Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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kunder, n.

kunder, n.
wunderliches ding u. ä., s.kunter.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2626, Z. 8.

kunter, kunder, n.

kunter, kunder, n.
ungethüm u. ä., ein mhd. häufiges wort, das noch im 16. jh. galt, im bair. gebiete noch jetzt.
1,
a)
zur form ist zu erinnern, dasz nicht kunder das echte ist, wie die wbb. und die herausgeber oft ohne not und gegen die hss. ansetzen. kunter oder chunter steht z. b. Rol. 223, 22 (im wb. ohne weiteres in kunder umgeschrieben), Serv. 1954 (ebenso), Berth. 478, 24 Pf., auch 303 Kl.; in hss., von den herausg. geändert, Thom. welsch. gast 13293 (in A, s. Grimm R. Fuchs s. 384), Veld. En. 168, 34. 39; s. auch kunterlîn oder künterlîn Renner 19969, Lexer 1, 1773, alem. könterlî lieders. 3, 128, und aus dem Tund. kunter bei Scherz 846, aus dem Teichner bei Schm. 2, 312, wo auch aus Aventin kunther (s. 2, a), wie u. 2, e, β in den fastnachtsp., trotz des reims auf wunder. kunder ist erweichung und war zum reim auf wunder u. ä. willkommen.
b)
ahd. ist chuntar anzunehmen, vgl. bei Schm.² 1, 1265 chuntere dînem, gregi tuo. es ist aber auszer dem hd. nicht zu finden, wenn nicht das erscheinen des wortes bei Veldeke für nrh. bestand zeugt; aber auch md. zeugnisse fehlen sonst, da das eine bei Albr. v. Halb. (s. Lexer) nicht zuverlässig ist. doch s. aus dem altn. unter 3, a.
c)
nebenform konter, s. Aventins zweite stelle u. 2, a, schwäb. contersweg 2, c a. e., alem. könterlî 2, e, α, es ist wie kond für kund u. a.
2)
die bedeutung ist sehr manigfaltig.
a)
ungethüm, ungeheuer, monstrum, mhd. die häufigste bed., erscheint noch im 16. jh., bildlich von menschen: Gordianum .. haben wir (die Römer) .. für einen .. keiser angenommen .. zu wehren dem übel und zu strafen das jenige grauwsame kunther (kaiser Maximinus). Aventinus chron. 221ᵃ, vgl. wildes thier und kummer von dems. 220ᵇ; er (pabst Johannes XXII.) underwindt sich auch des keiserthumbs, wil ein wilds konther geistlich und weltlich mit einander sein .. 493ᵇ, aus einem ausschreiben kaiser Ludwigs des Baiern verdeutscht. von alten bösen weibern:
ach der scheuzlichen schnöden kunder.
H. Sachs 3, 3, 14 (1560).
so schon mhd. als scheltwort, s. die wbb., und noch in Kärnten, von bösen kindern (du kunter du!) und bösen menschen überhaupt, s. Lexer 169.
b)
das wilde kunter bei Aventin stimmt recht zu dem begriffe und wird alt überliefert sein (vgl. u. c). ebenso im fastnachtspiel von Salomon und Markolf, wo einmal drei bauern ein durcheinander von lachen, wehschreien und singen aufführen, da drückt ein vierter sich über diesen höllenlärm so aus:
hort, lieben freund (die zuschauer), hie dises wunder!
wer sach und hort ie wilder kunder?
der lacht, der greint, der dritt der hennt,
hat euch der teufel all auf gelennt?
fastn. 539, 3,
wo übrigens zu lesen ist aufgeleunt, d. i. eig. aufgethaut (s. das. 388, 19, oben 1, 687, weim. jahrb. 2, 117, dazu Schm. 2, 405 fg.) und heunt (s. Schm. 2, 202), d. h. 'winselt', als ärgerliche bezeichnung des singens (das vielleicht schon in der fistel geschah, wie noch im bair. gebirge die männer singen). das zeigt zugleich den begriff von einer andern seite, etwas ungeheures überhaupt, nicht blosz persönlich. und so schon mhd., z. b. sô maniger nœte kunder j. Tit. 3806, 4, etwas so ungeheures, unerhörtes von nöten.
c)
die persönlichen kunter aber waren unheimliche wesen, wie sie in wald und wildnis hausten, einerlei ob thiere (wie drachen, lindwürmer), riesen, zwerge, geister oder was sonst (vgl. die stellen in den mhd. wbb.), namentlich durch wildes wundersames geschrei u. ä. vernehmbar. das klingt noch deutlich an in den worten des bauern vorhin von dem unerhörten terzett wer 'sach und hort' ie wilder kunder? ähnlich fastn. 327, 2 von einem wunderlichen getön auf einer wiese: darin hort ich ein kunter (so l.) singen u. s. w. ebenso wenn in der fabel von Baldewin dem esel, der lustig den wald mit seinem geschrei erfüllt, die erschreckten thiere aufgeben zu erkunden, waʒ kunders daʒ müge wesen (welsch. gast 13293), wenn Servatius im walde unheimliches getöse hört, indem da aller slahte kunterlich sîne wîse uobte (Haupt 5, 135); es sind aber zum theil teufelsstimmen, denn einer übertragung auf den teufel konnte ja der altheidnische begriff nicht entgehn. solche kunter standen in des teufels diensten:
daʒ die goukelære vor uns verswinden kunden sam ein kunder,
daʒ der bœse geist füert in dem rôre (vgl. Walth. 33, 8).
jüng. Tit. 2408,
vgl. das. 2668 der tiuvel und al sîn kunder ist hie ze hûse, über ein furchtbares schreien geäuszert, kunder zugleich mit einer neuen seite, collectivisch. wilde wege im gebirge hieszen und heiszen noch gern der kunterweg, s. Schm. 4, 44, neue ausg. 1, 1265, gewiss aus heidnischer zeit her, weg den menschen meiden sollen, der dem kunter gehört; auch kuntersweg:
den contersweg send si gefaren,
do ists ein wilds gefert.
Fabers pilgerbuch (Schmid schwäb. wb. 181).
noch tirol. kunter unheimlich wesen Fromm. 3, 19.
d)
allerdings auch vieh, thier, ja wesen überhaupt.
α)
von vieh schon in dem alten chunter grex u. 1, b, zugleich schon collectivisch, wie unter c des teufels kunder. und so noch tirol., z. b. in einem hirtenreim:
wenn dsunna geat untar, do laszn miars sei,
und doan unsar kuntar in dstallalan ei.
Schöpf 353.
sonst auch kuntervieh, haupts. ziegen und schafe Schm.² 1, 1265 (mhd. kunter von den lämmern Helmbr. 144), doch auch 'kunter vieh, hornvieh' tirol. Fromm. 4, 55, dazu kunterbue der hirtenbub Lexer 169. merkwürdig ostpreusz. kunter ein kleines bauernpferd Hennig 139.
