Wolke: es kundete schon gestern, der krieg sei erklärt. mhd. bestand es wirklich, s. wb. 1, 815ᵇ, ahd. chuntôn innotescere Graff 4, 421, vgl. 424 und 'innotuit kikhunthit' Hattemer 1, 182ᵇ (ags. cûđian innotescere Ettm. 377).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2624, Z. 53.

künden, kunden

künden, kunden
für können, s. d. I, 4, a.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2624, Z. 59.

künden, kunden

künden, kunden,
kund thun, mhd. künden, kunden, praet. kunte, kunde, part. gekunt neben gekündet; ahd. chundian, chundan, praet. chundita und chunta, kundta Graff 4, 420 ff.; alts. cûđian, in den ps. aber cundan, ags. cŷđan, altn. kynna; mnd. kunden, mnl. conden, dän. kynde.
1)
kunden, mit fehlendem oder nicht ausgedrücktem umlaute: wir Albrecht .. von godis genadin ein romisch kuninc .. kundin unde virjen (verjehen) allen u. s. w. Höfers auswahl d. urk. 55, v. j. 1299, md., wie sonst kund thun, s. kund II, 3, b; im 15. jh. kunden notificare Dief. 383ᵇ, nunciare 385ᵇ, intimare 305ᶜ, indicere 294ᵇ, häufiger doch schon verkunden, verkünden oder kundigen (auch erkünden, s. Scherz 345, ahd. archundian demonstrare Graff 4, 424);
ir hern, ich kund die stunt der nacht.
fastn. sp. 793, 24;
hett Jonas worheit gkundt by zyt,
der visch hett in verschlucket nyt.
Brant narr. 104, 19,
diesz richtig umlautlos, das mhd. gekunt. dasz dem umlaute oft nur die bezeichnung fehlt, zeigt z. b. folg.:
wen wir heut nit frölich fünden,
den wollen wir pis suntag inn pan kunden.
fastn. sp. 678, 36. 734, 35,
wie mhd.: dar nâch chunt man in ze Pehaim in den pan. Germ. 12, 74, künden zugleich vom ausrufen des herolds (vgl. kunder).
2)
nhd. künden.
a)
es fehlt in den wbb. bis auf Campe, der es an der hand einer stelle von Voss ins wb. einführte:
trauriger ruf und kummer des volks und thränen der diener
kündeten jetzt der mutter den plötzlichen jammer des hauses.
noch Adelung nennt es, mit kündigen zusammen, nur als alt und in unklarer weise, Frisch gar nicht, obwol abkünden, ankünden, aufkünden (oder -kündigen) 1, 556ᵇ, wie schon Schönsl. h 4ᶜ abkünden, ankünden, auszkünden (für künden aber nur kund thuen). Erst gegen das 18. jh. haben es die dichter wieder in gang gebracht, vermutlich zuerst durch altdeutsche stellen veranlaszt, es war mhd. und ahd. in sehr entwickeltem gebrauche:
was kündest du für feste mir?
Göthe 40, 422 (Pandora);
der fackel flamme morgendlich dem stern voran
in vaterhänden aufgeschwungen kündest du
tag vor dem tage.
40, 381;
april ist dir im aug, der liebe lenz,
und thränen sind der regen die ihn künden.
Shakesp. Ant. u. Cleop. 3, 2;
kraft seiner vollmacht künd ichs aller welt.
kön. Lear 2, 1;
vergiszmeinnicht im namen schon sich kündet.
Uhland ged. (1847) 176;
Jehovah! dir künd ich auf ewig hohn.
Heine buch d. l. 69.
b)
es hatte sich aber auch landsch. erhalten, wenigstens schweiz.: sich künden, sich melden, bes. von spuk, wenn ein sterbender den verwandten oder freunden durch anzeichen seinen tod meldet, s. Stalder 2, 143, Fromm. 2, 483ᵇ, in Thüringen, Sachsen sich äugen, vgl. mhd. den tôt vor künden Megenb. 137, 11, urkünde ein solches vorzeichen, omen Gudr. 5, 3. Stalder nennt auch abkünden, ein capital, aufkünden, z. b. einen pacht, verkünden von der kanzel. das erste auch blosz künden (wie kündigen): er hatte von seinem gelde gekündet. Gotthelf 3, 276, einen theil seines verliehenen geldes dem schuldner aufgekündigt; ebenso dän. kynde en capital. s. dazu kündbar.
3)
in besonderer bedeutung.
a)
künden, kundschaft geben, zeugen. Schönsleder h 4ᵇ, also zu kunde m. zeuge sp. 2620, aber mit dem umlaute der diesem fehlt und eigentlich gebührt. s. auch kunde fem. 3, c, zeugnis, zeugenverhör. dazu, gleichfalls ohne den gebührenden umlaut, bekunden bezeugen, und 'testari, testificare, bezugen, erkunden' gemma Straszb. 1518 CC 2ᶜ. s. auch ahd. chundari testis Graff 4, 427, Hattemer 1, 185ᵇ.
b)
kunden, sciscitari Stieler 951, ebend. durchkunden percontari und erkunden explorare (er hat kein künden kund thun), letzteres reichlich belegt seit dem 16. jh., s. 3, 883 fg., wo denn auch der umlaut einzeln auftritt, der also J. Grimms tadel nicht verdient, vgl. erkündlich bei Luther. auch auskunden explorare Steinbach 1, 950, s. auch kundig II, 1, d. Es wird gleichfalls zu kunde zeuge, zeugnis gehören, eigentlich durch zeugen ermitteln, müszte demnach aus der rechtssprache stammen.
c)
bemerkenswert endlich erkunnen erkunden (fehlt oben 3, 885), s. sp. 1724 die belege. das ist freilich ein anderes, nur verwandtes wort; ahd. irchunnên, chunnên experiri, noscere Graff 4, 411 fg., alts. gikunnôn, ags. cunnian; aber ein späteres verflieszen mit erkunden wird wahrscheinlich durch verkunnen praedicare, verkünden Aventin bei Schm. 2, 311, durch kunnig gleich kundig (s. d. I, b), kunnigen gleich kundigen. zudem findet sich auch erkunnen für demonstrare, s. Schilter 3, 175ᵃ, eig. wol bezeugen, bekunden, zu a, erkunnet berühmt, s. Schmid schwäb. wb. 333.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2624, Z. 60.

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Zitationshilfe
„künde“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/k%C3%BCnde>, abgerufen am 09.05.2021.

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