Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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königlein, n.

königlein, n.
regulus, mhd. künegelîn, küneglîn, küngelîn wb. 1, 913, kungelîn Jeroschin.
1)
eigentlich:
dô woltens alle künegelîn
und hêrren von in selben sîn.
Trist. 12, 39;
kungel voc. inc. teut. o 1ᵃ; königlein, kleiner oder schlechter könig. Stieler 1009;
hier sehet her, hier liegt euch ein exempel,
ihr Yvetoter königlein.
Seume;
wie manches königlein im purpur.
Tiedge.
2)
der zaunkönig, schon ahd. einmal kunichli regulus Graff 4, 447, mhd. küngelîn, kuniclîn, kuningil, kunglî u. a. (s. wb. 1, 913ᵇ, Haupt 9, 391), nl. koningsken Kilian, nnl. koningje, schon gr. βασιλίσκος, d. i. königlein. in vocab. des 15. jh. bei Dief. 413ᶜ chüniglein, chunigel, künglin, kungelin, kuniglein (voc. 1482 r 7ᵃ), koniglein, kongelin, kungel, mit mitteld. endung doppelt demin. kungelgin, kongelchin, paristulus, parisculus, patrisculus u. a., aber in einem rhein. voc. auch konelin, worin wol wieder das ahd. kuni könig auftaucht (s. könig I, d). im voc. inc. teut. o 1ᵃ kungel, petristus, rex avium dicta, bei Maaler 255ᵇ küngele, ochsenöugle, ein gar klein vögelin mit einem goldfarben fläcken auf dem kopf, ein streüszle, ein goldhendlin, regulus avis. ain künglin ist dʒ aller kleinest vögelin das man findt, und fleügt doch höher dann kain anderer vogel, es fleügt bisz an die sper (sphaera) hinauf. Keisersberg geistl. spinn. O 1ᵇ, s. dazu und über den grund des namens unter könig 13, e. noch bei Rädlein 555ᵇ königlein, schneeköniglein, mausköniglein, rè degli uccelli, es lebt noch in südl. mundarten, s. z. b. Frommann 6, 333.
3)
eigen im voc. inc. teut. o 1ᵃ kungel, salemon, paristullus, miapo, quoddam animal; salemon, salomon Dief. 508ᵃ ist das hermelin, das kungel scheint daher vermischung mit dem folg.; kuniglein, regalus oder slangenkunig voc. 1482 r 7ᵇ meint wol den basilisken, s. unterkönig 13, c.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1705, Z. 23.

königlein, n.

