Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

künstlein, n.

künstlein, n.
1)
wie künstchen, kunstgriff u. ähnl.: disz wort Pauli kan ein rhetorisch künstlin sin, das aber die götzenschirmer nit merkend. Zwingli antw. an Val. Compar M 4ᵇ (kan sin = ist, s. sp. 1740); das künstle künden auch fürbündig die kaufleüt. S. Frank last. d. tr. J ij;
doch will ich dir ein künstlein nennen,
dasz du das maul nit kanst verbrennen.
Scheit grob. L 4ᵃ;
deren alten wyberen hexische künstlin, da sy söliche ding (die empfängnis) an wyben und mannen fürdern und hindern könnend. Rüff trostb. 104ᵇ; bin ich von dem Apolline geliebt worden, dessen begierd ich mit vielfältigen künstlein vernichtet. Schuppius 744, von zauberkünsten, s. sp. 2677; teufelskünstlein Simpl. 1685 1, 603. ähnlich tausendkünstlein, zu tausendkünstler, eigentlich von bösen künsten; Reinicke erzählt, wie er dem raben den käse ablockt, von seinen gedanken:
solt er die malzeit friedlich halten,
das müst mein tausent künstlein walten.
Rollenhagen froschm. K 3ᵇ,
'da müszte doch der kukuk drin sitzen' o. ä. Noch bei Aler 1255ᵃ künstle articula, artificiolum.
2)
gleich kunst, liebkosend:
musica, künstlein schone,
menschliche freud und wonn ...
Hoffmann v. F., gesellschaftslieder 238.
aber auch verächtlich, geringschätzig gleich kunst:
begert nicht wider her in disen wüsten ort,
da gleisznerei und list, betrug und falsche wort
die maisten künstlein sein (die gröszten künste sind).
Rompler 138.
3)
schweiz. künstli, ofenkunst, s. sp. 2684.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2706, Z. 15.

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Zitationshilfe
„künstlein“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/k%C3%BCnstlein>, abgerufen am 10.05.2021.

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