β)
aber auch noch von schädlichem gethier. wieder auch als coll. kundter ungeziefer Schm.² 1, 1265, gleichfalls schon mhd., z. b. steirisch bei Ottokar. von einzelnen thieren kärnt., 'ein wildes böswilliges thier', in einem thale heiszt der wolf das kunter, in einem andorn der iltis (Lexer 169), tir. im Pusterthale die werre, gryllotalpa Fromm. 4, 55; auch verstärkt unkunter, vom wolfe in Kärnten, schon mhd. unkunter unthier u. ä. der wolf ist wol auch gemeint in der äuszerung eines bair. viehdoctors bei Schmeller: man kennts auch gleich, ob der bisz (in das euter einer kuh) vom kundter oder von geistern ist, 'das kunter' als das eine 'böse thier' das der hirt zu fürchten hat.
γ)
dagegen wieder auch 'jedes thier, auch im guten, gewöhnlichen sinne' tirol. Fromm. 6, 305, und so gleichfalls schon mhd., z. b. ein nacket kunter, daʒ dâ vische heizet Berth. 478, 24, also collect., wie in Wernhers Maria 102 (s. 157 Feif.) nach allerlei genannten thieren zusammenfassend unde alleʒ daʒ chunder, des u. s. w.; doch wieder auch vom einzelnen, z. b. kleiniu kunder von füchsen, hasen u. dgl. Erec 7147;
der krebeʒ iʒt gern diu kunterlîn,
diu in den waʒʒermuscheln sîn.
Renner 19969.
Selbst für wesen überhaupt, den menschen nicht ausgeschlossen, z. b. beim Teichner, der von der liebe spricht, diu alle kunder twingt s. 60 Kar., der mensch anders niht dann endriu kunter. ders. b. Schm., vgl. die bezeichnung der fabelzeit dô ein ieglîche kunder sprach Haupt 7, 336, als alle geschöpfe redeten. dieses umspringen der bed. von bös auf gut, auch vom einzelnen auf die gesamtheit ist merkwürdig genug, es fehlen uns mittelglieder, um es genügend zu begreifen.
e)
aber noch anders war das merkwürdige wort angewandt.
α)
vom membrum virile:
davon so ist kein wunder,
ob ein narr hab ein grosz (gröszer) kunder
dann ein ander man,
die narren tragen selten pruoch (hosen) an.
fastn. sp. 124, 20.
und ebenso vom weiblichen: daz er .. an ir kunderlein graif. Neidh. 184, 14 nach der hs. (alem. 15. jh., war zu ändern unnötig); im 14. jh., gleichfalls alem., cönterlî so Laszb. lieders. 3, 128, 65. das ist aber ein verhüllendes witzwort, es enthält eigentlich kunte (s. d.) gleicher bed., auf kunter umgedeutet.
β)
gleichfalls witzig verhüllend von einem ungeheuren cacatum:
nu hort hie und merkt das wunder,
wie ausgeschloffen ist ein kunter.
fastn. sp. 211, 5;
trett auch herzu und nempt sein war,
wem dieses kunter geleichen möcht.
211, 12;
nu sitzt all nider und betracht,
warzu das kunter werd geacht.
212, 4, auch 214, 7. 28. 215, 8,
das ausgeschloffen bringt die vorstellung eines thieres mit, das nach der zweiten stelle als ein wesen unerhörter art behandelt wird, als ein 'monstrum'.
γ)
es war offenbar ein beliebtes kraftwort, die ja in ihrer entwickelung oft wunderliche wege nehmen. aber der begriffskern bleibt der des unheimlichen wesens. auf vieh mag es von hirten zuerst im ärger angewandt sein, wie Höfer 2, 182 als rede von Tirolern beibringt: 'ich hätte wol einen gämsen, einen hirschen gesehen, aber das kunter da ist mir wieder entwischet, als ein ausdruck des unwillens'.
3)
bei der frage nach dem ursprung bietet das altn. hilfe.
a)
da stimmt zu kunter in bed. und form genau genug kynstr n., isl. res insolita (auch kynsl n.) Biörn 1, 485ᵃ, altn. portentum, insolitum quid Egilss. 489ᵇ, strange, prodigious things Vigf. 366ᵇ, es erscheint nämlich nur noch als pl., z. b. kynstra sôtt morbus insolitus, arte magica effectus. die kynstr werden eig. unheimliche wesen sein, geisterhaft oder nicht, denen man besonders plötzliche oder unbegreifliche krankheiten oder todesfälle zuschrieb (vgl. krampf II, 1, b sp. 2011). eine nebenform ist konstr n. pl., z. b. andaz med konstrum Egilss. 473ᵇ, sterben durch die konstr. dabei wird aber an zauberei gedacht, Fritzner 362ᵃ gibt konstr n. als kluges mittel überhaupt, es ist darin eine mischung mit dem von uns entlehnten konst für kunst Vigf. 350ᵇ (sp. 2666 nachzutr.); daher noch schwed. dial. konstra zaubern Rietz 346ᵃ.
b)
diesz kynstr und unser kunter weisen auf eine bildung mit dem wechselnden gleichbed. -star und -tar, jenes z. b. in kleister, laster, galster, dieses in halfter, klafter (s. mehr u. klafter 3, d, kleister 1, a). freilich sollte man nach -n auch bei uns -star erwarten, wie es in klenster gleich kleister (sp. 1134) erscheint; aber das s ist der bildung nicht wesentlich, wie im griech., und gleich gebildet scheint ahd. wuntar wunder, wol zu goth. vunan.
c)
da jenes -star meist ein mittel bezeichnet, musz man für die stammsilbe nach einem verbum suchen. dazu bietet sich dem klange nach altn. kynna melden, lehren, zeigen Egilss. 489ᵃ, bei uns kunnen nunciare, erkunnen demonstrare (sp. 2665), das dann älter sein müszte als die zeugnisse. chuntar, kynstr ist dann wesentlich gleich lat. monstrum, d. i. ein portentum, quo monentur homines a diis immortalibus. auch bei uns könnte es urspr. ein gott sein, von dem das chuntar kam als mahnung, warnung, zeichen, in der christlichen zeit dann zu einer unheimlichen erscheinung geworden. dazu gehört auch, aber merkwürdig in seiner einfachen gestaltung, altn. kyn n. wunder, unbegreifliches ding oder erscheinung, s. Vigf. 366ᵃ, Egilss. 488ᵇ, mit kynstr vielfach genau stimmend, z. b. kynja sôtt gleich kynstra sôtt unter a, međ kynjum auf wunderbare weise, wie med konstrum; kynja menn sind kobolde, elfen u. ä. (Vigf., vgl.kynstramađr 367ᵃ). es ist als wäre davon erst kynna gemacht, wie monstrare von monstrum.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2741, Z. 56.