königlein, n.
cuniculus, kaninchen.
1)
es hat mit könig nichts zu schaffen, sondern stammt offenbar von dem lat. cuniculus her (s. u. 2). aber es ist eben so offenbar an könig, königlein angelehnt worden (und zwar nicht bei uns nur, s. b), wobei gewiss der unter könig 13 besprochene begriff irgendwie mitwirkte. der name könighase liesze vermuten, das kaninchen sei als könig des hasengeschlechtes angesehen worden.
a)
die vermischung mit dem vorigen ist schon mhd. (im wb. fehlend), wahrscheinlich älter:
dar quam der luhs und daʒ rêch,
beide daʒ küneclîn und daʒ vêch.
Reinh. 1342.
in den voc. des 15. 16. jh. bei Dief. ganz wie das dem. von könig: cuniculus, kuniglin, kunglin, künglin, küniglein, bei Dasyp. küniglin 46ᵈ, küngle 370ᵃ, bei Schönsl. f 6ᶜ königle:
unden die hasen hupften rum,
der königlin ein grosze sum.
G. Wickram bilger F 3;
als königlein, eichhorn und häslein (auf der wiese),
die sprangen darauf in dem gräslein.
H. Sachs 1, 365ᶜ (1590);
zog .. hinaus, königlin mit stricken und netzen zufangen. Garg. 171ᵃ (Sch. 313), dagegen künicklinhaar 77ᵃ;
igell und königlein auf ganz widrige weis
sich tief under dem grund der steinklüften verbergen.
Weckherlin 225, ps. 104, 22.
königlein
Hohberg 1, 64
und noch Kirsch 1, 309ᵃ, Rädlein 555ᵇ, Denzler; auch indianische küniglein, meerschweinchen Frisch 1, 556ᶜ. bair. 17. jh. königl Albertinus schaupl. 299. noch els., schweiz. küngeli Stalder 2, 143, chöngeli Tobler 116ᵃ, wie bei Maaler 255ᵇ küngele.
b)
aber auch auszerdeutsch. zwar altengl. coning, cunyng kaninchen (nach franz. conin) ist von king könig getrennt und erinnert nur an ags. cyning könig, wie isl. kúnúngr cuniculus Biörn 1, 482ᵃ an konungr. aber auch böhm. heiszt das thier králík, poln. królik, litt. kralikkas, sloven. kralíček, d. h. eben königlein, wie der zaunkönig dort auch heiszt; da musz denn wol deutscher einflusz vorliegen, vielleicht auch der glaube an ein königthum des thieres.
2)
andere formen aber treten dem cuniculus näher. am nächsten eine form von heute, kúnikel im östl. Thüringen (Ronneburg), sie liegt eig. auch in dem künicklin bei Fischart vor (s. vorhin); die wesentlichste änderung ist die zurückziehung des tones nach deutscher art, die doch in dem md. nd. kaníckel (sp. 162) unterblieben ist. gewöhnlich aber dem demin. von künig sich nähernd, sodasz der übertritt darein unvermeidlich war, kunigel, künigel, kungel Dief. 162ᶜ, mhd. küngel:
eichhorn, fühse, küngel, hasen,
fêchmarder, swîn wild unde zam.
leben der Maria Magd., Mones anz. 8, 486.
dann nd. kongel, md. kongelchin Dief. 162ᶜ.
3)
aber noch andere formen schlieszen sich hier am besten an.
a)
künlin cuniculus in einem Augsb. voc. v. 1468 Dief. n. gl. 124ᵃ, Dasypod. 46ᵈ, kuenlein voc. opt. Lpz. 1501 H ijᵇ, künele Maaler 255ᵇ, cünle Henisch 626. so noch fränk. künle, nürnb. verdeutlicht hasenkünlein Schm. 2, 307, wie denn noch Frisch 1, 556ᶜ künlein ansetzt.
b)
diesz mit eigner endung mhd. (alem.) chünol, cuniculus Mones anz. 8, 398, in Wackern. voc. opt. 44ᵃ cünolt, wie ein eigenname endend; es ist aus franz. connil, it. coniglio schwerlich zu begreifen. es muszte sich ein gefühl von kün als stammwort ausgebildet haben, und wirklich sprechen die kürschner von künrücken, künwammen (Frisch 1, 556ᶜ). diesz kün wird auf frz. conin, mnl. cunîn zurückgehn (wie kaninchen, s. d.), trifft aber seltsam wieder mit dem vermutlichen ahd. chuni könig zusammen, vgl. konelin zaunkönig sp. 1705 mitte.
c)
endlich külle cuniculus Dasyp. 370ᵃ (kylle 46ᵈ), aus künle durch angleichung, in einem Augsb. voc. v. 1516 kulli Dief. nov. gl. 124ᵃ, noch schwäb. külle n., küllhas Schmid 332, auch henneb. hasekülle n. Reinwald 1, 60. es ist wie mhd. küllinc aus künlinc, künnelinc verwandter.
4)
dazu als adj. mhd. künigelîn (von künigel): ist das mîn herre ze hofe rîtet, bedarf er des liutpriesters, sô sol er mit im rîten, und sol sîn gefasset (s. 3, 1341) ze fuchseme werke oder ze künigelîme ('kümgelnne') und nit niderer. weisth. 4, 125, elsäss., mit kaninchenpelz. hierher auch ain küngrügrin kürsen Ott Ruland 14, pelz von kaninchenrücken, wie kürsen küniglrückin (adj.) Schöpf 353 aus der tirol. landesordn. v. 1603. nach jenem küng-rügrîn musz man aber das thier auch kurz küng, künig genannt haben.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1705, Z. 57.

küniglein

küniglein,
s. die beiden königlein. für kaninchen noch im 17. jahrh.:
die hirsche, die bökke, die küniglein tanzen.
Rist Parn. 665 (frühlingslied).
fürstlicher durchleichtigkeit mundschneckendelber, künigleindelber. Fischart groszm. 49, die nach wilden kaninchen graben.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2653, Z. 12.

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Zitationshilfe
„küniglein“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/k%C3%BCniglein>, abgerufen am 09.05.2021.

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