kunder, m.

kunder, m.
brauchte Bürger in seiner Homerübersetzung für κήρυξ, ἄγγελος, z. b.:
und nun liesz er durch kunder von lauterschallenden stimmen
zur versammlung berufen die hauptumlockten Achaier.
Il. 2, 50;
neun laut rufende kunder geboten den lärmenden stille.
2, 97,
vgl. seine anm. zu 3, 21, 'alte wörter, wie kunder für herold' (verm. schr. 1797 1, 335); er konnte es aus Frisch haben, der 1, 556ᵃ kunder praeco beibringt aus Speners alter bibelübersetzung 1 reg. 22, 36, vergl. preco verkunder Dief. 452ᶜ. schon ahd. chundari angelus, index, interpres Graff 4, 427, kunthari testis Hatt. 1, 185ᵇ, ags. cŷđer nuncius, testis Ettm. 377. die mhd. nhd. form wäre aber künder. vgl.künden 1 am ende.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2625, Z. 75.

künder, m.

künder, m.
subst. zu künden, nicht gebräuchlich, vgl.kunder. zu kunden erforschen (s.künden 3, b) herzenskünder, wie sonst herzenskündiger:
mein sohn, sei überzeugt, es gibt noch herzenskünder,
und gott allein nicht sieht ins innre jedem sünder.
Rückert weish. d. br. 153 (5, 68).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2626, Z. 9.

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s t u v w x y z -
körperreich
Zitationshilfe
„künder“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/k%C3%BCnder>, abgerufen am 15.08.2020.

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